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Regionalliga Süd, Saison 2010/11
Presse

"Katastrophe" - KSV-Vorstand Schönewolf zum Umgang mit Bauer

Kassel. Auch Dienstagmorgen war für Thorsten Bauer und seine Trainingsgruppe wieder Laufen angesagt. Als die Regionalliga-Fußballer des KSV Hessen Kassel längst ihre Mountainbike-Tour angetreten hatten, drehte der aussortierte Stürmer in der Kasseler Aue seine Runden.

Gemeinsam mit Michael Zepek und Kai Koitka unter der Anleitung von Nico Steffen aus dem KSV-Trainerstab. Beruhigt hat sich die Lage deswegen aber nicht – im Gegenteil.

In den Internet-Foren und in vielen Gesprächen auf der Straße wird der Umgang mit Bauer heftig kritisiert. Die Adressaten: KSV-Trainer Christian Hock und die Verantwortlichen des Vereins. Von denen sprach gestern Vorstandsmitglied Thorsten Schönewolf mit Bezug auf die Entwicklung der Personalie Bauer von einem großen Schaden für den Verein. Es sei eine Katastrophe, wie letztlich alles gelaufen sei. Dabei sei die Eskalation absehbar gewesen.

Nur: Warum hat sie dann keiner verhindert? Schönewolf selbst hat Hock angeblich auf die Folgen seines Handelns hingewiesen. Das Vorstandsmitglied hätte es lieber gesehen, wenn Bauer so lange mit der Mannschaft hätte trainieren dürfen, bis eine für alle tragbare Lösung gefunden ist.

Doch das sahen wohl nicht alle so. Schönewolfs Vorstandskollege Albrecht Striegel bezeichnet die Situation zwar ebenfalls als unbefriedigend, spricht aber auch von einer normalen und professionellen Vorgehensweise. Er verweist darauf, dass auch andere Vereine ausgemusterte Spieler gesondert trainieren lassen und fragt: „Sollen wir jetzt auch noch ein Sondertraining für Fußballgötter anbieten?“

Dass Bauer sich besondere Verdienste um den Verein erworben hat, betont auch Striegel. Deshalb habe der Verein dem Stürmer auch angeboten, in der Marketingabteilung zu arbeiten, für die Joe Gibbs als Externer zuständig ist. Das Angebot habe Bauer abgelehnt. Daher sei es nun zu der misslichen Situation gekommen, und Bauer muss fernab des Teams seine Runden drehen. Vorstandsmitglied Striegel dazu: „Ich glaube nicht, dass er das als Demütigung empfindet.“

Vorstandsmitglied Klaus Schüttler wollte keine Stellungnahme abgeben mit Verweis darauf, dass er für die Finanzen zuständig ist. Geschäftsführer Giuseppe Lepore weilt im Italien-Urlaub und war nicht zu erreichen.

Für den sechsköpfigen KSV-Aufsichtsrat erklärte der 2. Vorsitzende Jochen Gabriel: „Wir sammeln jetzt Stellungnahmen aller Betroffenen, werden dann kurzfristig eine Sitzung einberufen und dann eine Stellungnahme abgeben.“ Vorsitzender Dirk Lassen bestätigte das.

Und Trainer Christian Hock? Er soll angeblich gegenüber Fans gesagt haben, dass es vier Stürmer beim KSV gebe, die besser seien als Bauer – darunter Jugendspieler Patrick Herpe.

Von Florian Hagemann und Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 22.06.2011)

Kommentar zum Image-Schaden des KSV - Unter Zugzwang

Kassel. Thorsten Bauer hat für den KSV ausgedient. Die Konsequenzen, die diese Entscheidung nach sich zieht, sind besonders bei den Fans zu spüren. Ein Kommentar von Frank Ziemke, Sport-Ressort-Leiter der HNA.

Am Tag nach der Ausbootung von Thorsten Bauer beim KSV Hessen werden die Schäden für den Verein immer deutlicher. Die Fans prangern die Art des Umgangs mit ihrem langjährigen Idol massiv an, wenden sich ab von einem KSV, der sich derart kalt präsentiert. Einer der Sätze, die immer wieder fallen: „Das ist nicht mehr mein Verein.“ Vielleicht dämmert Christian Hock und Giuseppe Lepore langsam, welch eklatante Fehleinschätzung sie da getroffen haben.

Die Reaktionen des Vorstandes zeigen allerdings, dass nicht jeder erkannt hat, wie schief diese Sache gelaufen ist. Wenn Albrecht Striegel glaubt, im Zusammenhang mit Bauers Kaltstellung von „professionellem Handeln“ sprechen zu müssen, dann bleibt nur Kopfschütteln. Herrn Striegel sei da der Blick zu Borussia Dortmund und dessen Umgang mit Dede empfohlen. Das, Herr Striegel, war der professionelle Abschied von einem Spieler, mit dem die Anhänger sich identifizieren.

Was in Kassel derzeit passiert, ist dagegen einfach niveaulos. Und stolz kann der KSV nur noch darauf sein, dass seine Fans das erkennen.

Fernab von allen Emotionen bleibt aber auch festzustellen: Hock und Lepore haben sich mit ihrer Entscheidung massiv unter Zugzwang gesetzt - und das ausgerechnet in einer Phase, in der die Stimmung nach dem verpatzten Aufstieg eh mehr als schlecht war. Nun ist sie ohne jede Not explosiv geworden, weil sie beim KSV nicht in der Lage waren, einzuschätzen, wie wichtig die Rolle eines Idols ist, das über 20 Jahre die Knochen für seinen Verein hingehalten hat. Die Fans werden das so schnell nicht vergessen. Hock hat sich mit Bauers Ausbootung in dieser Art selbst zum Siegen verdammt.

Das ist genauso sicher wie der immense Imageschaden, den der KSV in diesen Tagen erlitten hat. Denn noch immer laufen drei Spieler mit bestehendem Vertrag, die sich nichts haben zu Schulden kommen lassen, ihre Extrarunden. Es bleibt der Eindruck eines Arbeitgebers, der seine Arbeitnehmer durch Strafe zur Aufgabe mobben will.

Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 22.06.2011)