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Regionalliga Süd, Saison 2010/11
Presse

KSV Hessen mustert Thorsten Bauer aus: "Weiß nicht, was ich dazu sagen soll"

Kassel. Keine Zukunft für Thorsten Bauer - von dieser Nachricht wurde am Montagvormittag der Trainingsauftakt beim Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel überlagert.

17 Spieler waren zum Laktattest im Auestadion erschienen. Der von den Fans als „Fußballgott“ gefeierte Stürmer war nicht dabei. Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte Trainer Christian Hock: „Bauer spielt in unseren sportlichen Planungen keine Rolle. Wir wissen um seine Verdienste, aber er passt nicht in das System, das wir spielen wollen.“

Damit aber nicht genug. Weil Bauer noch einen Vertrag für die kommende Saison besitzt, wurde er einer eigenen Trainingsgruppe mit Michael Zepek und Kai Koitka zugeteilt, die nun allein ihre Runden drehen muss. „Das machen sie jetzt jeden Tag“, erklärte Hock.

Bauer soll vom Verein ein Abschiedsspiel und eine Position im Marketing angeboten bekommen haben. Nach Auskunft von Hock habe er das aber abgelehnt.

Thorsten Bauer war die Enttäuschung und Frustration mehr als deutlich anzumerken. Zwischen zwei „Sondertrainings-Einheiten“ - am Vormittag musste er unter Anleitung von Co-Trainer Christoph Keim in der Aue Runden drehen - erklärte er zunächst: „Ich weiß ehrlich gesagt derzeit nicht, was ich zu all dem sagen soll.“

Deutlich ist die Sorge zu spüren, nun vielleicht auch noch falsche Worten vorgehalten zu bekommen - es geht hier natürlich auch um einen Vertrag. Schließlich sagt Bauer nach reiflicher Überlegung folgende Sätze: „Ich weiß seit kurz vor Ende der Saison, dass ich hier sportlich keine Rolle mehr spielen soll. Ich hätte mir persönlich gewünscht, in meinem letzten Jahr bei meinem Verein noch Fußball spielen zu dürfen. Aber wenn der Verein es so formuliert, wie nun geschehen, habe ich auch Bereitschaft signalisiert, einen anderen Weg zu finden, wie ich diesen Vertrag erfülle.“

Danach muss er sich zum Training verabschieden. Es ist zu vermuten, dass dies zu den schwersten Trainingseinheiten seiner Laufbahn gehört.

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 20.06.2011)

Bauer auf dem Abstellgleis

Kassel. „Thorsten Bauer hat bei uns einen Vertrag.“ Diese Worte hat Christian Hock, Trainer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel, in den vergangenen Wochen stets gesagt, wenn er auf die Zukunft von Stürmer Thorsten Bauer angesprochen wurde. Seit gestern ist klar: Der Mann, den die Löwen-Fans ihren „Fußball-Gott“ nennen, hat beim KSV noch einen Vertrag, aber keine Zukunft mehr. „Bauer spielt in unseren sportlichen Planungen keine Rolle. Wir wissen um seine Verdienste, aber er passt nicht in das System, das wir spielen wollen“, erklärt Hock.

Zum Zeitpunkt als er diese Sätze sagt, hat die Mannschaft den Trainingsauftakt mit Laktattest im Auestadion soeben beendet. Insgesamt 17 Spieler waren dabei. Thorsten Bauer fehlte. Eine Stunde nachdem unsere Zeitung den Trainer auf das Fehlen des Stürmers angesprochen hat, wird dann die vorbereitete Presse-Erklärung herausgegeben (Hintergrund).

Sie ist clever formuliert. Weil sie viel sagt, aber im Grunde wenig. Eine Stelle im Marketingbereich hat Bauer also angeboten bekommen. Und ein Abschiedsspiel. Allerdings ist der Marketingbereich nicht beim KSV angesiedelt. Er wird extern von Joe Gibbs betreut. Warum es mit einer Einigung nicht geklappt hat, bleibt unerwähnt. Immerhin heißt es: Weitere Gespräche werden geführt. „Wir wollen ihn ja nicht demontieren. Wir haben ihm ein Angebot gemacht. Leider hat es nicht geklappt“, sagt Giuseppe Lepore, der Geschäftsführer.

Nicht erwähnt wird in der Erklärung auch, wie Bauers Alternativprogramm aussieht. Während die Mannschaft im Auestadion ist, dreht er zusammen mit Kai Koitka und Michael Zepek, die trotz bestehender Verträge beim KSV ebenfalls keine Rolle mehr spielen sollen, Runden in der Aue. Angeleitet wird das von Christoph Keim. Der Co-Trainer gilt, so wurde bereits in der vergangenen Saison aus Mannschaftskreisen kolportiert, nicht gerade als Freund Bauers. So hatte die Suspendierung Bauers unter Hocks Vorgänger Mirko Dickhaut wohl auch persönliche Gründe. Sie war von Dickhaut stets „rein sportlich“ begründet worden, hatte ihren Hintergrund aber wohl auch in der Tatsache, dass Bauer intern Kritik geübt hatte. Bauer selbst hat sich dazu auch auf Anfrage nie geäußert. So wie er auch jetzt zurückhaltend und ohne Vorwürfe reagiert (nebenstehender Artikel).

Sportliche Gründe sind es nun auch. Klar, Bauer passt nicht in Hocks Anforderungsprofil. Der 33-Jährige ist nicht mehr jung. Und er ist nicht mehr schnell. Bauer war stets vor allem ein Strafraumspieler. Die Frage, ob er mit diesen Eigenschaften nicht zumindest als Joker auf der Bank noch eine Rolle hätte spielen können, stellt sich für Trainer Hock nicht. Und auf die Frage, ob diese Form der Ausmusterung des KSV-Helden Bauer in der vierten Liga nicht zu hart sei, sagt Hock: „Am Ende des Tages werde ich daran gemessen, ob die Mannschaft sportlich erfolgreich ist.“

Thorsten Bauer wird das nicht mehr beeinflussen können. Er absolvierte auch am Nachmittag seine Einheiten in der Trainingsgruppe Bauer, Zepek, Koitka. Und dazu gab’s von Hock die Ankündigung: „Das werden sie jetzt dauerhaft tun.“

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 20.06.2011)

Ein Kommentar zu Bauers Ende beim KSV - Unwürdiges Spiel

Kassel. Beim Trainingsauftakt kam es raus: Stürmer Thorsten Bauer ist vom KSV Hessen Kassel ausgemustert worden. Ein Kommentar von Frank Ziemke, Sport-Ressort-Leiter der HNA, über Vereinsverbundenheit und den richtigen Umgang mit Bauer.

Es gibt Dinge im Fußball, die lassen sich nicht ändern. Die härteste Erfahrung für jeden Spieler ist der Tag, der die Erkenntnis bringt: Meine Zeit läuft ab. Es gibt auch Dinge im Fußball, die sollten sich nicht ändern. Dazu gehört, dass Spieler, deren Name besonders mit einem Verein verbunden ist, einen anderen Umgang verdienen als all die, die kommen und gehen.

Beim KSV wollen sie in diesen Tagen vieles neu machen. Nach den letzten Misserfolgen ist das verständlich. Dummerweise treten sie die Vergangenheit nun mit Füßen. Was sich bei den Löwen am Montag abspielte, war ein unwürdiges Schauspiel.

Thorsten Bauer ist beim KSV nicht irgendein Spieler. Er ist DER Löwe schlechthin. Der Mann, der die meisten und fast alle wichtigen Tore der vergangenen Jahre geschossen hat. Und: Er ist von Kindesbeinen an Löwe durch und durch. Einer, der stets loyal war. Der absolut glaubwürdig für das steht, was immer seltener wird im Fußball: die Liebe zu einem Verein. Die Reaktionen der Fans im Internet sagten am Montag alles. Sie reichten von Vereinsaustritt bis Solidaritätslaufen mit Bauer.

Natürlich sind die von Christian Hock angeführten sportlichen Gründe nachvollziehbar. Bauer ist nicht mehr jung. Er ist nicht mehr schnell. Allerdings ist ihm zuzutrauen, dass er als Edeljoker noch eine Rolle hätte spielen können - es reichte ja selbst in der schwachen letzten Saison zu zehn Toren. Und als Vorbild für jüngere Spieler hätte Bauer allemal getaugt.

Vor allem aber gilt: Ein Verein sollte sich bewusst sein, wie er mit seinen Helden umzugehen hat. Bei anderen Clubs wäre Bauer mit Pomp verabschiedet und das Trikot mit der Nummer 10 zehn Jahre nicht mehr vergeben worden. Beim KSV wird er gedemütigt! Was nutzen Wischiwaschi-Erklärungen, man wolle weitere Gespräche führen, wenn Bauer zeitgleich stupide Laufrunden drehen muss? Einziges Ziel: ihn weichklopfen.

Montag war ein trauriger Tag bei den Löwen. Für Thorsten Bauer. Aber auch für den neuen KSV unter Christian Hock und Giuseppe Lepore, der jede Menge Sympathien verloren hat.

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 20.06.2011)