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1:1
bringt KSV nicht weiter
Kassel. Das
Wort Aufstieg wird beim Fußball-Regionalligisten
KSV Hessen Kassel wohl vorerst niemand mehr
in den Mund nehmen. Gegen den Abstiegskandidaten
Bamberg machten weder die Leistung nochdas
Ergebnis Mut für die entscheidende Saisonphase:
Am Ende hieß
es vor 2000 Zuschauern im Kasseler Auestadion
lediglich 1:1. Dabei zeigten die Löwen
nur in der zweiten Halbzeit Fußball
mit Herz. Vor der Pause lief auf dem schlechten
Rasen rein gar nichts zusammen.
Trainer
Mirko Dickhaut merkte nachher an, dass nur
die ersten zwei Minuten den Ansprüchen
des KSV genügt hätten, nicht aber
die restlichen 43. So war die Führung
der Bamberger überaus verdient: In der
30. Minute schlenzte deren Torjäger Peter
Heyer den Ball ins lange Eck – ein sehenswerter
Treffer.
Kurz darauf
wechselte Dickhaut schon das erste Mal aus:
Für den defensiven Mittelfeldspieler
Harez Habib brachte er Stürmer Thomas
Brechler. Doch besser wurde es erst in der
zweiten Halbzeit. Da erarbeitete sich der
KSV nach und nach Chancen, doch mehr als das
1:1 durch Kevin Wölks Freistoßtreffer
in der 62. Minute sprang bei den Bemühungen
nicht heraus.
Im Anschluss
hatten Thomas Brechler, Thorsten Bauer und
René Ochs noch gute Möglichkeiten
– es blieb allerdings beim 1:1, das
den KSV nicht wirklich weiterbringt, auch
wenn Spitzenreiter Aalen ebenfalls nur unentschieden
spielte: 0:0 gegen Eintracht Frankfurt II.
Stimmen
zum Spiel
Mirko Dickhaut,
Trainer des KSV: "Unter dem Strich war
es ein leistungsgerechtes Unentschieden. In
der ersten Halbzeit hat außer Tobias
Wolf und Enrico Gaede keiner Normalform gezeigt."
Kevin Wölk,
KSV-Torschütze zum 1:1: "Über
den Aufstieg brauchen wir nicht mehr zu reden.
Wer es heute nicht verstanden hat... Wir haben
uns in der ersten Halbzeit zu wenig bewegt,
wir waren zu langsam, es gab zu wenige Anspielstationen.
Unser Spiel ist derzeit zu einfach gestrickt."
Enrico Gaede,
KSV-Kapitän: "In der ersten Halbzeit
haben zu wenige den Ball gefordert. Wenn wir
so spielen, haben wir natürlich keine
Chance, um den Aufstieg mitzuspielen."
Von Florian
Hagemann (HNA-Sportredaktion, 11.04.2010)
Fernab
der Ansprüche
Kassel. Es
waren nicht so sehr die Unzulänglichkeiten
auf dem Platz, die nachher zu denken gaben.
Vielmehr ließen die Aussagen der Beteiligten
aufhorchen. Selten zuvor in den nun fast zwei
Jahren unter Trainer Mirko Dickhaut gab es
innerhalb der Mannschaft so viele Wörter
der Kritik. Nach dem 1:1 gegen den Abstiegskandidaten
Bamberg redeten Spieler und Trainer des Fußball-Regionalligisten
Klartext.
Dickhaut
selbst, der seine Akteure vor allem nach Niederlagen
gern schützt, erwiderte in der Pressekonferenz
die Bemerkung, sein Team habe doch in der
ersten Halbzeit gut begonnen, fast schon energisch:
„Die ersten zwei Minuten waren okay.
Die restlichen 43 genügten nicht den
Ansprüchen. Außer Tobias Wolf und
Enrico Gaede hat keiner Normalform erreicht.“
Er vermisste Mut und Leidenschaft. Und das
ist erstaunlich bei einer Mannschaft, die
seit fast zwei Jahren vor allem von zwei Dingen
lebt: Mut und Leidenschaft.
„Zu
einfach gestrickt“
Mittelfeldspieler
Kevin Wölk hat noch mehr vermisst: Bewegung
und Anspielstationen, aber auch Schnelligkeit
in den Beinen und im Kopf. „Unser Spiel
ist zu einfach gestrickt“, bilanzierte
er schließlich. Und auch das ist erstaunlich
für eine Mannschaft, die neben Mut und
Leidenschaft in der Vergangenheit auch sehr
viel Kreativität zeigte. Womöglich
liegt es auch daran, dass „zu wenige
den Ball fordern“, wie Kapitän
Enrico Gaede mit Bezug auf die erste Halbzeit
festgestellt hat.
Es bedarf also gar keines Kritikers von außen,
um das Spiel des KSV treffend zu analysieren.
Die Protagonisten selbst haben erkannt: Es
läuft nicht rund.
Immerhin
hat eine Steigerung in der zweiten Halbzeit
noch das Schlimmste abgewendet: eine Niederlage
gegen Bamberg zuhause vor 2000 Zuschauern.
Die verhinderte ein Freistoßtor Wölks
in der 62. Minute. Es war der einzige Hinweis
darauf, dass überhaupt noch auf etwas
Verlass ist bei den Löwen: Wölk
verwandelt auch in der Krise die Bälle
mit einer traumwandlerischen Sicherheit.
Tor der
Extra-Klasse
Ansonsten:
Thorsten Bauer trifft nicht mehr, auch wenn
er nach wie vor rackert. Thomas Brechler trifft
auch nicht mehr, selbst wenn er frei zum Kopfball
kommt wie in der 73. Minute. Und René
Ochs trifft schon gar nicht mehr wie in der
81. Minute, als er den Ball nach der schönsten
Kombination des Tages über Brechler und
Bauer gekonnt über den Torwart lupfte,
sich aber doch noch ein Bamberger fand, der
den Ball aus der Gefahrenzone schlug.
So stand
am Ende ein leistungsgerechtes Unentschieden,
wie Dickhaut befand. Bamberg verdiente sich
den Punkt, zumal Torjäger Peter Heyer
ein Tor der Extra-Klasse erzielte. In der
30. Minute tanzte er die halbe KSV-Hintermannschaft
aus und schlenzte den Ball an dem machtlosen
Torhüter Tobias Wolf vorbei.
Über
den Aufstieg in Liga drei sprach im Anschluss
an das Spiel im Übrigen keiner mehr.
Im Moment wäre es lächerlich, sich
darüber Gedanken zu machen, sagte Enrico
Gaede. Dabei hat Spitzenreiter Aalen einmal
mehr ebenfalls sein Soll nicht erfüllt
und nur 0:0 gegen Eintracht Frankfurt II gespielt.
Als der Stadionsprecher das verkündete,
merkte Gaede, „dass sich das Messer
im Rücken noch einmal fester in den Körper
dreht“.
Der KSV
leidet.
Von Florian
Hagemann (HNA-Sportredaktion, 11.04.2010)
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