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<<< 25. Spieltag
Regionalliga Süd 2009/10, 26. Spieltag

KSV Hessen Kassel - 1. FC Eintracht Bamberg

1:1 (0:1)

Samstag, 10.04.2010 - 14 Uhr
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
1. FC Eintracht Bamberg
Stephan Essig
Josef Pickel
André Laurito
Johannes Bechmann
Sebastian Müller
Oliver Gorgiev
Michael Krämer
Markus Fischer (84. Erkan Esen)
Tobias Dalke (46. Harald Fleischer)
Peter Heyer
Alexander Deptalla (70. Thomas Dotterweich)
Trainer: Dieter Kurth
Spielstatistik
Tore: 0:1 Heyer (30.), 1:1 Wölk (62.) - Gelbe Karten: Gataric - Heyer, Pickel - Schiedsrichter: Vladimir Schwegler (Dortmund) - Zuschauer: 2.000
Spielbericht

1:1 bringt KSV nicht weiter

Kassel. Das Wort Aufstieg wird beim Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel wohl vorerst niemand mehr in den Mund nehmen. Gegen den Abstiegskandidaten Bamberg machten weder die Leistung nochdas Ergebnis Mut für die entscheidende Saisonphase:

Am Ende hieß es vor 2000 Zuschauern im Kasseler Auestadion lediglich 1:1. Dabei zeigten die Löwen nur in der zweiten Halbzeit Fußball mit Herz. Vor der Pause lief auf dem schlechten Rasen rein gar nichts zusammen.

Trainer Mirko Dickhaut merkte nachher an, dass nur die ersten zwei Minuten den Ansprüchen des KSV genügt hätten, nicht aber die restlichen 43. So war die Führung der Bamberger überaus verdient: In der 30. Minute schlenzte deren Torjäger Peter Heyer den Ball ins lange Eck – ein sehenswerter Treffer.

Kurz darauf wechselte Dickhaut schon das erste Mal aus: Für den defensiven Mittelfeldspieler Harez Habib brachte er Stürmer Thomas Brechler. Doch besser wurde es erst in der zweiten Halbzeit. Da erarbeitete sich der KSV nach und nach Chancen, doch mehr als das 1:1 durch Kevin Wölks Freistoßtreffer in der 62. Minute sprang bei den Bemühungen nicht heraus.

Im Anschluss hatten Thomas Brechler, Thorsten Bauer und René Ochs noch gute Möglichkeiten – es blieb allerdings beim 1:1, das den KSV nicht wirklich weiterbringt, auch wenn Spitzenreiter Aalen ebenfalls nur unentschieden spielte: 0:0 gegen Eintracht Frankfurt II.

Stimmen zum Spiel

Mirko Dickhaut, Trainer des KSV: "Unter dem Strich war es ein leistungsgerechtes Unentschieden. In der ersten Halbzeit hat außer Tobias Wolf und Enrico Gaede keiner Normalform gezeigt."

Kevin Wölk, KSV-Torschütze zum 1:1: "Über den Aufstieg brauchen wir nicht mehr zu reden. Wer es heute nicht verstanden hat... Wir haben uns in der ersten Halbzeit zu wenig bewegt, wir waren zu langsam, es gab zu wenige Anspielstationen. Unser Spiel ist derzeit zu einfach gestrickt."

Enrico Gaede, KSV-Kapitän: "In der ersten Halbzeit haben zu wenige den Ball gefordert. Wenn wir so spielen, haben wir natürlich keine Chance, um den Aufstieg mitzuspielen."

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 11.04.2010)

Fernab der Ansprüche

Kassel. Es waren nicht so sehr die Unzulänglichkeiten auf dem Platz, die nachher zu denken gaben. Vielmehr ließen die Aussagen der Beteiligten aufhorchen. Selten zuvor in den nun fast zwei Jahren unter Trainer Mirko Dickhaut gab es innerhalb der Mannschaft so viele Wörter der Kritik. Nach dem 1:1 gegen den Abstiegskandidaten Bamberg redeten Spieler und Trainer des Fußball-Regionalligisten Klartext.

Dickhaut selbst, der seine Akteure vor allem nach Niederlagen gern schützt, erwiderte in der Pressekonferenz die Bemerkung, sein Team habe doch in der ersten Halbzeit gut begonnen, fast schon energisch: „Die ersten zwei Minuten waren okay. Die restlichen 43 genügten nicht den Ansprüchen. Außer Tobias Wolf und Enrico Gaede hat keiner Normalform erreicht.“ Er vermisste Mut und Leidenschaft. Und das ist erstaunlich bei einer Mannschaft, die seit fast zwei Jahren vor allem von zwei Dingen lebt: Mut und Leidenschaft.

„Zu einfach gestrickt“

Mittelfeldspieler Kevin Wölk hat noch mehr vermisst: Bewegung und Anspielstationen, aber auch Schnelligkeit in den Beinen und im Kopf. „Unser Spiel ist zu einfach gestrickt“, bilanzierte er schließlich. Und auch das ist erstaunlich für eine Mannschaft, die neben Mut und Leidenschaft in der Vergangenheit auch sehr viel Kreativität zeigte. Womöglich liegt es auch daran, dass „zu wenige den Ball fordern“, wie Kapitän Enrico Gaede mit Bezug auf die erste Halbzeit festgestellt hat.
Es bedarf also gar keines Kritikers von außen, um das Spiel des KSV treffend zu analysieren. Die Protagonisten selbst haben erkannt: Es läuft nicht rund.

Immerhin hat eine Steigerung in der zweiten Halbzeit noch das Schlimmste abgewendet: eine Niederlage gegen Bamberg zuhause vor 2000 Zuschauern. Die verhinderte ein Freistoßtor Wölks in der 62. Minute. Es war der einzige Hinweis darauf, dass überhaupt noch auf etwas Verlass ist bei den Löwen: Wölk verwandelt auch in der Krise die Bälle mit einer traumwandlerischen Sicherheit.

Tor der Extra-Klasse

Ansonsten: Thorsten Bauer trifft nicht mehr, auch wenn er nach wie vor rackert. Thomas Brechler trifft auch nicht mehr, selbst wenn er frei zum Kopfball kommt wie in der 73. Minute. Und René Ochs trifft schon gar nicht mehr wie in der 81. Minute, als er den Ball nach der schönsten Kombination des Tages über Brechler und Bauer gekonnt über den Torwart lupfte, sich aber doch noch ein Bamberger fand, der den Ball aus der Gefahrenzone schlug.

So stand am Ende ein leistungsgerechtes Unentschieden, wie Dickhaut befand. Bamberg verdiente sich den Punkt, zumal Torjäger Peter Heyer ein Tor der Extra-Klasse erzielte. In der 30. Minute tanzte er die halbe KSV-Hintermannschaft aus und schlenzte den Ball an dem machtlosen Torhüter Tobias Wolf vorbei.

Über den Aufstieg in Liga drei sprach im Anschluss an das Spiel im Übrigen keiner mehr. Im Moment wäre es lächerlich, sich darüber Gedanken zu machen, sagte Enrico Gaede. Dabei hat Spitzenreiter Aalen einmal mehr ebenfalls sein Soll nicht erfüllt und nur 0:0 gegen Eintracht Frankfurt II gespielt. Als der Stadionsprecher das verkündete, merkte Gaede, „dass sich das Messer im Rücken noch einmal fester in den Körper dreht“.

Der KSV leidet.

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 11.04.2010)