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<<< 23. Spieltag
Regionalliga Süd 2009/10, 24. Spieltag

KSV Hessen Kassel - Karlsruher SC II

3:0 (1:0)

Freitag, 26.03.2010 - 19 Uhr
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
Karlsruher SC II
Jean-Francois Kornetzky
Sebastian Schiek
Stefan Müller
Maximilian Mosch
Max Knorn (79. Tim Kappler)
Christopher Nguyen (82. Fabian Heinrich)
Ole Schröder
Timo Kern
Michael Blum
Daniele Toch
Erich Strobel (70. Maximilian Albrecht)
Trainer: Markus Kauczinski
Spielstatistik
Tore: 1:0 Gaede (37.), 2:0 Schiek (54., Eigentor), 3:0 Gundelach (77.) - Gelbe Karten: Stadel, Gaede – Schiek, Schröder, Albrecht - Schiedsrichter: Dirk Wijnen (Hannover) - Zuschauer: 2.000
Spielbericht

KSV mit 3:0 gegen den KSC II

Kassel. Ein bärenstarker Torhüter Tobias Wolf und der neue Torriecher des Kapitäns Enrico Gaede haben dem Fußball-Regionalligsten KSV Hessen Kassel im zweiten Heimspiel des Jahres den Weg zum zweiten Sieg geebnet.

Gegen die Reserve des Zweitligisten Karlsruher SC kam der KSV trotz Anlaufschwierigkeiten zu einem am Ende verdienten 3:0 (1:0)-Erfolg.

Gaede hatte für die Gastgeber kurz vor der Pause den wichtigen Führungstreffer erzielt, ein Eigentor von Müller (54.) und Sebastian Gundelach (77.) sorgten für den Endstand. Das Spiel hatte noch nicht begonnen, da ging erstmals ein gewaltiges Raunen durch das Auestadion.

Es galt der Ersatzbank der Löwen, auf der angesichts der Personalprobleme in der Defensive ein alter Bekannter auftauchte. Vorstandsmitglied Thorsten Schönewolf hatte ein dreiviertel Jahr nach Beendigung seiner Karriere das Trikot wieder angezogen - Nummer: 66! Danach entwickelte sich eine etwas ungewöhnliche erste Halbzeit. Karlsruhe war über weite Strecken der ersten 45 Minuten die bessere Mannschaft.

Karlsruhe hatte auch die besseren Chancen. Und zur Pause führte - der KSV! Verantwortlich dafür waren die beiden besten Kasseler: Tobias Wolf und Enrico Gaede. Torhüter Wolf hatte einen grandiosen Abend erwischt. Ab der 15. Minute verhinderte er mehrfach einen Rückstand. Er lenkte den überraschenden Distanzschuss von Toch (18.) über die Latte, er parierte gleich zweimal sensationell gegen den völlig frei vor ihm stehenden Blum, er stoppte den über die rechte Seite in den Strafraum stürmenden Nguyen (38.). Es gab viele solche Szenen, weil die Gastgeber in der Defensive erhebliche Probleme hatte. Auch nach vorne dauerte es einige Zeit, bis der KSV endlich für Gefahr sorgte.

Das gelang vor allem dann, wenn Enrico Gaede aus dem Mittelfeld nach vorn stieß. Der Kapitän hatte einmal mit einem Flachschuss (25.) und später per Kopfball (33.) die ersten Chancen. Und er sorgte auch für die Führung. Karlsruhe war im Angriff, doch Wolf fing den Ball ab, spielte sofort weiter auf René Ochs - und plötzlich hatten die Gastgeber Platz. Ochs flankte, Gaede war zur Stelle - und es stand etwas überraschend 1:0 durch ein Kontertor im eigenen Stadion.Für Gaede war es zudem im dritten Spiel des Jahres das dritte Tor. Es kam aber noch besser für die Löwen. Sie bekamen auch noch ein Tor geschenkt.

In der 54. Minute - es war bis dahin nicht groß etwas passiert im zweiten Durchgang - setzte Sebastian Gundelach einen seiner langen Einwürfe an. Der Ball wurde verlängert, landete auf dem Kopf von KSC-Abwehrspieler Stefan Müller, der das Leder so unglücklich traf, dass es neben Pfosten über die Torlinie trudelte. Damit war die Partie praktisch entschieden.

Die Karlsruher hatten nun nicht mehr den Elan, sich gegen die Niederlage zu stemmen. Was auch daran lag, dass der KSV mit der Führung im Rücken deutlich sicherer stand. Und vorne taten die Löwen, was sie in dieser Situation tun müssen: geduldig auf die Chance warten. Genutzt wurde sie schließlich von Sebastian Gundelach, der einen Vorstoß über die rechte Seite mit einem Schuss von der Strafraumgrenze abschloss. Drei Punkte waren nun sicher. Und bereits am Dienstag kann der KSV nachlegen: Dann kommt 1860 München II ins Auestadion.

HNA-Sportredaktion, 26.03.2010

Doch kein Einsatz für die Nummer 66

Da staunten die 2000 Zuschauer im Auestadion nicht schlecht: Auf der Reservebank des KSV saß einer, mit dem nun wirklich niemand gerechnet hatte.

Thorsten Schönewolf, am Ende der letzten Saison in den sportlichen Ruhestand verabschiedet, fand sich angesichts der Verletztenmisere in der Defensiv-Abteilung plötzlich auf der Bank der Löwen wieder.

Der Plan war am Donnerstag entstanden, erst am Spieltag wurde beim DFB die Spielgenehmigung eingeholt und dem früheren Kapitän ein Trikot mit der Rückennummer 66 zugeordnet – was natürlich keine Anspielung aufs Alter sein sollte. Der 37-Jährige war aber dann doch froh, dass er nicht zum Einsatz kam, denn: „Bei einer deutlichen Führung war ich nicht gefragt.“ Der mögliche Einsatzplan hatte nämlich vorgesehen, Schönwolf wegen seiner Kopfballstärke bei einem knappen Spielstand in den Schlussminuten zu bringen – entweder, um im eigenen Strafraum klären zu können, oder aber – bei einem Rückstand – im Strafraum der Gäste für Unruhe zu sorgen.

Schönewolf hatte in der Woche angesichts der vielen Verletzten bereits mit der Mannschaft trainiert. Trotzdem sagt er: „Für mehr als ein paar Minuten hätte die Luft nicht gereicht.“ Gut möglich, dass die Gelegenheit dafür bereits am Dienstag kommt, denn bis zum Heimspiel gegen die Reserve von 1860 wird sich die Personallage der Löwen nicht groß entspannen. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass Schönewolf auch dann nicht eingewechselt wird. Sie wissen ja: Dann führt der KSV deutlich!

EIN KURZES DEBÜT

Nach Danijel Gataric feierte nun der zweite von drei Wintereinkäufen des KSV sein Debüt in der ersten Mannschaft. In der 84. Minute hieß es: Dennis für Dennis. Joedecke kam für Tornieporth. Der aus Lohfelden gekommene Mittelfeldspieler ist der 23. Akteur, der in dieser Saison bei den Löwen eingesetzt wurde.

EIN T-SHIRT FÜR DIE HUMBA

Für Harez Habib war es ein seltenes Erlebnis: „Endlich durfte ich mal wieder 90 Minuten spielen“, freute sich der Mittelfeldspieler. In dieser Saison war ihm das bisher ein einziges Mal vergönnt – am 3. Spieltag beim 0:0 in Ulm. „In den letzten Minuten wurde die Luft etwas knapp“, gestand Habib später. Trotzdem war er mit seiner Leistung überwiegend zufrieden – vor allem, weil das Wechselspiel auf der Sechserposition mit Enrico Gaede gut klappte. Der Unterstützung der Fans in der Nordkurve darf er sich jedenfalls sicher sein. Habib bekam erst ein Trikot geschenkt und musste dann auch die Humba anstimmen.

KARTEN-VERWIRRSPIEL

„Fünfte Gelbe Karte, im nächsten Spiel gesperrt.“ So lauteten die ersten Informationen nach dem Abpfiff. Gemeint war KSV-Kapitän Enrico Gaede. Als der Betroffene selbst auf die Sperre angesprochen wurde, reagierte er jedoch erstaunt. Und hatte Recht: In der Statistik sind für Gaede erst vier Gelbe Karten verzeichnet - aus den Partien gegen Freiburg, Weiden, Darmstadt und eben gegen Karlsruhe. Offenbar also keine Sperre. Ganz sicher ist jedenfalls: Gaede erzielte am Freitag sein siebtes Saisontor.

Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 28.03.2010)

Der KSV hat dazugelernt

Kassel. Am Ende war es dann doch ein ganz souveräner Heimsieg. 3:0 gegen die Reserve des Karlsruher SC – das klingt gut, fiel aber doch schwerer, als es das nackte Ergebnis vermuten lässt. Eine Halbzeit lang nämlich hatte sich Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel richtig schwergetan damit, nach der Niederlage in Pfullendorf wieder in Tritt zu kommen. „Da hat Karlsruhe so stark gespielt, wie wir das erwartet haben“, sagte Trainer Mirko Dickhaut, „aber nach dem wichtigen Führungstor war es eine souveräne Leistung.“

Auch der Kapitän war zufrieden: „Wir haben dazugelernt. Letztes Jahr haben wir noch gegen Karlsruhe verloren. Das wollten wir diesmal unbedingt verhindern“, sagte Enrico Gaede. Sein Treffer war es, der die Weichen auf Sieg stellte. „Ein toller Konter“, freute sich Dickhaut. Torhüter Tobias Wolf hatte den Ball abgefangen und mit seinem Abschlag den Angriff über René Ochs eingeleitet, der seinerseits Gaede bediente. Der traf im dritten Spiel des Jahres zum dritten Mal – und freute sich später: „Die spielen mir die Dinger derzeit gut auf die Füße.“

Habib für Unger

Das Wechselspiel der Sechser, die aus dem defensiven Mittelfeld nach vorn stoßen, ist derzeit ohnehin eine der Stärken im KSV-Spiel und ersetzt ein wenig das Flügelspiel des Vorjahres, auf das die meisten Gegner sich besser eingestellt haben. Harez Habib, für den erkrankten Markus Unger in der Anfangsformation, konnte nach vorn zwar kaum Akzente setzen, sicherte hinter Gaede aber zumindest ordentlich ab. So schafften es die Gastgeber auch, in der zweiten Halbzeit kaum noch Chancen der Gäste zuzulassen. „Was nicht selbstverständlich ist“, wie Gaede erklärte, „denn Karlsruhe hat einige richtig gute Fußballer in den Reihen.“

Die Gäste kamen ja auch mit der Empfehlung von zuletzt acht Spielen ohne Niederlage ins Auestadion. In der zweiten Halbzeit aber war der KSC von der Fortsetzung dieser Serie weit entfernt, nachdem Schiek per Eigentor und der stark spielende Sebastian Gundelach mit einer schönen Einzelleistung für das 3:0 gesorgt hatten.

Starker Torwart Wolf

Da war dann auch vergessen, dass es in der ersten halben Stunde nach einem so glatten Erfolg gar nicht ausgesehen hatte. In der hatten die Gäste, angetrieben von Mittelfeldregisseur Daniele Toch, immer wieder Lücken in die KSV-Defensive gerissen. Doch diese Phase war die Hoch-Zeit eines Mannes, für den 2010 bisher ein richtig gutes Jahr ist. „Ich musste so lange auf meine Chance warten. Da ist es schön, dass ich sie nutzen konnte“, freute sich Torhüter Tobias Wolf. „Der erste Ball ist der wichtigste“, erklärte er nach der Partie. Und diesen ersten Ball, einen überraschenden Distanzschuss von Toch, parierte Wolf spektakulär. „Schön zum Fliegen war der“, sagte der Keeper. Auch bei zahlreichen weiteren Situationen klärte Wolf glänzend, überzeugte zudem mit gutem Stellungsspiel und genauen Abschlägen.

Kein Wunder, dass sich mancher Zuschauer schon fragte, was denn nun passiert, wenn Dennis Lamczyk wieder gesund ist. Kann Mirko Dickhaut einen so stark und fehlerfreien Torhüter wie Wolf wieder auf die Bank setzen? Umgekehrt hat sich aber Lamczyk seit eineinhalb Jahren große Verdienste erworben und fast immer tadellos gehalten. Der Trainer will da gar keine Diskussion aufkommen lassen. „Das ist doch eine tolle Situation für mich, zwei so starke Torhüter zu haben“, sagt Mirko Dickhaut. Womit er irgendwie auch Recht hat.

Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 28.03.2010)