KSV
mit 3:0 gegen den KSC II
Kassel.
Ein bärenstarker Torhüter Tobias
Wolf und der neue Torriecher des Kapitäns
Enrico Gaede haben dem Fußball-Regionalligsten
KSV Hessen Kassel im zweiten Heimspiel des
Jahres den Weg zum zweiten Sieg geebnet.
Gegen die
Reserve des Zweitligisten Karlsruher SC kam
der KSV trotz Anlaufschwierigkeiten zu einem
am Ende verdienten 3:0 (1:0)-Erfolg.
Gaede hatte
für die Gastgeber kurz vor der Pause
den wichtigen Führungstreffer erzielt,
ein Eigentor von Müller (54.) und Sebastian
Gundelach (77.) sorgten für den Endstand.
Das Spiel hatte noch nicht begonnen, da ging
erstmals ein gewaltiges Raunen durch das Auestadion.
Es galt
der Ersatzbank der Löwen, auf der angesichts
der Personalprobleme in der Defensive ein
alter Bekannter auftauchte. Vorstandsmitglied
Thorsten Schönewolf hatte ein dreiviertel
Jahr nach Beendigung seiner Karriere das Trikot
wieder angezogen - Nummer: 66! Danach entwickelte
sich eine etwas ungewöhnliche erste Halbzeit.
Karlsruhe war über weite Strecken der
ersten 45 Minuten die bessere Mannschaft.
Karlsruhe
hatte auch die besseren Chancen. Und zur Pause
führte - der KSV! Verantwortlich dafür
waren die beiden besten Kasseler: Tobias Wolf
und Enrico Gaede. Torhüter Wolf hatte
einen grandiosen Abend erwischt. Ab der 15.
Minute verhinderte er mehrfach einen Rückstand.
Er lenkte den überraschenden Distanzschuss
von Toch (18.) über die Latte, er parierte
gleich zweimal sensationell gegen den völlig
frei vor ihm stehenden Blum, er stoppte den
über die rechte Seite in den Strafraum
stürmenden Nguyen (38.). Es gab viele
solche Szenen, weil die Gastgeber in der Defensive
erhebliche Probleme hatte. Auch nach vorne
dauerte es einige Zeit, bis der KSV endlich
für Gefahr sorgte.
Das gelang
vor allem dann, wenn Enrico Gaede aus dem
Mittelfeld nach vorn stieß. Der Kapitän
hatte einmal mit einem Flachschuss (25.) und
später per Kopfball (33.) die ersten
Chancen. Und er sorgte auch für die Führung.
Karlsruhe war im Angriff, doch Wolf fing den
Ball ab, spielte sofort weiter auf René
Ochs - und plötzlich hatten die Gastgeber
Platz. Ochs flankte, Gaede war zur Stelle
- und es stand etwas überraschend 1:0
durch ein Kontertor im eigenen Stadion.Für
Gaede war es zudem im dritten Spiel des Jahres
das dritte Tor. Es kam aber noch besser für
die Löwen. Sie bekamen auch noch ein
Tor geschenkt.
In der 54.
Minute - es war bis dahin nicht groß
etwas passiert im zweiten Durchgang - setzte
Sebastian Gundelach einen seiner langen Einwürfe
an. Der Ball wurde verlängert, landete
auf dem Kopf von KSC-Abwehrspieler Stefan
Müller, der das Leder so unglücklich
traf, dass es neben Pfosten über die
Torlinie trudelte. Damit war die Partie praktisch
entschieden.
Die Karlsruher
hatten nun nicht mehr den Elan, sich gegen
die Niederlage zu stemmen. Was auch daran
lag, dass der KSV mit der Führung im
Rücken deutlich sicherer stand. Und vorne
taten die Löwen, was sie in dieser Situation
tun müssen: geduldig auf die Chance warten.
Genutzt wurde sie schließlich von Sebastian
Gundelach, der einen Vorstoß über
die rechte Seite mit einem Schuss von der
Strafraumgrenze abschloss. Drei Punkte waren
nun sicher. Und bereits am Dienstag kann der
KSV nachlegen: Dann kommt 1860 München
II ins Auestadion.
HNA-Sportredaktion,
26.03.2010
Doch
kein Einsatz für die Nummer 66
Da staunten die 2000 Zuschauer
im Auestadion nicht schlecht: Auf der Reservebank
des KSV saß einer, mit dem nun wirklich
niemand gerechnet hatte.
Thorsten Schönewolf,
am Ende der letzten Saison in den sportlichen
Ruhestand verabschiedet, fand sich angesichts
der Verletztenmisere in der Defensiv-Abteilung
plötzlich auf der Bank der Löwen
wieder.
Der Plan war am Donnerstag
entstanden, erst am Spieltag wurde beim DFB
die Spielgenehmigung eingeholt und dem früheren
Kapitän ein Trikot mit der Rückennummer
66 zugeordnet – was natürlich keine
Anspielung aufs Alter sein sollte. Der 37-Jährige
war aber dann doch froh, dass er nicht zum
Einsatz kam, denn: „Bei einer deutlichen
Führung war ich nicht gefragt.“
Der mögliche Einsatzplan hatte nämlich
vorgesehen, Schönwolf wegen seiner Kopfballstärke
bei einem knappen Spielstand in den Schlussminuten
zu bringen – entweder, um im eigenen
Strafraum klären zu können, oder
aber – bei einem Rückstand –
im Strafraum der Gäste für Unruhe
zu sorgen.
Schönewolf hatte in
der Woche angesichts der vielen Verletzten
bereits mit der Mannschaft trainiert. Trotzdem
sagt er: „Für mehr als ein paar
Minuten hätte die Luft nicht gereicht.“
Gut möglich, dass die Gelegenheit dafür
bereits am Dienstag kommt, denn bis zum Heimspiel
gegen die Reserve von 1860 wird sich die Personallage
der Löwen nicht groß entspannen.
Trotzdem bleibt zu hoffen, dass Schönewolf
auch dann nicht eingewechselt wird. Sie wissen
ja: Dann führt der KSV deutlich!
EIN KURZES DEBÜT
Nach Danijel Gataric feierte
nun der zweite von drei Wintereinkäufen
des KSV sein Debüt in der ersten Mannschaft.
In der 84. Minute hieß es: Dennis für
Dennis. Joedecke kam für Tornieporth.
Der aus Lohfelden gekommene Mittelfeldspieler
ist der 23. Akteur, der in dieser Saison bei
den Löwen eingesetzt wurde.
EIN T-SHIRT FÜR DIE
HUMBA
Für Harez Habib war
es ein seltenes Erlebnis: „Endlich durfte
ich mal wieder 90 Minuten spielen“,
freute sich der Mittelfeldspieler. In dieser
Saison war ihm das bisher ein einziges Mal
vergönnt – am 3. Spieltag beim
0:0 in Ulm. „In den letzten Minuten
wurde die Luft etwas knapp“, gestand
Habib später. Trotzdem war er mit seiner
Leistung überwiegend zufrieden –
vor allem, weil das Wechselspiel auf der Sechserposition
mit Enrico Gaede gut klappte. Der Unterstützung
der Fans in der Nordkurve darf er sich jedenfalls
sicher sein. Habib bekam erst ein Trikot geschenkt
und musste dann auch die Humba anstimmen.
KARTEN-VERWIRRSPIEL
„Fünfte Gelbe
Karte, im nächsten Spiel gesperrt.“
So lauteten die ersten Informationen nach
dem Abpfiff. Gemeint war KSV-Kapitän
Enrico Gaede. Als der Betroffene selbst auf
die Sperre angesprochen wurde, reagierte er
jedoch erstaunt. Und hatte Recht: In der Statistik
sind für Gaede erst vier Gelbe Karten
verzeichnet - aus den Partien gegen Freiburg,
Weiden, Darmstadt und eben gegen Karlsruhe.
Offenbar also keine Sperre. Ganz sicher ist
jedenfalls: Gaede erzielte am Freitag sein
siebtes Saisontor.
Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
28.03.2010)
Der KSV hat dazugelernt
Kassel. Am Ende war es dann
doch ein ganz souveräner Heimsieg. 3:0
gegen die Reserve des Karlsruher SC –
das klingt gut, fiel aber doch schwerer, als
es das nackte Ergebnis vermuten lässt.
Eine Halbzeit lang nämlich hatte sich
Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel
richtig schwergetan damit, nach der Niederlage
in Pfullendorf wieder in Tritt zu kommen.
„Da hat Karlsruhe so stark gespielt,
wie wir das erwartet haben“, sagte Trainer
Mirko Dickhaut, „aber nach dem wichtigen
Führungstor war es eine souveräne
Leistung.“
Auch der Kapitän war
zufrieden: „Wir haben dazugelernt. Letztes
Jahr haben wir noch gegen Karlsruhe verloren.
Das wollten wir diesmal unbedingt verhindern“,
sagte Enrico Gaede. Sein Treffer war es, der
die Weichen auf Sieg stellte. „Ein toller
Konter“, freute sich Dickhaut. Torhüter
Tobias Wolf hatte den Ball abgefangen und
mit seinem Abschlag den Angriff über
René Ochs eingeleitet, der seinerseits
Gaede bediente. Der traf im dritten Spiel
des Jahres zum dritten Mal – und freute
sich später: „Die spielen mir die
Dinger derzeit gut auf die Füße.“
Habib für Unger
Das Wechselspiel der Sechser,
die aus dem defensiven Mittelfeld nach vorn
stoßen, ist derzeit ohnehin eine der
Stärken im KSV-Spiel und ersetzt ein
wenig das Flügelspiel des Vorjahres,
auf das die meisten Gegner sich besser eingestellt
haben. Harez Habib, für den erkrankten
Markus Unger in der Anfangsformation, konnte
nach vorn zwar kaum Akzente setzen, sicherte
hinter Gaede aber zumindest ordentlich ab.
So schafften es die Gastgeber auch, in der
zweiten Halbzeit kaum noch Chancen der Gäste
zuzulassen. „Was nicht selbstverständlich
ist“, wie Gaede erklärte, „denn
Karlsruhe hat einige richtig gute Fußballer
in den Reihen.“
Die Gäste kamen ja
auch mit der Empfehlung von zuletzt acht Spielen
ohne Niederlage ins Auestadion. In der zweiten
Halbzeit aber war der KSC von der Fortsetzung
dieser Serie weit entfernt, nachdem Schiek
per Eigentor und der stark spielende Sebastian
Gundelach mit einer schönen Einzelleistung
für das 3:0 gesorgt hatten.
Starker Torwart Wolf
Da war dann auch vergessen,
dass es in der ersten halben Stunde nach einem
so glatten Erfolg gar nicht ausgesehen hatte.
In der hatten die Gäste, angetrieben
von Mittelfeldregisseur Daniele Toch, immer
wieder Lücken in die KSV-Defensive gerissen.
Doch diese Phase war die Hoch-Zeit eines Mannes,
für den 2010 bisher ein richtig gutes
Jahr ist. „Ich musste so lange auf meine
Chance warten. Da ist es schön, dass
ich sie nutzen konnte“, freute sich
Torhüter Tobias Wolf. „Der erste
Ball ist der wichtigste“, erklärte
er nach der Partie. Und diesen ersten Ball,
einen überraschenden Distanzschuss von
Toch, parierte Wolf spektakulär. „Schön
zum Fliegen war der“, sagte der Keeper.
Auch bei zahlreichen weiteren Situationen
klärte Wolf glänzend, überzeugte
zudem mit gutem Stellungsspiel und genauen
Abschlägen.
Kein Wunder, dass sich mancher
Zuschauer schon fragte, was denn nun passiert,
wenn Dennis Lamczyk wieder gesund ist. Kann
Mirko Dickhaut einen so stark und fehlerfreien
Torhüter wie Wolf wieder auf die Bank
setzen? Umgekehrt hat sich aber Lamczyk seit
eineinhalb Jahren große Verdienste erworben
und fast immer tadellos gehalten. Der Trainer
will da gar keine Diskussion aufkommen lassen.
„Das ist doch eine tolle Situation für
mich, zwei so starke Torhüter zu haben“,
sagt Mirko Dickhaut. Womit er irgendwie auch
Recht hat.
Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
28.03.2010) |