K.o.
in der Nachspielzeit
Pfullendorf.
„Löwen“-Trainer Mirko Dickhaut
wirkte nach dem Schlusspfiff reichlich zerknirscht:
„Ihr habt zwar eine idyllische Stadt,
aber ich kann sie nicht mehr sehen!“
Zwei Tage
lang hatten sich Dickhaut und die Regionalliga-Kicker
des KSV Hessen in der Nähe des Bodensees
einquartiert. Doch wie im Vorjahr kassierten
die Kasseler den K.o.-Schlag in letzter Minute.
Im Mai 2009 erzielte Adem Sari den Pfullendorfer
Siegtreffer zum 1:0 in der Nachspielzeit.
Nun traf der Kameruner Georges Ekounda mit
einem spektakulären Fallrückzieher
zum 2:1 unmittelbar vor dem Abpfiff. Es war
das einzige offensive Lebenszeichen des Sportclubs
in der zweiten Hälfte. Dickhaut: „Das
ist schon grausam. Meine Jungs sind maßlos
deprimiert!“
Bitterkeit,
die nachvollziehbar ist. Denn bei dieser tragischen
1:2 (0:1)-Niederlage, die die Löwen in
ihrer Aufholjagd auf Spitzenreiter Aalen (nur
1:1 in Fürth) jäh stoppt, war der
Unterschied in dieser zweiten Halbzeit wirklich
krass. Da ging es im Einbahnverkehr auf das
Pfullendorfer Tor, waren die Nordhessen offensiv
am Drücker, formierten ihre Abwehr wie
im Handball am Mittelkreis. Doch Kapital vermochten
sie aus ihrer Umklammerung des Gegners nur
einmal zu schlagen: In der 61. Minute, als
Angriffsspitze Thorsten Bauer vom Pfullendorfer
Schlussmann Ralf Hermanutz von den Beinen
geholt wurde. Enrico Gaede bewies sich als
sicherer Vollstrecker vom Elfmeterpunkt aus
zum allemal verdienten 1:1.
In einem
munteren Spiel waren die „Löwen“
schon gut in Tritt gekommen. Sie ersetzten
auf der linken Abwehrseite den verletzten
Stefan Markolf durch Florian Heussner, Danijel
Gataric gab sein Ligadebüt auf der rechten
Flanke. Pfullendorfs Tormann musste früh
gegen Markus Unger (2.) und bei einer Ecke
von René Ochs (3.) auf der Hut sein.
Später flitzte Ungers Hereingabe wie
ein Kugelblitz die Querlatte entlang (24.).
Pfullendorf
benötigte eine Viertelstunde, kam dann
aber mit der Umstellung von zwei Spitzen auf
ein 4-1-4-1 gegen das 4-2-3-1-System des KSV
besser zurande. Und nach 21 Minuten klingelte
es auf kuriose Weise im Kasseler Kasten: Eine
lange Flanke von Saccone nahm Ekounda im Wettlauf
mit seinem Bewacher Mentor Latifi per Knie
ab, der Ball flog als Bogenlampe zum 1:0 ins
Netz. Danach hielt der SCP das Geschehen defensiv
unter Kontrolle. Ekoundas nächste Chance
vereitelte KSV-Torwart Tobias Wolf (40.).
Kurz vor
der Pause prüfte Marcel Stadel die Reflexe
des guten Torhüters Hermanutz. Der griff
nach einer Stunde gegen Bauer zur Notbremse
und lenkte später Ochs’ Kopfball
in höchster Not über die Latte (76.)
Gleich darauf hatte SCP-verteidiger Michael
Falkenmayer mächtiges Glück, dass
bei seinem Bodycheck gegen Bauer der zweite
Elfmeterpfiff der Schiedsrichterin Christine
Beck ausblieb (77.).
„Mirko, ich fühle heute mit Dir.“
Die Löwen
drängten Pfullendorf derart in die Defensive,
dass die Gastgeber jegliche Eigeninitiative
einstellten und die Bälle nur noch planlos
aus der Gefahrenzone schlugen. Es lief schon
die Nachspielzeit, als Dominik Müller
mit einem weiten Einwurf den just eingewechselten
Tobias Kunter bediente, der per Hinterkopf
zum lauernden Ekounda weiterleitete –
mit dem K.o- der Löwen als Folge.
„Mirko, ich fühle heute mit Dir“,
gestand Pfullendorfs Trainer Walter Schneck
seinem Kasseler Kollegen in der Freude über
„einen sehr glücklichen Sieg“.
Ein Trost aber war das für die Kasseler
nicht.
Von Jürgen
Witt (HNA-Sportredaktion, 21.03.2010) |