Brechler
rettet Löwen einen Punkt
Kassel. Und
wieder ein Unentschieden: Zum vierten Mal
in Folge kam der KSV Hessen Kassel in der
Fußball-Regionalliga nur zu einem Punkt
- im Spiel am Dienstag gegen den SSV Ulm.
Nach einem
Spiel, das die Löwen schon in der Anfangsphase
bereits klar hätten entscheiden können,
in dem sie nach zig vergebenen Chancen sogar
in Rückstand gerieten und auch noch einen
Elfmeter verschossen, hieß es am Ende
gegen den SSV Ulm 1:1 (0:0).
Wenn dies
noch die Saison wäre, bei denen vieles
fast von selbst lief bei den Löwen, dann
hätten die Fans nach nicht einmal 20
Minuten bereits Freudengesänge für
einen Heimsieg angestimmt. Es hätte zumindest
3:0 gestanden, Thorsten Bauer hätte wenigstens
zwei Tore erzielt.
Doch dies
ist nicht mehr das Vorjahr. Und dem KSV gelingt
längst nicht mehr, was ihm damals gelang.
So erlebten 1500 Zuschauer eine erste Halbzeit
zum Haareraufen. Die taktisch veränderten
Gastgeber – Trainer Mirko Dickhaut brachte
mit Thomas Brechler, der kurz vor Schluss
verletzt ausschied, einen zweiten Stürmer
und stellte auf ein 4-4-2-System um –
spielten die Ulmer in der Anfangsphase regelrecht
an die Wand. Sie hatten Chance um Chance.
Aber sie erzielten einfach kein Tor.
Wie das
geht? Das geht so: 2. Minute: Thorsten Bauer
stürmt auf Torhüter Holger Betz
zu, der mit dem Fuß klärt. 3. Minute:
Nach einem Freistoß von Kevin Wölk
landet Bauers Kopfball an der Latte. 6. Minute:
Bauer, die Dritte. Sein Schuss diesmal von
der rechten Seite. Vorbei an Betz. Aber auch
am Tor. 16. Minute: Toller Konter über
Bauer und René Ochs.
Brechler
wird freigespielt, läuft allein auf Betz
zu, ist aber viel zu zögerlich und bleibt
hängen. 18. Minute: Schönes Zusammenspiel
zwischen Bauer und Markus Unger. Der schießt
– und schießt ebenfalls vorbei.
So eine Überlegenheit, solche Chancen
– und ein 0:0 zur Pause. Unfassbar eigentlich,
zumal es weitere Möglichkeiten gab. Brechler,
Unger, Heussner mit einer verunglückten,
aber gerade deshalb gefährlichen Flanke
– sie trafen alle nicht. Zum Glück
auch nicht Christian Sauter, der bei Ulms
einziger Chance (4.) das Geschehen komplett
auf den Kopf hätte stellen können.
Das passierte dann aber nach der Pause.
Der große
Druck war mittlerweile heraus aus dem KSV-Spiel.
Und die zweite Chance der Gäste führte
zum 0:1. Verteidiger Marcel Stadel leistete
sich einen Stellungsfehler, Michael Schürg
war zur Stelle: Nach 52 Minuten lagen die
Löwen zurück – unglaublich,
aber wahr. Danach war es auch mit der Geduld
der Fans in der Nordkurve vorbei. Lautstark
forderten sie: „Wir woll’n euch
kämpfen seh’n!“ Die Löwen
brauchten aber lange, um sich von dem Schock
zu erholen. Zunächst schien sogar alles
noch schlimmer zu werden, denn selbst ein
Elfmeter half dem KSV nicht.
Bauer hatte
ihn mit einem energischen Einsatz herausgeholt,
doch Enrico Gaede scheiterte an Betz (72.).
Da war es fast schon ein Wunder, dass der
Ball am Ende wenigstens einmal den Weg ins
Gästetor fand. Wölk schickte Brechler.
Der schoss und traf. Ein Tor! Endlich ein
Tor. Und doch viel zu wenig. Denn was passierte
noch? Der KSV vergab einige Chancen. Als Stadel
zu treffen schien, rettete zudem ein Ulmer
noch auf der Linie (88.). Was blieb, war ein
Unentschieden. Wieder einmal.
Von Frank
Ziemke (HNA-Sportredaktion, 13.04.2010)
Das
Ziel heißt jetzt Pokal
Kassel. Es
hätte ein richtig schöner Abend
sein können für Thorsten Bauer.
Der Stürmer des KSV Hessen Kassel hatte
im Prinzip ein gutes Spiel gezeigt. Fast immer,
wenn es gefährlich wurde in der Partie
gegen den SSV Ulm, war Bauer beteiligt.
Bauer rannte.
Bauer kämpfte. Bauer schoss. Bauer köpfte.
Bauer holte einen Elfmeter heraus. Am Ende
aber war Bauer einfach nur frustriert. Denn
eines klappte einfach nicht: Der Ball wollte
nicht ins Tor. Nach dem 1:1 haderte der Stürmer
deshalb: „Uns fehlt es derzeit an Selbstvertrauen.
Es fehlt uns an Glück. Und wie man so
schön sagt: Am Ende kommt noch Pech dazu.“
Er selbst hatte es bei seinem Kopfball an
die Latte. Marcel Stadel hatte es, als der
Ball nach seinem schönen Fallrückzieher
in der 89. Minute noch von der Linie geholt
wurde. Und, und, und. Die Liste vergebener
KSV-Chancen an diesem Abend nahm kein Ende.
Kein Wunder, dass Trainer Mirko Dickhaut später
feststellte: „Das kann man nur noch
mit Sarkasmus nehmen. Ich bin etwas sprachlos.
Die Mannschaft hat alles versucht. Ich kann
ihr nicht mal einen Vorwurf machen, außer
dass sie ihre Chancen nicht genutzt hat.“
Glück
hatte an diesem Abend in der Tat nur einer
- und das gleich doppelt. Thomas Brechler
nutzte wenigstens seine zweite Großchance
zum Ausgleich (79.), nachdem Schürg die
Gäste in Führung gebracht hatte
(52.). Auch der Zusammenprall in der Schlussphase
hat wohl keine langfristigen Folgen für
den Stürmer. Brechler hatte zwar heftiges
Schädelbrummen, aber nicht die befürchtete
Gehirnerschütterung. Anders als der nach
der fünften Gelben Karte gesperrte Sebastian
Gundelach wird er am Freitag beim Spiel in
Alzenau wohl dabei sein können.
Brechlers
Treffer blieb trotzdem absolut unzureichender
Ausdruck der KSV-Überlegenheit. Und er
war natürlich bei weitem zu wenig, um
den Löwen und ihren Anhängern etwas
Erleichterung zu verschaffen nach Wochen der
Ernüchterung. Im Gegenteil: Sogar die
Nordkurve rückte diesmal von der Mannschaft
ab. Nach der Partie gab es erstmals nicht
das obligatorische Zusammentreffen mit den
Spielern in der Kurve. Zuvor, als sich nach
dem 0:1 beim sichtlich unter Schock stehenden
KSV niemand fand, der energisch den Umschwung
einleiten wollte, hatten die Fans gefordert:
„Wir wolln euch kämpfen sehen.“
Nicht nur Bauer fand das unpassend: „Natürlich
sind unsere Anhänger enttäuscht.
Aber diese Rufe tun weh. Wenn man uns eines
nicht vorwerfen kann, dann sicher, dass wir
nicht kämpfen würden.“
Sie treffen
halt das Tor nicht. „Andererseits“,
sagt Stürmer Bauer, „hatte ich
endlich einmal wieder richtig viele Chancen.
Wenn es so weitergeht, dann wird der Knoten
auch platzen.“ Einen guten Zeitpunkt
dafür hat sein Trainer bereits im Blick´-
das PokalHalbfinale in Flieden am kommenden
Dienstag, denn: „Im Pokal haben wir
noch ein großes Ziel.“ Das Erreichen
der Hauptrunde nämlich.
Von Frank
Ziemke (HNA-Sportredaktion, 14.04.2010) |