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<<< 26. Spieltag
Regionalliga Süd 2009/10, 20. Spieltag

KSV Hessen Kassel - SSV Ulm 1846

1:1 (0:0)

Dienstag, 13.04.2010 - 19 Uhr
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
SSV Ulm 1846
Holger Betz
Henry Onwuzuruike
Antonio Pangallo
Rouven Wiesner
Christian Sauter
Mario Schmidt (87. Nico Presthofer)
Marvin Länge
Heiko Gerber
Manuel Müller (66. Florian Hornig)
Michael Schürg (90. Burak Tastan)
Trainer: Ralf Becker
Spielstatistik
Tore: 0:1 Schürg (52.), 1:1 Brechler (79.) - Bes. Vork.: Betz hält Foulelfmeter von Gaede (74.) - Gelbe Karten: Unger, Gundelach, Brechler, Latifi - Schmidt, Länge, Pangallo - Schiedsrichter: Marc Frömel (Ibbenbüren) - Zuschauer: 1.500
Spielbericht

Brechler rettet Löwen einen Punkt

Kassel. Und wieder ein Unentschieden: Zum vierten Mal in Folge kam der KSV Hessen Kassel in der Fußball-Regionalliga nur zu einem Punkt - im Spiel am Dienstag gegen den SSV Ulm.

Nach einem Spiel, das die Löwen schon in der Anfangsphase bereits klar hätten entscheiden können, in dem sie nach zig vergebenen Chancen sogar in Rückstand gerieten und auch noch einen Elfmeter verschossen, hieß es am Ende gegen den SSV Ulm 1:1 (0:0).

Wenn dies noch die Saison wäre, bei denen vieles fast von selbst lief bei den Löwen, dann hätten die Fans nach nicht einmal 20 Minuten bereits Freudengesänge für einen Heimsieg angestimmt. Es hätte zumindest 3:0 gestanden, Thorsten Bauer hätte wenigstens zwei Tore erzielt.

Doch dies ist nicht mehr das Vorjahr. Und dem KSV gelingt längst nicht mehr, was ihm damals gelang. So erlebten 1500 Zuschauer eine erste Halbzeit zum Haareraufen. Die taktisch veränderten Gastgeber – Trainer Mirko Dickhaut brachte mit Thomas Brechler, der kurz vor Schluss verletzt ausschied, einen zweiten Stürmer und stellte auf ein 4-4-2-System um – spielten die Ulmer in der Anfangsphase regelrecht an die Wand. Sie hatten Chance um Chance. Aber sie erzielten einfach kein Tor.

Wie das geht? Das geht so: 2. Minute: Thorsten Bauer stürmt auf Torhüter Holger Betz zu, der mit dem Fuß klärt. 3. Minute: Nach einem Freistoß von Kevin Wölk landet Bauers Kopfball an der Latte. 6. Minute: Bauer, die Dritte. Sein Schuss diesmal von der rechten Seite. Vorbei an Betz. Aber auch am Tor. 16. Minute: Toller Konter über Bauer und René Ochs.

Brechler wird freigespielt, läuft allein auf Betz zu, ist aber viel zu zögerlich und bleibt hängen. 18. Minute: Schönes Zusammenspiel zwischen Bauer und Markus Unger. Der schießt – und schießt ebenfalls vorbei. So eine Überlegenheit, solche Chancen – und ein 0:0 zur Pause. Unfassbar eigentlich, zumal es weitere Möglichkeiten gab. Brechler, Unger, Heussner mit einer verunglückten, aber gerade deshalb gefährlichen Flanke – sie trafen alle nicht. Zum Glück auch nicht Christian Sauter, der bei Ulms einziger Chance (4.) das Geschehen komplett auf den Kopf hätte stellen können. Das passierte dann aber nach der Pause.

Der große Druck war mittlerweile heraus aus dem KSV-Spiel. Und die zweite Chance der Gäste führte zum 0:1. Verteidiger Marcel Stadel leistete sich einen Stellungsfehler, Michael Schürg war zur Stelle: Nach 52 Minuten lagen die Löwen zurück – unglaublich, aber wahr. Danach war es auch mit der Geduld der Fans in der Nordkurve vorbei. Lautstark forderten sie: „Wir woll’n euch kämpfen seh’n!“ Die Löwen brauchten aber lange, um sich von dem Schock zu erholen. Zunächst schien sogar alles noch schlimmer zu werden, denn selbst ein Elfmeter half dem KSV nicht.

Bauer hatte ihn mit einem energischen Einsatz herausgeholt, doch Enrico Gaede scheiterte an Betz (72.). Da war es fast schon ein Wunder, dass der Ball am Ende wenigstens einmal den Weg ins Gästetor fand. Wölk schickte Brechler. Der schoss und traf. Ein Tor! Endlich ein Tor. Und doch viel zu wenig. Denn was passierte noch? Der KSV vergab einige Chancen. Als Stadel zu treffen schien, rettete zudem ein Ulmer noch auf der Linie (88.). Was blieb, war ein Unentschieden. Wieder einmal.

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 13.04.2010)

Das Ziel heißt jetzt Pokal

Kassel. Es hätte ein richtig schöner Abend sein können für Thorsten Bauer. Der Stürmer des KSV Hessen Kassel hatte im Prinzip ein gutes Spiel gezeigt. Fast immer, wenn es gefährlich wurde in der Partie gegen den SSV Ulm, war Bauer beteiligt.

Bauer rannte. Bauer kämpfte. Bauer schoss. Bauer köpfte. Bauer holte einen Elfmeter heraus. Am Ende aber war Bauer einfach nur frustriert. Denn eines klappte einfach nicht: Der Ball wollte nicht ins Tor. Nach dem 1:1 haderte der Stürmer deshalb: „Uns fehlt es derzeit an Selbstvertrauen. Es fehlt uns an Glück. Und wie man so schön sagt: Am Ende kommt noch Pech dazu.“ Er selbst hatte es bei seinem Kopfball an die Latte. Marcel Stadel hatte es, als der Ball nach seinem schönen Fallrückzieher in der 89. Minute noch von der Linie geholt wurde. Und, und, und. Die Liste vergebener KSV-Chancen an diesem Abend nahm kein Ende. Kein Wunder, dass Trainer Mirko Dickhaut später feststellte: „Das kann man nur noch mit Sarkasmus nehmen. Ich bin etwas sprachlos. Die Mannschaft hat alles versucht. Ich kann ihr nicht mal einen Vorwurf machen, außer dass sie ihre Chancen nicht genutzt hat.“

Glück hatte an diesem Abend in der Tat nur einer - und das gleich doppelt. Thomas Brechler nutzte wenigstens seine zweite Großchance zum Ausgleich (79.), nachdem Schürg die Gäste in Führung gebracht hatte (52.). Auch der Zusammenprall in der Schlussphase hat wohl keine langfristigen Folgen für den Stürmer. Brechler hatte zwar heftiges Schädelbrummen, aber nicht die befürchtete Gehirnerschütterung. Anders als der nach der fünften Gelben Karte gesperrte Sebastian Gundelach wird er am Freitag beim Spiel in Alzenau wohl dabei sein können.

Brechlers Treffer blieb trotzdem absolut unzureichender Ausdruck der KSV-Überlegenheit. Und er war natürlich bei weitem zu wenig, um den Löwen und ihren Anhängern etwas Erleichterung zu verschaffen nach Wochen der Ernüchterung. Im Gegenteil: Sogar die Nordkurve rückte diesmal von der Mannschaft ab. Nach der Partie gab es erstmals nicht das obligatorische Zusammentreffen mit den Spielern in der Kurve. Zuvor, als sich nach dem 0:1 beim sichtlich unter Schock stehenden KSV niemand fand, der energisch den Umschwung einleiten wollte, hatten die Fans gefordert: „Wir wolln euch kämpfen sehen.“ Nicht nur Bauer fand das unpassend: „Natürlich sind unsere Anhänger enttäuscht. Aber diese Rufe tun weh. Wenn man uns eines nicht vorwerfen kann, dann sicher, dass wir nicht kämpfen würden.“

Sie treffen halt das Tor nicht. „Andererseits“, sagt Stürmer Bauer, „hatte ich endlich einmal wieder richtig viele Chancen. Wenn es so weitergeht, dann wird der Knoten auch platzen.“ Einen guten Zeitpunkt dafür hat sein Trainer bereits im Blick´- das PokalHalbfinale in Flieden am kommenden Dienstag, denn: „Im Pokal haben wir noch ein großes Ziel.“ Das Erreichen der Hauptrunde nämlich.

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 14.04.2010)