3:2
- Löwen holen in Darmstadt einen 0:2-Rückstand
auf
Darmstadt.
Welch ein Spiel des KSV Hessen Kassel in der
Fußball-Regionalliga: Nach einem 0:2-Rückstand
gewann die Mannschaft von Trainer Mirko Dickhaut
noch mit 3:2. Die 600 mitgereisten Fans sahen
dabei die dramatischste Halbzeit dieser Saison
und feierten den vielleicht schönsten
Sieg.
Denn - wie hatten es die
Darmstädter vor der Partie noch gesagt:
"Wer zuletzt lacht...".
Es waren an diesem Tag nicht
die 3400 südhessischen Anhänger
im Stadion am Darmstädter Böllenfalltor,
sondern die Kasseler, für die der eingewechselte
Christoph Keim mit seinem Treffer zum 3:2
in der 83. Minute den dritten Sieg in Folge
sicherstellte und die erste Halbzeit mit zwei
Gegentoren innerhalb von drei Minuten vergessen
machte.
Der Doppelschlag der Darmstädter
passierte paradoxerweise in einer Phase des
Spiels, in der sich der KSV eine leichte Feldüberlegenheit
erarbeitet hatte. Vor allem René Ochs
hatte gerade begonnen, so richtig aufzudrehen
und sich warmzuschießen. Allerdings
waren seine Aktionen nicht von Erfolg gekrönt.
Die Darmstädter machten
es besser: Nach Uwe Hesses Flanke köpfte
Sven Sökler in der 30. Minute aus kurzer
Distanz zum 1:0 ein. KSV-Keeper Dennis Lamczyk
hatte keine Chance. Nur blieb die Frage: Wo
waren eigentlich all die anderen Abwehrspieler
der Löwen? Den Flankengeber und den Torschützen
hatten sie zumindest nicht im Blick.
Auch drei Minuten später
waren die Löwen nicht im Bilde. Das 2:0
der Darmstädter resultierte aus einem
von Stefan Markolf an Elia Soriano verursachten
Strafstoß. Der Gefoulte schoss selbst.
Aber das eigentlich Ärgerliche
spielte sich vor Markolfs Foul ab: Da stellte
sich der gesamte KSV nämlich nicht wirklich
klug an. Weit in der Darmstädter Hälfte
versuchte sich Kevin Wölk an einem Freistoß.
Der Ball blieb in der gegnerischen Mauer hängen,
die Lilien konterten, und die Löwen liefen
hinterher.
0:2 zur Pause - da blieb
KSV-Trainer Mirko Dickhaut nur eins für
Halbzeit zwei: Alles auf eine Karte setzen.
Er brachte den zuletzt verletzten Thorsten
Bauer und ließ es in der Defensive auf
Eins-Zu-Eins-Situationen ankommen.
Schnell verkürzte sich
der Rückstand: Enrico Gaede verwandelte
in der 49. Minute einen Foulelfmeter, wobei
hinterher jeder rätselte, weswegen der
eigentlich gegeben wurde. Gaede war das egal:
Er drosch den Ball in die Maschen - nach drei
verschossenen KSV-Elfmetern in dieser Saison
eine Art Befreiung und das Signal zur Aufholjagd,
die geprägt war von eigenen Chancen,
aber auch von Kontern der Darmstädter:
Zweimal liefen sie auf das Tor von Dennis
Lamczyk zu, ohne dass dies ausreichend abgesichert
gewesen wäre, zweimal vergaben sie.
Auf der anderen Seite traf
Enrico Gaede den Ball nicht richtig nach einem
der schönsten Angriffe des KSV. Das alles
geschah bis zur 65. Minute. Dann sollte sich
die kurioseste Szene des Tages ereignen: Darmstadts
Torhüter Joel Samake spielte den Ball
bei einer Abwehraktion außerhalb des
Strafraums genau in die Füße von
Thomas Brechler. Der schob aus 30 Metern ins
leere Tor. 2:2 - der KSV hatte es Darmstadt
aus dem Hinspiel gleichgemacht und ein 0:2
wettgemacht.
Wer danach dachte, dass sich
die Begegnung beruhigen würde, der irrte:
Brechler hatte die Möglichkeit zur Löwen-Führung,
dann aber kam Darmstadt noch einmal auf. Und
wie! Die Lilien tauchten im Minutentakt im
Kasseler Strafraum auf. Mal rettete Lamczyk,
mal der ebenfalls eingewechselte Florian Heussner,
mal traf Darmstadt die Latte.
"Ein richtiges Derby",
sagte KSV-Chef Jens Rose auf der Tribüne.
Ein Derby mit dem besseren Ausgang für
den KSV: Christoph Keim machte das Glück
der Löwen perfekt. Direkt nach seiner
Einwechselung staubte er aus kurzer Distanz
ab. In der vergangenen Saison traf er zum
2:2 in der 90. Minute, diesmal in der 83.
Minute zum 3:2. Welch ein Spiel.
Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion,
12.12.2009)
14 Verletzte bei
Randale nach KSV-Spiel
Darmstadt. Nach dem Spiel
des SV Darmstadt 98 gegen den KSV Hessen Kassel
ist es am Samstag zu Fan-Ausschreitungen gekommen,
bei denen 14 Menschen verletzt wurden. Das
bestätigte soeben Klaus Lehmann von der
Darmstädter Polizei.
Laut Lehmann stellte sich
die Situation so dar: Nach Abpfiff versuchten
zunächst Darmstädter Fans, das Spielfeld
zu stürmen. Einigen von ihnen gelang
es. Kasseler Fans fühlten sich daraufhin
provoziert und wollten ihrerseits aufs Spielfeld.
Auch von ihnen schafften das ein paar.
Die Polizei schritt ein,
hielt beide Fangruppen getrennt voneinander
und setzte dabei Pfefferspray und Schlagstock
ein. Es gab Verletzte auf beiden Seiten. Auch
ein Polizist wurde verletzt.
Wie Fernsehaufnahmen beweisen,
hat ein Darmstädter Fan nach dem Spiel
einen Polizisten im Zuge der Ausschreitungen
mit einer Trommel beschmissen. Der Polizist
ging zu Boden.
In einer Stellungnahme griff
der Fanverein Darmstadt 98 die Polizei hart
an: Zwar se es richtig gewesen, die aneinander
geratenen Fans zu trennen. "Das weitere
Vorgehen der Einsatzkräfte müssen
wir allerdings mit allerhöchster Deutlichkeit
verurteilen", heißt es.
Anstatt zur weiteren Beruhigung
der Lage beigetragen zu haben, wurde –
obwohl die Gefahr bereits abgewendet war -
"mit unmittelbaren Zwang gegen die vollkommen
unbeteiligten Besucher des F-Blocks vorgegangen".
Dadurch seien viele Unbeteiligte zu Schaden
gekommen.
hag/tat (HNA-Sportredaktion,
13.12.2009)
Wer zuletzt lacht?
Kassel!
Darmstadt. So, wie dieses
Spiel jetzt lief, war klar, dass noch Besonderes
passieren würde: ein Tor per Fallrückzieher
etwa. Oder ein Eigentor der Marke Hannover.
Oder ein Phantomtor, wie es einst Thomas Helmer
geschossen oder eben gerade nicht geschossen
hat.
Fußball-Regionalligist
KSV Hessen Kassel hatte bei Darmstadt 98 vor
4000 Zuschauern am Samstag ein 0:2 wettgemacht.
Jetzt, als die letzte Viertelstunde lief,
stand es 2:2. Es war nun eine Partie, die
sich aller taktischen Fesseln entledigt hatte.
Es ging rauf und runter. Und es passierte
Besonderes.
Der Dramaturg dieses Spiels
entschied sich für diese Varian-te: In
der 83. Minute wechselte KSV-Trainer Mirko
Dickhaut Christoph Keim ein. Was dann geschah,
erzählt Keim selbst: "Ich bin gleich
vorn rein. Der Ball kommt nach einem Einwurf
von Sebastian Gundelach zu Marcel Stadel.
Sein Schuss wird abgeblockt, und ich mache
ihn rein. Da war ich zehn Sekunden auf dem
Platz."
Keim: "Darmstadt liegt
mir"
Zu der Pointe dieses Spiels
gehört, dass eben dieser Christoph Keim
auch in der vergangenen Saison in Darmstadt
sehr spät traf: in der 90. Minute zum
2:2. "Darmstadt liegt mir eben ganz gut",
befand Keim.
Sein Schuss ins KSV-Glück
stellte nicht nur den dritten Kasseler Sieg
in Folge und nach Nürnbergs Niederlage
in Weiden gestern den endgültigen Anschluss
an die Tabellenspitze sicher. Sondern danach
war auch klar, wer zuletzt lacht: Kassel.
Die Darmstädter hatten ja nach dem 2:2
im Hinspiel, als sie ihrerseits einen 0:2-Rückstand
aufholten, lange Zeit gedacht, sie selbst
seien das - und taten das auf Plakaten kund.
Eines dieser Poster hatte Mirko Dickhaut in
die KSV-Kabine gehängt: "Das war
die perfekte Motivation."
Vor allem in der Pause müssen
die KSV-Spieler noch einmal sehr genau darauf
geschaut haben. Ein Darmstädter Doppelschlag
um die 30. Minute hatte sie deutlich ins Hintertreffen
gebracht. Sven Sökler nutzte seine Freiheit
im Strafraum zum 1:0 für die Lilien,
Elia Soriano verwandelte einen von René
Ochs verursachten Strafstoß zum 2:0.
Da benötigten die Löwen in der Halbzeit
schon die Extra-Portion Optimismus.
"Ich habe auch nach
dem 0:2 immer an ein Unentschieden geglaubt.
Das 3:2 ist natürlich das i-Tüpfelchen."
KSV-Trainer Mirko Dickhaut
Dickhaut reagierte und brachte
mit Florian Heussner und Thorsten Bauer zwei
Neue. Aber nicht nur deren Mitwirken verunsicherte
die Darmstädter. Auch Schiedsrichter
Christian Schößling ließ
bei den Lilien die Frage aufkommen, ob sie
im falschen Film seien. Plötzlich pfiff
er Strafstoß für Kassel. Mirko
Dickhaut dachte in diesem Moment an den lieben
Gott, der bei der Entscheidung womöglich
mithalf.
Nur KSV-Stürmer Thomas
Brechler leuchtete der Pfiff ein: "Ich
habe den Schiedsrichter schon in der Halbzeit
darauf aufmerksam gemacht, dass mich mein
Gegenspieler immer nach unten zieht. So war
es auch in dieser Szene." Enrico Gaede
beendete den Fluch der Löwen, drosch
nach drei vergebenen KSV-Elfmetern in dieser
Saison den Ball zum 1:2 ins Tor. Die Aufholjagd
hatte begonnen.
Der KSV drängte jetzt
auf den Ausgleich, die Darmstädter wurden
nervös und nervöser - so nervös,
dass Torhüter Joel Samake den Ball unbedrängt
vor Thomas Brechlers Füße spielte.
Aus 30 Metern schob Brechler ihn flach ins
leere Tor. "Eigentlich wollte ich ihn
heben, aber so ist er auch reingegangen",
bemerkte Brechler.
Das KSV-Glück war nicht
aufgebraucht. Denn dann kam ja noch Keim.
Ob der Sieg verdient war? Mirko Dickhaut antwortete:
"Ich bin heute gern ein glücklicher
Gewinner."
Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion,
13.12.2009)
Löwen
drehen das Derby - 3:2-Sieg am Böllenfalltor
4.000 Zuschauer
am Darmstädter Böllenfalltor sahen
eine dramatische Partie, in der die Gastgeber
durch Sökler und Soriano, der einen Elfmeter
verwandelte, zur Pause schon mit 2:0 führten.
Im turbulenten zweiten Durchgang, bei dem
Thorsten Bauer zum ersten Mal seit seiner
Verletzung wieder zum Einsatz kam, gelang
den Löwen die Wende. Gaede per Elfmeter,
Brechler und Keim drehten noch das brisante
Derby.
Bei den Löwen
startete die Mannschaft, die zuvor gegen Weiden
einen souveränen Sieg landen konnte.
Auf der Bank Torjäger Thorsten Bauer,
der zum ersten Mal seit seiner schweren Gesichtsverletzung
Mitte November zum Kader gehörte.
Im kühlen, zugigen Stadion
am Böllenfalltor gab es von Beginn an
ein engagiertes Spiel. Die Gastgeber starteten
druckvoll und erspielten sich die ersten Möglichkeiten.
Gefahr gab es immer wieder nach Darmstädter
Eckbällen. Aber auch der KSV hielt dagegen.
Gaede, Wölk mit einem Freistoß
und Ochs erspielten sich gute Torchancen.
Den ersten Jubel im Lager
der rund 500 mitgereisten KSV-Fans gab es
in der 26. Minute. Nach einem Wölk-Freistoß
landete der Ball im Netz, doch Schiedsrichter
Schößling gab den Treffer nicht,
da Torwart Samake behindert wurde. Nur wenig
später der nächste Nackenschlag
für den KSV Hessen. Nach einer Flanke
von Hesse stand Sven Sökler völlig
frei und nickte zum 1:0 für die Gastgeber
ein. Nur drei Minuten später der nächste
Aufreger. Elia Soriano kam im Strafraum zu
Fall – Schössling entschied auf
Strafstoß. Der gefoulte ließ sich
diese Möglichkeit nicht nehmen und verwandelte
zum 2:0. Der KSV reagierte mit wütenden
Angriffen. Torwart Joel Samake musste sich
in der 40. Minute bei einem schönen Linksschuss
von Rene Ochs mächtig strecken und verhinderte
den ersten Löwen-Treffer.
In der Pause reagierte Löwen-Trainer
Mirko Dickhaut auf den Rückstand. Für
Stefan Markolf wechselte er Flo Heussner ein,
anstelle von Markus Unger kam Thorsten Bauer
mit Gesichtsmaske zum Einsatz. Die Löwen
nun im zweiten Durchgang also mit zwei Spitzen.
Im Hinspiel holte Darmstadt
ein 0:2 auf - und beim Rückspiel? Nach
nur fünf Minuten in Halbzeit zwei entschied
der Unparteiische ein zweites Mal auf Elfmeter.
Enrico Gaede ließ sich die Möglickeit
nicht nehmen und verwandelte mit einem platzierten
Schuss in die Mitte. Danach nahm der KSV immer
mehr das Ruder in die Hand, die Lilien antworteten
mit Kontern im eigenen Strafraum. In der 61.
Minute hatten die Löwen-Fans dann den
Torschrei auf den Lippen. Kevin Wölk
legte mit der Hacke an der Strafraumgrenze
den Ball für Enno Gaede auf, doch dessen
schöner Schuss ging knapp am Lilien-Tor
vorbei. Sechs Minuten später war es dann
soweit. Nach einem Patzer von Samake, der
über den Ball schlug, brauchte Brechler
den Ball nur noch ins leere Darmstädter
Tor schieben. Danach ging es munter weiter.
In der 69. Minute hatte Rene Ochs die Führung
auf den Fuß, doch der Darmstädter
Bodnar rettete in letzter Sekunde.
Nun war es ein tolles, spannungsgeladenes
Derby. Beide Mannschaften suchten das Tor,
viel lief beim KSV über Thorsten Bauer,
der eine prima Partie machte.
In der letzten Viertelstunde
setzten die Lilien noch einmal alles auf eine
Karte. Nach einem Foul an Melunovic reklamierten
die Gastgeber in der 76. Minute Elfmeter,
nur drei Minuten später traf Hesse die
Latte des Kasseler Tores.
Doch anders als beim Hinspiel
im Auestadion gab es am Böllenfalltor
das Happy-End für die Löwen. Nach
einem weiten Einwurf von "Taka"
Gundelach kam Stadel zum Schuß, Samake
konnte nur abklatschen und der zwei Minuten
zuvor eingewechselte Christoph Keim war da
und schob zum viel umjubelten 3:2-Siegtor
ein. Dabei blieb es dann auch. Mit dem dritten
Sieg in Folge ist den Löwen ein weiterer
wichtiger Schritt nach vorne geglückt.
Oliver Zehe / 12.12.2009
KSV-Presseteam |