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<<< 17. Spieltag
Regionalliga Süd 2009/10, 19. Spieltag

SV Darmstadt 98 - KSV Hessen Kassel

2:3 (2:0)

Samstag, 12.12.2009 - 14 Uhr
Stadion am Böllenfalltor

SV Darmstadt 98
KSV Hessen Kassel
Joel Samaké
Echendu Adiele
Michael Bodnar (85. Maximilian Mehring)
Fouad Brighache
Boris Kolb
Sven Sökler (59. Varol Akgöz)
Ermin Melunovic
Elia Soriano
Uwe Hesse
Markus Brüdigam
Patrick Hilser
Trainer: Zivojin Juskic
Spielstatistik
Tore: 1:0 Sökler (31.), 2:0 Soriano (34.,Foulelfmeter), 2:1 Gaede (50., Foulelfmeter), 2:2 Brechler (67.), 2:3 Keim (83.) - Gelbe Karten: Brighache, Hilger, Kolb, Mehring – Gaede, Wölk - Schiedsrichter: Christian Schößling (Leipzig) - Zuschauer: 4.000
Spielbericht

3:2 - Löwen holen in Darmstadt einen 0:2-Rückstand auf

Darmstadt. Welch ein Spiel des KSV Hessen Kassel in der Fußball-Regionalliga: Nach einem 0:2-Rückstand gewann die Mannschaft von Trainer Mirko Dickhaut noch mit 3:2. Die 600 mitgereisten Fans sahen dabei die dramatischste Halbzeit dieser Saison und feierten den vielleicht schönsten Sieg.

Denn - wie hatten es die Darmstädter vor der Partie noch gesagt: "Wer zuletzt lacht...".

Es waren an diesem Tag nicht die 3400 südhessischen Anhänger im Stadion am Darmstädter Böllenfalltor, sondern die Kasseler, für die der eingewechselte Christoph Keim mit seinem Treffer zum 3:2 in der 83. Minute den dritten Sieg in Folge sicherstellte und die erste Halbzeit mit zwei Gegentoren innerhalb von drei Minuten vergessen machte.

Der Doppelschlag der Darmstädter passierte paradoxerweise in einer Phase des Spiels, in der sich der KSV eine leichte Feldüberlegenheit erarbeitet hatte. Vor allem René Ochs hatte gerade begonnen, so richtig aufzudrehen und sich warmzuschießen. Allerdings waren seine Aktionen nicht von Erfolg gekrönt.

Die Darmstädter machten es besser: Nach Uwe Hesses Flanke köpfte Sven Sökler in der 30. Minute aus kurzer Distanz zum 1:0 ein. KSV-Keeper Dennis Lamczyk hatte keine Chance. Nur blieb die Frage: Wo waren eigentlich all die anderen Abwehrspieler der Löwen? Den Flankengeber und den Torschützen hatten sie zumindest nicht im Blick.

Auch drei Minuten später waren die Löwen nicht im Bilde. Das 2:0 der Darmstädter resultierte aus einem von Stefan Markolf an Elia Soriano verursachten Strafstoß. Der Gefoulte schoss selbst.

Aber das eigentlich Ärgerliche spielte sich vor Markolfs Foul ab: Da stellte sich der gesamte KSV nämlich nicht wirklich klug an. Weit in der Darmstädter Hälfte versuchte sich Kevin Wölk an einem Freistoß. Der Ball blieb in der gegnerischen Mauer hängen, die Lilien konterten, und die Löwen liefen hinterher.

0:2 zur Pause - da blieb KSV-Trainer Mirko Dickhaut nur eins für Halbzeit zwei: Alles auf eine Karte setzen. Er brachte den zuletzt verletzten Thorsten Bauer und ließ es in der Defensive auf Eins-Zu-Eins-Situationen ankommen.

Schnell verkürzte sich der Rückstand: Enrico Gaede verwandelte in der 49. Minute einen Foulelfmeter, wobei hinterher jeder rätselte, weswegen der eigentlich gegeben wurde. Gaede war das egal: Er drosch den Ball in die Maschen - nach drei verschossenen KSV-Elfmetern in dieser Saison eine Art Befreiung und das Signal zur Aufholjagd, die geprägt war von eigenen Chancen, aber auch von Kontern der Darmstädter: Zweimal liefen sie auf das Tor von Dennis Lamczyk zu, ohne dass dies ausreichend abgesichert gewesen wäre, zweimal vergaben sie.

Auf der anderen Seite traf Enrico Gaede den Ball nicht richtig nach einem der schönsten Angriffe des KSV. Das alles geschah bis zur 65. Minute. Dann sollte sich die kurioseste Szene des Tages ereignen: Darmstadts Torhüter Joel Samake spielte den Ball bei einer Abwehraktion außerhalb des Strafraums genau in die Füße von Thomas Brechler. Der schob aus 30 Metern ins leere Tor. 2:2 - der KSV hatte es Darmstadt aus dem Hinspiel gleichgemacht und ein 0:2 wettgemacht.

Wer danach dachte, dass sich die Begegnung beruhigen würde, der irrte: Brechler hatte die Möglichkeit zur Löwen-Führung, dann aber kam Darmstadt noch einmal auf. Und wie! Die Lilien tauchten im Minutentakt im Kasseler Strafraum auf. Mal rettete Lamczyk, mal der ebenfalls eingewechselte Florian Heussner, mal traf Darmstadt die Latte.

"Ein richtiges Derby", sagte KSV-Chef Jens Rose auf der Tribüne. Ein Derby mit dem besseren Ausgang für den KSV: Christoph Keim machte das Glück der Löwen perfekt. Direkt nach seiner Einwechselung staubte er aus kurzer Distanz ab. In der vergangenen Saison traf er zum 2:2 in der 90. Minute, diesmal in der 83. Minute zum 3:2. Welch ein Spiel.

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 12.12.2009)

14 Verletzte bei Randale nach KSV-Spiel

Darmstadt. Nach dem Spiel des SV Darmstadt 98 gegen den KSV Hessen Kassel ist es am Samstag zu Fan-Ausschreitungen gekommen, bei denen 14 Menschen verletzt wurden. Das bestätigte soeben Klaus Lehmann von der Darmstädter Polizei.

Laut Lehmann stellte sich die Situation so dar: Nach Abpfiff versuchten zunächst Darmstädter Fans, das Spielfeld zu stürmen. Einigen von ihnen gelang es. Kasseler Fans fühlten sich daraufhin provoziert und wollten ihrerseits aufs Spielfeld. Auch von ihnen schafften das ein paar.

Die Polizei schritt ein, hielt beide Fangruppen getrennt voneinander und setzte dabei Pfefferspray und Schlagstock ein. Es gab Verletzte auf beiden Seiten. Auch ein Polizist wurde verletzt.

Wie Fernsehaufnahmen beweisen, hat ein Darmstädter Fan nach dem Spiel einen Polizisten im Zuge der Ausschreitungen mit einer Trommel beschmissen. Der Polizist ging zu Boden.

In einer Stellungnahme griff der Fanverein Darmstadt 98 die Polizei hart an: Zwar se es richtig gewesen, die aneinander geratenen Fans zu trennen. "Das weitere Vorgehen der Einsatzkräfte müssen wir allerdings mit allerhöchster Deutlichkeit verurteilen", heißt es.

Anstatt zur weiteren Beruhigung der Lage beigetragen zu haben, wurde – obwohl die Gefahr bereits abgewendet war - "mit unmittelbaren Zwang gegen die vollkommen unbeteiligten Besucher des F-Blocks vorgegangen". Dadurch seien viele Unbeteiligte zu Schaden gekommen.

hag/tat (HNA-Sportredaktion, 13.12.2009)

Wer zuletzt lacht? Kassel!

Darmstadt. So, wie dieses Spiel jetzt lief, war klar, dass noch Besonderes passieren würde: ein Tor per Fallrückzieher etwa. Oder ein Eigentor der Marke Hannover. Oder ein Phantomtor, wie es einst Thomas Helmer geschossen oder eben gerade nicht geschossen hat.

Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel hatte bei Darmstadt 98 vor 4000 Zuschauern am Samstag ein 0:2 wettgemacht. Jetzt, als die letzte Viertelstunde lief, stand es 2:2. Es war nun eine Partie, die sich aller taktischen Fesseln entledigt hatte. Es ging rauf und runter. Und es passierte Besonderes.

Der Dramaturg dieses Spiels entschied sich für diese Varian-te: In der 83. Minute wechselte KSV-Trainer Mirko Dickhaut Christoph Keim ein. Was dann geschah, erzählt Keim selbst: "Ich bin gleich vorn rein. Der Ball kommt nach einem Einwurf von Sebastian Gundelach zu Marcel Stadel. Sein Schuss wird abgeblockt, und ich mache ihn rein. Da war ich zehn Sekunden auf dem Platz."

Keim: "Darmstadt liegt mir"

Zu der Pointe dieses Spiels gehört, dass eben dieser Christoph Keim auch in der vergangenen Saison in Darmstadt sehr spät traf: in der 90. Minute zum 2:2. "Darmstadt liegt mir eben ganz gut", befand Keim.

Sein Schuss ins KSV-Glück stellte nicht nur den dritten Kasseler Sieg in Folge und nach Nürnbergs Niederlage in Weiden gestern den endgültigen Anschluss an die Tabellenspitze sicher. Sondern danach war auch klar, wer zuletzt lacht: Kassel. Die Darmstädter hatten ja nach dem 2:2 im Hinspiel, als sie ihrerseits einen 0:2-Rückstand aufholten, lange Zeit gedacht, sie selbst seien das - und taten das auf Plakaten kund. Eines dieser Poster hatte Mirko Dickhaut in die KSV-Kabine gehängt: "Das war die perfekte Motivation."

Vor allem in der Pause müssen die KSV-Spieler noch einmal sehr genau darauf geschaut haben. Ein Darmstädter Doppelschlag um die 30. Minute hatte sie deutlich ins Hintertreffen gebracht. Sven Sökler nutzte seine Freiheit im Strafraum zum 1:0 für die Lilien, Elia Soriano verwandelte einen von René Ochs verursachten Strafstoß zum 2:0. Da benötigten die Löwen in der Halbzeit schon die Extra-Portion Optimismus.

"Ich habe auch nach dem 0:2 immer an ein Unentschieden geglaubt. Das 3:2 ist natürlich das i-Tüpfelchen."

KSV-Trainer Mirko Dickhaut

Dickhaut reagierte und brachte mit Florian Heussner und Thorsten Bauer zwei Neue. Aber nicht nur deren Mitwirken verunsicherte die Darmstädter. Auch Schiedsrichter Christian Schößling ließ bei den Lilien die Frage aufkommen, ob sie im falschen Film seien. Plötzlich pfiff er Strafstoß für Kassel. Mirko Dickhaut dachte in diesem Moment an den lieben Gott, der bei der Entscheidung womöglich mithalf.

Nur KSV-Stürmer Thomas Brechler leuchtete der Pfiff ein: "Ich habe den Schiedsrichter schon in der Halbzeit darauf aufmerksam gemacht, dass mich mein Gegenspieler immer nach unten zieht. So war es auch in dieser Szene." Enrico Gaede beendete den Fluch der Löwen, drosch nach drei vergebenen KSV-Elfmetern in dieser Saison den Ball zum 1:2 ins Tor. Die Aufholjagd hatte begonnen.

Der KSV drängte jetzt auf den Ausgleich, die Darmstädter wurden nervös und nervöser - so nervös, dass Torhüter Joel Samake den Ball unbedrängt vor Thomas Brechlers Füße spielte. Aus 30 Metern schob Brechler ihn flach ins leere Tor. "Eigentlich wollte ich ihn heben, aber so ist er auch reingegangen", bemerkte Brechler.

Das KSV-Glück war nicht aufgebraucht. Denn dann kam ja noch Keim. Ob der Sieg verdient war? Mirko Dickhaut antwortete: "Ich bin heute gern ein glücklicher Gewinner."

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 13.12.2009)

Löwen drehen das Derby - 3:2-Sieg am Böllenfalltor

4.000 Zuschauer am Darmstädter Böllenfalltor sahen eine dramatische Partie, in der die Gastgeber durch Sökler und Soriano, der einen Elfmeter verwandelte, zur Pause schon mit 2:0 führten. Im turbulenten zweiten Durchgang, bei dem Thorsten Bauer zum ersten Mal seit seiner Verletzung wieder zum Einsatz kam, gelang den Löwen die Wende. Gaede per Elfmeter, Brechler und Keim drehten noch das brisante Derby.

Bei den Löwen startete die Mannschaft, die zuvor gegen Weiden einen souveränen Sieg landen konnte. Auf der Bank Torjäger Thorsten Bauer, der zum ersten Mal seit seiner schweren Gesichtsverletzung Mitte November zum Kader gehörte.

Im kühlen, zugigen Stadion am Böllenfalltor gab es von Beginn an ein engagiertes Spiel. Die Gastgeber starteten druckvoll und erspielten sich die ersten Möglichkeiten. Gefahr gab es immer wieder nach Darmstädter Eckbällen. Aber auch der KSV hielt dagegen. Gaede, Wölk mit einem Freistoß und Ochs erspielten sich gute Torchancen.

Den ersten Jubel im Lager der rund 500 mitgereisten KSV-Fans gab es in der 26. Minute. Nach einem Wölk-Freistoß landete der Ball im Netz, doch Schiedsrichter Schößling gab den Treffer nicht, da Torwart Samake behindert wurde. Nur wenig später der nächste Nackenschlag für den KSV Hessen. Nach einer Flanke von Hesse stand Sven Sökler völlig frei und nickte zum 1:0 für die Gastgeber ein. Nur drei Minuten später der nächste Aufreger. Elia Soriano kam im Strafraum zu Fall – Schössling entschied auf Strafstoß. Der gefoulte ließ sich diese Möglichkeit nicht nehmen und verwandelte zum 2:0. Der KSV reagierte mit wütenden Angriffen. Torwart Joel Samake musste sich in der 40. Minute bei einem schönen Linksschuss von Rene Ochs mächtig strecken und verhinderte den ersten Löwen-Treffer.

In der Pause reagierte Löwen-Trainer Mirko Dickhaut auf den Rückstand. Für Stefan Markolf wechselte er Flo Heussner ein, anstelle von Markus Unger kam Thorsten Bauer mit Gesichtsmaske zum Einsatz. Die Löwen nun im zweiten Durchgang also mit zwei Spitzen.

Im Hinspiel holte Darmstadt ein 0:2 auf - und beim Rückspiel? Nach nur fünf Minuten in Halbzeit zwei entschied der Unparteiische ein zweites Mal auf Elfmeter. Enrico Gaede ließ sich die Möglickeit nicht nehmen und verwandelte mit einem platzierten Schuss in die Mitte. Danach nahm der KSV immer mehr das Ruder in die Hand, die Lilien antworteten mit Kontern im eigenen Strafraum. In der 61. Minute hatten die Löwen-Fans dann den Torschrei auf den Lippen. Kevin Wölk legte mit der Hacke an der Strafraumgrenze den Ball für Enno Gaede auf, doch dessen schöner Schuss ging knapp am Lilien-Tor vorbei. Sechs Minuten später war es dann soweit. Nach einem Patzer von Samake, der über den Ball schlug, brauchte Brechler den Ball nur noch ins leere Darmstädter Tor schieben. Danach ging es munter weiter. In der 69. Minute hatte Rene Ochs die Führung auf den Fuß, doch der Darmstädter Bodnar rettete in letzter Sekunde.

Nun war es ein tolles, spannungsgeladenes Derby. Beide Mannschaften suchten das Tor, viel lief beim KSV über Thorsten Bauer, der eine prima Partie machte.

In der letzten Viertelstunde setzten die Lilien noch einmal alles auf eine Karte. Nach einem Foul an Melunovic reklamierten die Gastgeber in der 76. Minute Elfmeter, nur drei Minuten später traf Hesse die Latte des Kasseler Tores.

Doch anders als beim Hinspiel im Auestadion gab es am Böllenfalltor das Happy-End für die Löwen. Nach einem weiten Einwurf von "Taka" Gundelach kam Stadel zum Schuß, Samake konnte nur abklatschen und der zwei Minuten zuvor eingewechselte Christoph Keim war da und schob zum viel umjubelten 3:2-Siegtor ein. Dabei blieb es dann auch. Mit dem dritten Sieg in Folge ist den Löwen ein weiterer wichtiger Schritt nach vorne geglückt.

Oliver Zehe / 12.12.2009
KSV-Presseteam