Löwen
wieder in der Spur
Der KSV Hessen
Kassel hat in der Fußball-Regionalliga
in die Erfolgsspur zurückgefunden und
endlich auch wieder einen überzeugenden
Heimerfolg gelandet. Dank einer deutlichen
Steigerung in der zweiten Halbzeit bezwangen
die Löwen die SpVgg Weiden mit 3:1 (0:0).
Sie benötigten dafür
aber einiges an Anlaufzeit. Während Weiden
durch einen Freistoß-Kracher von Okle
(6.) und einen gefährlichen Distanzversuch
von Schumacher (8.) gleich zwei Warnschüsse
abgab, tat sich bei den Gastgeber zunächst
wenig. Der KSV begann viel zu behäbig,
wirkte ungenau im Bemühen, das Spiel
zu gestalten.
So dauerte es bis zur 32.
Minute, ehe die frierenden Zuschauer erstmals
eine Chance beklatschen durften. Beim ersten
schönen Angriff bediente René
Ochs den durchstartenden Sebastian Gundelach,
dessen Hereingabe Enrico Gaede knapp neben
das Tor setzte. Der Kapitän war auch
zwei Minuten später bei der besten Möglichkeit
zur Stelle. Nach einem Freistoß von
Kevin Wölk kam Gaede frei zum Kopfball,
zielte jedoch ins kurze statt ins lange Eck,
wo Torhüter Rösch zur Ecke klärte.
Das war schon bis zur Pause,
doch die Hoffnung auf einen besseren zweiten
Durchgang wurden rasch erfüllt. Zwar
erwischten die Gäste durch Kacanis Chance
erneut den besseren Start. Doch das Tor erzielten
die Löwen. Und es war ein Tor wie ein
Befreiungsschlag. Gundelach hatte bei einem
seiner vielen Einwürfe den Ball weit
in den Strafraum der Gäste befördert,
wo ein Abwehrspieler per Kopf klärte.
Doch das Leder kam zu René Ochs, der
aus über 20 Metern Maß nahm und
wunderschön in den Winkel traf.
Nach 51 Minuten die erlösenden
Führung - und Auftakt eines endlich packenden
Spiels. Denn der KSV legte nach. Fünf
Minuten später stand es bereits 2:0.
Wölks Freistoß lenkte Sebastian
Gundelach mit dem Hinterkopf in die Maschen.
Das war doch beruhigend, oder?
Nein, war es (noch) nicht.
Denn im Gegenzug pennte die KSV-Abwehr, traf
Frischer völlig frei zum Anschluss -
und das Zittern ging nicht nur wegen der Kälte
noch eine Weile weiter. Allerdings nur zehn
Minuten. Denn dann fiel ein in jeder Hinsicht
erlösender Treffer. Der zuletzt so verzweifelt
nach seiner Form suchende Dennis Tornieporth
nahm sich ein Herz, drang energisch in den
Strafraum ein und erzielte das 3:1. Die Flügelzange
der Löwen, sie ist also zurück.
Und mit dem zweiten Sieg in Folge halten die
Löwen zumindest weiter Sichtkontakt zur
Spitzengruppe.
Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
04.12.2009)
Rund um das Spiel
Nach dem Spiel ist ja bekanntlich
immer bereits vor dem Spiel. Selten aber springen
die Gedanken von der gerade abgepfiffenen
Partie gleich so schnell voraus wie nach dem
Sieg gegen Weiden am Freitag.
Als die Spieler des KSV Hessen
den obligatorischen Gang zu den Fans in der
Nordkurve antraten, da schallte ihnen bereits
die Erwartung entgegen: "Derbysieg, Derbysieg",
riefen die Anhänger der Löwen. Die
Vorfreude ist riesig auf das Spiel bei den
Löwen am kommenden Samstag (14 Uhr).
"Darmstadt, wir kommen", riefen
die Löwen-Anhänger. Und okay, natürlich
auch einige Dinge in Richtung des Erzrivalen,
die nicht wirklich druckreif waren. Auch die
Mannschaft spürt bereits das Derbyfieber
- und fährt mit zwei Siegen im Rücken
natürlich deutlich entspannter nach Darmstadt.
"Wir sind richtig heiß auf das
Spiel", verspricht Kevin Wölk.
GUT GEWÄRMT AUF DER
RESERVEBANK
"Wir hatten jede Menge
Decken und Jacken. Zumindest gefroren habe
ich also nicht", sagt Thorsten Bauer,
der gegen Weiden den ungewohnten Platz auf
der Reservebank einnahm. Der Stürmer
hätte natürlich liebend gern gespielt.
Die Folgen der Gesichtsoperation, wenn auch
bereits kaum noch zu sehen, lassen das aber
nicht zu. Bauer kann derzeit nur Lauftraining
absolvieren.
KEINE CHANCE GEGEN KÄLTE
UND AUSLOSUNG
Flutlichtspiele im Auestadion
waren bisher stets ein Publikumsmagnet. Gegen
Weiden gab es mit 2000 Zuschauern aber ein
Saisonminus. Die zuletzt schwächeren
Heimauftritte, aber vor allem auch die Kälte
und die gleichzeitig stattfindende Auslosung
der WM-Gruppen verhinderten einen besseren
Besuch.
Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
06.12.2009)
Der Ballast ist abgefallen
Die Lobeshymne ging Mirko
Dickhaut dann doch etwas zu weit. Gino Lettieri
hatte seine Mannschaft gerade in den höchsten
Tönen beschrieben.
"Hut ab. Fußballerisch
ein Klassenunterschied. Überraschend,
was die für ein Tempo hingelegt haben.
Welche Bewegung da im Spiel ist, da sind wir
meilenweit hinterher," so schwärmte
der Trainer der Spielvereinigung Weiden vom
KSV Hessen Kassel, der sein Team soeben mit
3:1 bezwungen hatte. "Ganz so gut habe
ich uns nicht gesehen", wiegelte der
KSV-Coach später ab. Trotzdem: Das Lob
wird ihm runtergegangen sein wie Öl -
schließlich scheint seine Mannschaft
nach Wochen des Stillstands wieder auf den
richtigen Weg zurückzufinden.
45 Minuten lang hatten die
Löwen 2000 Zuschauer im Aue stadion frösteln
lassen. 45 Minuten war sie noch zu sehen,
diese seltsame Schwerfälligkeit, die
vom KSV in den letzten Wochen Besitz ergriffen
hat. "Wir haben den Gegner auch da schon
im Griff gehabt", sagt Regisseur Kevin
Wölk zwar. Doch es war eben so, wie es
viel zu häufig war. Die Gastgeber liefen
viel, sie waren häufig am Ball, aber
es kam wenig dabei heraus. Der letzte Pass,
der letzte richtige Schritt - er fehlte. Mirko
Dickhaut gestand: "Zur Pause hatte ich
die Befürchtung, dass wir für unseren
Aufwand wieder nicht belohnt werden."
Der Trainer bat seine Spieler
deshalb, in der zweiten Halbzeit noch einmal
zuzulegen. Sie taten ihm den Gefallen. Es
passierte das, was Rene Ochs später ebenso
so einfach wie treffend beschrieb: "Der
Knoten ist endlich geplatzt." Ochs selbst
war es, der ihn platzen ließ - durch
ein Traumtor aus fast 25 Metern. Maßnehmen,
abziehen, zusehen, wie der Ball direkt in
den Winkel fliegt. "Man trifft nicht
immer so. Aber manchmal klappt es einfach,"
sagt Ochs danach.
Dickhaut freut sich über
dieses Tor seines einen Flügelspielers.
Und er freut sich fast noch mehr über
das Tor des zweiten Flügelspielers. Denn
auch Dennis Tornieporth meldete sich nach
Wochen der Krise mit dem selbstbewusst herausgespielten
Treffer zum 3:1 zurück. "Das ist
für die beiden und für die Mannschaft
wichtig. Es ist richtig Ballast abgefallen,"
lobt Dickhaut.
In vielen Szenen erinnerte
der KSV in dieser zweiten Halbzeit dann auch
an seine ganz starke Zeit. Plötzlich
war es wieder da, dieses Flügelspiel,
das "schwerer geworden ist", wie
Ochs sagt, "weil die Gegenspieler sich
natürlich auf unsere Spielweise eingestellt
haben." Plötzlich führte Kevin
Wölk wieder so umsichtig Regie wie zu
Saisonbeginn, bereitete mit einem Freistoß
auch das zweite Tor von Sebastian Gundelach
vor. "Ein wichtiger Schritt aus der Minikrise",
erklärt Wölk. Wobei er selbst das
Wort Krise am liebsten gar nicht benutzen
würde, denn: "Andere haben uns vielleicht
abgeschrieben, aber wir glauben weiter fest
an uns." Worte, die sein Trainer gern
hören wird. "Diese Rolle jetzt,
die gefällt uns", sagt Mirko Dickhaut
über den KSV in der Verfolgerposition.
Daran kann auch ein überschwängliches
Lob des Gegners nichts ändern.
Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
06.12.2009) |