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<<< 16. Spieltag
Regionalliga Süd 2009/10, 17. Spieltag

KSV Hessen Kassel - SpVgg Weiden

3:1 (0:0)

Freitag, 04.12.2009 - 19 Uhr
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
SpVgg Weiden
Patrick Rösch
René Okle
Alexander Konjevic
Sebastian Szikal
Florian Schrepel (77. Ralph Egeter)
Alexander Geiger
Mischa Welm (60. Akram Abdel-Haq)
Andreas Schumacher
Michael Plänitz
Sokol Kacani (83. Stefan Seufert)
Andreas Fischer
Trainer: Gino Lettieri
Spielstatistik
Tore: 1:0 Ochs (49.), 2:0 Gundelach (56.), 2:1 Fischer (57.), 3:1 Tornieporth (67.) - Gelbe Karten: Gaede, Wölk - Konjevic - Schiedsrichter: Stefan Trautmann (Hannover) - Zuschauer: 2.000
Spielbericht

Löwen wieder in der Spur

Der KSV Hessen Kassel hat in der Fußball-Regionalliga in die Erfolgsspur zurückgefunden und endlich auch wieder einen überzeugenden Heimerfolg gelandet. Dank einer deutlichen Steigerung in der zweiten Halbzeit bezwangen die Löwen die SpVgg Weiden mit 3:1 (0:0).

Sie benötigten dafür aber einiges an Anlaufzeit. Während Weiden durch einen Freistoß-Kracher von Okle (6.) und einen gefährlichen Distanzversuch von Schumacher (8.) gleich zwei Warnschüsse abgab, tat sich bei den Gastgeber zunächst wenig. Der KSV begann viel zu behäbig, wirkte ungenau im Bemühen, das Spiel zu gestalten.

So dauerte es bis zur 32. Minute, ehe die frierenden Zuschauer erstmals eine Chance beklatschen durften. Beim ersten schönen Angriff bediente René Ochs den durchstartenden Sebastian Gundelach, dessen Hereingabe Enrico Gaede knapp neben das Tor setzte. Der Kapitän war auch zwei Minuten später bei der besten Möglichkeit zur Stelle. Nach einem Freistoß von Kevin Wölk kam Gaede frei zum Kopfball, zielte jedoch ins kurze statt ins lange Eck, wo Torhüter Rösch zur Ecke klärte.

Das war schon bis zur Pause, doch die Hoffnung auf einen besseren zweiten Durchgang wurden rasch erfüllt. Zwar erwischten die Gäste durch Kacanis Chance erneut den besseren Start. Doch das Tor erzielten die Löwen. Und es war ein Tor wie ein Befreiungsschlag. Gundelach hatte bei einem seiner vielen Einwürfe den Ball weit in den Strafraum der Gäste befördert, wo ein Abwehrspieler per Kopf klärte. Doch das Leder kam zu René Ochs, der aus über 20 Metern Maß nahm und wunderschön in den Winkel traf.

Nach 51 Minuten die erlösenden Führung - und Auftakt eines endlich packenden Spiels. Denn der KSV legte nach. Fünf Minuten später stand es bereits 2:0. Wölks Freistoß lenkte Sebastian Gundelach mit dem Hinterkopf in die Maschen. Das war doch beruhigend, oder?

Nein, war es (noch) nicht. Denn im Gegenzug pennte die KSV-Abwehr, traf Frischer völlig frei zum Anschluss - und das Zittern ging nicht nur wegen der Kälte noch eine Weile weiter. Allerdings nur zehn Minuten. Denn dann fiel ein in jeder Hinsicht erlösender Treffer. Der zuletzt so verzweifelt nach seiner Form suchende Dennis Tornieporth nahm sich ein Herz, drang energisch in den Strafraum ein und erzielte das 3:1. Die Flügelzange der Löwen, sie ist also zurück. Und mit dem zweiten Sieg in Folge halten die Löwen zumindest weiter Sichtkontakt zur Spitzengruppe.

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 04.12.2009)

Rund um das Spiel

Nach dem Spiel ist ja bekanntlich immer bereits vor dem Spiel. Selten aber springen die Gedanken von der gerade abgepfiffenen Partie gleich so schnell voraus wie nach dem Sieg gegen Weiden am Freitag.

Als die Spieler des KSV Hessen den obligatorischen Gang zu den Fans in der Nordkurve antraten, da schallte ihnen bereits die Erwartung entgegen: "Derbysieg, Derbysieg", riefen die Anhänger der Löwen. Die Vorfreude ist riesig auf das Spiel bei den Löwen am kommenden Samstag (14 Uhr). "Darmstadt, wir kommen", riefen die Löwen-Anhänger. Und okay, natürlich auch einige Dinge in Richtung des Erzrivalen, die nicht wirklich druckreif waren. Auch die Mannschaft spürt bereits das Derbyfieber - und fährt mit zwei Siegen im Rücken natürlich deutlich entspannter nach Darmstadt. "Wir sind richtig heiß auf das Spiel", verspricht Kevin Wölk.

GUT GEWÄRMT AUF DER RESERVEBANK

"Wir hatten jede Menge Decken und Jacken. Zumindest gefroren habe ich also nicht", sagt Thorsten Bauer, der gegen Weiden den ungewohnten Platz auf der Reservebank einnahm. Der Stürmer hätte natürlich liebend gern gespielt. Die Folgen der Gesichtsoperation, wenn auch bereits kaum noch zu sehen, lassen das aber nicht zu. Bauer kann derzeit nur Lauftraining absolvieren.

KEINE CHANCE GEGEN KÄLTE UND AUSLOSUNG

Flutlichtspiele im Auestadion waren bisher stets ein Publikumsmagnet. Gegen Weiden gab es mit 2000 Zuschauern aber ein Saisonminus. Die zuletzt schwächeren Heimauftritte, aber vor allem auch die Kälte und die gleichzeitig stattfindende Auslosung der WM-Gruppen verhinderten einen besseren Besuch.

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 06.12.2009)

Der Ballast ist abgefallen

Die Lobeshymne ging Mirko Dickhaut dann doch etwas zu weit. Gino Lettieri hatte seine Mannschaft gerade in den höchsten Tönen beschrieben.

"Hut ab. Fußballerisch ein Klassenunterschied. Überraschend, was die für ein Tempo hingelegt haben. Welche Bewegung da im Spiel ist, da sind wir meilenweit hinterher," so schwärmte der Trainer der Spielvereinigung Weiden vom KSV Hessen Kassel, der sein Team soeben mit 3:1 bezwungen hatte. "Ganz so gut habe ich uns nicht gesehen", wiegelte der KSV-Coach später ab. Trotzdem: Das Lob wird ihm runtergegangen sein wie Öl - schließlich scheint seine Mannschaft nach Wochen des Stillstands wieder auf den richtigen Weg zurückzufinden.

45 Minuten lang hatten die Löwen 2000 Zuschauer im Aue stadion frösteln lassen. 45 Minuten war sie noch zu sehen, diese seltsame Schwerfälligkeit, die vom KSV in den letzten Wochen Besitz ergriffen hat. "Wir haben den Gegner auch da schon im Griff gehabt", sagt Regisseur Kevin Wölk zwar. Doch es war eben so, wie es viel zu häufig war. Die Gastgeber liefen viel, sie waren häufig am Ball, aber es kam wenig dabei heraus. Der letzte Pass, der letzte richtige Schritt - er fehlte. Mirko Dickhaut gestand: "Zur Pause hatte ich die Befürchtung, dass wir für unseren Aufwand wieder nicht belohnt werden."

Der Trainer bat seine Spieler deshalb, in der zweiten Halbzeit noch einmal zuzulegen. Sie taten ihm den Gefallen. Es passierte das, was Rene Ochs später ebenso so einfach wie treffend beschrieb: "Der Knoten ist endlich geplatzt." Ochs selbst war es, der ihn platzen ließ - durch ein Traumtor aus fast 25 Metern. Maßnehmen, abziehen, zusehen, wie der Ball direkt in den Winkel fliegt. "Man trifft nicht immer so. Aber manchmal klappt es einfach," sagt Ochs danach.

Dickhaut freut sich über dieses Tor seines einen Flügelspielers. Und er freut sich fast noch mehr über das Tor des zweiten Flügelspielers. Denn auch Dennis Tornieporth meldete sich nach Wochen der Krise mit dem selbstbewusst herausgespielten Treffer zum 3:1 zurück. "Das ist für die beiden und für die Mannschaft wichtig. Es ist richtig Ballast abgefallen," lobt Dickhaut.

In vielen Szenen erinnerte der KSV in dieser zweiten Halbzeit dann auch an seine ganz starke Zeit. Plötzlich war es wieder da, dieses Flügelspiel, das "schwerer geworden ist", wie Ochs sagt, "weil die Gegenspieler sich natürlich auf unsere Spielweise eingestellt haben." Plötzlich führte Kevin Wölk wieder so umsichtig Regie wie zu Saisonbeginn, bereitete mit einem Freistoß auch das zweite Tor von Sebastian Gundelach vor. "Ein wichtiger Schritt aus der Minikrise", erklärt Wölk. Wobei er selbst das Wort Krise am liebsten gar nicht benutzen würde, denn: "Andere haben uns vielleicht abgeschrieben, aber wir glauben weiter fest an uns." Worte, die sein Trainer gern hören wird. "Diese Rolle jetzt, die gefällt uns", sagt Mirko Dickhaut über den KSV in der Verfolgerposition. Daran kann auch ein überschwängliches Lob des Gegners nichts ändern.

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 06.12.2009)