Nullnummer
im Auestadion
Fußball-Regionalligist
KSV Hessen Kassel tritt auf der Stelle: Gegen
die Stuttgarter Kickers gab es am Samstagnachmittag
vor 2500 Zuschauern im Kasseler Auestadion
mit einem 0:0 das vierte Unentschieden in
den letzten fünf Spielen.
Seit dem 1:0-Erfolg am 3.
Oktober gegen Bayern Alzenau hat die Mannschaft
von Trainer Mirko Dickhaut nun schon nicht
mehr gewonnen. In der Tabelle sind die Löwen
mittlerweile auf Rang sieben abgerutscht.
Gegen die Stuttgarter Kickers
half selbst ein Elfmeter nicht, um aus der
Krise zu kommen. Nach einem Foul von Moritz
Steinle an KSV-Stürmer Thorsten Bauer
(10.) pfiff Bundesliga-Schiedsrichter Babak
Rafati in der zehnten Minute Strafstoß.
Statt Bauer, der zuletzt vom Elfmeterpunkt
gescheitert war, trat diesmal Harez Habib
an. Und was machte er? Er wählte die
Ecke, für die sich auch Stuttgarts Torwart
Daniel Wagner entschied. Er fing den Ball
sogar.
Der Anfangselan der Löwen
war damit dahin. Habib entschuldigte sich
später beim Team und sagte: "Das
Unentschieden nehme ich auf meine Kappe."
Fortan entwickelte sich ein
kampfbetontes Spiel auf äußerst
mäßigem Niveau. Tormöglichkeiten
waren selten. Löwen-Kapitän Enrico
Gaede hatte noch die besten Gelegenheiten:
Er verfehlte in der 42. Minute mit einem Schuss
aus unbedrängter Position aber ebenso
das Tor wie in der 57. Minute nach einer Flanke
von Stefan Markolf. Markolf selbst glänzte
eine Minute später noch mit einem Schlenzer
aus 18 Metern. Das war es aber auch fast schon.
Ohne den gesperrten kreativen
Mittelfeldspieler Kevin Wölk lief nicht
mehr viel zusammen. Im Gegenteil. Es ging
einiges schief. Schon in der ersten Halbzeit
hatte sich Thorsten Bauer nach einem Zweikampf
am Kopf verletzt. Zur Pause musste er ausgewechselt
werden. Eine genaue Diagnose steht noch aus.
Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion,
21.11.2009)
Grüße
vom Murmeltier
Mirko Dickhaut kommt sich
derzeit vor wie im Film. Er weiß sogar,
in welchem. "Und täglich grüßt
das Murmeltier", heißt der Streifen.
Der Hauptdarsteller durchlebt albtraumhaft
immer wieder denselben Tag. So ähnlich
geht das dem Trainer des Fußball-Regionalligisten
KSV Hessen Kassel derzeit auch. Spieltag für
Spieltag grüßt das Unentschieden:
Das 0:0 am Samstagnachmittag vor der Minuskulisse
von 2500 Zuschauern im Kasseler Auestadion
gegen die Stuttgarter Kickers war bereits
das vierte Remis in den vergangenen fünf
sieglosen Partien, das achte in 15 Spielen.
Wie sehr Dickhaut diese Null-zu-Nulls
und Eins-zu-Eins auf den Keks gehen, zeigt
sich an seinen gesunkenen Ansprüchen,
die er an das Zustandekommen eines Sieges
knüpft. "Mir wäre auch mal
ein dreckiges 1:0 recht, bei dem wir schlecht
spielen und einen unberechtigten Elfer bekommen."
Gegen die Stuttgarter Kickers
waren die Löwen schon sehr nah dran an
einem solchen 1:0. Das Spiel war nicht gut,
es gab viele Zweikämpfe und auch Szenen,
die der Fachmann ganz gerne als dreckig bezeichnet:
Nickeligkeiten, Rudelbildung, Scharmützel.
Der Schiedsrichter pfiff sogar einen Elfmeter
für den KSV - allerdings einen berechtigten
nach Moritz Steinles Foul an Thorsten Bauer.
Habib verschießt Elfmeter
Der Haken war nur: Selbst
diese Chance ließen die Löwen ungenutzt.
Diesmal vergab Harez Habib, nachdem Mirko
Dickhaut dem etatmäßigen Schützen
Thorsten Bauer nahegelegt hatte, bis auf Weiteres
keine Elfmeter mehr zu schießen. Bauer
war zuletzt zweimal gescheitert in der Liga.
Auch im Test gegen Bad Wildungen hatte er
einen Strafstoß nicht verwandelt.
Also sollte statt Bauer der
schießen, der sich gut fühlt. Harez
Habib schnappte sich den Ball, keiner protestierte.
Jener, der wohl protestiert hätte, war
schließlich nicht dabei: Kevin Wölk,
der kreative Mittelfeldspieler, saß
eine Gelbsperre ab.
Es lief die zehnte Minute.
Bis dahin hatte der KSV gut gespielt. Ein
Tor nun hätte geholfen, all den Ballast
der vergangenen Wochen abzuwerfen, wie es
Kapitän Enrico Gaede später ausdrückte.
Doch Habib schoss in die Ecke, in die auch
der Torwart sprang. Daniel Wagner hielt den
Ball sogar fest - Höchststrafe für
Habib.
Der KSV fiel in den Trott
der vergangenen Wochen zurück: viel Kampf,
viel Krampf. "Wenn ich ihn reinmache,
hätten wir die nötige Sicherheit
gehabt", sagte Harez Habib nachher. "So
kann ich mich nur entschuldigen bei den Jungs."
Miteinander in die Krise
Die Elfmeter-Szene hatte
Symbolcharakter: Statt sich in Zeiten der
Krise gegenseitig aufzubauen, scheinen sich
die Löwen gegenseitig nach unten zu ziehen.
Wenn ein Thorsten Bauer einen Strafstoß
verschießt, verschießt ein Harez
Habib erst recht. Wenn Dennis Tornieporth
seit Wochen seiner Form hinterherläuft,
fällt René Ochs, der andere Außen,
eben auch mal in ein Tief. Dabei hatte jeder
vermutet, er sei ein kleiner Philipp Lahm
- kopiert für die Regionalliga: einer,
der dann noch gut ist, wenn er unter seinen
Möglichkeiten bleibt. Aber auch er passte
sich der Mehrzahl seiner Mitspieler an.
Es sagt viel aus, dass die
Zweikampfstärke des Innenverteidigers
Michael Zepek das Beste war, das der KSV zu
bieten hatte - neben zwei Chancen von Enrico
Gaede vor und nach der Halbzeit und einem
schönen Schuss von Stefan Markolf.
Wie sich Dickhaut gefühlt
hat nach dem verschossenen Elfmeter, ist er
später gefragt worden. "Wie im schlechten
Film", antwortete er. Und täglich
grüßt das Murmeltier.
Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion,
22.11.2009) |