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<<< 14. Spieltag
Regionalliga Süd 2009/10, 15. Spieltag

KSV Hessen Kassel - Stuttgarter Kickers

0:0

Samstag, 21.11.2009 - 14 Uhr
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
Stuttgarter Kickers
Daniel Wagner
Alessandro Abruscia
Moritz Steinle
Marcel Rapp
Fabian Gerster
Michele Rizzi (65. Mahir Savranlioglu)
Demis Jung
Marcel Ivanusa
Dirk Prediger (75. Enzo Marchese)
Mijo Tunjic
Gökhan Gümüssu
Trainer: Dirk Schuster
Spielstatistik
Tore: keine - Gelbe Karten: Zepek, Heussner, Tornieporth, Keim, Unger - Prediger, Steinle, Rizzi - Bes. Vork.: Wagner hält Foulelfmeter von Habib (11.) - Schiedsrichter: Babak Rafati (Hannover) - Zuschauer: 2.500
Spielbericht

Nullnummer im Auestadion

Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel tritt auf der Stelle: Gegen die Stuttgarter Kickers gab es am Samstagnachmittag vor 2500 Zuschauern im Kasseler Auestadion mit einem 0:0 das vierte Unentschieden in den letzten fünf Spielen.

Seit dem 1:0-Erfolg am 3. Oktober gegen Bayern Alzenau hat die Mannschaft von Trainer Mirko Dickhaut nun schon nicht mehr gewonnen. In der Tabelle sind die Löwen mittlerweile auf Rang sieben abgerutscht.

Gegen die Stuttgarter Kickers half selbst ein Elfmeter nicht, um aus der Krise zu kommen. Nach einem Foul von Moritz Steinle an KSV-Stürmer Thorsten Bauer (10.) pfiff Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati in der zehnten Minute Strafstoß. Statt Bauer, der zuletzt vom Elfmeterpunkt gescheitert war, trat diesmal Harez Habib an. Und was machte er? Er wählte die Ecke, für die sich auch Stuttgarts Torwart Daniel Wagner entschied. Er fing den Ball sogar.

Der Anfangselan der Löwen war damit dahin. Habib entschuldigte sich später beim Team und sagte: "Das Unentschieden nehme ich auf meine Kappe."

Fortan entwickelte sich ein kampfbetontes Spiel auf äußerst mäßigem Niveau. Tormöglichkeiten waren selten. Löwen-Kapitän Enrico Gaede hatte noch die besten Gelegenheiten: Er verfehlte in der 42. Minute mit einem Schuss aus unbedrängter Position aber ebenso das Tor wie in der 57. Minute nach einer Flanke von Stefan Markolf. Markolf selbst glänzte eine Minute später noch mit einem Schlenzer aus 18 Metern. Das war es aber auch fast schon.

Ohne den gesperrten kreativen Mittelfeldspieler Kevin Wölk lief nicht mehr viel zusammen. Im Gegenteil. Es ging einiges schief. Schon in der ersten Halbzeit hatte sich Thorsten Bauer nach einem Zweikampf am Kopf verletzt. Zur Pause musste er ausgewechselt werden. Eine genaue Diagnose steht noch aus.

Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 21.11.2009)

Grüße vom Murmeltier

Mirko Dickhaut kommt sich derzeit vor wie im Film. Er weiß sogar, in welchem. "Und täglich grüßt das Murmeltier", heißt der Streifen. Der Hauptdarsteller durchlebt albtraumhaft immer wieder denselben Tag. So ähnlich geht das dem Trainer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel derzeit auch. Spieltag für Spieltag grüßt das Unentschieden: Das 0:0 am Samstagnachmittag vor der Minuskulisse von 2500 Zuschauern im Kasseler Auestadion gegen die Stuttgarter Kickers war bereits das vierte Remis in den vergangenen fünf sieglosen Partien, das achte in 15 Spielen.

Wie sehr Dickhaut diese Null-zu-Nulls und Eins-zu-Eins auf den Keks gehen, zeigt sich an seinen gesunkenen Ansprüchen, die er an das Zustandekommen eines Sieges knüpft. "Mir wäre auch mal ein dreckiges 1:0 recht, bei dem wir schlecht spielen und einen unberechtigten Elfer bekommen."

Gegen die Stuttgarter Kickers waren die Löwen schon sehr nah dran an einem solchen 1:0. Das Spiel war nicht gut, es gab viele Zweikämpfe und auch Szenen, die der Fachmann ganz gerne als dreckig bezeichnet: Nickeligkeiten, Rudelbildung, Scharmützel. Der Schiedsrichter pfiff sogar einen Elfmeter für den KSV - allerdings einen berechtigten nach Moritz Steinles Foul an Thorsten Bauer.

Habib verschießt Elfmeter

Der Haken war nur: Selbst diese Chance ließen die Löwen ungenutzt. Diesmal vergab Harez Habib, nachdem Mirko Dickhaut dem etatmäßigen Schützen Thorsten Bauer nahegelegt hatte, bis auf Weiteres keine Elfmeter mehr zu schießen. Bauer war zuletzt zweimal gescheitert in der Liga. Auch im Test gegen Bad Wildungen hatte er einen Strafstoß nicht verwandelt.

Also sollte statt Bauer der schießen, der sich gut fühlt. Harez Habib schnappte sich den Ball, keiner protestierte. Jener, der wohl protestiert hätte, war schließlich nicht dabei: Kevin Wölk, der kreative Mittelfeldspieler, saß eine Gelbsperre ab.

Es lief die zehnte Minute. Bis dahin hatte der KSV gut gespielt. Ein Tor nun hätte geholfen, all den Ballast der vergangenen Wochen abzuwerfen, wie es Kapitän Enrico Gaede später ausdrückte. Doch Habib schoss in die Ecke, in die auch der Torwart sprang. Daniel Wagner hielt den Ball sogar fest - Höchststrafe für Habib.

Der KSV fiel in den Trott der vergangenen Wochen zurück: viel Kampf, viel Krampf. "Wenn ich ihn reinmache, hätten wir die nötige Sicherheit gehabt", sagte Harez Habib nachher. "So kann ich mich nur entschuldigen bei den Jungs."

Miteinander in die Krise

Die Elfmeter-Szene hatte Symbolcharakter: Statt sich in Zeiten der Krise gegenseitig aufzubauen, scheinen sich die Löwen gegenseitig nach unten zu ziehen. Wenn ein Thorsten Bauer einen Strafstoß verschießt, verschießt ein Harez Habib erst recht. Wenn Dennis Tornieporth seit Wochen seiner Form hinterherläuft, fällt René Ochs, der andere Außen, eben auch mal in ein Tief. Dabei hatte jeder vermutet, er sei ein kleiner Philipp Lahm - kopiert für die Regionalliga: einer, der dann noch gut ist, wenn er unter seinen Möglichkeiten bleibt. Aber auch er passte sich der Mehrzahl seiner Mitspieler an.

Es sagt viel aus, dass die Zweikampfstärke des Innenverteidigers Michael Zepek das Beste war, das der KSV zu bieten hatte - neben zwei Chancen von Enrico Gaede vor und nach der Halbzeit und einem schönen Schuss von Stefan Markolf.

Wie sich Dickhaut gefühlt hat nach dem verschossenen Elfmeter, ist er später gefragt worden. "Wie im schlechten Film", antwortete er. Und täglich grüßt das Murmeltier.

Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 22.11.2009)