KSV
enttäuscht restlos
War's das
schon? Muss Fußball-Regionalligist KSV
Hessen Kassel seine hochgesteckten Ziele bereits
begraben? Seit gestern Abend jedenfalls ist
die Tabellenspitze für die Löwen
erst einmal in unerreichbare Ferne gerückt.
Nach einer restlos enttäuschenden
Leistung verlor der KSV vor 7000 Zuschauern
im Auestadion gegen den VfR Aalen mit 0:1
(0:1). Der Abstand auf den Spitzenreiter beträgt
damit bereits neun Punkte.
Die meist diskutierte Frage
vor der Partie hatte Trainer Mirko Dickhaut
mit einer ganz mutigen Variante beantwortet.
Bauer und Brechler zusammen im Angriff. Und
nicht nur das. Tornieporth, Wölk und
Ochs bildeten das Trio hinter diesem Duo.
Richtig viel Offensivkraft also für die
Löwen. Doch hieß das auch Offensivgeist
von Beginn an? Wurde die lautstarke Forderung
der Fans - "schießt sie aus der
Stadt" - sofort in die Tat umgesetzt?
Nichts dergleichen. Die Abteilung
Angriffslust des KSV tat sich ungeheuer schwer,
spielte unglaublich statisch und kam nur mühsam
in die Aalener Hälfte. Dafür hatte
die Defensive der Gastgeber deutlich mehr
zu tun.
Auch hier gab es eine Umstellung.
Für den kranken Sebastian Gundelach rückte
überraschend Christoph Keim in die Startaufstellung.
Der Spitzenreiter jedenfalls ließ sich
von der offensiven Aufstellung der Gastgeber
nicht beeindrucken, erspielte sich im Mittelfeld
schnell ein Übergewicht.
Das hatte Folgen: Durch Schüsse
von Klefenz (5.), Zimmermann (8.) und Brandstetter
(13.) sorgte Aalen bereits für Gefahr
für das Tor von Dennis Lamczyk.
Die Führung der Gäste
kam so nicht überraschend: In der 36.
Minute war Zimmermann nach einer Kopfballverlängerung
zur Stelle und drückte das Leder über
die Linie.
Und der KSV? Ein Schuss von
Enrico Gaede, der knapp am Tor vorbeiging
(8.), Keims Doppelchance und kurz darauf verfrühter
Torjubel, als Michael Zepek traf, der Linienrichter
aber Abseits winkte (21.) - das war's vor
der Pause.
Und daran änderte sich
auch wenig, als Dickhaut nach dem Wechsel
Markus Unger für den erneut enttäuschenden
Dennis Tornieporth brachte. Die Löwen
wirkten wie gelähmt unter dem Druck,
dieses Spiel gewinnen zu müssen. Kaum
ein Pass, der den Mitspieler erreichte, kaum
gewonnene Offensiv-Zweikämpfe, dazu sechs
Gelbe Karten, die den Frust über die
eigene Leistung ausdrücken. Es ging einfach
kein Ruck durch die Mannschaft. Die Doppelspitze
Bauer/Brechler war beinahe überflüssig
- was nutzen zwei Stürmer, wenn sie fast
keinen Ball bekommen?
So dauerte es auch bis zur
71. Minute, eher Kevin Wölk mit einem
Distanzschuss überhaupt einmal für
Gefahr sorgte - Torhüter Bernhardt lenkte
den Ball aber über die Latte. Doch auch
das verhalf den Gastgebern gegen kompakt und
konzentriert verteidigende Aalener nicht zu
einer stürmischen Schlussoffensive. Nur
Bauer hatte ganz am Ende noch eine Chance,
scheiterte aber ebenfalls. So blieb's dabei:
Kein Tor. Keine Punkte. Und riesiger Frust
im Auestadion.
Frank Ziemke
(HNA-Sportredaktion, 30.10.2009)
Hilflos
nicht nur auf dem Platz
Ein Wort
beschreibt das Handeln der Akteure beim Fußball-Regionalligisten
KSV Hessen Kassel derzeit wie kein zweites.
Mittelfeldspieler Kevin Wölk gebrauchte
es nach dem Spiel, und es heißt: hilflos.
Hilflos auf dem Platz, hilflos
bei der Suche nach einer Antwort auf die Frage,
warum das Team an diesem Abend so schwach
gespielt hat. An diesem Abend, an dem die
Löwen wieder näher an die Tabellenspitze
hätten rücken sollen - und an dem
sie sich nach dem 0:1 gegen Spitzenreiter
Aalen noch weiter von eben dieser Tabellenspitze
entfernten.
Wölk gehörte zwar
auch zu den Akteuren, die weit unter Form
spielten, er war aber zumindest einer derjenigen
beim KSV, die das schlechte Auftreten des
Teams nicht schönredeten. "In der
ersten Halbzeit haben wir deutlich zu wenig
gemacht", sagte der 24-Jährige.
Das stimmte: Statt Hurra-Fußball, der
seit der vergangenen Saison im Auestadion
häufig zu sehen war, präsentierten
die Löwen Kampf, aber vor allem sehr
viel Krampf. Trainer Mirko Dickhaut sprach
nachher von fehlender Leichtigkeit. Leichtigkeit,
die den Gegner aus Aalen derzeit auszeichnet.
Rainer Scharinger, der Coach des VfR, meinte
nachher, dass seine Mannschaft eine ganz reife
Leistung geboten habe. Zu sehen gewesen seien
eine klare Ordnung und ein klarer Plan. Beides
ließ der KSV vermissen. Mirko Dickhaut
musste feststellen, dass sein Mut zur Offensive
nicht belohnt wurde.
Nun ist der KSV schon neun
Punkte hinter Aalen zurück. Kapitän
Enrico Gaede nannte dies eine Hausnummer,
das Saisonziel Drittligaaufstieg wollte er
aber nach der Niederlage nicht abschreiben.
Sicher sei die Lage derzeit frustrierend und
der Ausgang des Spiels enttäuschend.
"Aber ich verstehe die nicht, die jetzt
Weltuntergangsstimmung verbreiten." An
einem solchen Abend gelte es, auch einfach
mal die Leistung des Gegners anzuerkennen
und nicht gleich in den eigenen Reihen nach
Gründen für das 0:1 zu suchen.
Kevin Wölk dagegen bevorzugt
die Variante: an die eigene Nase packen und
die Schlüsse aus der Schlappe ziehen.
Viel Zeit bleibt nicht: Schon kommenden Samstag
muss der KSV wieder gegen ein Spitzenteam
ran: Dann geht es in Nürnberg gegen die
zweite Mannschaft des Clubs.
Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion,
30.10.2009) |