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<<< 11. Spieltag
Regionalliga Süd 2009/10, 12. Spieltag

KSV Hessen Kassel - SC Freiburg II

1:1 (0:0)

Samstag, 24.10.2009 - 14 Uhr
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
SC Freiburg II
Oliver Baumann
Sandro Sirigu
Robin Schuster
Daniel Sereinig
Jackson Mendy
Nicolas Höfler
Andreas Glockner (63. Julien Matter)
Daniel Caligiuri
Felix Roth (75. Gabriel Gallus)
Daniel Williams
Squipon Bektasi (58. Simon Brandstetter)
Trainer: Marcus Sorg
Spielstatistik

Tore: 0:1 Caligiuri (82.), 1:1 Brechler (90.) - Gelbe Karten: Heussner, Unger, Gaede, Gundelach, Habib - Bektasi, Roth - Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover) - Zuschauer: 5.000

Spielbericht

Brechler rettet einen Punkt

Am Ende dieses nervenaufreibenden Spiels blieb noch eine Frage an Spieler und Trainer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel: Was überwiegt jetzt eigentlich - die Freude über den Ausgleich in letzter Sekunde oder die Enttäuschung darüber, dass es trotz der deutlichen Überzahl an Chancen doch nur zu einem 1:1 gegen Freiburg II gereicht hatte?

Kapitän Enrico Gaede erbat sich bei der Suche nach einer Antwort Bedenkzeit, Torschütze Thomas Brechler war glücklich, Mittelfeldspieler René Ochs zwiegespalten. Und für Coach Mirko Dickhaut ließ sich das Ganze nicht in einem Satz beantworten.

Schließlich gab es zu jedem Einerseits an diesem Tage auch ein Andererseits, wobei nach der Partie vor 5000 Zuschauern im Kasseler Auestadion eines im Vordergrund stand: Einerseits hat der KSV keinen Boden gutgemacht gegen die zweite Mannschaft des SC Freiburg, den bisherigen Spitzenreiter. Andererseits hat er gerade noch so den größten Schaden abgewendet und den Abstand nicht von fünf auf acht Punkte anwachsen lassen. Die Löwen dürfen weiterhin ein Wörtchen mitreden in der Liga. Aber sie haben eben immer noch drei Vorgesetzte.

Selbst bei der Beurteilung des reinen Spiels dominiert der Zwiespalt, das Einerseits-Andererseits: Einerseits hat der KSV wieder über weite Strecken gut gespielt. Nur am Ende der ersten Halbzeit erinnerte das Gezeigte an den Fußball, den Ex-Trainer Matthias Hamann mit Vorliebe und dem Verweis auf die unmöglichen Platzverhältnisse zwischen Oktober und April hat präsentieren lassen: hoch und weit nach vorne. Am Anfang und fast die komplette zweite Halbzeit aber boten die Löwen den Hurra-Fußball mit gepflegtem Kurzpassspiel aus der aktuellen Ära Dickhaut.

Andererseits ist gerade dieser Fußball derzeit nicht sonderlich von Erfolg gekrönt: Die Großchancen (Artikel unten) in der ersten Halbzeit blieben alle ungenutzt - und nach der Pause kam es bis zur letzten Sekunde noch nicht einmal zu solchen Großchancen trotz kämpferisch einwandfreier Leistung und optischer Dauer-Überlegenheit. Immerhin fiel eben noch dieses eine Tor - wenn auch diesmal nicht das 1:0 wie in den beiden vergangenen Heimspielen, sondern das 1:1. Der Torschütze war aber derselbe wie schon bei den Siegen gegen Frankfurt II und Alzenau. Nach einem Freistoß von Kevin Wölk köpfte Brechler ein und belohnte so die Moral der Mannschaft.

Schock kurz vor Schluss

Die hätte allen Grund dazu gehabt, die Ungerechtigkeit des Fußballs zu geißeln. Schließlich hatten die sehr kompakten, aber alles andere als stürmenden Gäste kurz zuvor aus Gelegenheit zwei Tor eins gemacht. Daniel Caligiuri stand plötzlich frei vor Dennis Lamczyk. Er lupfte den Ball über den KSV-Keeper und brachte das Stadion zum Schweigen. Bis kurz vor Schluss. Bis Jubel aufkam.

Also noch einmal: Was überwiegt - Freude oder Enttäuschung? Vielleicht hätten sie sich beim KSV Rat holen sollen bei Lukas Podolski. Der allseits geschätzte Nationalspieler beantwortete diese Frage kürzlich so: "Beides."

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 25.10.2009)

Zu viel Aufwand für ein Tor

Wer wissen will, woran es beim Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel derzeit krankt, der muss sich eigentlich nur noch einmal die ersten 20 Minuten der Partie am Samstag gegen Freiburg II vor Augen führen.

Da vergaben die Löwen Großchancen fast im Minutentakt: Enrico Gaede fing in der zweiten Minute damit an, als er frei stehend an Freiburgs Torwart Oliver Baumann scheiterte. Nach der anschließenden Ecke bot sich Michael Zepek die große Kopfball-Gelegenheit zum 1:0. Aber auch er vergab.

Später ließ sich auch Torjäger Thorsten Bauer von dieser Treffunsicherheit anstecken: Ein Schuss aus 20 Metern ging knapp daneben (6.), einen Drehschuss eine Minute später wehrte erneut Baumann ab, und in der 20. Minute schoss Bauer aus aussichtsreicher Position über das Tor. Mittelfeldspieler René Ochs, zweimaliger Passgeber zu Großchancen, haderte hernach: "Im Moment will der Ball einfach nicht rein." Kapitän Enrico Gaede findet: "Wir spielen uns die Chancen selbst heraus, aber dann hakt es vorm Tor." Und Trainer Dickhaut sagt: "Der Aufwand, den wir betreiben, passt derzeit nicht zum Ertrag."

Was fehlt, ist die Leichtigkeit, die in der vergangenen Saison den KSV noch ausgemacht hat. Nach zwölf Spieltagen waren die Löwen damals mit 26 Toren die treffsicherste Mannschaft der Liga. In dieser Serie haben sie bisher 22-mal getroffen, Freiburg (27) und Weiden (23) sind da besser.

Sogar sieben Tore hinter der persönlichen Marke vom Vorjahr hinkt Thorsten Bauer hinterher. Er war bisher fünfmal erfolgreich. Schüsse, die vor einem Jahr noch ins Tor gingen, gehen heute knapp daneben - oder der gegnerische Torwart hält. Hinzu kommt, dass Bauer bei Elfmetern nicht mehr die traumwandlerische Sicherheit umgibt: Zwei verschoss er schon in diesem Jahr.

So bleibt derzeit zumindest zuhause nur Thomas Brechler, der trifft. Er erzielte die letzten drei KSV-Tore im Auestadion - und das, obwohl er immer nur eingewechselt wird. Ihn ficht das nicht an, im Gegenteil: "Ich weiß, ich krieg' meine Chance. Das spornt mich an, entscheidende Treffer zu schießen. Daran glaube ich bis zum Schluss."

Immerhin hat es der 23 Jahre alte Neuzugang innerhalb von zwölf Spieltagen schon geschafft, eine Diskussion anzustoßen, ob nicht vielleicht Mirko Dickhaut generell mit zwei Stürmern von Anfang an spielen sollte. Dass er das gegen Freiburg nicht tat, begründete der Trainer auch damit, so noch jemanden auf der Bank sitzen zu haben, der in der Schlussphase noch einmal für Druck sorgen kann. Brechler als personifizierte Brechstange, die das macht, was die anderen derzeit versäumen: ein Tor.

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 25.10.2009)