HOME
News
Regionalliga
Verbandsliga
Vereinsbilanz
Hall of Fame
Spielerarchiv
Trainerarchiv
Saisonarchiv
Auestadion
Hessenlöwe
LINKS
IMPRESSUM

<<< 9. Spieltag
Regionalliga Süd 2009/10, 10. Spieltag

KSV Hessen Kassel - FC Bayern Alzenau

1:0 (0:0)

Samstag, 03.10.2009 - 14 Uhr
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
FC Bayern Alzenau
Elvir Smajlovic
Julius Väth (82. Cengiz Veisoglu)
David Neis
Christoph Prümm
Larry Ransom
Christoph Stefani
Sebastian Feyh
David Lange (85. Tim Franz)
Kerem Kaya
Sebastian Popp
Christoph Werner
Trainer: Klaus Reusing
Spielstatistik
Tore: 1:0 Brechler (80.) - Gelbe Karte: Ransom, Stefani, Kaya - Gelb-Rote Karte: Feyh (60., Foulspiel) - Rote Karte: Markolf (74., grobes Foulspiel) - Schiedsrichter: Thomas Färber (Augsburg) - Zuschauer: 3.500
Spielbericht

Jubel nur über den Joker

Joker Thomas Brechler ist für den KSV Hessen Kassel in der Fußball-Regionalliga derzeit Gold wert. Der Treffer in der 80. Minute durch den zur Pause eingewechselten Stürmer sicherte den Gastgebern einen 1:0 (0:0)-Erfolg gegen Bayern Alzenau. "Wenn es so läuft, dann macht auch die Jokerrolle Spaß", freute sich der Torschütze nach seinem dritten Saisontreffer. Schon beim 1:0 gegen Frankfurt hatte Brechler das goldene Tor erzielt.

Allerdings war der Stürmer der Einzige, der an diesem Nachmittag vor 3500 Zuschauern im Auestadion richtig Spaß hatte. Die favorisierten Gastgeber taten sich gegen den Aufsteiger unglaublich schwer und boten eine ganz schwache Leistung. "Wir hatten hier zumindest ein Unentschieden verdient", ärgerte sich Gäste-Trainer Klaus Reusing. Wirklich widersprechen wollte ihm da niemand. Auch KSV-Coach Mirko Dickhaut nicht. Der stellte fest: "Drei Punkte sind heute das einzige Positive. Ansonsten bin ich froh, dass wir jetzt erst einmal eine Verschnaufpause haben."

Seine Mannschaft scheint die nötig zu haben. Die erste Halbzeit war die Schlechteste, die der KSV seit langem gespielt hat. "Wir haben uns brutal schwergetan", sagt Dickhaut. Die Löwen kamen überhaupt nicht ins Spiel und nur zu einer Chance durch Sebastian Gundelach (42.), der von Thorsten Bauer freigespielt den Ball verstolperte. Aufsteiger Alzenau hatte alles im Griff.

Dickhaut reagierte, schaltete mit zwei Wechseln zur Pause auf totale Offensive um. "Ich musste ein Zeichen setzen", so der Trainer. Er korrigierte nicht nur das nach hinten losgegangene Signal, mit Sebastian Busch für mehr Stabilität im Mittelfeld zu sorgen durch die Hereinnahme von Harez Habib. Zusätzlich kam Stürmer Brechler für Verteidiger Michael Zepek, die Abwehr wurde auf Dreierkette umgestellt.

Rot für Markolf

Mutiger geht nicht - und das Risiko schien auch belohnt zu werden. Die Gastgeber machten Druck, ließen Alzenau zunächst kaum noch aus der Defensive kommen. Aber: Zwingende Chancen kamen zunächst nicht zustande. Und ausgerechnet als Gästespieler Sebastian Feyh mit der Gelb-Roten Karte vom Platz musste (60.), kam Alzenau zu drei Möglichkeiten in fünf Minuten. Zunächst verstolperte Stefan Markolf den Ball gegen Christoph Werner, der am Tor vorbeischoss, dann traf Sebastian Popp den Außenpfosten, und schließlich spielte erneut Werner Marcel Stadel aus, traf aber erneut nicht das Tor.

Das war richtig Glück für den KSV, der dann auch noch dezimiert wurde. Markolf sprang mit beiden Beinen in den Gegenspieler und sah Rot (75.). Ein glückliches Ende gab es trotzdem. Bauers Kopfball nach Wölks Flanke wurde von Torhüter Elvir Smajlovic noch pariert (78.). Zwei Minuten später aber war es so weit. Einen der wenigen richtig gelungenen Angriffe über Bauer und Wölk schloss Brechler in der Mitte ab. Wie viel Glück der KSV an diesem Nachmittag hatte, zeigte auch dieses Tor. "Ich habe den Ball irgendwie mit der Sohle getroffen", erzählt Brechler. Nicht nur dem Torschützen war das aber egal, denn: "Sieg ist Sieg."

Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 04.10.2009)

"Es fehlt an Leichtigkeit"

Am Ende war eigentlich alles gut. Gewonnen, einen Platz und einen Punkt auf die Spitze gutgemacht. Wirklich strahlende Gesichter aber waren Seltenheit nach dem Sieg des KSV gegen Alzenau. Dazu hatte die Leistung zu viele Fragezeichen hinterlassen. Trainer Mirko Dickhaut stellte dann auch fest: "Uns fehlt es derzeit etwas an Sicherheit und Leichtigkeit."

Das beste Beispiel dafür ist der Torjäger. Thorsten Bauer, von den Fans liebevoll "Fußballgott" gerufen, kauerte nach dem Sieg minutenlang im Strafraum. Alles andere als das Bild eines Siegers war das. Später sagt Bauer den Satz: "Fußball ist derzeit für mich vor allem viel Arbeit, viel Kampf und ganz viel Krampf."

Dabei ist es gar nicht so, dass Bauer schlecht spielt. Im Gegenteil. Gegen Alzenau war der Stürmer an nahezu allen gefährlichen Aktionen beteiligt. Allerdings stets als Vorbereiter, nicht als Vollstrecker. Stellvertretend zeigt das Beispiel Bauer so, wo der KSV-Motor stottert. Es ist nicht nur so, dass dem Torjäger derzeit im Strafraum Glück und Selbstvertrauen fehlen. Bauer sagt auch: "Ich bin ein Spieler, der sehr von der Leistung der Mannschaft abhängig ist." Und da ist es für den KSV in dieser Saison schwerer geworden. Viele Gegner haben sich auf das Flügelspiel eingestellt. "Wir kommen nicht mehr so leicht in den Rücken der Abwehr", sagt Trainer Dickhaut, "von da müssen aber die Bälle kommen, die Bauer braucht." Wenn dann noch, wie am Samstag, von Spielmacher Kevin Wölk wenig Ideen ausgehen, wird es richtig schwer mit dem Toreschießen.

Doch auch in Gegenrichtung klappt längst nicht alles. Alzenau hatte zu viele Torchancen, was gewiss nicht nur an der Umstellung auf ungewohnte Dreierkette lag. Die besten Chancen besaßen die Gäste sogar, als sie einen Spieler weniger waren. Allerdings liegt das nicht allein an den Verteidigern. "Wir müssen schon im Mittelfeld besser arbeiten", gibt Kevin Wölk zu. So brachten unnötige Fehler im Aufbau die Defensive immer wieder in Bedrängnis.

Bleibt ein drittes Problem, das die Löwen zurzeit offenbar mit den Schiedsrichtern haben. In der Nachspielzeit wurde Bauer wie schon in Bamberg ein klarer Elfmeter verweigert. Zuvor erhielt der Stürmer eine Gelbe Karte wegen Meckerns. Diese Reklamationen sowie häufig theatralisches Fallen nach Fouls scheinen dem KSV derzeit nicht gerade förderlich.

"Wir haben das angesprochen. Ich habe erklärt, dass wir Schiedsrichtern nicht ständig mit Sprüchen kommen können", sagt Dickhaut. Bauer gesteht dann auch ein: "Wir reden zu viel und müssen das lassen."

Die Kehrseite ist natürlich, dass gerade Bauer und Wölk häufig gefoult werden. Wölk, ebenfalls stets ein Kandidat für "Mecker-Gelb", findet deshalb: "Auch wenn wir zu viel jammern: Bei einem Foul muss der Schiedsrichter auch Foul pfeifen."

Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 04.10.2009)

Brechlers Tor sichert drei wichtige Punkte

Mirko Dickhaut brachte die Dinge auf den Punkt. "Es ist gut, dass nun zwei Wochen Pause sind", sagte der Löwen-Trainer nach der Partie. Damit war fast alles über das Spiel gegen den sympathischen Aufsteiger aus Mainfranken gesagt.

Die Löwen taten sich gegen den sehr gut organisierten Gast über die gesamten neunzig Minuten unglaublich schwer. In der ersten Halbzeit wirkte Alzenau dominant, nahm das Heft in die Hand und arbeitete sich eine Unmenge an Eckbällen heraus. Einzig der Abschluss fehlte, obwohl die Sturmspitze Christoph Werner ein ständiger Unruheherd war.

Und der KSV? Der kam überhaupt nicht ins Spiel. Es fehlte der letzte Paß, die letzte Konsequenz. Einzig ein Freistoß von Kevin Wölk (16.) und ein abgeblockter Schuß von Rene Ochs (18.) sorgten für so etwas wie Torgefahr. Ansonsten gab es wenig Glanz im Löwen-Spiel. Alzenau stand kompromisslos gestaffelt, ließ den KSV nicht in die Partie kommen. Dennoch spielten sie immer wieder munter nach vorne. Was den Franken fehlte, waren die klaren Torchancen. Trotzdem sorgten Feyh (27.) und Popp (33.) mit Distanzschüßen durchaus für Gefahr. Erst kurz vor dem Halbzeitpfiff kam der KSV Hessen durch Gundelach, der gegen Smajlovic einen Schritt zu spät kam, zu einer weiteren Möglichkeit.

In der Pause reagierte Mirko Dickhaut. Mit Michael Zepek und Sebastian Busch wurden Innenverteidiger und defensiver Mittelfeldspieler geopfert. Für sie kamen Thomas Brechler und Harez Habib ins Spiel. "Damit wollte ich ein Signal für Mannschaft und Zuschauer setzen", erklärte der Trainer später. Der stellte nun in der Defensive auf die Dreierkette Gundelach - Stadel - Markolf um.

In der Tat hatten die Löwen nun ihre beste Phase. Immer wieder kam Thorsten Bauer zu Möglichkeiten, scheiterte aber am überragenden Elvir Smajlovic. Nach der Gelb-Roten Karte gegen Feyh (60.) schien sich das Spiel immer mehr zu Gunsten des KSV zu drehen. Doch Alzenau schlug zurück. Sebastian Popp mit einem Knaller gegen den rechten Torpfosten (65.) und Christoph Werner, dessen Schuß nur Zentimeter vorbei strich (66.), hatten die Überraschung auf den Füßen. In der letzten Viertelstunde überschlugen sich dann die Ereignisse. Nach einem Foul von Stefan Markolf an David Lange zückte Schiedsrichter Thomas Färber den roten Karton.

Mit zehn Mann lief es mit einem Mal besser. Enno Gaede aus kurzer Distanz und Thorsten Bauer (77.), mit einem tollen Flugkopfball, scheiterten an Smajlovic. Zehn Minuten vor Spielende war der Mann mit der Nummer eins beim FCB aber geschlagen. Nach einem schönen Spielzug über Bauer und Wölk kam der Ball zu Thomas Brechler, der gekonnt einnetzte. Sein dritter Joker-Treffer für die Löwen nach den wichtigen Toren gegen Frankfurt und in Karlsruhe.

In der turbulenten Schlußphase gab es weitere Chancen auf beiden Seiten. Hinten hatten die Löwen Glück, dass Werner nicht den Ausgleich erzielte, vorne hatte Thorsten Bauer im Konter das entscheidende 2:0 auf dem Fuss. In der Nachspielzeit reklamierten die KSV-Fans nach einem Foul an Kassels Nummer zehn Elfmeter - doch die Pfeife vom Schiedsrichter blieb stumm.

Am Ende blieb es beim glücklichen 1:0 für die Löwen. "Die Pause wird uns gut tun", pustete Dickhaut durch.

Oliver Zehe (03.10.2009)