Jubel
nur über den Joker
Joker Thomas
Brechler ist für den KSV Hessen Kassel
in der Fußball-Regionalliga derzeit
Gold wert. Der Treffer in der 80. Minute durch
den zur Pause eingewechselten Stürmer
sicherte den Gastgebern einen 1:0 (0:0)-Erfolg
gegen Bayern Alzenau. "Wenn es so läuft,
dann macht auch die Jokerrolle Spaß",
freute sich der Torschütze nach seinem
dritten Saisontreffer. Schon beim 1:0 gegen
Frankfurt hatte Brechler das goldene Tor erzielt.
Allerdings war der Stürmer
der Einzige, der an diesem Nachmittag vor
3500 Zuschauern im Auestadion richtig Spaß
hatte. Die favorisierten Gastgeber taten sich
gegen den Aufsteiger unglaublich schwer und
boten eine ganz schwache Leistung. "Wir
hatten hier zumindest ein Unentschieden verdient",
ärgerte sich Gäste-Trainer Klaus
Reusing. Wirklich widersprechen wollte ihm
da niemand. Auch KSV-Coach Mirko Dickhaut
nicht. Der stellte fest: "Drei Punkte
sind heute das einzige Positive. Ansonsten
bin ich froh, dass wir jetzt erst einmal eine
Verschnaufpause haben."
Seine Mannschaft scheint
die nötig zu haben. Die erste Halbzeit
war die Schlechteste, die der KSV seit langem
gespielt hat. "Wir haben uns brutal schwergetan",
sagt Dickhaut. Die Löwen kamen überhaupt
nicht ins Spiel und nur zu einer Chance durch
Sebastian Gundelach (42.), der von Thorsten
Bauer freigespielt den Ball verstolperte.
Aufsteiger Alzenau hatte alles im Griff.
Dickhaut reagierte, schaltete
mit zwei Wechseln zur Pause auf totale Offensive
um. "Ich musste ein Zeichen setzen",
so der Trainer. Er korrigierte nicht nur das
nach hinten losgegangene Signal, mit Sebastian
Busch für mehr Stabilität im Mittelfeld
zu sorgen durch die Hereinnahme von Harez
Habib. Zusätzlich kam Stürmer Brechler
für Verteidiger Michael Zepek, die Abwehr
wurde auf Dreierkette umgestellt.
Rot für Markolf
Mutiger geht nicht - und
das Risiko schien auch belohnt zu werden.
Die Gastgeber machten Druck, ließen
Alzenau zunächst kaum noch aus der Defensive
kommen. Aber: Zwingende Chancen kamen zunächst
nicht zustande. Und ausgerechnet als Gästespieler
Sebastian Feyh mit der Gelb-Roten Karte vom
Platz musste (60.), kam Alzenau zu drei Möglichkeiten
in fünf Minuten. Zunächst verstolperte
Stefan Markolf den Ball gegen Christoph Werner,
der am Tor vorbeischoss, dann traf Sebastian
Popp den Außenpfosten, und schließlich
spielte erneut Werner Marcel Stadel aus, traf
aber erneut nicht das Tor.
Das war richtig Glück
für den KSV, der dann auch noch dezimiert
wurde. Markolf sprang mit beiden Beinen in
den Gegenspieler und sah Rot (75.). Ein glückliches
Ende gab es trotzdem. Bauers Kopfball nach
Wölks Flanke wurde von Torhüter
Elvir Smajlovic noch pariert (78.). Zwei Minuten
später aber war es so weit. Einen der
wenigen richtig gelungenen Angriffe über
Bauer und Wölk schloss Brechler in der
Mitte ab. Wie viel Glück der KSV an diesem
Nachmittag hatte, zeigte auch dieses Tor.
"Ich habe den Ball irgendwie mit der
Sohle getroffen", erzählt Brechler.
Nicht nur dem Torschützen war das aber
egal, denn: "Sieg ist Sieg."
Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
04.10.2009)
"Es fehlt an
Leichtigkeit"
Am Ende war eigentlich alles
gut. Gewonnen, einen Platz und einen Punkt
auf die Spitze gutgemacht. Wirklich strahlende
Gesichter aber waren Seltenheit nach dem Sieg
des KSV gegen Alzenau. Dazu hatte die Leistung
zu viele Fragezeichen hinterlassen. Trainer
Mirko Dickhaut stellte dann auch fest: "Uns
fehlt es derzeit etwas an Sicherheit und Leichtigkeit."
Das beste Beispiel dafür
ist der Torjäger. Thorsten Bauer, von
den Fans liebevoll "Fußballgott"
gerufen, kauerte nach dem Sieg minutenlang
im Strafraum. Alles andere als das Bild eines
Siegers war das. Später sagt Bauer den
Satz: "Fußball ist derzeit für
mich vor allem viel Arbeit, viel Kampf und
ganz viel Krampf."
Dabei ist es gar nicht so,
dass Bauer schlecht spielt. Im Gegenteil.
Gegen Alzenau war der Stürmer an nahezu
allen gefährlichen Aktionen beteiligt.
Allerdings stets als Vorbereiter, nicht als
Vollstrecker. Stellvertretend zeigt das Beispiel
Bauer so, wo der KSV-Motor stottert. Es ist
nicht nur so, dass dem Torjäger derzeit
im Strafraum Glück und Selbstvertrauen
fehlen. Bauer sagt auch: "Ich bin ein
Spieler, der sehr von der Leistung der Mannschaft
abhängig ist." Und da ist es für
den KSV in dieser Saison schwerer geworden.
Viele Gegner haben sich auf das Flügelspiel
eingestellt. "Wir kommen nicht mehr so
leicht in den Rücken der Abwehr",
sagt Trainer Dickhaut, "von da müssen
aber die Bälle kommen, die Bauer braucht."
Wenn dann noch, wie am Samstag, von Spielmacher
Kevin Wölk wenig Ideen ausgehen, wird
es richtig schwer mit dem Toreschießen.
Doch auch in Gegenrichtung
klappt längst nicht alles. Alzenau hatte
zu viele Torchancen, was gewiss nicht nur
an der Umstellung auf ungewohnte Dreierkette
lag. Die besten Chancen besaßen die
Gäste sogar, als sie einen Spieler weniger
waren. Allerdings liegt das nicht allein an
den Verteidigern. "Wir müssen schon
im Mittelfeld besser arbeiten", gibt
Kevin Wölk zu. So brachten unnötige
Fehler im Aufbau die Defensive immer wieder
in Bedrängnis.
Bleibt ein drittes Problem,
das die Löwen zurzeit offenbar mit den
Schiedsrichtern haben. In der Nachspielzeit
wurde Bauer wie schon in Bamberg ein klarer
Elfmeter verweigert. Zuvor erhielt der Stürmer
eine Gelbe Karte wegen Meckerns. Diese Reklamationen
sowie häufig theatralisches Fallen nach
Fouls scheinen dem KSV derzeit nicht gerade
förderlich.
"Wir haben das angesprochen.
Ich habe erklärt, dass wir Schiedsrichtern
nicht ständig mit Sprüchen kommen
können", sagt Dickhaut. Bauer gesteht
dann auch ein: "Wir reden zu viel und
müssen das lassen."
Die Kehrseite ist natürlich,
dass gerade Bauer und Wölk häufig
gefoult werden. Wölk, ebenfalls stets
ein Kandidat für "Mecker-Gelb",
findet deshalb: "Auch wenn wir zu viel
jammern: Bei einem Foul muss der Schiedsrichter
auch Foul pfeifen."
Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
04.10.2009)
Brechlers
Tor sichert drei wichtige Punkte
Mirko Dickhaut
brachte die Dinge auf den Punkt. "Es
ist gut, dass nun zwei Wochen Pause sind",
sagte der Löwen-Trainer nach der Partie.
Damit war fast alles über das Spiel gegen
den sympathischen Aufsteiger aus Mainfranken
gesagt.
Die Löwen
taten sich gegen den sehr gut organisierten
Gast über die gesamten neunzig Minuten
unglaublich schwer. In der ersten Halbzeit
wirkte Alzenau dominant, nahm das Heft in
die Hand und arbeitete sich eine Unmenge an
Eckbällen heraus. Einzig der Abschluss
fehlte, obwohl die Sturmspitze Christoph Werner
ein ständiger Unruheherd war.
Und der KSV?
Der kam überhaupt nicht ins Spiel. Es
fehlte der letzte Paß, die letzte Konsequenz.
Einzig ein Freistoß von Kevin Wölk
(16.) und ein abgeblockter Schuß von
Rene Ochs (18.) sorgten für so etwas
wie Torgefahr. Ansonsten gab es wenig Glanz
im Löwen-Spiel. Alzenau stand kompromisslos
gestaffelt, ließ den KSV nicht in die
Partie kommen. Dennoch spielten sie immer
wieder munter nach vorne. Was den Franken
fehlte, waren die klaren Torchancen. Trotzdem
sorgten Feyh (27.) und Popp (33.) mit Distanzschüßen
durchaus für Gefahr. Erst kurz vor dem
Halbzeitpfiff kam der KSV Hessen durch Gundelach,
der gegen Smajlovic einen Schritt zu spät
kam, zu einer weiteren Möglichkeit.
In der Pause
reagierte Mirko Dickhaut. Mit Michael Zepek
und Sebastian Busch wurden Innenverteidiger
und defensiver Mittelfeldspieler geopfert.
Für sie kamen Thomas Brechler und Harez
Habib ins Spiel. "Damit wollte ich ein
Signal für Mannschaft und Zuschauer setzen",
erklärte der Trainer später. Der
stellte nun in der Defensive auf die Dreierkette
Gundelach - Stadel - Markolf um.
In der Tat
hatten die Löwen nun ihre beste Phase.
Immer wieder kam Thorsten Bauer zu Möglichkeiten,
scheiterte aber am überragenden Elvir
Smajlovic. Nach der Gelb-Roten Karte gegen
Feyh (60.) schien sich das Spiel immer mehr
zu Gunsten des KSV zu drehen. Doch Alzenau
schlug zurück. Sebastian Popp mit einem
Knaller gegen den rechten Torpfosten (65.)
und Christoph Werner, dessen Schuß nur
Zentimeter vorbei strich (66.), hatten die
Überraschung auf den Füßen.
In der letzten Viertelstunde überschlugen
sich dann die Ereignisse. Nach einem Foul
von Stefan Markolf an David Lange zückte
Schiedsrichter Thomas Färber den roten
Karton.
Mit zehn
Mann lief es mit einem Mal besser. Enno Gaede
aus kurzer Distanz und Thorsten Bauer (77.),
mit einem tollen Flugkopfball, scheiterten
an Smajlovic. Zehn Minuten vor Spielende war
der Mann mit der Nummer eins beim FCB aber
geschlagen. Nach einem schönen Spielzug
über Bauer und Wölk kam der Ball
zu Thomas Brechler, der gekonnt einnetzte.
Sein dritter Joker-Treffer für die Löwen
nach den wichtigen Toren gegen Frankfurt und
in Karlsruhe.
In der turbulenten
Schlußphase gab es weitere Chancen auf
beiden Seiten. Hinten hatten die Löwen
Glück, dass Werner nicht den Ausgleich
erzielte, vorne hatte Thorsten Bauer im Konter
das entscheidende 2:0 auf dem Fuss. In der
Nachspielzeit reklamierten die KSV-Fans nach
einem Foul an Kassels Nummer zehn Elfmeter
- doch die Pfeife vom Schiedsrichter blieb
stumm.
Am Ende blieb es beim glücklichen
1:0 für die Löwen. "Die Pause
wird uns gut tun", pustete Dickhaut durch.
Oliver Zehe (03.10.2009) |