Ein
Tor des Thotho-Sturms
Thomas Brechler
ließ auf sich warten - wie sich das
für einen Mann des Tages gehört:
Der Stürmer sollte die Jubelfeier von
Fans und Mannschaft anstimmen, aber er musste
erst noch Autogramme schreiben. Als er dann
in Richtung Nordkurve sprintete, gab es für
ihn noch einmal einen Extra-Applaus.
Extra-Applaus für den
einzigen Torschützen des Spiels zwischen
seinem KSV Hessen Kassel und der zweiten Mannschaft
von Eintracht Frankfurt. Extra-Applaus für
den Mann, der die Löwen in der Spitzengruppe
der Fußball-Regionalliga gehalten hat.
Das 1:0 des KSV gestern Nachmittag
war dabei ein Sieg der Geduld und der neuen
Qualität auf der Ersatzbank: Anders als
in den beiden vergangenen Heimspielen gegen
Großaspach und Pfullendorf belohnten
sich die von Beginn an schwungvollen Löwen
diesmal nicht mit einem frühen Treffer:
Sie erspielten sich zwar eine deutliche Feldüberlegenheit;
sie erarbeiteten sich eine Vielzahl an Gelegenheiten
der Kategorie "ganz gut". Aber zur
Halbzeit stand es noch 0:0, und Trainer Mirko
Dickhaut musste feststellen: "Für
unseren Riesenaufwand war der Ertrag nicht
gerecht."
Dickhaut erinnerte seine
Jungs in der Kabine an eine alte Grundregel
aus der Welt des Fußballs: "Wenn
ihr weiter Druck macht, dann fällt noch
das Tor, dann gewinnen wir hier 1:0."
Er tippte auf eine Standardsituation, und
es gehört zu den eher paradoxen Dingen
dieser Partie, dass seine Mannschaft am Ende
tatsächlich noch dieses eine entscheidende
Tor erzielt hatte, aber dieses Tor weder nach
einer Standardsituation gefallen war noch
in einer Phase, in der die Löwen so druckvoll
gewesen waren wie noch zu Beginn.
Dieser Treffer fiel in der
73. Minuten - zwei Minuten nachdem Mirko Dickhaut
Thomas Brechler eingewechselt hatte und als
sich das Spiel auf ein 0:0 einpendelte. Kurz
vor seiner zweiten Ballberührung stand
der 23-Jährige frei vor des Gegners Tor.
Eiskalt schloss er ab und war "glücklich
über einen wichtigen Dreier". Er
vergaß nicht, auf das hinzuweisen, was
dem Treffer vorangegangen war: ein Zuckerpässchen
von Thorsten Bauer, der seinen Gegenspieler
genarrt und im richtigen Moment seinen Sturmkollegen
bedient hatte.
Bauer spielte seinen eigenen
Anteil an diesem Sieg anschließend herunter
und sagte: "Das Einzige, was heute entscheidend
ist, sind die drei Punkte." Aber ein
Extra-Lob hat auch er sich verdient - schon
allein deshalb, weil es unfair wäre,
ihn immer nur dann zu loben, wenn er auch
trifft. Eine Erkenntnis lautet nämlich:
Bauer ist auch dann wichtig, wenn er nicht
trifft.
Zumal Mirko Dickhaut mit
Thomas Brechler nun einen Mann in der Hinterhand
hat, der ebenfalls Torjägerqualität
besitzt, wie es auch Frankfurts Trainer Frank
Leicht bekannte. Genau daran mangelte es dem
KSV in der vergangenen Saison. Jetzt wächst
dagegen ein neuer Traumsturm namens Thotho
heran: THOrsten Bauer und THOmas Brechler.
Dass Bauer kurz vor Schluss
noch einen Elfmeter verschossen hat, weil
er im Moment vielleicht zu viel nachdenkt,
wie er sagt - geschenkt. Nach dem Abpfiff
war eh nur Jubel angesagt - vor allem, als
Thomas Brechler endlich in der Nordkurve angekommen
war.
Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion,
20.09.2009)
Heussner: Schon wieder
die Nase
Was für ein Pech für
Florian Heussner. Der Verteidiger musste schon
nach 32 Minuten verletzt vom Feld. Dabei hatte
es ihn innerhalb kürzester Zeit gleich
zweimal erwischt.
Erst war der Linksfuß
nach einem feinen Solo im Strafraum der Gäste
gestoppt worden, blieb liegen und musste am
Knöchel behandelt werden. Als es wieder
weiterging, kam es noch schlimmer: Bei seiner
ersten Aktion stieg Heussner zum Kopfball
hoch, rasselte mit einem Gegenspieler zusammen.
Ergebnis: ein gebrochenes Nasenbein. Und zudem
auch noch der Verdacht, der Kiefer könne
etwas abbekommen haben. Stark blutend verließ
der Verteidiger den Platz, wurde noch während
des Spiels ins Krankenhaus gebracht. Bereits
im letzten Jahr hatte Heussner sich das Nasenbein
gebrochen und danach mit einer Spzialmaske
gespielt.
DER SONNTAG KOMMT GUT AN
4500 Zuschauer gegen Frankfurt,
4000 zuvor gegen Pfullendorf - der Sonntag
als Spieltag kommt bei den KSV-Fans offenbar
besser an als erwartet. "Wir hatten mit
Einbußen gerechnet", sagt KSV-Chef
Jens Rose, der nun richtig gespannt ist, "wie
sich die Zuschauerzahlen entwickeln, wenn
wir wieder samstags spielen". Gewünscht
hatten sich die Löwen die Verlegung auf
Sonntag nicht - auch aus Rücksicht auf
die vielen Amateurspiele zu diesem Zeitpunkt.
Sicherheitsfragen und Rücksicht auf die
Partie der Melsunger Handballer waren die
Gründe.
DICKHAUTS RESPEKT VOR LATIFIS
EHRLICHKEIT
Eigentlich wäre Mentor
Latifi Kandidat Nummer eins für den Posten
des zweiten Innenverteidigers gewesen - nach
dem verletzungsbedingten Ausfall Michael Zepeks.
Doch auf einmal spielte Alleskönner Christoph
Keim auf dieser Position. Die Begründung
lieferte Trainer Mirko Dickhaut nach dem Spiel
gegen die zweite Mannschaft von Eintracht
Frankfurt: Latifi sei nach dem Pokalspiel
gegen Schwalmstadt am Mittwoch zu ihm gekommen
und habe ihm gesagt, er fühle sich derzeit
so schlapp. Dickhaut nötigte diese Ehrlichkeit
Respekt ab und entschied: Keim spielt.
EIN KOPFBALL, DER FAST EIN
TREFFER WAR
Es sollte dann doch irgendwo
Erwähnung finden auf dieser Seite: dass
nämlich der 1,70 Meter kleine René
Ochs kurz nach der Halbzeit zu einem großartigen
Kopfball ansetzte. Nachdem Kevin Wölk
geflankt hatte, hechtete Ochs entgegen. Der
Ball strich knapp am Tor vorbei.
frz/hag (HNA-Sportredaktion,
20.09.2009) |