HOME
News
Regionalliga
Verbandsliga
Vereinsbilanz
Hall of Fame
Spielerarchiv
Trainerarchiv
Saisonarchiv
Auestadion
Hessenlöwe
LINKS
IMPRESSUM

<<< 3. Spieltag
Regionalliga Süd 2009/10, 4. Spieltag

KSV Hessen Kassel - Sonnenhof Großaspach

3:0 (3:0)

Samstag, 29.08.2009 - 14 Uhr
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
SG Sonnenhof Großaspach
Kevin Kraus
Manuel Wengert (69. Michael Deiß)
Dennis Grab
Fabian Aupperle
Martin Cimander
Shaban Ismaili (46. Shqiprim Binakaj)
Patrick Marschlich (62. Oguzhan Biyik)
Rüdiger Rehm
Oskar Schmiedel
Nicolo Mazzola
Abedin Krasniqi
Trainer: Jürgen Hartmann
Spielstatistik
Tore: 1:0 Wölk (4.), 2:0 Wölk (8.), 3:0 Ochs (9.) - Gelbe Karten: Tornieporth - Ismaili, Marschlich, Schmiedel - Schiedsrichter: Dominik Nowak (Bottrop) - Zuschauer: 3.000
Spielbericht

KSV zu Beginn wie im Rausch

Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel ist wieder in der Spur. Nach drei Unentschieden gelang der Mannschaft von Trainer Mirko Dickhaut am Samstagnachmittag gegen Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach mit 3:0 der erste Saisonsieg.

In der Tabelle kletterte er von Platz zwölf auf Rang acht. Vor 3000 Zuschauern im Kasseler Auestadion sorgte der Aufstiegsaspirant dabei schon schnell für klare Verhältnisse. Nach neun Minuten stand es schon 3:0 – als ob die Kasseler ein Signal an die Liga senden wollten: Seht her, mit uns ist trotz des Holperstarts in dieser Saison doch zu rechnen.

Beim 1:0 in der dritten Minute leistete allerdings Großaspachs Torwart Dennis Grab Unterstützung. Sein Abwurf landete beim KSV-Spielmacher Kevin Wölk, der nur noch einzuschieben brauchte. 1:0 – und das war erst der Anfang der besten sechs KSV-Minuten seit langer Zeit. Nur kurze Zeit später nämlich war Wölk auf der linken Seite so frei, dass er sich aussuchen konnte, ob er direkt aufs Tor schießt oder Stürmer Thorsten Bauer bedient. Wölk entschied sich für einen Schlenzer – und wurde mit einem Tor belohnt. Der Ball klatschte an den Pfosten und flog von dort aus ins Tor. Ein überaus sehenswerter Treffer.

Damit aber nicht genug: Der KSV machte weiter Druck, er spielte in dieser Phase wie im Rausch. Die SG Sonnenhof Großaspach wusste gar nicht, wie ihr geschieht. Kaum hatte sie das 0:2 verkraften müssen, stand schon wieder René Ochs frei vor dem Tor. Eiskalt verwandelte er zum 3:0 für die Kasseler. Nach neun Minuten.

Danach verflachte die Begegnung. Gäste-Trainer Jürgen Hartmann sagte nachher, dass es fortan ein typischen 0:0-Spiel war. Damit lag er richtig. Allerdings stand es eben schon 3:0. Anders als gegen Darmstadt zwei Wochen zuvor hielt der KSV diesmal aber den Vorsprung. Damals hieß es nach einem 2:0 noch 2:2. Daraus lernten die Löwen. Das Interessanteste ereignete sich noch in der 85. Minute: als Jung-Stürmer Mario Kilian eingewechselt wurde. Akzente setzte der 20-Jährige allerdings nicht mehr.

Mirko Dickhaut war aber auch so zufrieden. Nach der Begegnung sagte er: "Wir haben schon ein bisschen unter Druck gestanden und wollten unbedingt den ersten Dreier. Dass es dann so losgeht, damit konnte keiner rechnen. Jetzt sind wir hoffentlich so richtig drin in der Saison."

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 29.08.2009)

Neun Minuten losgelöst

Als Mirko Dickhaut mal wieder mit einem Rucksack über der Schulter den Raum betrat, in dem die Pressekonferenzen stattfinden, konnte sich Jens Rose die Bemerkung nicht verkneifen: "Mirko", sagte der Präsident des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel zum Trainer, "heute sieht dein Rucksack viel voller aus als beim letzten Mal."

Und was als Scherz gemeint war, ging gleichzeitig als Anspielung durch: Diesmal - nach dem 3:0 gegen Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach - hatte Dickhaut nach Roses gewollt kindlicher Vorstellung drei Punkte im Rucksack, nach dem Heimspiel zuvor gegen Darmstadt hatte sich dort hinein nur ein einziges Pünktchen verirrt.

Damals, vor zwei Wochen, machte schon die Formulierung Fehlstart die Runde. Nach dem ersten Saisonsieg nun und sechs Punkten nach vier Spielen sieht das alles wieder viel freundlicher aus für den ambitionierten KSV. Nach drei Unentschieden zu Saisonbeginn war er nicht verunsichert, wie nachher alle versicherten, aber zumindest angespannt.

Wie Usain Bolt

Vielleicht passt dieses Bild tatsächlich besser, das vornehmlich Kapitän Enrico Gaede benutzte. Angespannt. Gespannt. Wie ein Stein in der Zwille. Wird er losgelassen, zischt er ab wie Usain Bolt auf den zweiten 50 Metern. Dann gibt es kein Halten mehr. So in etwa haben sich die Löwen in den ersten neun Minuten gegen Großaspach präsentiert. Völlig losgelöst.

Vor 3000 Zuschauern im Kasseler Auestadion haben sie den Gegner so vorgeführt, dass der am Ende dieser neun Minuten wohl selbst nicht mehr wusste, ob er nun aus Großaspach oder Kleinaspach kommt. Kevin Wölk legte zwei Treffer vor (siehe Artikel unten), René Ochs erhöhte nach einem Zuckerpässchen von Thorsten Bauer auf 3:0 - und schwuppdiwupp war die heile Welt des KSV aus der vergangenen Saison wieder nah. Sehr viel hatte an die schönen Kombinationen und den herzerfrischenden Fußball von damals erinnert. Und so war die Erleichterung anschließend groß: Ja, sie haben nichts verlernt.

Auf Nummer sicher

Und sie haben gelernt. Den 2:0-Vorsprung gegen Darmstadt haben die Löwen noch leichtfertig verzockt. Diesmal gingen sie nicht nur deshalb auf Nummer sicher, weil sie sich vorsichtshalber mal drei Tore Vorsprung erarbeiteten, sondern weil sie gefestigter wirkten. Die zweite Halbzeit gegen Darmstadt war ihnen eine Mahnung. "Wir hatten das alle noch vor Augen", sagte Dickhaut.

Typisches 0:0-Spielchen

So entwickelte sich nach der neunten Minute ein typisches 0:0-Spiel, wie es Großaspachs Trainer Jürgen Hartmann erklärte. Er hatte damit durchaus Recht - das Problem für ihn und seine Mannschaft war nur, dass es schon 3:0 für den KSV stand, bevor sich beide Teams auf dieses 0:0-Spielchen einließen.

Es passierte dann wirklich nicht mehr viel, was auch daran lag, dass die Defensive der Kasseler nun kompakt steht, seit Michael Zepek Mitglied der Verteidigung ist. Mit ihm hat die Mannschaft noch kein Gegentor kassiert: 0:0 in Ulm, nun 3:0. Er selbst gab sich bescheiden und sprach nur von "Wir": "Wir haben den Punkt gegen Ulm heute vergoldet."

Mirko Dickhaut drückte das anders aus. Er sagte: "Wir haben heute den ganzen Ballast der letzten Wochen abgeworfen." Das passte ganz gut. Sein Rucksack war ja mit den drei Punkten schon gut gefüllt.

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 30.08.2009)

Wölks kleiner Geniestreich

Als er ging, wusste er nicht mehr, welcher Tag ist und wo er sich überhaupt befindet. Nach einem Kopfballduell war er benommen auf dem Platz liegen geblieben. Das Gedächtnis hatte für kurze Zeit seinen Dienst versagt. Dabei hatte es zuvor eigentlich so viel Positives gespeichert an diesem Tag, an dem der Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel 3:0 gegen die SG Sonnenhof Großaspach gewann - am Tag des Kevin Wölk.

Dieser Kevin Wölk musste Anfang der zweiten Halbzeit ausgewechselt werden, und es dauerte ein paar Momente, bis das Gedächtnis wieder so funktionierte, wie es funktionieren sollte. Nach der Begegnung sollte es zumindest wieder behilflich sein, die wichtigsten Szenen noch einmal aufzuarbeiten. Szenen, in denen Kevin Wölk die Hauptrolle gespielt hatte. Szenen wie jene in der vierten Minute.

Da bewies Kevin Wölk, was sein Köpfchen im Normalzustand zu leisten im Stande ist. Als Großaspachs Torwart Kevin Kraus den Ball abwerfen wollte, zeigte sich der KSV-Kevin gedankenschnell: "Ich habe gehofft, dass er den Ball in meine Richtung abrollt." Gedacht, geschehen. Wölk fing den Ball ab und schoss ein zum 1:0. Seine erste Heldentat war vollbracht. Sie war aber noch nichts gegen die zweite an diesem Nachmittag.

Diese ereignete sich nur vier Minuten später. Da gelang dem 24 Jahre alten KSV-Spielmacher mit dieser enormen Spielintelligenz ein kleiner Geniestreich. Auf der linken Angriffsseite war er nach einem langen Pass von Stefan Markolf frei wie ein Vogel in der Luft. Er hätte in die Mitte auf Stürmer Thorsten Bauer passen können. Kevin Wölk aber entschied sich für die komplizierte Variante: Er schlenzte den Ball aus spitzem Winkel über den Torwart-Kevin hinweg, der Ball klatschte an den Pfosten, von dort aus flog er ins Tor. Der Treffer ähnelte dem, den er gegen Darmstadt erzielt hatte. Der Unterschied war nur, dass diesmal kein Zufall zum Erfolg geführt hatte, sondern Absicht. "In solch einer Situation überlegst du kurz, was du machst", sagte nachher der, der vorher überlegt hatte. Flanken? Schlenzen? Flanken? Schlenzen? "So etwas läuft automatisch ab - ein ganz normaler Vorgang." Dann die Entscheidung: schlenzen. Fußball kann so einfach sein - oder? "Solche Sachen übe ich halt auch im Training."

Tor Nummer zwei in diesem Spiel hat für Kevin Wölk nun die Folge, dass er doppelt so viele Treffer in dieser Saison erzielt hat wie Thorsten Bauer - was eigentlich so unmöglich ist wie eine Schalker Meisterschaft in den nächsten 30 Jahren. Kevin Wölk ficht das nicht an. Er sagt vielmehr: "Wir pushen uns gegenseitig."

Derzeit bekommt ihm das besser als dem Dauer-Torschützen. Wie viele Tore er in den bisherigen vier Spielen geschossen hat, ist Kevin Wölk nach dem Spiel gefragt worden. "Vier", antwortete er. Spätestens da war klar, dass sein Gedächtnis wieder voll funktionstüchtig war. Gegen Fürth II am Mittwoch will er wieder dabei sein.

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 30.08.2009)