KSV
verspielt 2:0-Vorsprung gegen Darmstadt
Ein 2:0-Vorsprung
gegen Darmstadt 98 reichte dem KSV Hessen
am Samstag nicht. Vor 6000 Zuschauern im Kasseler
Auestadion gingen die Löwen durch Bauer
(34.) und Wölk (42.) in Führung.
Melunovic (65., Foulelfmeter) und Soriano
(78.) sorgten im zweiten Durchgang dann doch
noch für das Unentschieden.
Es war das 64. Treffen der
beiden Mannschaften nach dem Krieg. Ein Klassiker
mit leichten Vorteilen für den KSV: 26
Siegen standen bei 16 Unentschieden 21 Niederlagen
gegenüber.
Da diese Begegnung als eine
der risikoreichsten der Saison galt, gab es
ein hohes Polizeiaufkommen. Über der
Stadt kreiste ein Polizeihubschrauber, um
das Geschehen rund ums Stadion im Blick zu
haben.
Die Polizei hatte bereits
vor dem Spiel 13 Kasseler Fans festgenommen.
Einer soll Steine auf einen Polizisten geworfen
haben. Weitere Fans sollen versucht haben,
auf Darmstädter Fans loszugehen.
HNA-Sportredaktion, 15.08.2009
Auch
Bauer bereut Taschentuch-Jubel
Das 144.
Ligator von Thorsten Bauer im Trikot des Fußball-Regionalligisten
KSV Hessen Kassel war schnell vergessen. Nicht,
weil es nicht schön genug gewesen wäre:
Es war ein typisches Bauer-Tor: gekonnte Ball-Annahme,
satter Schuss, Tor. Nein, es wurde überlagert
von Bauers Jubel nach dem Treffer, der für
reichlich Diskussion sorgte und sogar die
Polizei aufregte.
Bauer lief nach dem Tor gegen
Darmstadt 98 in die Kurve des Auestadions,
die sich hinter dem Tor, in das er getroffen
hatte, befand. Er lief dorthin, wo die gegnerischen
Fans standen. Er holte ein weißes Taschentuch
hervor, wedelte mit ihm in Richtung der Darmstädter
Anhänger und schluchzte ins Trikot. Die
südhessischen Fans brachte das in Rage.
Sie wetterten, Polizei zog auf. Schiedsrichter
Christian Bandurski zeigte Bauer die Gelbe
Karte.
Bauers Aktion missfiel aber
nicht nur dem Schiedsrichter. KSV-Trainer
Mirko Dickhaut wies Bauer schon in der Halbzeit
zurecht. In der Pressekonferenz nach dem Spiel
erklärte Dickhaut: "Ich habe ihm
meine Meinung gesagt, dass es nicht geht."
Wie heftig er Bauer in der Halbzeit seine
Sicht der Dinge mitteilte, verriet er nicht.
Allerdings lässt seine Verweigerung eines
Kommentars auf diese Frage schließen,
dass er Bauer nicht wie Watte behandelt hat.
Eine interne Strafe hat der
Torjäger allerdings nicht zu befürchten
– zumal er sein Verhalten nach der Partie
schon bereut hatte. KSV-Präsident Jens
Rose hielt den Jubel auch für ein bisschen
übertrieben, allerdings sagte er auch:
"Ich bewerte diese Aktion nicht über.
Da hat einer ein weißes Taschentuch
geschwenkt. Das ist alles. Dafür werden
wird Thorsten nicht bestrafen."
Emotionen gehören schließlich
dazu in einem Derby. Auf dem Platz wie auf
den Rängen. Findet auch der Sünder:
"Eigentlich machen uns allen solche Spiele
doch richtig Spaß." Trotzdem gestand
er reumütig;: "Das war ein Fehler.
Ich habe sofort gewusst, was ich da gemacht
habe. Da sind die Emotionen mit mir durchgegangen."
Ursprünglich sollte die TaschentuchAktion
gar nicht dden Gäste-Fans gelten, sondern
Mitspieler Harez Habib.
Dem hatten Bauer und Kevin
Wölk. als er im Trainingslager einen
Durchhänger hatte, versprochen: "Wir
weinen im Spiel nach einem Tor mal ein paar
Tränen für dich." Dann aber
ließ Bauer sich vom Derby-Fieber hinreißen.
Die Darmstädter Fans, die zunächst
so humorlos reagiert hatten, bestraften ihn
später ironisch. Nach dem 2:2 sangen
sie: "Bauer, hol dein Tempo raus."
Von Frank Ziemke und Florian
Hagemann (HNA-Sportredaktion, 15.08.2009)
Zweite Hälfte?
"Ein Witz"
So sauer hat man Mirko Dickhaut
selten erlebt. Dem Trainer des Regionalligisten
KSV Hessen Kassel lag das enttäuschende
2:2 im Derby Darmstadt nach einer 2:0-Pausenführung
richtig im Magen.
Gästetrainer Zivoljin
Juskic hatte gerade davon gesprochen, dass
es in so einem Derby ganze Kerle brauche.
Dass der KSV trotzdem eine Klasse-Mannschaft
sei. Dickhaut nahm den Faden auf und sagte:
"Ich habe in der zweiten Hälfte
keine Spitzenmannschaft gesehen. Und auch
keine Kerle auf dem Platz."
Harte Worte, die absolut
berechtigt waren. 6000 Zuschauer im Auestadion
erlebten, wie die Löwen einen sicher
geglaubten Sieg regelrecht verschenkten. Nach
dem Abpfiff suchten die Spieler fassungslos
nach Ursachen. "Wir haben ja überhaupt
nicht mehr kontrolliert nach vorn gespielt",
ärgerte sich Thorsten Bauer. Kevin Wölk
schimpfte: "Wir haben denen die Tore
geschenkt." Und Kapitän Enrico Gaede
brachte es auf den Punkt: "Was wir in
der zweiten Halbzeit gespielte haben, war
ein Witz."
Nachdem Bauer beim einzigen
sehenswerten Angriff nach Tornieporths Hereingabe
knapp das 3:0 verpasst hatte (51.), spielte
plötzlich nur noch Darmstadt. Und beim
KSV wurden immer mehr Schwachstellen offengelegt.
Sebastian Gundelach, schon im ersten Durchgang
mit Schwächen, bekam den zur Pause eingewechselten
Ex-Baunataler Varol Akgoez nie in den Griff.
Mentor Latifi, der auch gute Szene hatte und
in der ersten Hälfte die einzige Gäste-Chance
durch Melunovic zunichtemachte, wirkte plötzlich
zu unentschlossen.
Und dann ging auch noch eine
Auswechslung nach hinten los. Dickhaut brachte
Sebastian Busch für Harez Habib ins Mittelfeld.
"Darmstadt hat zweimal offensiv gewechselt,
ich wollte die Defensive stärken",
erklärte der Trainer. Das Gegenteil war
der Fall.
Ohne Habib fehlte ein Antreiber
in der Offensive. Und Busch, zudem übergewichtig
wirkend, hatte einen ganz schwarzen Tag. Zunächst
verursachte er durch einen ungeschickten Einsatz
gegen Akgoez einen Elfmeter, den Melunovic
sicher verwandelte (65.). Später verlor
er vor Sorianos Ausgleichstreffer (79.) am
eigenen Strafraum den Ball. Latifis Zuspiel
hatte Busch da allerdings auch in Bedrängnis
gebracht. Mirko Dickhaut schimpfte: "Man
hat das alles kommen sehen. Wir haben vor
den Toren doch den roten Teppich ausgerollt."
Die Löwen brachten sich
so um den verdienten Lohn einer ersten Hälfte,
in der sie zwar nicht glänzend, aber
doch geduldig und effektiv aufgetreten waren.
Nachdem Wölks als Flanke gedachter Ball
kurz vor der Pause am hinteren Pfosten zum
2:0 einschlug, schienen alle Weichen auf Derbysieg
gestellt. Vielleicht aber hatte sich die dann
folgende Wende ja schon nach dem 1:0 angedeutet
in Bauers später viel diskutierter Taschentuch-Aktion.
Wie sagte KSV-Boss Jens Rose? "Vielleicht
sind wir für Überheblichkeit bestraft
worden."
Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
16.08.2009) |