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Regionalliga Süd 2009/10, 2. Spieltag

KSV Hessen Kassel - SV Darmstadt 98

2:2 (2:0)

Samstag, 15.08.2009 - 14:30 Uhr
Auestadion Kassel

KSV Hessen Kassel
SV Darmstadt 98
Rainer Adolf
George Worcester
Patrick Hilser
Echendu Adiele
Markus Brüdigam
Uwe Hesse
Ergün Pakel (57. M. Reka, 74. Blerton Muca)
Boris Kolb
Sven Sökler (46. Varol Akgoez)
Ermin Melunovic
Elia Soriano
Trainer: Zivojin Juskic
Spielstatistik
Tore: 1:0 Bauer (34.), 2:0 Wölk (42.), 2:1 Melunovic (65., Foulelfmeter), 2:2 Soriano (80.) - Gelbe Karten: Bauer, Habib - Worcester, Hilser - Rote Karte: Melunovic - Schiedsrichter: Christian Bandurski (Oberhausen) - Zuschauer: 6.000
Spielbericht

KSV verspielt 2:0-Vorsprung gegen Darmstadt

Ein 2:0-Vorsprung gegen Darmstadt 98 reichte dem KSV Hessen am Samstag nicht. Vor 6000 Zuschauern im Kasseler Auestadion gingen die Löwen durch Bauer (34.) und Wölk (42.) in Führung. Melunovic (65., Foulelfmeter) und Soriano (78.) sorgten im zweiten Durchgang dann doch noch für das Unentschieden.

Es war das 64. Treffen der beiden Mannschaften nach dem Krieg. Ein Klassiker mit leichten Vorteilen für den KSV: 26 Siegen standen bei 16 Unentschieden 21 Niederlagen gegenüber.

Da diese Begegnung als eine der risikoreichsten der Saison galt, gab es ein hohes Polizeiaufkommen. Über der Stadt kreiste ein Polizeihubschrauber, um das Geschehen rund ums Stadion im Blick zu haben.

Die Polizei hatte bereits vor dem Spiel 13 Kasseler Fans festgenommen. Einer soll Steine auf einen Polizisten geworfen haben. Weitere Fans sollen versucht haben, auf Darmstädter Fans loszugehen.

HNA-Sportredaktion, 15.08.2009

Auch Bauer bereut Taschentuch-Jubel

Das 144. Ligator von Thorsten Bauer im Trikot des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel war schnell vergessen. Nicht, weil es nicht schön genug gewesen wäre: Es war ein typisches Bauer-Tor: gekonnte Ball-Annahme, satter Schuss, Tor. Nein, es wurde überlagert von Bauers Jubel nach dem Treffer, der für reichlich Diskussion sorgte und sogar die Polizei aufregte.

Bauer lief nach dem Tor gegen Darmstadt 98 in die Kurve des Auestadions, die sich hinter dem Tor, in das er getroffen hatte, befand. Er lief dorthin, wo die gegnerischen Fans standen. Er holte ein weißes Taschentuch hervor, wedelte mit ihm in Richtung der Darmstädter Anhänger und schluchzte ins Trikot. Die südhessischen Fans brachte das in Rage. Sie wetterten, Polizei zog auf. Schiedsrichter Christian Bandurski zeigte Bauer die Gelbe Karte.

Bauers Aktion missfiel aber nicht nur dem Schiedsrichter. KSV-Trainer Mirko Dickhaut wies Bauer schon in der Halbzeit zurecht. In der Pressekonferenz nach dem Spiel erklärte Dickhaut: "Ich habe ihm meine Meinung gesagt, dass es nicht geht." Wie heftig er Bauer in der Halbzeit seine Sicht der Dinge mitteilte, verriet er nicht. Allerdings lässt seine Verweigerung eines Kommentars auf diese Frage schließen, dass er Bauer nicht wie Watte behandelt hat.

Eine interne Strafe hat der Torjäger allerdings nicht zu befürchten – zumal er sein Verhalten nach der Partie schon bereut hatte. KSV-Präsident Jens Rose hielt den Jubel auch für ein bisschen übertrieben, allerdings sagte er auch: "Ich bewerte diese Aktion nicht über. Da hat einer ein weißes Taschentuch geschwenkt. Das ist alles. Dafür werden wird Thorsten nicht bestrafen."

Emotionen gehören schließlich dazu in einem Derby. Auf dem Platz wie auf den Rängen. Findet auch der Sünder: "Eigentlich machen uns allen solche Spiele doch richtig Spaß." Trotzdem gestand er reumütig;: "Das war ein Fehler. Ich habe sofort gewusst, was ich da gemacht habe. Da sind die Emotionen mit mir durchgegangen." Ursprünglich sollte die TaschentuchAktion gar nicht dden Gäste-Fans gelten, sondern Mitspieler Harez Habib.

Dem hatten Bauer und Kevin Wölk. als er im Trainingslager einen Durchhänger hatte, versprochen: "Wir weinen im Spiel nach einem Tor mal ein paar Tränen für dich." Dann aber ließ Bauer sich vom Derby-Fieber hinreißen. Die Darmstädter Fans, die zunächst so humorlos reagiert hatten, bestraften ihn später ironisch. Nach dem 2:2 sangen sie: "Bauer, hol dein Tempo raus."

Von Frank Ziemke und Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 15.08.2009)

Zweite Hälfte? "Ein Witz"

So sauer hat man Mirko Dickhaut selten erlebt. Dem Trainer des Regionalligisten KSV Hessen Kassel lag das enttäuschende 2:2 im Derby Darmstadt nach einer 2:0-Pausenführung richtig im Magen.

Gästetrainer Zivoljin Juskic hatte gerade davon gesprochen, dass es in so einem Derby ganze Kerle brauche. Dass der KSV trotzdem eine Klasse-Mannschaft sei. Dickhaut nahm den Faden auf und sagte: "Ich habe in der zweiten Hälfte keine Spitzenmannschaft gesehen. Und auch keine Kerle auf dem Platz."

Harte Worte, die absolut berechtigt waren. 6000 Zuschauer im Auestadion erlebten, wie die Löwen einen sicher geglaubten Sieg regelrecht verschenkten. Nach dem Abpfiff suchten die Spieler fassungslos nach Ursachen. "Wir haben ja überhaupt nicht mehr kontrolliert nach vorn gespielt", ärgerte sich Thorsten Bauer. Kevin Wölk schimpfte: "Wir haben denen die Tore geschenkt." Und Kapitän Enrico Gaede brachte es auf den Punkt: "Was wir in der zweiten Halbzeit gespielte haben, war ein Witz."

Nachdem Bauer beim einzigen sehenswerten Angriff nach Tornieporths Hereingabe knapp das 3:0 verpasst hatte (51.), spielte plötzlich nur noch Darmstadt. Und beim KSV wurden immer mehr Schwachstellen offengelegt. Sebastian Gundelach, schon im ersten Durchgang mit Schwächen, bekam den zur Pause eingewechselten Ex-Baunataler Varol Akgoez nie in den Griff. Mentor Latifi, der auch gute Szene hatte und in der ersten Hälfte die einzige Gäste-Chance durch Melunovic zunichtemachte, wirkte plötzlich zu unentschlossen.

Und dann ging auch noch eine Auswechslung nach hinten los. Dickhaut brachte Sebastian Busch für Harez Habib ins Mittelfeld. "Darmstadt hat zweimal offensiv gewechselt, ich wollte die Defensive stärken", erklärte der Trainer. Das Gegenteil war der Fall.

Ohne Habib fehlte ein Antreiber in der Offensive. Und Busch, zudem übergewichtig wirkend, hatte einen ganz schwarzen Tag. Zunächst verursachte er durch einen ungeschickten Einsatz gegen Akgoez einen Elfmeter, den Melunovic sicher verwandelte (65.). Später verlor er vor Sorianos Ausgleichstreffer (79.) am eigenen Strafraum den Ball. Latifis Zuspiel hatte Busch da allerdings auch in Bedrängnis gebracht. Mirko Dickhaut schimpfte: "Man hat das alles kommen sehen. Wir haben vor den Toren doch den roten Teppich ausgerollt."

Die Löwen brachten sich so um den verdienten Lohn einer ersten Hälfte, in der sie zwar nicht glänzend, aber doch geduldig und effektiv aufgetreten waren. Nachdem Wölks als Flanke gedachter Ball kurz vor der Pause am hinteren Pfosten zum 2:0 einschlug, schienen alle Weichen auf Derbysieg gestellt. Vielleicht aber hatte sich die dann folgende Wende ja schon nach dem 1:0 angedeutet in Bauers später viel diskutierter Taschentuch-Aktion. Wie sagte KSV-Boss Jens Rose? "Vielleicht sind wir für Überheblichkeit bestraft worden."

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 16.08.2009)