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Hessenpokal 2009/10, Finale

Kickers Offenbach - KSV Hessen Kassel

2:1 (0:0)

Dienstag, 11.05.2010 - 19 Uhr
Sportpark Johannisau in Fulda

Kickers Offenbach
KSV Hessen Kassel
Robert Wulnikowski
Alexander Huber
Marko Kopilas
Marc Heitmeier
Nils Teixeira
Sebastian Rode (46. Nils Pfingsten-Reddig)
Christian Fröhlich
Benjamin Baier (46. Tufan Tosunoglu)
Steffen Haas
David Ulm
Mirnes Mesic
Trainer: Wolfgang Wolf
Spielstatistik
Tore: 1:0 Haas (58.), 1:1 Stadel (85.), 2:1 Mesic (90.) - Gelbe Karten: Haas, Teixeira - Unger - Schiedsrichter: Andreas Weichert (Bensheim) - Zuschauer: 4.400
Spielbericht

Löwen verlieren dramatisches Pokalfinale: Beherzter Auftritt nicht belohnt

Fulda. Wie bitter! Der Traum von der Teilnahme an der ersten Hauptrunde im DFB-Pokal ist ausgeträumt. Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel verlor Dienstagabend gegen den eine Klasse höher eingestuften Drittligisten Kickers Offenbach mit 1:2.

Was die Niederlage so schmerzhaft macht: Die Löwen zeigten eine klasse Leistung, spielten mit viel Herz und Verstand, sie glichen in der 85. Minute den 0:1-Rückstand aus, sie waren dem Sieg kurze Zeit näher als die Südhessen - und unterlagen durch einen Treffer in fast letzter Sekunde. - Schlimmer geht es kaum. Das Glück hatte die Mannschaft von Trainer Mirko Dickhaut auch für diesen Abend nicht bestellt. Auf das große Los darf nun nur Offenbach hoffen.

Wenn der OFC bei der Auslosung so viel Dusel hat wie im Spiel gegen den KSV, dann kann der nächste Gegner nur Bayern München heißen. Dass dieses Spiel ein besonderes sein würde, zeigte sich schon vor der ersten Aktion auf dem Platz. Der Anpfiff verzögerte sich um zehn Minuten, weil längst nicht alle Fans rechtzeitig im Fuldaer Stadion Johannisau waren.

Insgesamt bildeten die annähernd 1700 Kasseler und 2700 Offenbacher Anhänger gemeinsam mit weiteren 200 Zuschauern eine stimmungsvolle Kulisse. Alle gemeinsam sahen, wie beide Teams ihre jeweils zugedachte Rolle annahmen: Favorit Offenbach begann offensiv, der KSV fand schnell Gefallen am David-Dasein. Er kämpfte - und mehr noch: Er zeigte dem Gegner durch hartes, aber faires Einsteigen, dass er nicht gewillt ist, hier das Weichei zu geben. So erwarb sich das Team von Trainer Mirko Dickhaut Respekt, das Selbstvertrauen wuchs mit jedem Offenbacher Angriff, der spätestens bei einem der starken Innenverteidiger Marcel Stadel und Mentor Latifi oder bei Torwart Tobias Wolf endete.

Nach einer halben Stunde befreiten sich die Löwen mehr und mehr vom Offenbacher Druck. Sie setzten kleine Ausrufezeichen und wären beinahe sogar in Führung gegangen: Nach einem verunglückten Rückpass des Offenbacher Verteidigers Marko Kopilas wäre Stefan Markolf, der den Vorzug vor Dennis Tornieporth erhielt, um ein Haar an den Ball gekommen. Die Partie nahm an Fahrt auf und schaffte es ganz bald zu dem, was ZDF-Reporter Rolf Töpperwien als echten Pokalfight bezeichnen würde.

Die Chancen häuften sich: In der 51. Minute blockte Sebastian Gundelach den Ball nach einem Schuss des Offenbacher Kapitäns Steffen Haas gerade noch ab, kurze Zeit später hatte Thorsten Bauer mit einem Kopfball Pech. Und dann der Schock in der 58. Minute: Einmal gelang den Südhessen der Pass in die Schnittstelle der Abwehr, David Ulm auf Steffen Haas, der freie Bahn hatte und nur noch einzuschieben brauchte.

Der KSV geschlagen? Noch nicht. Er kämpfte weiter, er spielte weiter, er brachte die Offenbacher Fans in Rage - aber er traf nicht. Enrico Gaede allein hätte das Spiel drehen können. Erst lief er aus halbrechter Position frei auf des Gegners Tor zu, anstatt zu schießen aber passte er zurück. Dann verfehlte der Ball nach seinem Schuss aus 18 Metern knapp das Tor. Es ging so weiter: Thorsten Bauer auf Markus Unger, doch auch er hat keinen Erfolg. Für die Löwen war es zum Verzweifeln. Bis Marcel Stadel kam.

Im zweiten Versuch drückte er den Ball nach einem Freistoß von Kevin Wölk hinter die Linie. Der KSV war zurück im Spiel. Er drängte weiter, er wollte jetzt alles - und bekam nichts. Nach einer Unachtsamkeit in der Hintermannschaft machte Mirnes Mesic das 2:1 für den Favoriten. Für den KSV blieb keine Zeit mehr, um erneut den Ausgleich anzustreben. Ihm blieb nur das Entsetzen und das Kopfschütteln über so viel Pech.

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 11.05.2010)

Trotz Niederlage: KSV-Fans feierten ihr Team

In der Verlängerung hätte Offenbach verloren“, da ist sich Rainer Maurer aus Kassel sicher. Die Enttäuschung ist dem KSV-Fan gestern Abend anzusehen, als er mit seinen Freunden den Sportpark Johannisau in Fulda verlässt.

Die Chance war zum Greifen nah, dass der KSV nach fast 20 Jahren wieder um den DFB-Pokal spielen kann. Als Werder Bremen 1991 im Auestadion das DFB-Viertelfinale gewann, war Maurer auch dabei. 20 Jahre bis zur nächsten DFB-Teilnahme will er nicht mehr warten.
Knappe Entscheidung

An den 1700 Fans, die gestern zum Finale des Hessenpokals nach Fulda gekommen waren, hat es jedenfalls nicht gelegen, dass der KSV in der 90. Minute doch noch gegen die Kickers aus Offenbach verloren hat. „Auf geht’s Kassel, kämpfen und siegen“ sangen die Anhänger.

„1:1, das könnt ihr doch“, feuerte Fan Michael Eisenberg in Anspielung an die vielen Unentschieden in dieser Saison an. Die Unterstützung wirkte. Als Marcel Stadel in der 85. Minute den Ausgleich erzielte, da waren aller Frust und Ärger vergessen.

Denn mit den Gegebenheiten im Fuldaer Stadion waren die Kasseler gar nicht zufrieden. Die Fans auf den Stehplätzen fühlten sich eingeengt, nur ein Block war für sie geöffnet worden. „Wir doofen Kasseler können durch den Zaun schauen“, schimpfte ein Fan.

Von Affen im Zoo war da die Rede. „Hier komme ich nie wieder her“, motzte ein Löwen-Anhänger. Besonders lang waren die Gesichter einiger Fans, als sie feststellten, dass im Stadion kein Alkohol verkauft wurde. „Das ist eine Vorgabe des Deutschen Fußball-Bundes“, erklärte eine junge nette Frau in der Getränkebude. Fassungslosigkeit in einigen Männergesichtern. „Ist das Alster etwa auch ohne Alkohol?“

Senf und Bratwurst waren in der Pause auch schon vergriffen. Doch das Alkoholverbot wirkte. Weder vor noch während des Spiels kam es zu Ausschreitungen auf den Kasseler Rängen, wie Martin Schäfer, Fuldas Polizeisprecher, erklärte. Mehrere Hundert Polizeibeamte und Sicherheitskräfte im Stadion achteten darauf, dass die Fans aus Kassel und Offenbach bei diesem Risikospiel nicht aneinandergerieten.

Die gegenseitige Missachtung wurde nur in den klassischen Fangesängen zum Ausdruck gebracht. Während die Offenbacher den Pokalsieg ihrer Mannschaft bejubelten, feierten die Kasseler trotz Niederlage ihre Mannschaft. „Wir sind stolz auf unser Team, Hessen Kassel“.

Die Löwen dankten es und stiegen über die Absperrung zu ihren Anhängern. „Die Mannschaft hat alles gegeben und war klar besser“, sagte Cornelia Pfromm auf dem Weg zu ihrem Auto. Die Enttäuschung über die knappe Niederlage war der Frau aus Kassel trotzdem anzusehen.

HNA-Sportredaktion, 11.05.2010

KSV Hessen Kassel: Hessenpokalsieger der Herzen

Fulda. Am Ende dieses frustrierenden Abends dachte Mirko Dickhaut noch einmal kurz an nächste Woche. Da muss der Trainer mit seiner Mannschaft vom Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel schon wieder im Kreispokal antreten – ganz unten also.

„Dann geht es nach Hertingshausen“, sagte Dickhaut. Und grinste mehr gequält als erfreut. Hertingshausen. Hätte der KSV das Finalspiel im Hessenpokal an diesem Abend in Fulda gegen Kickers Offenbach gewonnen, die Löwen hätten an Bayern München gedacht, an Schalke 04, an Borussia Dortmund, an das große Los also. Aber nun dachte zumindest der Coach an Hertingshausen.

Es war ein so bitterer Abend, an dem die Löwen einmal mehr erfahren mussten, dass im Fußball nicht immer der Bessere gewinnt, sondern manchmal schlicht nur der Glücklichere. 0:1 gegen den favorisierten Drittligisten zurückgelegen, gedrängt, gedrückt, den Ausgleich erzielt fünf Minuten vor Schluss, weiter gedrängt, gedrückt – und in fast letzter Sekunden das 1:2 kassiert. So reichte es nur zum Hessenpokalsieger der Herzen, der sogar vom gegnerischen Trainer viel Anerkennung bekam: Wolfgang Wolf gratulierte nach Abpfiff jedem KSV-Spieler persönlich. Aber auch das mochte nicht alle trösten, die am Boden lagen und nicht fassen konnten, zu welcher emotionalen Brutalität ihr Sport fähig ist.

Einer, der schnell Worte fand, war Stürmer Thorsten Bauer. „Wir haben am Ende vielleicht zu viel gewollt.“ Nach dem späten Ausgleich ließen sie sich von ihrer Euphorie leiten und nicht vom Verstand. Dickhaut überlegte noch kurz, ob er seine Abwehrreihe wieder auf vier Mitglieder aufstocken sollte. Aber er ließ es laufen. Das hätte nicht falsch sein müssen, weil die Offenbacher angeschlagen waren und ein kleiner Windstoß genügt hätte, damit sie umfallen. Sie wankten stark, aber sie fielen nicht um.
Sie kamen nur noch einmal gefährlich vor das Kasseler Tor. Nach einer Standardsituation. In der Nachspielzeit. Der Ball gelangte zu Mirnes Mesic, es fehlten Abwehrspieler um ihn herum. Mesic war auf einmal frei vor Torwart Tobias Wolf. Der Angreifer schoss. Er traf noch nicht einmal richtig den Ball. Der trudelte nur Richtung Tor. Aber es gab niemanden, der ihn hätte aufhalten können. Wer für den KSV die Daumen drückte, der hoffte, dass er vielleicht an den Pfosten gehen würde, dass vielleicht der Schiedsrichter abpfeift, dass vielleicht ein Herr Westhelle aus dem Boden krabbelt und einen Formfehler anmahnt. Aber nichts dergleichen geschah. KSV-Präsident Jens Rose sagte, dass sei Fußball, wie man ihn sich vorstellt: mit Leidenschaft, mit Emotion – nur eben mit dem falschen Ergebnis. Immerhin bleibt die Erkenntnis, dass „wir in der dritten Liga gut mitspielen könnten“.

So verließen die Löwen zwar sichtlich niedergeschlagen das Stadion Johannisau, aber auch innerlich gestärkt: „Wie wir heute gegen eine höherklassige Mannschaft agiert haben, das spricht für uns“, sagte Thorsten Bauer. „Es war keine Qualitätsfrage“, meinte auch Enrico Gaede. „Nur in gewissen Momenten fehlt uns etwas.“ Der Regen setzte ein, es blitzte und donnerte. Und es schien, als wolle das Wetter auch noch mal seinen Unmut äußern über diese Ungerechtigkeit im Fußball, als der KSV-Bus den Ort dieser schmerzhaften Niederlage verließ. Nächste Woche geht es nach Hertingshausen.

Von Florian Hagemann und Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 12.05.2010)