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Regionalliga Süd, Saison 2009/10
Presse

Rose gibt die Verantwortung ab

Kassel. Die Erklärung von Aufsichtsratsmitglied Christian Kropf fiel fast beiläufig. Die Mitgliederversammlung beim KSV Hessen Kassel bog bereits auf die Zielgerade ein, da verkündete Kropf: „Wir werden zum 1. Juli einen neuen Vorstand berufen. Und wir werden bis zum Jahresende einen hauptamtlichen Geschäftsführer bestellen.“

Das heißt nichts anderes, als dass die Löwen den nächsten Schritt zur Professionalisierung gehen. Bewerber gibt es bereits. Die ausgewählte Person wird sich zunächst ehrenamtlich einarbeiten und später aus dem Etat heraus bezahlt. Das alles hat aber noch eine weitere Folge, die vielen der 147 Anwesenden zunächst gar nicht klar wurde: Vereinsboss Jens Rose wird die Geschicke des Klubs in naher Zukunft nicht mehr hauptverantwortlich führen.

„Ja, das heißt dann, dass ich einige Schritte zurücktrete”, bestätigte Rose nach der Versammlung, „das Sagen wird der neue Mann haben. Dafür wird er bezahlt.“ Ist das vielleicht sogar das Ende der Ära Rose beim KSV? „Das nicht. Aber sie verändert sich stark“, lautet die Antwort. Ganz zurückziehen will sich der Gleisbau-Unternehmer, der seit dem Neubeginn vor zwölf Jahren dabei ist, nicht. Dafür liegen ihm die Löwen viel zu sehr am Herzen. „Ich werde dabeibleiben. Ob im Vorstand oder im Aufsichtsrat, das wird sich zeigen“, erklärte er.

Die Umstrukturierung bezeichnet Rose als unumgänglich. „Ehrenamtlich ist diese Arbeit kaum noch zu bewältigen. Schließlich hat man auch noch einen Beruf und eine Familie. Das wird jeder verstehen”, sagt er. Und: „Die Grenzen des Wachstums sind erreicht. Wir müssen jetzt die nächsten Schritte gehen.”

Er selbst möchte sich in Zukunft vor allem um die Schritte kümmern, die bereits eingeleitet sind: die Baumaßnahmen rund um den Verein. Haupttribüne, Kunstrasenplatz, Vereinsheim - Dinge, die Rose am Herzen liegen. „In drei Jahren ist hier in der Infrastruktur mehr passiert als in 50 Jahren davor“, sagt er bei der Versammlung unter dem Beifall der Mitglieder.

Vorsichtig wirtschaften, diese Maxime Roses wird der Klub auch in der kommenden Saison gehen. Auch der Aufsichtsrat will das so. „Wir sollen weniger ausgeben, aber mehr erreichen”, erklärt Rose den Mitgliedern. Der KSV hat ein Minus aus dem Geschäftsjahr 2009 auszugleichen. Rund 250 000 Verlust wurden da gemacht. Entstanden sind die durch weggefallene Einnahmen. Rückgang der Zuschauerzahlen, der Abriss der Haupttribüne und die wegfallende Sponsorenprämie, weil Platz zwei nicht erreicht wurde, lauten die Gründe.

Für die kommende Saison kalkulieren die Löwen deshalb vorsichtig mit einem Etat von zwei Millionen Euro. Reicht das dann für eine Mannschaft, die den Aufstieg schaffen kann? Rose macht den KSV-Fans Mut: „Der Markt ist voll, hier kommt die Krise uns entgegen.“ Denn keine Frage: Er will in die Dritte Liga. Ob als Boss oder in der zweiten Reihe spielt für Jens Rose dabei keine Rolle.

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 28.05.2010)