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Regionalliga Süd, Saison 2009/10
Presse

Straftraining um acht Uhr

Kassel. Am Sonntagnachmittag hat Jens Rose sich dem Garten gewidmet. Erde bewegen, Beete bepflanzen. „Und nebenbei kann man sich prima Gedanken machen“, sagt der Clubchef des KSV Hessen Kassel.

Man kann sich vorstellen, dass es nach der peinlichen 1:2-Niederlage beim abgeschlagenen Schlusslicht der Fußball-Regionalliga, Bayern Alzenau, die die Löwen ganz tief in die Krise stürzt, einiges zu überdenken gab.

Rose, sonst eher ein Geduldsmensch wenn es um seine Fußballer geht, ist richtig sauer. „Jeder kann mal schlecht spielen. Aber was hier passiert, das darf nicht passieren“, sagt er.

Vor dem so wichtigen Halbfinale im Hessenpokal am Dienstag in Flieden wird er sich die Mannschaft zur Brust nehmen: „Eigentlich halte ich mich aus dem Sportlichen heraus. Aber nun wird es Zeit für deutliche Worte“, erklärt Rose. Ein wenig erinnert die Situation an die Wochen vor der Entlassung von Matthias Hamann vor zwei Jahren, als die Mannschaft auch Schritt für Schritt in die Krise geriet und keinen Weg mehr herausfand.

„Es ist aber nur sportlich vergleichbar“, sagt Rose. Nicht, was die Verhältnisse der handelnden Personen angeht. Für einen Riss im Team oder zwischen Spielern und Trainer gibt es keine Anzeichen.

Was Rose vermisst, ist ein energisches Aufbäumen. „Mit elf lieben, netten Kerlen kann man nicht aufsteigen“, sagt er. Trainer Mirko Dickhaut nimmt er aus der Kritik heraus: „Er macht seine Arbeit zu 100 Prozent.“ er sagt aber auch: „Mirko ist selbstkritisch genug um zu wissen, dass etwas passieren muss.“

In erster Reaktion hat Dickhaut seine Spieler am Samstag früh um acht Uhr zum Training antanzen lassen. Am Sonntag ging es um 9 Uhr weiter.„Ich war wütend und enttäuscht. Denn eines kann ich erwarten: Dass die Jungs alles was sie haben für den Verein geben.“

Das aber ist in Alzenau nicht passiert. Im Gegenteil: Nachdem mit Markus Unger und Enrico Gaede beide Sechser mit Muskelproblemem ausgefallen sind, „sind wir zusammengebrochen wie ein Kartenhaus“, so Dickhaut, der nun fordert: „Meine Spieler sollten endlich erkennen, wie gut sie es hier haben. Es muss sich jetzt zeigen, wer hier Charakter hat.“ Und wie sieht Dickhaut seine eigene Position?

„Ich bin ein junger Trainer und muss natürlich noch lernen. Ich bin aber auch ein Kämpfer. Wir werden die Kurve kriegen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich die Spieler nicht mehr erreiche. Wenn das so wäre, dann würde ich ein Signal an den Vorstand geben“, sagt er. Die Mannschaft selbst hat sich nach der Blamage zusammengesetzt und sich einen Maulkorb auferlegt.

„Kein Trotz, sondern Selbstschutz“, erklärt Kevin Wölk. Das Motto soll lauten: Statt Worten Taten sprechen lassen. Wird irgendwie auch Zeit.

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 18.04.2010)