|
Straftraining
um acht Uhr
Kassel. Am
Sonntagnachmittag hat Jens Rose sich dem Garten
gewidmet. Erde bewegen, Beete bepflanzen.
„Und nebenbei kann man sich prima Gedanken
machen“, sagt der Clubchef des KSV Hessen
Kassel.
Man kann
sich vorstellen, dass es nach der peinlichen
1:2-Niederlage beim abgeschlagenen Schlusslicht
der Fußball-Regionalliga, Bayern Alzenau,
die die Löwen ganz tief in die Krise
stürzt, einiges zu überdenken gab.
Rose, sonst
eher ein Geduldsmensch wenn es um seine Fußballer
geht, ist richtig sauer. „Jeder kann
mal schlecht spielen. Aber was hier passiert,
das darf nicht passieren“, sagt er.
Vor dem
so wichtigen Halbfinale im Hessenpokal am
Dienstag in Flieden wird er sich die Mannschaft
zur Brust nehmen: „Eigentlich halte
ich mich aus dem Sportlichen heraus. Aber
nun wird es Zeit für deutliche Worte“,
erklärt Rose. Ein wenig erinnert die
Situation an die Wochen vor der Entlassung
von Matthias Hamann vor zwei Jahren, als die
Mannschaft auch Schritt für Schritt in
die Krise geriet und keinen Weg mehr herausfand.
„Es
ist aber nur sportlich vergleichbar“,
sagt Rose. Nicht, was die Verhältnisse
der handelnden Personen angeht. Für einen
Riss im Team oder zwischen Spielern und Trainer
gibt es keine Anzeichen.
Was Rose
vermisst, ist ein energisches Aufbäumen.
„Mit elf lieben, netten Kerlen kann
man nicht aufsteigen“, sagt er. Trainer
Mirko Dickhaut nimmt er aus der Kritik heraus:
„Er macht seine Arbeit zu 100 Prozent.“
er sagt aber auch: „Mirko ist selbstkritisch
genug um zu wissen, dass etwas passieren muss.“
In erster
Reaktion hat Dickhaut seine Spieler am Samstag
früh um acht Uhr zum Training antanzen
lassen. Am Sonntag ging es um 9 Uhr weiter.„Ich
war wütend und enttäuscht. Denn
eines kann ich erwarten: Dass die Jungs alles
was sie haben für den Verein geben.“
Das aber
ist in Alzenau nicht passiert. Im Gegenteil:
Nachdem mit Markus Unger und Enrico Gaede
beide Sechser mit Muskelproblemem ausgefallen
sind, „sind wir zusammengebrochen wie
ein Kartenhaus“, so Dickhaut, der nun
fordert: „Meine Spieler sollten endlich
erkennen, wie gut sie es hier haben. Es muss
sich jetzt zeigen, wer hier Charakter hat.“
Und wie sieht Dickhaut seine eigene Position?
„Ich
bin ein junger Trainer und muss natürlich
noch lernen. Ich bin aber auch ein Kämpfer.
Wir werden die Kurve kriegen. Ich habe nicht
das Gefühl, dass ich die Spieler nicht
mehr erreiche. Wenn das so wäre, dann
würde ich ein Signal an den Vorstand
geben“, sagt er. Die Mannschaft selbst
hat sich nach der Blamage zusammengesetzt
und sich einen Maulkorb auferlegt.
„Kein
Trotz, sondern Selbstschutz“, erklärt
Kevin Wölk. Das Motto soll lauten: Statt
Worten Taten sprechen lassen. Wird irgendwie
auch Zeit.
Von Frank
Ziemke (HNA-Sportredaktion, 18.04.2010)
|