HOME
News
Regionalliga
Verbandsliga
Vereinsbilanz
Hall of Fame
Spielerarchiv
Trainerarchiv
Saisonarchiv
Auestadion
Hessenlöwe
LINKS
IMPRESSUM

Regionalliga Süd, Saison 2009/10
Presse

"Wir bräuchten vielleicht mehr Dreckschweine"

Kassel. Nach dem 1:1 gegen 1860 München II durch ein Gegentor in der Nachspielzeit sind die Aufstiegschancen für den Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel noch einmal gesunken.

Im Interview spricht Mittelfeldspieler Kevin Wölk über die aktuelle Situation der Mannschaft – aber auch eines Spielers, der sich am Scheideweg seiner Karriere befindet.

Kevin Wölk, wie verarbeiten Sie ein Gegentor in letzter Minute wie das zum 1:1 gegen 1860 München II, das zugleich die Hoffnung auf den Drittliga-Aufstieg schwinden lässt?

Wölk: Das Gegentor hat mir zwei schlaflose Nächte bereitet. Ich habe es einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Und das hat weniger mit den schwindenden Hoffnungen auf den Aufstieg zu tun, sondern vielmehr damit, dass uns wieder 1860 München II die Tour vermasselt hat und dass wir wieder in der Nachspielzeit ein Tor kassiert haben. Da fragt man sich irgendwann, was man eigentlich verbrochen hat.

Macht das dann jeder für sich selbst aus oder bespricht sich die Mannschaft noch einmal nach solch einem Erlebnis?

Wölk: Einige sprechen darüber. Ich habe an den freien Tagen danach auch SMS von Mitspielern bekommen, aber ich hatte keine Lust zu antworten, weil ich so mit mir selbst beschäftigt, so wütend war und einfach nichts mehr vom Fußball wissen wollte. Ich hatte auch keine Lust, mir Fußball im Fernsehen anzuschauen. Und das will schon was heißen.

Zu welchem Ergebnis sind Sie denn beim Grübeln gekommen?

Wölk: Dass wir an Kleinigkeiten scheitern. Wir haben auch gegen 1860 München gut gespielt und nur versäumt, das 2:0 zu machen. Allerdings: Wenn wir das nicht machen, müssen wir eben in der Lage sein, ein 1:0 nachhause zu bringen. Da sollten wir den Ball in der letzten Minute nach vorne schlagen und souveräner auftreten. So hat man das Gefühl, dass wir in solch einer Situation förmlich um ein Gegentor betteln. Wir versuchen, weiter attraktiv zu spielen, dabei müssen wir in erster Linie effektiv sein.

Der Zusammenhalt der Mannschaft wird stets betont. Gefährden solche Negativ-Erlebnisse die Moral?

Wölk: Es gibt sicher Mannschaften, die sich nun öffentlich zerfleischen würden. Aber zu denen gehören wir nicht. Ich habe keine Zweifel, dass wir auch in Zukunft zusammenhalten. Nehmen Sie die vergangene Saison: Da haben wir selbst das letzte Spiel in Freiburg noch gewonnen, obwohl wir enttäuscht waren und es um nichts mehr ging. Das zeigt: Wir verstehen uns immer.

Aber vielleicht ist das auch das Problem. Es fehlt die Reibung?

Wölk: Womöglich. Vielleicht bräuchten wir mehr Dreckschweine im Team, die auch mal provozieren.

Mehr Kevin Wölks?

Wölk: Zumindest würde ich mich als Dreckschwein bezeichnen, ja.

Sie sind 24 – und somit am sportlichen Scheideweg. Sollte es mit dem Aufstieg nicht klappen, müssten Sie sich Gedanken machen. Würde der KSV dann eines seiner letzten Dreckschweine verlieren?

Wölk: Das ist nicht automatisch gesagt, auch wenn sich mein Vertrag nur im Falle des Aufstiegs verlängert. Aber ich bin auch nicht abgeneigt, in Kassel zu bleiben, wenn wir es wieder nicht schaffen würden – was im übrigen noch längst nicht gesagt ist. Der KSV ist auf alle Fälle mein erster Ansprechpartner.

Aber wäre ein weiteres Jahr in der Regionalliga Ihrer Karriere wirklich dienlich?

Wölk: Mein Anspruch ist es natürlich, höherklassig zu spielen. Aber ich muss auch bedenken: In Kassel habe ich mir etwas erarbeitet, was ich mir in einer neuen, womöglich höherklassigen Mannschaft erst noch erarbeiten müsste. Hier bin ich Leistungsträger.

Aber ist die Regionalliga nicht problematisch für jemanden, der mit Fußball sein Geld verdient und natürlich auch seine eigene Zukunft planen muss?

Wölk: Das stimmt. Wenn ich in drei Jahren nicht in der zweiten Liga spiele, muss ich mir natürlich auch Gedanken über ein zweites Standbein machen. Weil dann werde ich nicht nach dem Ende meiner Karriere die Schäfchen im Trockenen haben. Aber vielleicht schaffen wir ja doch noch den Aufstieg.

Sind das mittlerweile nicht alles Durchhalteparolen?

Wölk: Was wir brauchen, ist eine Serie. Es zählen nur noch Siege. Und dass Aalen auch nicht ganz so souverän ist, hat man ja beim 0:0 gegen Karlsruhe II am Donnerstag gesehen.

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 02.04.2010)