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Regionalliga Süd, Saison 2009/10
Presse

Der sich den Wolf wartet

Kassel. Training, Vorbereitung, Absage. Wieder Training, wieder Vorbereitung – und? Genau: wieder Absage. Dieses Prozedere kennen die Spieler des Regionalligisten KSV Hessen Kassel nur zu gut. Bei allen Partien nach der Winterpause machte der Wettergott einen Strich durch die Rechnung. Klar, dass die Löwen gespannt auf die heutige Platzbegehung blicken – und Richtung Himmel. „Bloß keinen Schnee oder Schneeregen“, sagt Tobias Wolf, der morgen gegen Greuther Fürth II (Anpfiff: 14 Uhr) das Tor für Dennis Lamczyk (Zehverletzung) hüten soll.

Für den Keeper ist die Situation des Abwartens nicht gerade leicht. Denn der 21-Jährige steht vor seinem Heimdebüt im Regionalliga-Team des KSV. „Das ewige Hin und Her belastet schon“, sagt Wolf. Natürlich sei bei ihm die Anspannung vor jedem möglichen Einsatz sehr hoch gewesen. „Und dann schlägt man morgens die Zeitung auf oder erfährt vom Trainer, dass schon wieder nicht gespielt wird.“

Das Thema Wetter sei innerhalb des Teams inzwischen ausgelutscht. Auch gestern beim Training fiel kaum ein Wort über eine mögliche Spielabsage. „Hier und da gab es mal einen Kommentar. Aber die Sprüche haben sich mittlerweile abgenutzt.“ Auf ein erneutes Wechselbad der Gefühle kann der Torwart jedenfalls gut verzichten. Vor jedem Spiel habe er Spannung aufgebaut und war „positiv aufgeregt“, wie er sagt. Dann die Absage, und es fiel erst einmal Last ab. In den folgenden Tagen dasselbe Spiel. Das nervt.

Wolf versucht die Situation zu nehmen, wie sie ist – sowohl was die Wetterlage als auch sein Debüt anbelangt. Nicht so viel darüber nachdenken, lautet seine Devise. Sein erster Einsatz sei natürlich etwas Besonderes, „aber man darf sich nicht zu sehr verrückt machen“. Auf jeden Fall möchte er die Chance nutzen, die ihm die Verletzung von Lamczyk bietet. Es tue ihm leid für Dennis, „das wünscht man keinem Sportler“, aber so sei das nun mal im Fußball. Ersatzkeeper kriegen meist nur wenige Möglichkeiten, sich auszuzeichnen.

Dass dementsprechend viele Blicke morgen im Auestadion auf ihn gerichtet sein werden, ist dem Mann aus Fulda bewusst. Held oder Depp – für Torhüter nichts Neues. Auf die Frage, was er sich denn vorgenommen hat für die Partie gegen Greuther Fürth, sagt er kurz: „Drei Punkte.“ Und am besten kein Gegentor.

Die Hauptsache ist aber, dass die Stadt Kassel heute grünes Licht gibt. „Endlich mein erstes Spiel machen.“ Nicht mehr nur dran denken, wie denn das Debüt ablaufen würde. Denn auf eine Sache hat Tobias Wolf überhaupt keine Lust mehr: Warten.

Von Robin Lipke (HNA-Sportredaktion, 11.03.2010)