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Der
sich den Wolf wartet
Kassel. Training,
Vorbereitung, Absage. Wieder Training, wieder
Vorbereitung – und? Genau: wieder Absage.
Dieses Prozedere kennen die Spieler des Regionalligisten
KSV Hessen Kassel nur zu gut. Bei allen Partien
nach der Winterpause machte der Wettergott
einen Strich durch die Rechnung. Klar, dass
die Löwen gespannt auf die heutige Platzbegehung
blicken – und Richtung Himmel. „Bloß
keinen Schnee oder Schneeregen“, sagt
Tobias Wolf, der morgen gegen Greuther Fürth
II (Anpfiff: 14 Uhr) das Tor für Dennis
Lamczyk (Zehverletzung) hüten soll.
Für den Keeper ist die
Situation des Abwartens nicht gerade leicht.
Denn der 21-Jährige steht vor seinem
Heimdebüt im Regionalliga-Team des KSV.
„Das ewige Hin und Her belastet schon“,
sagt Wolf. Natürlich sei bei ihm die
Anspannung vor jedem möglichen Einsatz
sehr hoch gewesen. „Und dann schlägt
man morgens die Zeitung auf oder erfährt
vom Trainer, dass schon wieder nicht gespielt
wird.“
Das Thema Wetter sei innerhalb
des Teams inzwischen ausgelutscht. Auch gestern
beim Training fiel kaum ein Wort über
eine mögliche Spielabsage. „Hier
und da gab es mal einen Kommentar. Aber die
Sprüche haben sich mittlerweile abgenutzt.“
Auf ein erneutes Wechselbad der Gefühle
kann der Torwart jedenfalls gut verzichten.
Vor jedem Spiel habe er Spannung aufgebaut
und war „positiv aufgeregt“, wie
er sagt. Dann die Absage, und es fiel erst
einmal Last ab. In den folgenden Tagen dasselbe
Spiel. Das nervt.
Wolf versucht die Situation
zu nehmen, wie sie ist – sowohl was
die Wetterlage als auch sein Debüt anbelangt.
Nicht so viel darüber nachdenken, lautet
seine Devise. Sein erster Einsatz sei natürlich
etwas Besonderes, „aber man darf sich
nicht zu sehr verrückt machen“.
Auf jeden Fall möchte er die Chance nutzen,
die ihm die Verletzung von Lamczyk bietet.
Es tue ihm leid für Dennis, „das
wünscht man keinem Sportler“, aber
so sei das nun mal im Fußball. Ersatzkeeper
kriegen meist nur wenige Möglichkeiten,
sich auszuzeichnen.
Dass dementsprechend viele
Blicke morgen im Auestadion auf ihn gerichtet
sein werden, ist dem Mann aus Fulda bewusst.
Held oder Depp – für Torhüter
nichts Neues. Auf die Frage, was er sich denn
vorgenommen hat für die Partie gegen
Greuther Fürth, sagt er kurz: „Drei
Punkte.“ Und am besten kein Gegentor.
Die Hauptsache ist aber,
dass die Stadt Kassel heute grünes Licht
gibt. „Endlich mein erstes Spiel machen.“
Nicht mehr nur dran denken, wie denn das Debüt
ablaufen würde. Denn auf eine Sache hat
Tobias Wolf überhaupt keine Lust mehr:
Warten.
Von Robin Lipke (HNA-Sportredaktion,
11.03.2010) |