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Regionalliga Süd, Saison 2009/10
Presse

Es ist noch Luft nach oben

Kassel. Mit drei Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze hat Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel die Winterpause angetreten - und somit das Ziel noch nicht aus den Augen verloren.

Der Aufstieg in die dritte Liga ist nach wie vor möglich - auch bei Berücksichtigung, dass der Tabellenzweite Aalen nicht nur drei Punkte mehr auf dem Konto, sondern auch ein Spiel weniger absolviert hat. Ein Blick zurück auf die ersten 18 Saisonspiele des KSV.

WAS GUT LIEF

Die Abwehr hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten und fünf Gegentoren in den ersten beiden Partien stabilisiert. Torhüter Dennis Lamczyk gehört zu den besten Keepern, Marcel Stadel zu den talentiertesten Innenverteidigern in der Regionalliga. Er ist zu einem souveränen Abwehrchef gereift. An seiner Seite hat sich der enorm zweikampfstarke Neuzugang Michael Zepek etabliert. In der Mitte lassen sie kaum etwas anbrennen.

Der KSV hat in 18 Spielen nur zweimal verloren. Das ist ein Spitzenwert. Er hat damit bewiesen, dass er fähig ist, in nahezu jedem Spiel zu punkten. Auch bei den Niederlagen zuhause gegen Aalen und in Bamberg war ein Punkt drin.

Die Ersatzbank ist stärker besetzt als noch in der vergangenen Saison. Am deutlichsten zeigt sich das im Angriff: Dort ersetzte Neuzugang Thomas Brechler aus dem zweiten Team des VfL Wolfsburg Lukas Lenz als Ersatz für den gesetzten Stürmer Thorsten Bauer. Während Lenz bei seinen Kurzeinsätzen kaum Wirkung entfaltete, schoss Brechler bisher fünf Tore, er sorgt für mächtig Druck und eine Diskussion, ob der KSV nicht generell mit zwei Spitzen spielen sollte.

Der KSV zeigte Kampfgeist, selbst als es nicht rund lief: So fiel gegen die zweite Mannschaft des SC Freiburg in der Schlussminute noch das 1:1. Letztlich fand der KSV über den Kampf auch wieder den Weg aus der Krise und zurück zu alter Stärke.

WAS NICHT GUT LIEF

Die Außen machen nicht mehr so viel Druck wie noch in der vergangenen Saison. Vor allem Dennis Tornieporth war nicht mehr so schwungvoll - was auch daran liegt, dass er in der Vorbereitung wegen einer Verletzung kaum trainieren konnte. Was sich zudem bemerkbar machte: Die Gegner haben sich mittlerweile auf das Spiel des KSV eingestellt. Mit dem erfrischenden Auftreten über die Flügel können die Löwen keinen mehr überraschen - zumal auch von den Außenverteidigern nach vorn zu wenig kommt.

Mittlerweile haben die Stuttgarter Kickers die Löwen zwar abgelöst als Unentschieden-Könige der Liga. Allerdings: Acht Unentschieden sind letztlich ein paar zu viel. Vor allem unter der Berücksichtigung, dass in jenen Spielen der KSV oft noch eine Führung spät aus der Hand gab: Viermal war das der Fall.

Keine Frage, Thorsten Bauer hat seine Fans all die Jahre verwöhnt mit Toren. Da fällt es dann erst recht auf, wenn er mal nicht trifft. Nach dem 5:2 am sechsten Spieltag gegen Pfullendorf ist der 32 Jahre alte Stürmer ohne Torerfolg. Er rackert, er ackert, aber es fehlt vor allem eines: das Glück im Abschluss.

Den KSV umgab in den ersten 18 Saisonspielen der Elfmeterfluch: Fünf Strafstöße bekam er, nur zweimal nutzte ihm das. Thorsten Bauer verschoss zwei Elfmeter, Harez Habib einen. Jetzt schießt Kapitän Enrico Gaede - und trifft wie beim 3:2 in Darmstadt.

WAS HOFFNUNG MACHT

Thorsten Bauer ist nach seiner Verletzung auf dem Weg der Besserung und zeigte in der zweiten Halbzeit gegen Darmstadt schon wieder, wie wertvoll er ist. Und nach der Winterpause wird das auch wieder mit dem Toreschießen klappen. Bestimmt.

Nach einer Krise mit fünf Spielen in Folge ohne Sieg ist der KSV wieder in der Spur. Die Serie mit drei Siegen hintereinander kurz vor der Winterpause war das richtige Signal an die Liga: Mit den Löwen ist wieder zu rechnen!

Der KSV hat es nicht mit einer übermächtigen Konkurrenz zu tun. Auch Aalen nahm sich zwischendurch eine Auszeit, gewann drei Spiele in Folge nicht, Freiburg II schwächelte vor der Winterpause. So verkürzte sich der Abstand des KSV auf die Tabellenspitze von neun Punkten auf drei Zähler.

In der Aufstiegssaison 2005/2006 betrug der Rückstand des damaligen Oberligisten KSV zeitweise zwölf Punkte auf Tabellenführer FSV Frankfurt. Aufgestiegen ist? Der KSV. Denn, wie sagte es Trainer Matthias Hamann damals: "Es ist nicht wichtig, wer als Erster losläuft, sondern wer als Erster ankommt."

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 22.12.2009)