|
Reden
gegen "Angst im Nacken"
Wolfsburgs
Brasilianer Grafite durfte eine Woche in die
Heimat fliegen. Bayerns Louis van Gaal gab
seinen Spielern nach der Pleite gegen Bordeaux
einen Tag frei. Streicheleinheiten statt Straftraining.
Das Motto lautet: "Den Kopf frei bekommen."
Ein Modell, das auch auf
den Fußball-Regionalligisten KSV Hessen
Kassel übertragbar ist? Ruhige Tage daheim
in Lübeck für Dennis Tornieporth?
Seele baumeln lassen in Stralsund für
Enrico Gaede? So weit ist Trainer Mirko Dickhaut
nicht gegangen. Nach der 0:1-Niederlage gegen
Aalen am vergangenen Freitag gab es aber auch
für die Löwen eine Verschnaufpause.
Zwei freie Tage am Wochenende, Training auf
freiwilliger Basis am Montag. Erstaunliches
Ergebnis: Die Mannschaft war fast komplett
anwesend.
In der Woche vor der nächsten
schweren Aufgabe am Samstag bei der zweiten
Mannschaft des 1. FC Nürnberg (14 Uhr/Easy-Credit-Stadion)
stand bei Dickhaut vor allem Seelenmassage
auf dem Programm. Den freien Tagen folgten
viele Einzelgespräche - vor allem mit
den jüngeren Spielern. Dickhauts Fazit:
"Viele spielen mit Angst im Nacken."
Aber ist die wegzubekommen?
Werden die Köpfe endlich wieder frei?
"Das waren jedenfalls gute Maßnahmen",
glaubt Thorsten Bauer. Er hat das Wochenende
genutzt, ist mit der Freundin zu den Schwiegereltern
in spe gefahren. "Mit etwas Distanz schaltest
du etwas leichter ab", findet der Stürmer.
Eine freie Woche wie Grafite? "Dann wäre
ich mit der Freundin ab nach Ägypten."
"Schöne Reise"
Stattdessen muss Bauer nun
nach Nürnberg. Doch auch darüber
sagt er: "Das ist eine schöne Reise."
Zum einen ist der Torjäger Nürnberg-Fan,
zum anderen gab es in der vergangenen Saison
zwei Siege gegen die Reserve des Clubs.
Und freie Tage hin, gute
Gespräche her. Dickhaut wie Bauer wissen,
dass am Ende nur eins hilft: Es muss endlich
ein Erfolgserlebnis her. Für die Mannschaft
wie für ihren derzeit verunsicherten
Torjäger: "Vier Jahre lang lief
es für mich ununterbrochen richtig gut",
sagt Bauer, "das macht die Situation
jetzt richtig schwer. Wäre schon wichtig,
wenn so ein Ding mal wieder ins Tor geht."
Vielleicht helfen freie Tage und Gespräche
ja tatsächlich, den Weg aus der Krise
zu ebnen.
Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
05.11.2009) |