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Regionalliga Süd, Saison 2009/10
Presse

Reden gegen "Angst im Nacken"

Wolfsburgs Brasilianer Grafite durfte eine Woche in die Heimat fliegen. Bayerns Louis van Gaal gab seinen Spielern nach der Pleite gegen Bordeaux einen Tag frei. Streicheleinheiten statt Straftraining. Das Motto lautet: "Den Kopf frei bekommen."

Ein Modell, das auch auf den Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel übertragbar ist? Ruhige Tage daheim in Lübeck für Dennis Tornieporth? Seele baumeln lassen in Stralsund für Enrico Gaede? So weit ist Trainer Mirko Dickhaut nicht gegangen. Nach der 0:1-Niederlage gegen Aalen am vergangenen Freitag gab es aber auch für die Löwen eine Verschnaufpause. Zwei freie Tage am Wochenende, Training auf freiwilliger Basis am Montag. Erstaunliches Ergebnis: Die Mannschaft war fast komplett anwesend.

In der Woche vor der nächsten schweren Aufgabe am Samstag bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg (14 Uhr/Easy-Credit-Stadion) stand bei Dickhaut vor allem Seelenmassage auf dem Programm. Den freien Tagen folgten viele Einzelgespräche - vor allem mit den jüngeren Spielern. Dickhauts Fazit: "Viele spielen mit Angst im Nacken."

Aber ist die wegzubekommen? Werden die Köpfe endlich wieder frei? "Das waren jedenfalls gute Maßnahmen", glaubt Thorsten Bauer. Er hat das Wochenende genutzt, ist mit der Freundin zu den Schwiegereltern in spe gefahren. "Mit etwas Distanz schaltest du etwas leichter ab", findet der Stürmer. Eine freie Woche wie Grafite? "Dann wäre ich mit der Freundin ab nach Ägypten."

"Schöne Reise"

Stattdessen muss Bauer nun nach Nürnberg. Doch auch darüber sagt er: "Das ist eine schöne Reise." Zum einen ist der Torjäger Nürnberg-Fan, zum anderen gab es in der vergangenen Saison zwei Siege gegen die Reserve des Clubs.

Und freie Tage hin, gute Gespräche her. Dickhaut wie Bauer wissen, dass am Ende nur eins hilft: Es muss endlich ein Erfolgserlebnis her. Für die Mannschaft wie für ihren derzeit verunsicherten Torjäger: "Vier Jahre lang lief es für mich ununterbrochen richtig gut", sagt Bauer, "das macht die Situation jetzt richtig schwer. Wäre schon wichtig, wenn so ein Ding mal wieder ins Tor geht." Vielleicht helfen freie Tage und Gespräche ja tatsächlich, den Weg aus der Krise zu ebnen.

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 05.11.2009)