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Regionalliga Süd, Saison 2009/10
Presse

Einfach zu viel Krampf

Am Ende eines bitteren Abends passte sich auch die Stimmung in der Fankurve dem frustrierenden Geschehen auf dem Rasen an. Nach der 0:1-Niederlage gegen Aalen gerieten Fans der Löwen aneinander. Auslöser war offenbar, dass einige Anhänger Spieler der eigenen Mannschaft beschimpften, andere dagegen einschritten. Es kam zu Handgreiflichkeiten, die durch den Einsatz von Ordnungskräften und den Zuspruch einiger Spieler aber schnell beigelegt wurden.

Mirko Dickhaut hatte diese Szene nicht mitbekommen. "Insgesamt können wir uns nicht beklagen. Die Fans gehen noch pfleglich mit uns um", sagt der KSV-Trainer. Natürlich gab es aber auch reichlich Pfiffe nach der Pleite im Spitzenspiel, in dem die Gastgeber kaum Chancen herausspielen konnten - obwohl Dickhaut gleich fünf offensive Akteure aufgeboten hatte.

"Mehr Offensivkraft geht nicht", erklärte der Trainer, stellte aber ernüchtert fest: "Derzeit ist das einfach zu viel Krampf." Seine Spieler würden zu viel denken, wollten die Wende erzwingen. "Das", so der frühere Profi, "sind Situationen, die wir alle irgendwann erleben. Aber irgendwie müssen wir die Köpfe jetzt wieder frei bekommen."

Die Frage ist allerdings, wie das gelingen soll. Die nächste Aufgabe in Nürnberg wird nicht gerade leichter. Natürlich geht der Blick deshalb auch zurück zum Duell mit dem FSV Frankfurt um den Regionalliga-Aufstieg, als die Löwen einen Rückstand von zwölf Punkten aufholten "Wir sind ein Verein, der solche Situationen wegsteckt", sagt deshalb auch Klubchef Jens Rose.
Keine Verstärkungen

"Jetzt erst mal anständig in die Winterpause kommen", so lautet deshalb Roses Motto, wenn möglich den Rückstand auf Platz eins ein wenig verringern. Personelle Verstärkung wird es in der Pause aber nicht geben. Weil die finanziellen Mittel nicht da sind. Aber auch, weil Rose sie nicht für nötig hält, denn: "Wir haben genügend Qualität im Kader." Und so hoffen Vereinsboss wie Trainer vor allem auf eins: "Die Verkrampfung muss sich lösen."

Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 02.11.2009)

Nur wenige stehen im Soll

Auch die Einzelkritik zeigt, warum der KSV Hessen derzeit seine Ziele verfehlt

Kassel. 0:1 gegen Aalen. Platz sechs. Neun Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze. Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel ist weit von erhofften Zielen entfernt. Anlass für uns, einen Blick auf das Personal zu werfen. Denn auch der zeigt: Viele Erwartungen wurden nicht erfüllt.

WEIT IM PLUS
Dennis Lamczyk: Zeigt sich auch in seiner zweiten Saison stark. Eine echte Nummer eins. Der 22 Jahre alte Torhüter strahlt meist die Sicherheit aus, die von ihm erwartet wurde.
Marcel Stadel: Der 22-Jährige ist zum unumstrittenen Abwehrchef aufgestiegen, der nicht nur für Kampf, sondern für viel Eleganz steht. Und ganz nebenbei verbreitet er Torgefahr vor des Gegners Gehäuse. Erzielte als Innenverteidiger schon drei Treffer.

SOLL ERFÜLLT
Thomas Brechler: Glänzte als Joker vor allem im Auestadion. Vier Tore bisher. Kein Treffer allerdings, wenn der 23-Jährige von Beginn an spielte.
Michael Zepek: Der 28 Jahre alte Neuzugang ist enorm zweikampfstark und ersetzt rein sportlich Thorsten Schönewolf in der Innenverteidigung. Dass er an dessen Führungsqualitäten nicht heranreicht, war jedem vorher klar.

PLUS UND MINUS
Kevin Wölk: Zu Saisonbeginn bärenstark und mit vier Toren. Seit der Druck größer wird, taucht der 24 Jahre alte Regisseur aber immer mehr ab. Was er sich sparen sollte: seine "Rolleinlagen" nach Fouls.
Thorsten Bauer: Der Saisonauftakt war wie immer. Bauer (32) traf. Fünf Tore nach sechs Spielen. Aber auch zwei verschossene Elfmeter, die für Unsicherheit sorgten. Seitdem ackert der Torjäger viel, aber vor dem Tor fehlt es ihm sichtbar an Selbstbewusstsein.
René Ochs: Sein Problem ist, dass er an seiner überragenden letzten Saison gemessen wird. Damals schoss der quirlige Außen bis zu diesem Zeitpunkt schon fünf Tore, in dieser Serie sind es bisher zwei. Der 25-Jährige spielt nie richtig schlecht, aber eben nicht mehr so erfrischend wie vergangenes Jahr.

UNTER SOLL
Enrico Gaede: Seine Stärke ist es, das Spiel aufzuziehen. Das tat er in der vergangenen Saison unauffällig, aber effektiv. Diese Saison ist er noch ein bisschen unauffälliger und daher uneffektiver. Der 27-Jährige muss sich mehr zeigen: Er ist der Kapitän.
Harez Habib: Der 27-Jährige bekam deutlich mehr Spielanteile als im Vorjahr. Verbessert im Zweikampfverhalten. Offensiv aber zu wenig. Noch kein Tor.
Markus Unger: Mit viel Vorschusslorbeeren bedacht, gehört der 27 Jahre alte Neuzugang zu der Fraktion der Unauffälligen. Er spielt seinen Stiefel ohne Emotion herunter.

MEHR MINUS ALS PLUS
Stefan Markolf: Sein gutes Auge und Stellungsspiel in der Defensive sind zu erkennen. Der 25-jährige Neuzugang wirkt aber viel zu verhalten. Dazu eine überflüssige Rote Karte. Von Zweitliga-Form ist der Außenverteidiger weit entfernt.
Florian Heussner: Ist fit, ist schnell, aber auch extrem anfällig für Abspielfehler. Nach Rotsperre und Verletzung könnte der 21-Jährige jetzt eigentlich befreit aufspielen. Das tut der Außenverteidiger aber nicht. Frühe Gelbe Karten nehmen ihm zudem Aggressivität.
Christoph Keim: Ist vom Führungsspieler zum Mitläufer abgestiegen. Hat seinen Stammplatz verloren und fungiert nur noch als Lückenfüller. Der 28-Jährige ist für die Liga ein wenig zu langsam.

WEIT IM MINUS
Mentor Latifi: Ein großer Verlierer der bisherigen Saison. Der 25-Jährige spielt nach schwachem Start kaum eine Rolle.
Dennis Tornieporth: Der 27-Jährige verpasste wegen einer Verletzung die Vorbereitung. Seither nicht wiederzuerkennen. Kein Dampf, kein Zutrauen, kein Durchsetzungsvermögen.
Sebastian Busch: Hat durch seine Fehler das 2:2 gegen Darmstadt mitzuverantworten. Spielte danach kaum noch. Derzeit ist der 27-Jährige verletzt.

Von Frank Ziemke und Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 02.11.2009)