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Einfach
zu viel Krampf
Am Ende eines
bitteren Abends passte sich auch die Stimmung
in der Fankurve dem frustrierenden Geschehen
auf dem Rasen an. Nach der 0:1-Niederlage
gegen Aalen gerieten Fans der Löwen aneinander.
Auslöser war offenbar, dass einige Anhänger
Spieler der eigenen Mannschaft beschimpften,
andere dagegen einschritten. Es kam zu Handgreiflichkeiten,
die durch den Einsatz von Ordnungskräften
und den Zuspruch einiger Spieler aber schnell
beigelegt wurden.
Mirko Dickhaut hatte diese
Szene nicht mitbekommen. "Insgesamt können
wir uns nicht beklagen. Die Fans gehen noch
pfleglich mit uns um", sagt der KSV-Trainer.
Natürlich gab es aber auch reichlich
Pfiffe nach der Pleite im Spitzenspiel, in
dem die Gastgeber kaum Chancen herausspielen
konnten - obwohl Dickhaut gleich fünf
offensive Akteure aufgeboten hatte.
"Mehr Offensivkraft
geht nicht", erklärte der Trainer,
stellte aber ernüchtert fest: "Derzeit
ist das einfach zu viel Krampf." Seine
Spieler würden zu viel denken, wollten
die Wende erzwingen. "Das", so der
frühere Profi, "sind Situationen,
die wir alle irgendwann erleben. Aber irgendwie
müssen wir die Köpfe jetzt wieder
frei bekommen."
Die Frage ist allerdings,
wie das gelingen soll. Die nächste Aufgabe
in Nürnberg wird nicht gerade leichter.
Natürlich geht der Blick deshalb auch
zurück zum Duell mit dem FSV Frankfurt
um den Regionalliga-Aufstieg, als die Löwen
einen Rückstand von zwölf Punkten
aufholten "Wir sind ein Verein, der solche
Situationen wegsteckt", sagt deshalb
auch Klubchef Jens Rose.
Keine Verstärkungen
"Jetzt erst mal anständig
in die Winterpause kommen", so lautet
deshalb Roses Motto, wenn möglich den
Rückstand auf Platz eins ein wenig verringern.
Personelle Verstärkung wird es in der
Pause aber nicht geben. Weil die finanziellen
Mittel nicht da sind. Aber auch, weil Rose
sie nicht für nötig hält, denn:
"Wir haben genügend Qualität
im Kader." Und so hoffen Vereinsboss
wie Trainer vor allem auf eins: "Die
Verkrampfung muss sich lösen."
Von Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
02.11.2009)
Nur wenige stehen
im Soll
Auch die Einzelkritik zeigt,
warum der KSV Hessen derzeit seine Ziele verfehlt
Kassel. 0:1 gegen Aalen.
Platz sechs. Neun Punkte Rückstand auf
die Tabellenspitze. Fußball-Regionalligist
KSV Hessen Kassel ist weit von erhofften Zielen
entfernt. Anlass für uns, einen Blick
auf das Personal zu werfen. Denn auch der
zeigt: Viele Erwartungen wurden nicht erfüllt.
WEIT IM PLUS
Dennis Lamczyk: Zeigt sich auch in seiner
zweiten Saison stark. Eine echte Nummer eins.
Der 22 Jahre alte Torhüter strahlt meist
die Sicherheit aus, die von ihm erwartet wurde.
Marcel Stadel: Der 22-Jährige ist zum
unumstrittenen Abwehrchef aufgestiegen, der
nicht nur für Kampf, sondern für
viel Eleganz steht. Und ganz nebenbei verbreitet
er Torgefahr vor des Gegners Gehäuse.
Erzielte als Innenverteidiger schon drei Treffer.
SOLL ERFÜLLT
Thomas Brechler: Glänzte als Joker vor
allem im Auestadion. Vier Tore bisher. Kein
Treffer allerdings, wenn der 23-Jährige
von Beginn an spielte.
Michael Zepek: Der 28 Jahre alte Neuzugang
ist enorm zweikampfstark und ersetzt rein
sportlich Thorsten Schönewolf in der
Innenverteidigung. Dass er an dessen Führungsqualitäten
nicht heranreicht, war jedem vorher klar.
PLUS UND MINUS
Kevin Wölk: Zu Saisonbeginn bärenstark
und mit vier Toren. Seit der Druck größer
wird, taucht der 24 Jahre alte Regisseur aber
immer mehr ab. Was er sich sparen sollte:
seine "Rolleinlagen" nach Fouls.
Thorsten Bauer: Der Saisonauftakt war wie
immer. Bauer (32) traf. Fünf Tore nach
sechs Spielen. Aber auch zwei verschossene
Elfmeter, die für Unsicherheit sorgten.
Seitdem ackert der Torjäger viel, aber
vor dem Tor fehlt es ihm sichtbar an Selbstbewusstsein.
René Ochs: Sein Problem ist, dass er
an seiner überragenden letzten Saison
gemessen wird. Damals schoss der quirlige
Außen bis zu diesem Zeitpunkt schon
fünf Tore, in dieser Serie sind es bisher
zwei. Der 25-Jährige spielt nie richtig
schlecht, aber eben nicht mehr so erfrischend
wie vergangenes Jahr.
UNTER SOLL
Enrico Gaede: Seine Stärke ist es, das
Spiel aufzuziehen. Das tat er in der vergangenen
Saison unauffällig, aber effektiv. Diese
Saison ist er noch ein bisschen unauffälliger
und daher uneffektiver. Der 27-Jährige
muss sich mehr zeigen: Er ist der Kapitän.
Harez Habib: Der 27-Jährige bekam deutlich
mehr Spielanteile als im Vorjahr. Verbessert
im Zweikampfverhalten. Offensiv aber zu wenig.
Noch kein Tor.
Markus Unger: Mit viel Vorschusslorbeeren
bedacht, gehört der 27 Jahre alte Neuzugang
zu der Fraktion der Unauffälligen. Er
spielt seinen Stiefel ohne Emotion herunter.
MEHR MINUS ALS PLUS
Stefan Markolf: Sein gutes Auge und Stellungsspiel
in der Defensive sind zu erkennen. Der 25-jährige
Neuzugang wirkt aber viel zu verhalten. Dazu
eine überflüssige Rote Karte. Von
Zweitliga-Form ist der Außenverteidiger
weit entfernt.
Florian Heussner: Ist fit, ist schnell, aber
auch extrem anfällig für Abspielfehler.
Nach Rotsperre und Verletzung könnte
der 21-Jährige jetzt eigentlich befreit
aufspielen. Das tut der Außenverteidiger
aber nicht. Frühe Gelbe Karten nehmen
ihm zudem Aggressivität.
Christoph Keim: Ist vom Führungsspieler
zum Mitläufer abgestiegen. Hat seinen
Stammplatz verloren und fungiert nur noch
als Lückenfüller. Der 28-Jährige
ist für die Liga ein wenig zu langsam.
WEIT IM MINUS
Mentor Latifi: Ein großer Verlierer
der bisherigen Saison. Der 25-Jährige
spielt nach schwachem Start kaum eine Rolle.
Dennis Tornieporth: Der 27-Jährige verpasste
wegen einer Verletzung die Vorbereitung. Seither
nicht wiederzuerkennen. Kein Dampf, kein Zutrauen,
kein Durchsetzungsvermögen.
Sebastian Busch: Hat durch seine Fehler das
2:2 gegen Darmstadt mitzuverantworten. Spielte
danach kaum noch. Derzeit ist der 27-Jährige
verletzt.
Von Frank Ziemke und Florian
Hagemann (HNA-Sportredaktion, 02.11.2009)
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