Tolle Szenen
nur bei Sonne
Bis zum dritten und letzten
Spiel dieses Blitzturnieres lag die Vermutung
nahe, dass es Tore und tolle Szenen nur
dann zu bewundern gibt, wenn die Sonne
mal reinschaut ins Auestadion.
Das Problem war nur, dass sie das bis
dahin zur zweimal tat: Das erste Mal erzielte
Timo Schultz vom Fußball-Zweitligisten
FC St. Pauli das 1:0 gegen den KSV Baunatal
- und das gleich in der ersten Minute
dieser Begegnung. Das zweite Mal vergab
der Baunataler Maik Ciba die große
Chance zum Ausgleich.
Ansonsten: wenig Sonne, wenige Lichtblicke
bei diesem Blitzturnier, das auf Initiative
des KSV Baunatal hin der Hessenligist
gemeinsam mit dem Regionalligisten KSV
Hessen Kassel austrug. Als Gast gesellte
sich der FC St. Pauli dazu. Dessen Trainer
Holger Stanislawski machte gleich nach
der Ankunft mit dem Bus, den ein Totenkopf
ziert, das, was alle machten: Er schaute
gen Himmel und bezeichnete die allgemeine
Lage ganz hamburgerisch als "Schietwetter".
Das mag auch ein Grund gewesen sein, warum
nur 350 Zuschauer ins Auestadion kamen.
Hauptsache: Keine Verletzten
Was sie sahen, war das, was Teams eben
bei solchen Blitzturnieren ohne großen
Wettkampfcharakter so zeigen: ein paar
schöne Kombinationen - viel mehr
aber auch nicht. So fiel die Wertung des
Ganzen bei den Teams auch nicht gänzlich
sportlich aus: St. Paulis Mittelfeldspieler
Charles Takyi fand es wichtig, "dass
wir an diesem eigentlich spielfreien Wochenende
in Bewegung geblieben sind". Mirko
Dickhaut, Trainer des KSV Hessen Kassel,
war froh, "dass sich keiner verletzt
hat". Nur Baunatals Trainer Carsten
Lakies hatte ordentlich Spaß und
freute sich, dass seine Mannschaft mithalten
konnte gegen die höher gruppierten
Teams. "Das Schöne ist, dass
wir versucht haben, fußballerisch
dagegenzuhalten."
Das gelang. Im ersten Spiel erarbeitete
sich der KSV aus Baunatal sogar eine leichte
Überlegenheit gegenüber dem
KSV aus Kassel. Ein Tor sprang dabei nicht
heraus. 0:0 in diesem Spiel, das einmal
45 Minuten dauerte. Und gegen St. Pauli
blieb es auch bei diesem einen Gegentor
aus der ersten Minute, das Torwart Sven
Kallenbach nicht nervös machte. Nach
der 0:1-Niederlage sagte er: "Es
war ein gutes Gefühl, gegen St. Pauli
zu spielen. Das hat man nicht alle Tage."
Gundelachs tolles Tor
Das gilt auch für den KSV Hessen,
der für die Szene des Tages immerhin
keine Sonne benötigte: Sebastian
Gundelach köpfte im abschließenden
Spiel gegen St. Pauli nach einer Ecke
den Ball in den Winkel des gegnerischen
Tores. Wie er diesen Treffer gemacht hat,
wurde er später gefragt. "Mit
dem Kopf", antwortete er. Als ob
es das Einfachste von der Welt wäre.
Nach einem Sprungkrafttest unter der Woche
hatte ihm Mirko Dickhaut gesagt, bei Standardsituationen
öfter mit nach vorne zu gehen. Das
hatte Erfolg.
Fast hätte der KSV Hessen dieses
Blitzturnier gewonnen. Er hatte gegen
St. Pauli sogar noch weitere Chancen.
Aber am Ende setzte sich doch der Zweitligist
durch. Kurz vor Schluss traf Max Kruse
zum 1:1. Das reichte für den Gesamtsieg.
Doch was zählt, sind die Ligaspiele
nächste Woche.
Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion,
11.10.2009)