|
Alles
eine Frage des Systems
Thomas Brechler
trifft. Zweimal in Folge bereits. Fußball-Regionalligist
KSV Hessen Kassel hat so einen zweiten Stürmer
neben Thorsten Bauer. Keine Konkurrenz. Vielleicht
aber eine Ergänzung. Vor dem Spiel in
Bamberg (Samstag, 14 Uhr, Fuchs-Park-Stadion)
vergleichen wir mit Trainer Mirko Dickhaut
derzeitige Spielsystem und zwei Varianten
mit zwei Stürmern.
KSV KLASSISCH
So spielen die Löwen,
seit Dickhaut das Zepter schwingt. Prägend:
zwei Sechser, die vor der Abwehr aufräumen,
ein Zehner, der so abgesichert große
Freiheiten genießt, zwei Außenstürmer,
die ihre Offensivstärke voll ausspielen
können. Dickhaut betont stets, dass dies
kein Ein-Stürmer-System ist, sondern
ein überaus offensives, in dem die Außen
Ochs und Tornieporth bei Ballbesitz als klassische
Außenstürmer agieren.
Mustergültig zugeschnitten
ist diese Variante natürlich auf Thorsten
Bauer, der allein im Strafraum herrscht, von
den Außenspielern und von Spielmacher
Wölk bedient wird. Nachteil: Über
die Außenpositionen ist der KSV in der
Defensive anfälliger. Und: Thomas Brechler
muss sich mit der Rolle als Edelreservist
abfinden.
KSV MIT DREIER-ABWEHR
Eine ganz offensive Varian-te,
die vor allem gegen vermeintlich unterlegene
Gegner angewandt werden könnte. Der zweite
echte Stürmer käme für einen
Verteidiger in die Aufstellung. Die Außenspieler
Ochs und Tornieporth müssten mehr Defensiv-Aufgaben
übernehmen. Vorteil: Dank des dicht gestaffelten
Mittelfelds mit seinen hohen Offensivqualitäten
könnten die Löwen großen Druck
auf den Gegner ausüben. In der Defensive
aber wären sie anfälliger. Für
Dickhaut kommt diese Variante nicht in Frage.
"Alle unsere Abläufe sind auf Viererkette
ausgerichtet. Das sind Automatismen, die ich
nicht ändern möchte."
KSV MIT RAUTE
Für den zweiten Stürmer
würde hier ein Sechser geopfert. Das
Mittelfeld ist in Rautenform gestaffelt -
ein Sechser, ein Zehner und die beiden Außen.
Die müssten weiter innen spielen und
zudem mehr Defensivaufgaben übernehmen.
"In diesem System wird die Mitte gut
dicht gemacht", sagt Dickhaut über
die Vorzüge. Zwei zentrale Stürmer
sorgen für Unruhe im Abwehrzentrum. Im
Pokal hat Dickhaut diese Variante bereits
spielen lassen, wird sie auch weiter testen.
Einen kompletten Umstieg aber schließt
der Trainer aus. Begründung: "Ochs
und Tornieporth müssten zu viel Defensivarbeit
leisten und würden ihrer Stärke
beraubt."
FAZIT
"Never change a winning
System - ändere nie ein erfolgreiches
System." So wird es der KSV halten. Dickhauts
Variante, hier "KSV klassisch" genannt,
war in der Vergangenheit zu erfolgreich, um
sie für einen Spieler zu opfern. "Wir
werden unsere Flügelstärke nicht
aufgeben", sagt Dickhaut. Thomas Brechler
wird so vor allem Joker sein. "Über
die neue Qualität auf der Bank bin ich
unheimlich froh", sagt Dickhaut. Den
KSV mit zwei Stürmern aber wird es trotzdem
deutlich häufiger zu sehen geben als
in der Vergangenheit. Das System "Raute"
schließt Dickhaut auch als Variante
für eine Startformation nicht aus - um
einen Gegner zu überraschen.
Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
24.09.2009) |