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Regionalliga Süd, Saison 2009/10
Presse

Alles eine Frage des Systems

Thomas Brechler trifft. Zweimal in Folge bereits. Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel hat so einen zweiten Stürmer neben Thorsten Bauer. Keine Konkurrenz. Vielleicht aber eine Ergänzung. Vor dem Spiel in Bamberg (Samstag, 14 Uhr, Fuchs-Park-Stadion) vergleichen wir mit Trainer Mirko Dickhaut derzeitige Spielsystem und zwei Varianten mit zwei Stürmern.

KSV KLASSISCH

So spielen die Löwen, seit Dickhaut das Zepter schwingt. Prägend: zwei Sechser, die vor der Abwehr aufräumen, ein Zehner, der so abgesichert große Freiheiten genießt, zwei Außenstürmer, die ihre Offensivstärke voll ausspielen können. Dickhaut betont stets, dass dies kein Ein-Stürmer-System ist, sondern ein überaus offensives, in dem die Außen Ochs und Tornieporth bei Ballbesitz als klassische Außenstürmer agieren.

Mustergültig zugeschnitten ist diese Variante natürlich auf Thorsten Bauer, der allein im Strafraum herrscht, von den Außenspielern und von Spielmacher Wölk bedient wird. Nachteil: Über die Außenpositionen ist der KSV in der Defensive anfälliger. Und: Thomas Brechler muss sich mit der Rolle als Edelreservist abfinden.

KSV MIT DREIER-ABWEHR

Eine ganz offensive Varian-te, die vor allem gegen vermeintlich unterlegene Gegner angewandt werden könnte. Der zweite echte Stürmer käme für einen Verteidiger in die Aufstellung. Die Außenspieler Ochs und Tornieporth müssten mehr Defensiv-Aufgaben übernehmen. Vorteil: Dank des dicht gestaffelten Mittelfelds mit seinen hohen Offensivqualitäten könnten die Löwen großen Druck auf den Gegner ausüben. In der Defensive aber wären sie anfälliger. Für Dickhaut kommt diese Variante nicht in Frage. "Alle unsere Abläufe sind auf Viererkette ausgerichtet. Das sind Automatismen, die ich nicht ändern möchte."

KSV MIT RAUTE

Für den zweiten Stürmer würde hier ein Sechser geopfert. Das Mittelfeld ist in Rautenform gestaffelt - ein Sechser, ein Zehner und die beiden Außen. Die müssten weiter innen spielen und zudem mehr Defensivaufgaben übernehmen. "In diesem System wird die Mitte gut dicht gemacht", sagt Dickhaut über die Vorzüge. Zwei zentrale Stürmer sorgen für Unruhe im Abwehrzentrum. Im Pokal hat Dickhaut diese Variante bereits spielen lassen, wird sie auch weiter testen. Einen kompletten Umstieg aber schließt der Trainer aus. Begründung: "Ochs und Tornieporth müssten zu viel Defensivarbeit leisten und würden ihrer Stärke beraubt."

FAZIT

"Never change a winning System - ändere nie ein erfolgreiches System." So wird es der KSV halten. Dickhauts Variante, hier "KSV klassisch" genannt, war in der Vergangenheit zu erfolgreich, um sie für einen Spieler zu opfern. "Wir werden unsere Flügelstärke nicht aufgeben", sagt Dickhaut. Thomas Brechler wird so vor allem Joker sein. "Über die neue Qualität auf der Bank bin ich unheimlich froh", sagt Dickhaut. Den KSV mit zwei Stürmern aber wird es trotzdem deutlich häufiger zu sehen geben als in der Vergangenheit. Das System "Raute" schließt Dickhaut auch als Variante für eine Startformation nicht aus - um einen Gegner zu überraschen.

Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 24.09.2009)