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Regionalliga Süd, Saison 2009/10
Presse

Für Michael Zepek ist jetzt Kassel angesagt

Wer seinen Lebenslauf studiert, der bleibt unweigerlich beim 15. Mai 2002 hängen: Finale der Champions League. Leverkusen gegen Real Madrid, Hampden Park in Glasgow. Michael Zepek sitzt für Leverkusen auf der Bank.

Auf dem Platz spielen Michael Ballack, Bernd Schneider, Lucio auf der einen Seite, Figo, Raúl, Zinedine Zidane auf der anderen Seite, auf der Seite des Gewinners Real. "Es war ein geiles Spiel, es war eine geile Atmosphäre. Ich bin froh, dass ich das erleben durfte", sagt Michael Zepek. Er sagt aber auch: "Ich bin nicht der Typ, der in die Vergangenheit blickt. Jetzt ist Kassel angesagt."

Seit diesem Sommer ist der 28-Jährige beim KSV - und es scheint, als sei er schon voll und ganz in Kassel angekommen: Mit seiner Frau hat er eine Wohnung in Wehlheiden bezogen, und über die Löwen spricht er so, als ob er schon immer dabei gewesen wäre. Er hat sich mit seinem neuen Verein befasst: Er kennt den Zuschauerschnitt aus der vergangenen Saison, weiß, wie viele Fans das Heimspiel gegen Nürnberg verfolgt haben und kann den Spielplan für die kommende Serie schon fast auswendig.

Michael Zepek hat viel vor in und mit Kassel: Für drei Jahre hat der Innenverteidiger unterschrieben - in dieser Zeit soll es "so hoch wie möglich gehen" mit dem KSV. Der ist Station Nummer sieben seiner Laufbahn, die geprägt war von Verletzungen: drei Operationen an der Leiste, ein Muskelbündelriss, ein Knochenödem im Mittelfuß. Dass er in der vergangenen Saison ganz ohne Verein war, sieht er daher nicht nur negativ: "Für meinen Körper und meinen Gesundheitszustand war das sicher von Vorteil." Er hat sich in Spanien fit gehalten. Dort hat er mit seiner Frau, einer Spanierin, ein Haus gebaut. Dorthin will er später mal zurückkehren.

Zunächst einmal möchte er es aber doch noch einmal als Fußballer in Deutschland wissen. Als ihn KSV-Präsident Jens Rose im Frühsommer kontaktierte, musste der Mann aus der Nähe von Heilbronn nicht lange überlegen: Die ersten Eindrücke haben gestimmt. Also: Warum noch groß nachdenken?

Die Mannschaft hat ihn so aufgenommen, wie er das noch nie erlebt hat: ein paar Kollegen haben beim Möbelschleppen geholfen, ein paar haben ihn gleich zum Grillen eingeladen - "die Stimmung ist echt super", sagt Zepek. Zu seinem Glück fehlt noch ein Stammplatz. Er hat gute Chancen, am Freitag im ersten Punktspiel der Regionalliga gegen die zweite Mannschaft von 1860 München in der ersten Elf zu stehen, aber sicher sein kann er sich nicht.

In Sachen Eigenwerbung bleibt er bescheiden. Er sagt nur: "Ich werde nicht so schnell nervös." Seine Lehrmeister können sich durchaus sehen lassen: Sie heißen Lucio und Jens Nowotny. Lucio schoss damals ein Tor im Finale gegen Real.

Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 31.07.2009)

Zur Person

Michael Zepek ist am 19. Januar 1981 in Bad Friedrichshall (Baden-Württemberg) geboren. Über den Karlsruher SC kam der 28-Jährige 2001 nach Leverkusen. Er stand häufig im Kader des Bundesligisten, ohne ein Spiel absolviert zu haben. Auf Auswärtsfahrten teilte er sich ein Zimmer mit Dimitar Berbatow. 2002 wechselte Zepek zum Zweitligisten Ahlen, dann nach Karlsruhe. Von dort ging es zum Regionalligisten Hoffenheim, später nach Elversberg. Er ist verheiratet. Sein Hobby? Die Börse.