Für Michael
Zepek ist jetzt Kassel angesagt
Wer seinen Lebenslauf
studiert, der bleibt unweigerlich beim
15. Mai 2002 hängen: Finale der Champions
League. Leverkusen gegen Real Madrid,
Hampden Park in Glasgow. Michael Zepek
sitzt für Leverkusen auf der Bank.
Auf dem Platz spielen Michael Ballack,
Bernd Schneider, Lucio auf der einen Seite,
Figo, Raúl, Zinedine Zidane auf
der anderen Seite, auf der Seite des Gewinners
Real. "Es war ein geiles Spiel, es
war eine geile Atmosphäre. Ich bin
froh, dass ich das erleben durfte",
sagt Michael Zepek. Er sagt aber auch:
"Ich bin nicht der Typ, der in die
Vergangenheit blickt. Jetzt ist Kassel
angesagt."
Seit diesem Sommer ist der 28-Jährige
beim KSV - und es scheint, als sei er
schon voll und ganz in Kassel angekommen:
Mit seiner Frau hat er eine Wohnung in
Wehlheiden bezogen, und über die
Löwen spricht er so, als ob er schon
immer dabei gewesen wäre. Er hat
sich mit seinem neuen Verein befasst:
Er kennt den Zuschauerschnitt aus der
vergangenen Saison, weiß, wie viele
Fans das Heimspiel gegen Nürnberg
verfolgt haben und kann den Spielplan
für die kommende Serie schon fast
auswendig.
Michael Zepek hat viel vor in und mit
Kassel: Für drei Jahre hat der Innenverteidiger
unterschrieben - in dieser Zeit soll es
"so hoch wie möglich gehen"
mit dem KSV. Der ist Station Nummer sieben
seiner Laufbahn, die geprägt war
von Verletzungen: drei Operationen an
der Leiste, ein Muskelbündelriss,
ein Knochenödem im Mittelfuß.
Dass er in der vergangenen Saison ganz
ohne Verein war, sieht er daher nicht
nur negativ: "Für meinen Körper
und meinen Gesundheitszustand war das
sicher von Vorteil." Er hat sich
in Spanien fit gehalten. Dort hat er mit
seiner Frau, einer Spanierin, ein Haus
gebaut. Dorthin will er später mal
zurückkehren.
Zunächst einmal möchte er es
aber doch noch einmal als Fußballer
in Deutschland wissen. Als ihn KSV-Präsident
Jens Rose im Frühsommer kontaktierte,
musste der Mann aus der Nähe von
Heilbronn nicht lange überlegen:
Die ersten Eindrücke haben gestimmt.
Also: Warum noch groß nachdenken?
Die Mannschaft hat ihn so aufgenommen,
wie er das noch nie erlebt hat: ein paar
Kollegen haben beim Möbelschleppen
geholfen, ein paar haben ihn gleich zum
Grillen eingeladen - "die Stimmung
ist echt super", sagt Zepek. Zu seinem
Glück fehlt noch ein Stammplatz.
Er hat gute Chancen, am Freitag im ersten
Punktspiel der Regionalliga gegen die
zweite Mannschaft von 1860 München
in der ersten Elf zu stehen, aber sicher
sein kann er sich nicht.
In Sachen Eigenwerbung bleibt er bescheiden.
Er sagt nur: "Ich werde nicht so
schnell nervös." Seine Lehrmeister
können sich durchaus sehen lassen:
Sie heißen Lucio und Jens Nowotny.
Lucio schoss damals ein Tor im Finale
gegen Real.
Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion,
31.07.2009)
Zur Person
Michael Zepek ist am 19. Januar 1981
in Bad Friedrichshall (Baden-Württemberg)
geboren. Über den Karlsruher SC kam
der 28-Jährige 2001 nach Leverkusen.
Er stand häufig im Kader des Bundesligisten,
ohne ein Spiel absolviert zu haben. Auf
Auswärtsfahrten teilte er sich ein
Zimmer mit Dimitar Berbatow. 2002 wechselte
Zepek zum Zweitligisten Ahlen, dann nach
Karlsruhe. Von dort ging es zum Regionalligisten
Hoffenheim, später nach Elversberg.
Er ist verheiratet. Sein Hobby? Die Börse.