Wer wird der
Kapitän?
Fußball-Regionalligist
KSV Hessen Kassel sucht einen Kapitän,
nachdem Thorsten Schönewolf seine
Karriere nach der vergangenen Saison beendet
hat.
Trainer Mirko Dickhaut will den Spielführer
in der kommenden Woche während des
Trainingslagers in Hofgeismar von seinem
Team bestimmen lassen – "im
Einklang mit mir", wie er das ausdrückt.
Konkret sieht das so aus: Zunächst
wählen die Spieler den Mannschaftsrat,
der aus drei Mitgliedern besteht. In der
vergangenen Saison waren das Christoph
Keim, Enrico Gaede und Thorsten Schönewolf.
Aus dem Kreis dieses Rates geht dann auch
der Kapitän durch Wahl hervor. Anschließend
muss Dickhaut dann noch sein Okay geben.
Wie wichtig das Amt des Spielführers
ist, zeigt ein Blick auf die vorletzte
Saison, als der damalige Coach Matthias
Hamann Denis Berger zum Kapitän bestimmte
– und damit einen Akteur, der im
Team kaum Akzeptanz besaß. Im Nachhinein
wird dieser Entschluss als einer der größten
Fehler Hamanns angesehen. Das Projekt
mit Denis Berger scheiterte, Hamann musste
gehen.
Wer aber kommt nun als Nachfolger Thorsten
Schönewolfs infrage? Wer sind die
heißesten Kandidaten für dieses
Amt? Ein Überblick:
DENNIS LAMCZYK
Vorteil: Ist trotz seiner erst 22 Jahre
eine erstaunlich gereifte Persönlichkeit,
der nicht fremd ist, Verantwortung zu
übernehmen. Der junge Vater ist zudem
schon das dritte Jahr in Kassel und ein
absoluter Leistungsträger.
Nachteil: Kann als Torwart nicht so umfassend
auf seine Mitspieler und letztlich auch
auf den Schiedsrichter einwirken, wie
das einem Spielmacher in der Regel möglich
sein sollte.
ENRICO GAEDE
Vorteil: Der 27-Jährige ist Dreh-
und Angelpunkt im KSV-Spiel und von allen
akzeptiert. Ihn schockt so schnell nichts.
Hat Erfahrung gesammelt als Mitglied im
Mannschaftsrat.
Nachteil: Er ist nach außen noch
zu ruhig. Trotzdem gilt er als Favorit
auf das Amt.
CHRISTOPH KEIM
Vorteil: Auch er ist für sein Alter
von knapp 28 Jahren eine extrem starke
Persönlichkeit und genießt
den Bonus als Mann aus der Region, der
eng mit dem KSV verbunden ist. Der Schwälmer
nimmt die Dinge in die Hand: In der vergangenen
Saison legte er höchst persönlich
Einspruch gegen seine Gelb-Rote Karte
in Heidenheim ein – mit Erfolg,
der in solchen Angelegenheiten so wahrscheinlich
ist wie zumindest ein Fünfer im Lotto.
Hat auch schon Erfahrung als Mannschaftsrat.
Nachteil: Für Keim wird es schwer,
einen festen Platz in der Mannschaft zu
bekommen.
HAREZ HABIB
Vorteil: Tritt sehr selbstbewusst auf
und stellt etwas dar – auf dem Platz
und außerhalb davon. Der afghanische
Nationalspieler ist intelligent und hat
eine durchaus vermittelnde Art. Die hat
der 27-Jährige zuletzt im Freundschaftsspiel
gegen Tiflis bewiesen, als er als Kurzzeit-Kapitän
Trainer Mirko Dickhaut darauf hinwies,
dass der Schiedsrichter Spielmacher Kevin
Wölk bei der nächsten Kleinigkeit
vom Platz stellen würde.
Nachteil: Habib hat keinen Stammplatz.
KEVIN WÖLK
Vorteil: Ist als Spielmacher unbestritten
und hat auf der extrem wichtigen Position
seinen Stammplatz sicher. Hat eine klare
Meinung und äußert sie auch.
Nachteil: Ist gerade was die Beziehung
zu Schiedsrichtern angeht nicht der größte
Diplomat. Muss im Umgang noch ein wenig
disziplinierter werden, um als Kapitän
infrage zu kommen.
THORSTEN BAUER
Vorteil: Er ist als Stürmer unumstritten
und bei den Fans der Fußballgott.
Bauer ist die Identifikationsfigur des
KSV schlechthin – erst recht nach
dem Karriereende Thorsten Schönewolfs.
Nachteil: Einen Nachteil gibt es eigentlich
nicht. Es sei denn diesen: Er braucht
kein Amt, um gehört zu werden. Er
besitzt schon so genügend Autorität.
Von Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion,
02.07.2009)