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Kreispokal 2008/09, Viertelfinale

VfB Süsterfeld - KSV Hessen Kassel

3:0 (0:0) nach Verlängerung

Mittwoch, 23.07.2008 - 18:30 Uhr
Sportgelände an der Eugen-Richter-Straße Kassel

VfB Süsterfeld
KSV Hessen Kassel
Christoph Gaszyck
Enver Gül
Kamil Cichy
Cüneyt Atasoy
Krysiak (41. Matthias Maciongowski)
Marcel Ehrig
Jens Wörner
Murat Osmanoglu (88. Kenny Mulansky)
Mustafa Öz
Teame Andezion
Alexander Becker (46. Arne Schmidt)
Cihan Timocin (63. Torbjörn Warneke)
Celebi Bayrak
Dietzel (84. Samil Eligür)
Ervin Glogic (46. Marc Zuschlag)
Fikret Ilazi
Kai Simon
Trainer: Thomas Herwig
Spielstatistik
Tore: 1:0 Schmidt (92.), 2:0 Ilazi (99.), 3:0 Wörner (116.) - Gelb-Rot: Öz (107., VfB) - Schiedsrichter: Bernhardt (SVH Kassel) - Zuschauer: 600
Spielbericht

Schmidt schockt Ex-Klub

Es ging alles so schnell. Blitzschnell. Rasant, wie in einer Achterbahn. Eigentlich hatte Arne Schmidt kaum Zeit zum Luft holen und dann das. Vorgestern als Neuzugang das erste Mal bei der Mannschaft gewesen, gestern Abend zum ersten Mal als neuer Spieler des VfB Süsterfeld das Sportgelände an der Eugen-Richter-Straße betreten.

Viertelfinale im FußballKreispokal. Erster Pflichtspieleinsatz gegen seinen Ex-Klub, den KSV Hessen. Mit Erfolg. In der 46. Minute eingewechselt, passierte zunächst lange nichts, ehe er dann in der zweiten Minute der Verlängerung das 1:0 köpfte. Den zweiten Treffer durch Fikret Ilazi (99.) bereitete er per Freistoß vor. Jens Wörners 3:0 (116.) bedeutete schließlich den überraschenden Endstand, der den Süsterfeldern den Halbfinaleinzug gegen den OSC Vellmar bescherte.

Bei Gibhardt entschuldigt

So richtig freuen wollte sich Arne Schmidt nach dem Abpfiff jedoch nicht. Verständlich. Leise flüsterte er KSV-Trainer Michael Gibhardt ein "Tschuldigung" ins Ohr und setzte sich dann zu seinen Freunden vom KSV Hessen aufs Spielfeld. Der Löwen-Coach blieb enttäuscht zurück und sagte: "In der Verlängerung haben wir alles falsch gemacht. Keiner hatte heute Hessenliga-, geschweige denn Regionalligaformat."

Recht hatte er, denn zwischen der gemischten Löwen-Mannschaft, in der fünf Spieler aus Mirko Dickhauts Kader standen, und der des Gruppenligisten VfB Süsterfeld war in der ersten Halbzeit sowie über weite Strecken der zweiten Halbzeit kein Klassenunterschied zu erkennen. Überhaupt befand sich die Partie in der ersten Stunde vor 600 Zuschauern auf schwachem Niveau. Erst danach erarbeiteten sich die Gäste ein leichtes Übergewicht und Chancen durch Marc Zuschlag (65.) und Kai Simon (67., 75.).

"Unsere Innenverteidigung mit Kamil Cichy und Cüneyt Atasoy stand heute hervorragend. Das 0:0 und die Verlängerung hatten wir uns verdient", lobte VfB-Trainer Thomas Herwig den stärksten Teil seiner Mannschaft, die die Löwen dann völlig kalt erwischte. Wörner-Flanke von links, Kopfball Schmidt, Tor - 1:0. Schmidt-Freistoß von halbrechts, Kopfball Ilazi, Tor - 2:0. Genau so, wie sie es am Abend zuvor im Training geübt hatten.

Klar, die gemischte Mannschaft des KSV war noch nicht eingespielt, aber die Stellungsfehler und Freiräume der VfB-Spieler dürften den einen oder anderen Anhänger schon überrascht haben. Den Schlusspunkt dieser Pokal-Überraschung setzte Jens Wörner, der nach einem Konter KSV-Torwart Tobias Wolf umkurvte und zum letztendlich verdienten 3:0-Endstand einschoss.

Torsten Kohlhaase (HNA-Sportredaktion, 24.07.2008)

Unbeschreibliches Gefühl

Ausgerechnet Arne Schmidt: Mit einem Tor und einer Vorlage hatte der 24-jährige Mittelfeldmann am Mittwochabend entscheidenden Anteil am 3:0-Pokalsieg seines neuen Klubs VfB Süsterfeld gegen seine alten Kameraden vom KSV Hessen. Schadenfreude empfand er nicht. Als das Spiel beendet war, setzte er sich zu seinen alten Freunden auf den Rasen und flüsterte seinem Ex-Coach Michael Gibhardt "Tschuldigung" ins Ohr.

Nein, das Gefühl, das er nach dem Sieg empfand, könne er nicht beschreiben, erklärte er gestern, knapp 24 Stunden später. "Ich wüsste nicht, wie." Tat es ihm gar leid? Nein, das auch nicht. Fußball sei nun mal so. Allerdings habe er das Bedürfnis gehabt, nach dem Abpfiff zu seinen alten Kumpanen zu gehen. Schließlich habe er beim KSV längere Zeit mit Niklas Hanske, Florian Heussner und Kai Simon zusammengespielt. Was hat Gibhardt eigentlich geantwortet? Nichts, sagt Schmidt. Gibbi habe nur gegrinst. Der Mittelfeldmann und der KSV hatten sich im Sommer getrennt. Warum? Schmidt: "Wir sind nicht übereingekommen."

Daraufhin klopfte Süsterfeld an, und Schmidt unterschrieb für ein Jahr. Zwei andere Angebote hätten ihm noch vorgelegen, doch Süsterfeld habe ihm am meisten gepasst. "Ich glaube, dass ich Studium und Fußball hier am besten vereinbaren kann."

Erst am Dienstagabend hatte er erstmals im Kreise seiner neuen Kollegen trainiert. Dabei habe sich einer besonders gefreut: Julio Cesar, der einstige KSV-Publikumsliebling. Beide standen in der Rückserie der vorletzten Saison gemeinsam für den KSV auf dem Platz.

Schmidt will Grundschullehrer werden. Im Herbst will er sein Examen machen. Dem Fußball will er treu bleiben. Zunächst beim VfB Süsterfeld. Sein mittelfristiges Ziel ist es, nochmal höherklassig zu kicken.

In Warburg gegen Dortmund

Die Löwen befinden sich übrigens zurzeit im Trainingslager in einem Sporthotel im Westerland. Am Sonntag auf der Rückfahrt wird Station in Warburg gemacht. Um 16 Uhr steht dann ein Test gegen die Regionalligatruppe von Borussia Dortmund an. Das Spiel im Stadion Diemelaue bildet den Auftakt zur Festwoche "100 Jahre Warburger Sportfreunde 08". Es kam zustande über den KSV-Gönner und Warburger Unternehmer Wolfgang Linnenbrink.

Beide Teams hatten sich erst Anfang Februar in Kassel gegenübergestanden. Die Löwen gewannen damals in einem rasanten Spiel mit 1:0.

Uli Brehme (HNA-Sportredaktion, 25.07.2008)