Schmidt
schockt Ex-Klub
Es ging alles
so schnell. Blitzschnell. Rasant, wie in einer
Achterbahn. Eigentlich hatte Arne Schmidt
kaum Zeit zum Luft holen und dann das. Vorgestern
als Neuzugang das erste Mal bei der Mannschaft
gewesen, gestern Abend zum ersten Mal als
neuer Spieler des VfB Süsterfeld das
Sportgelände an der Eugen-Richter-Straße
betreten.
Viertelfinale im FußballKreispokal.
Erster Pflichtspieleinsatz gegen seinen Ex-Klub,
den KSV Hessen. Mit Erfolg. In der 46. Minute
eingewechselt, passierte zunächst lange
nichts, ehe er dann in der zweiten Minute
der Verlängerung das 1:0 köpfte.
Den zweiten Treffer durch Fikret Ilazi (99.)
bereitete er per Freistoß vor. Jens
Wörners 3:0 (116.) bedeutete schließlich
den überraschenden Endstand, der den
Süsterfeldern den Halbfinaleinzug gegen
den OSC Vellmar bescherte.
Bei Gibhardt entschuldigt
So richtig freuen wollte
sich Arne Schmidt nach dem Abpfiff jedoch
nicht. Verständlich. Leise flüsterte
er KSV-Trainer Michael Gibhardt ein "Tschuldigung"
ins Ohr und setzte sich dann zu seinen Freunden
vom KSV Hessen aufs Spielfeld. Der Löwen-Coach
blieb enttäuscht zurück und sagte:
"In der Verlängerung haben wir alles
falsch gemacht. Keiner hatte heute Hessenliga-,
geschweige denn Regionalligaformat."
Recht hatte er, denn zwischen
der gemischten Löwen-Mannschaft, in der
fünf Spieler aus Mirko Dickhauts Kader
standen, und der des Gruppenligisten VfB Süsterfeld
war in der ersten Halbzeit sowie über
weite Strecken der zweiten Halbzeit kein Klassenunterschied
zu erkennen. Überhaupt befand sich die
Partie in der ersten Stunde vor 600 Zuschauern
auf schwachem Niveau. Erst danach erarbeiteten
sich die Gäste ein leichtes Übergewicht
und Chancen durch Marc Zuschlag (65.) und
Kai Simon (67., 75.).
"Unsere Innenverteidigung
mit Kamil Cichy und Cüneyt Atasoy stand
heute hervorragend. Das 0:0 und die Verlängerung
hatten wir uns verdient", lobte VfB-Trainer
Thomas Herwig den stärksten Teil seiner
Mannschaft, die die Löwen dann völlig
kalt erwischte. Wörner-Flanke von links,
Kopfball Schmidt, Tor - 1:0. Schmidt-Freistoß
von halbrechts, Kopfball Ilazi, Tor - 2:0.
Genau so, wie sie es am Abend zuvor im Training
geübt hatten.
Klar, die gemischte Mannschaft
des KSV war noch nicht eingespielt, aber die
Stellungsfehler und Freiräume der VfB-Spieler
dürften den einen oder anderen Anhänger
schon überrascht haben. Den Schlusspunkt
dieser Pokal-Überraschung setzte Jens
Wörner, der nach einem Konter KSV-Torwart
Tobias Wolf umkurvte und zum letztendlich
verdienten 3:0-Endstand einschoss.
Torsten
Kohlhaase (HNA-Sportredaktion, 24.07.2008)
Unbeschreibliches
Gefühl
Ausgerechnet
Arne Schmidt: Mit einem Tor und einer Vorlage
hatte der 24-jährige Mittelfeldmann am
Mittwochabend entscheidenden Anteil am 3:0-Pokalsieg
seines neuen Klubs VfB Süsterfeld gegen
seine alten Kameraden vom KSV Hessen. Schadenfreude
empfand er nicht. Als das Spiel beendet war,
setzte er sich zu seinen alten Freunden auf
den Rasen und flüsterte seinem Ex-Coach
Michael Gibhardt "Tschuldigung"
ins Ohr.
Nein, das Gefühl, das
er nach dem Sieg empfand, könne er nicht
beschreiben, erklärte er gestern, knapp
24 Stunden später. "Ich wüsste
nicht, wie." Tat es ihm gar leid? Nein,
das auch nicht. Fußball sei nun mal
so. Allerdings habe er das Bedürfnis
gehabt, nach dem Abpfiff zu seinen alten Kumpanen
zu gehen. Schließlich habe er beim KSV
längere Zeit mit Niklas Hanske, Florian
Heussner und Kai Simon zusammengespielt. Was
hat Gibhardt eigentlich geantwortet? Nichts,
sagt Schmidt. Gibbi habe nur gegrinst. Der
Mittelfeldmann und der KSV hatten sich im
Sommer getrennt. Warum? Schmidt: "Wir
sind nicht übereingekommen."
Daraufhin klopfte Süsterfeld
an, und Schmidt unterschrieb für ein
Jahr. Zwei andere Angebote hätten ihm
noch vorgelegen, doch Süsterfeld habe
ihm am meisten gepasst. "Ich glaube,
dass ich Studium und Fußball hier am
besten vereinbaren kann."
Erst am Dienstagabend hatte
er erstmals im Kreise seiner neuen Kollegen
trainiert. Dabei habe sich einer besonders
gefreut: Julio Cesar, der einstige KSV-Publikumsliebling.
Beide standen in der Rückserie der vorletzten
Saison gemeinsam für den KSV auf dem
Platz.
Schmidt will Grundschullehrer
werden. Im Herbst will er sein Examen machen.
Dem Fußball will er treu bleiben. Zunächst
beim VfB Süsterfeld. Sein mittelfristiges
Ziel ist es, nochmal höherklassig zu
kicken.
In Warburg gegen Dortmund
Die Löwen befinden sich
übrigens zurzeit im Trainingslager in
einem Sporthotel im Westerland. Am Sonntag
auf der Rückfahrt wird Station in Warburg
gemacht. Um 16 Uhr steht dann ein Test gegen
die Regionalligatruppe von Borussia Dortmund
an. Das Spiel im Stadion Diemelaue bildet
den Auftakt zur Festwoche "100 Jahre
Warburger Sportfreunde 08". Es kam zustande
über den KSV-Gönner und Warburger
Unternehmer Wolfgang Linnenbrink.
Beide Teams hatten sich erst
Anfang Februar in Kassel gegenübergestanden.
Die Löwen gewannen damals in einem rasanten
Spiel mit 1:0.
Uli Brehme (HNA-Sportredaktion,
25.07.2008) |