Jetzt fällt
die Tribüne
Mehr als 50 Jahre haben
die Besucher hier Siege bejubelt und Niederlagen
betrauert. Jetzt ist es so weit: Die marode
Haupttribüne des Auestadions wird
abgerissen. Der Anfang ist bereits gemacht.
Ein großer Bagger mit einem Spezialaufsatz
beißt wie mit einer riesigen Kneifzange
Stück für Stück heraus.
Betonteile fallen herunter, es staubt,
und deshalb steht auch immer einer der
Arbeiter mit der großen Wasserspritze
daneben.
„Wir dürfen auf keinen Fall
die Laufbahn beschädigen", sagt
Baustellenleiter Suljo Alic. Schließlich
ist die gerade erst neu verlegt worden
und soll demnächst bei Großveranstaltungen
wie den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften
zum Einsatz kommen. Weil das alte Tribünendach
nicht nach vorn kippen soll, müssen
sich die Bauleute vorsichtig von der Innenseite
des Stadions vorarbeiten. Dadurch wird
es sehr eng für die schweren Maschinen.
Kann da nicht doch etwas passieren? „Glauben
Sie mir, das sind Profis", sagt Axel
Michalke, Prokurist bei der Kasseler Baufirma
Hermanns. Die hat den Zuschlag für
den Abriss bekommen und sich dafür
die Dienste von Spezialisten gesichert.
Suljo Alic und seine Kollegen arbeiten
für die Thüringer Abrissfirma
THK Bau, die zuletzt die halbe Innenstadt
von Leverkusen in Schutt und Asche gelegt
hat. Und zwar so, dass nichts beschädigt
wurde. Unter anderem wurden in Leverkusen
das 70er-Jahre Rathaus und ein Kaufhaus
abgerissen. Auf einer Fläche von
sechs Fußballfeldern entsteht jetzt
ein Shopping-Center. Ein Großprojekt,
an dem Hermanns beteiligt ist. „Wir
haben uns dort kennen gelernt, so kam
es zu der Zusammenarbeit", sagt Axel
Michalke. In dreieinhalb Wochen soll von
der Haupttribüne des Auestadions
nichts mehr zu sehen sein.
Das ist die Voraussetzung für den
geplanten Neubau, der bis zum Frühjahr
2010 stehen soll. Die Ausschreibung dafür
läuft bereits, bis zum 9. Juli haben
Interessenten Zeit, detaillierte Angebote
zu machen. „Vorher kann ich dazu
nichts sagen", so Kassels Hochbauchef
Hans-Joachim Neukäter.
Kosten: 9,4 Millionen Euro
Für Abriss und Neubau der Haupttribüne
stehen im Kasseler Haushalt 9,4 Millionen
Euro zur Verfügung. Die neue Tribüne
soll etwas höher als das Vorgängermodell
werden und damit auch mehr Sitzplätze
bieten.
Thomas Siemon (HNA-Sportredaktion, 25.06.2009)