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Regionalliga Süd, Saison 2008/09
Presse

Mirko im Mittelpunkt

Mirko Dickhaut hatte alles versucht, um nicht im Mittelpunkt zu stehen. Nach dem 2:0 gegen Pfullendorf am Freitagabend verschwand der Trainer des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen Kassel ziemlich schnell in den Katakomben des Auestadions. Die Fans skandierten derweil: "Wir woll’n den Mirko seh’n." Doch der Mirko war nicht zu sehen. Er wollte nicht im Mittelpunkt stehen.

Die Anhänger aber blieben hartnäckig, ließen keinen Zweifel daran, wer die Humba, das Vorspiel des Freudentanzes, anstimmen sollte: "Heute ist der Mirko dran." Der Mirko aber kam nicht.

Also wurde der Präsident eingeschaltet. Jens Rose stand in der Nähe der Katakomben, weit weg von Mannschaft und Fans, aber nah dran am Trainer. Über Handy erreichte ihn die Nachricht, er solle doch den Mirko holen. Kurze Zeit später schritt Rose dann mit Dickhaut über den Platz Richtung Team und Fans. Er legte den Arm über die Schulter Dickhauts, als ob er ihm noch einmal gut zureden wollte, vielleicht doch einmal kurz im Mittelpunkt zu stehen.

Als beide ankamen, warteten nicht nur die Fans, sondern auch die Spieler, die den Fans gehorchten und keine Party machten ohne den Boss. Dickhaut ging noch einmal zu Thorsten Bauer, dem Ober-Humba-Macher, und wollte ihn überreden, den Dirigenten zu geben. Doch auch die letzte Mittelpunktverhinderungsmaßnahme half nichts. Dickhaut machte die Humba und betonte später noch einmal, dass er nicht so gern im Mittelpunkt steht, aber er sagte auch: "Das war eine überragende Geste der Fans."

Sie haben ein feines Gespür dafür, wer wann Anerkennung verdient hat. Der Ruf ereilte Dickhaut nach einem Drittel der Saison, nach dem sich die Löwen festgesetzt haben in der Tabellenspitze und in dem die Mannschaft meistens einen anderen Fußball gespielt hat als zuvor. Dickhauts Fußball.

Der ist vor allem dann zu sehen, wenn die Gegner so spielen wie Pfullendorf, wenn sie sich nicht verstecken, sondern auch gestalten wollen. Dann greift das auf Flachpässe angelegte Kombinationsspiel des KSV, das Enrico Gaede im defensiven Mittelfeld ankurbelt und fortgesetzt wird durch die Außen René Ochs und Dennis Tornieporth oder durch Kevin Wölk im offensiven Mittelfeld. Das geht dann meist Ruck-Zuck.

Gegen Pfullendorf war der KSV zu Beginn so aufgedreht, dass er fast schon gewonnen hatte, bevor die letzten Zuschauer überhaupt ihren Platz eingenommen hatten. Die frühen Tore durch René Ochs und Thorsten Bauer nach sechs Minuten dienen auch als Beweis der neuen Entschlossenheit.

Das führt dazu, dass Mirko Dickhaut nun wieder Probleme bekommt. Nachdem er erfolglos versucht hat, nicht im Mittelpunkt zu stehen, muss er nun versuchen, die Euphorie in geordnete Bahnen zu lenken. Die Fans sangen bereits: "Wir kommen wieder – in die dritte Liga." Nach dem 0:0 der zweiten Mannschaft von Eintracht Frankfurt am Samstag gegen Wehen Wiesbaden II sind die Löwen nur noch einen Punkt vom ersten Platz entfernt.

Doch Dickhauts Spieler üben schon einmal vorauseilenden Gehorsam: "Wir heben jetzt nicht ab. Wir wissen, dass wir jedes Spiel Gas geben müssen", sagte etwa René Ochs, der mit fünf Saisontoren von vielen positiven Überraschungen die positivste ist. Und Dennis Lamczyk erklärte: "Wir bleiben ganz bescheiden." Das wird der Trainer gerne hören.

Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 08.11.2008)