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Regionalliga Süd, Saison 2008/09
Presse

Fans lagen Toni zu Füßen

"Thorsten Bauer - Fußballgott", schallt es derzeit am und im Auestadion, weil Thorsten Bauer Tore am Fließband für den Regionalligisten KSV Hessen produziert.

119 Treffer erzielte das KSV-Eigengewächs in bisher 209 Punktspielen für die Löwen. Und mit dieser imponierenden Trefferquote kratzt der 31-Jährige am Vereinsrekord des KSV. Denn: Ein halbes Jahrhundert zuvor gab es schon mal einen, dem die KSV-Fans zu Füßen lagen. "Toni, Toni - immer wieder Toni" lauteten damals Woche für Woche die Schlagzeilen im nordhessschen Blätterwald. Und diese Headlines galten einem Mann, der wohl den meisten älteren KSV-Anhängern noch sehr vertraut ist: Willi Hellwig, den alle Welt nur Toni nannte, der nicht nur durch seine norme Schusskraft, sondern auch durch seine ausgefeilte Technik das KSV-Volk auf den Rängen begeisterte. 202 Spiele absolvierte Toni in den Jahren 1948 bis 1956 und brachte es auf 120 Treffer. Übrigens: Wer weiß heute noch, warum aus Willi der Name Toni wurde? Aufgeklärt hat uns Toni Hellwigs Witwe Hedwig, die am vergangenen Sonntag ihren 85.Geburtstag feierte. "Es gab mal bei Borussia Fulda einen erfahrenen Spieler namens Toni Enders", erinnert sich die Seniorin, "der schoss laufend Tore aus großer Distanz und trickste dazu noch alle aus."

Dieser Kasseler Toni war ein Phänomen. Trotz eines Wadenbeinbruchs, den Hellwig 1951 erlitt, ging er nach seiner Genesung weiter auf Torejagd - und sorgte nach dem Aufstieg in die süddeutsche Oberliga (1953) bei so renommierten Schlussleuten wie dem Stuttgarter Bögelein oder den Frankurtern Loy und Henig dank seiner gefürchteten Freistöße immer wieder für weiche Knie. Neben Hellwig durften sich am 5.Mai 1953 nach dem 2:0-Sieg gegen den VfB Friedberg neben anderen noch Karlchen Schmidt, der spätere Lauterer Nationalspieler sowie Gala Metzner (1954 Weltmeister) freuen.

"Toni Hellwig war ein überdurchschnittlich guter Spieler. Woher der nicht gerade athletisch gebaute Mann seine gewaltige Schusskraft hernahm, ist mir ein Rätsel", staunt Hellwig-Weggefährte Günter Schilling (wurde kürzlich 76) noch heute.

Toni Hellwig, der 1994 im Alter von 73 Jahren starb, gab nach seiner fast 20-jährigen Karriere sein fußballerisches Können an die Jüngeren weiter. "Toni war sehr anspruchsvoll, was die Technik betrifft", plaudert der langjährige Ligaspieler Werner Haßenpflug aus dem Nähkästchen, der 1958 als 18jähriger den Trainer Toni kennenlernte. "Er zog die Kurbelhosen den Ausdauer-Spezialisten vor. Trotzdem scheuchte er uns regelmäßig durch die Aue, obwohl er als Spieler nie viel Wert auf Kondition gelegt hatte."

Günter Grabs (HNA-Sportredaktion, 21.10.2008)