Fans lagen Toni
zu Füßen
"Thorsten Bauer
- Fußballgott", schallt es
derzeit am und im Auestadion, weil Thorsten
Bauer Tore am Fließband für
den Regionalligisten KSV Hessen produziert.
119 Treffer erzielte das KSV-Eigengewächs
in bisher 209 Punktspielen für die
Löwen. Und mit dieser imponierenden
Trefferquote kratzt der 31-Jährige
am Vereinsrekord des KSV. Denn: Ein halbes
Jahrhundert zuvor gab es schon mal einen,
dem die KSV-Fans zu Füßen lagen.
"Toni, Toni - immer wieder Toni"
lauteten damals Woche für Woche die
Schlagzeilen im nordhessschen Blätterwald.
Und diese Headlines galten einem Mann,
der wohl den meisten älteren KSV-Anhängern
noch sehr vertraut ist: Willi Hellwig,
den alle Welt nur Toni nannte, der nicht
nur durch seine norme Schusskraft, sondern
auch durch seine ausgefeilte Technik das
KSV-Volk auf den Rängen begeisterte.
202 Spiele absolvierte Toni in den Jahren
1948 bis 1956 und brachte es auf 120 Treffer.
Übrigens: Wer weiß heute noch,
warum aus Willi der Name Toni wurde? Aufgeklärt
hat uns Toni Hellwigs Witwe Hedwig, die
am vergangenen Sonntag ihren 85.Geburtstag
feierte. "Es gab mal bei Borussia
Fulda einen erfahrenen Spieler namens
Toni Enders", erinnert sich die Seniorin,
"der schoss laufend Tore aus großer
Distanz und trickste dazu noch alle aus."
Dieser Kasseler Toni war ein Phänomen.
Trotz eines Wadenbeinbruchs, den Hellwig
1951 erlitt, ging er nach seiner Genesung
weiter auf Torejagd - und sorgte nach
dem Aufstieg in die süddeutsche Oberliga
(1953) bei so renommierten Schlussleuten
wie dem Stuttgarter Bögelein oder
den Frankurtern Loy und Henig dank seiner
gefürchteten Freistöße
immer wieder für weiche Knie. Neben
Hellwig durften sich am 5.Mai 1953 nach
dem 2:0-Sieg gegen den VfB Friedberg neben
anderen noch Karlchen Schmidt, der spätere
Lauterer Nationalspieler sowie Gala Metzner
(1954 Weltmeister) freuen.
"Toni Hellwig war ein überdurchschnittlich
guter Spieler. Woher der nicht gerade
athletisch gebaute Mann seine gewaltige
Schusskraft hernahm, ist mir ein Rätsel",
staunt Hellwig-Weggefährte Günter
Schilling (wurde kürzlich 76) noch
heute.
Toni Hellwig, der 1994 im Alter von 73
Jahren starb, gab nach seiner fast 20-jährigen
Karriere sein fußballerisches Können
an die Jüngeren weiter. "Toni
war sehr anspruchsvoll, was die Technik
betrifft", plaudert der langjährige
Ligaspieler Werner Haßenpflug aus
dem Nähkästchen, der 1958 als
18jähriger den Trainer Toni kennenlernte.
"Er zog die Kurbelhosen den Ausdauer-Spezialisten
vor. Trotzdem scheuchte er uns regelmäßig
durch die Aue, obwohl er als Spieler nie
viel Wert auf Kondition gelegt hatte."
Günter Grabs (HNA-Sportredaktion,
21.10.2008)