Ein
Rückschlag am Festtag
Der Rahmen
war bereitet für ein ganz großes
Fest. Die Fanmassen kamen, das Licht ging
an - doch ausgerechnet bei der Flutlichtpremiere
im Auestadion erlebte Fußball-Regionalligist
KSV Hessen Kassel eine sportliche Pleite.
Vor 17.200 Zuschauern verlor die Mannschaft
von Matthias Hamann 2:3 (1:1) gegen Bayern
München II.
Schlimmer
noch als der verdorbene Festtag: Im Kampf
um die Dritte Liga bedeutete die erste Niederlage
nach fünf Spielen einen empfindlichen
Rückschlag.
Schon das Unentschieden zur
Pause war etwas glücklich für den
KSV. Während erstmals La ola über
fast komplett besetzte Ränge schwappte,
liefen die Gastgeber auf dem Rasen ihren Gegenspielern
allzu oft hinterher. Obwohl für den verletzt
fehlenden Denis Berger mit Jan Fießer
ein dritter defensiver Mittelfeldmann aufgeboten
war, entwickelten die Bayern von Beginn an
Druck. Vor allem der überragende Matthias
Schwarz stellte die Löwen vor Probleme,
wenn er vom linken Flügel in die Zentrale
drängte. Eine dieser Situationen war
es dann auch, die zum 0:1 führte. Schwarz
zog von der linken Seite Richtung Strafraum,
und weil niemand da war, der sich ihm störend
in den Weg stellte, schoss er aus fast 25
Metern. Obwohl der Ball auf nassem Rasen aufsetzte,
sah auch Torhüter Adler bei seinem vergeblichen
Rettungsversuch nicht gut aus.
Nach 18 Minuten war das ein
echter Schock, aber auch logische Folge einer
ganzen Reihe von kleinen Fehlern im KSV-Spiel.
Dem fehlten ohne Berger auch die Überraschungsmomente.
Das umjubelte 1:1 aber, das ließ trotzdem
nicht lange auf sich warten. Nach einem Pass
von Jan Fießer stand Andreas Haas im
Strafraum plötzlich völlig frei,
versuchte, Thomas Kraft zu umspielen und wurde
vom Bayern-Torhüter von den Beinen geholt.
Und natürlich konnte es nur einen geben,
der das erste Tor in der Kasseler Flutlichtära
erzielt: Thorsten Bauer verwandelte den fälligen
Elfmeter sicher und weiß jetzt, wie
sich Torjubel aus 17 000 Kehlen anhört.
Weiteren Jubel gab es dann
aber nur bei der Bekanntgabe der Zuschauerzahl.
Denn während der KSV das Gästetor
allein bei einem Kopfball von Bauer (45.)
ernsthaft gefährdete, verhinderte Oliver
Adler auf der anderen Seite einen Rückstand
mit zwei fantastischen Paraden. In der 27.
Minute boxte er einen weiteren Distanzschuss
von Schwarz über die Latte. Und zwei
Minuten später brachte Kassels Torwart-Oldie
auch gegen den frei zum Schuss kommenden Sikorski
die Finger noch an das Leder und lenkte es
unter die Latte.
Doch die Gästeführung
war nur aufgeschoben. Denn die zweite Halbzeit
begann mit dem zweiten Schock. Fießer
schlug am Ball vorbei, Gölbasi wusste
sich nur mit einem Foul zu helfen - und so
hatten auch die Bayern ihren Elfmeter. Daniel
Sikorski ließ sich die Chance nicht
entgehen, nach 50 Minuten liefen die Löwen
wieder einem Rückstand hinterher. Sie
taten das überaus einfallslos. Ein Schuss
von Jan Fießer (57.), der knapp am Tor
vorbeiging, war lange Zeit die einzige Chance.
Und als Matthias Schwarz seinen nächsten
großen Auftritt hatte, war die Partie
entschieden. An der Strafraumgrenze angespielt,
tanzte der beste Akteure auf dem Platz die
KSV-Abwehr aus und drosch das Leder in die
Maschen.
Was folgte, war lange ein
planloses Anrennen - und trotzdem noch eine
dramatische Schlussphase. Denn als Thorsten
Schönewolf nach einer Schmidt-Ecke per
Kopfball (87.) der Anschlusstreffer gelang,
keimte kurz noch einmal Hoffnung auf. Doch
obwohl auch Torhüter Adler nach vorn
drang, wollte der Ausgleich nicht mehr fallen.
Die Flutlichtpremiere blieb sportlich verpatzt.
Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
03.05.2008) |