Mehmet Göker:
Es reicht
Die Bombe ist gestern
Abend beim Tagesordnungspunkt „Aussprache"geplatzt:
Der designierte neue Vorsitzende Mehmet
Göker trat während der Jahreshauptversammlung
des Fußball-Regionalligisten KSV
Hessen ans Rednerpult, stellte sich kurz
vor, und verkündete dann, er stehe
für ein Amt beim KSV nicht mehr zur
Verfügung. Zur Begründung erklärte
er, dass er seit Wochen zunehmend übel
beschimpft werde, und dass diese Tiraden
nun auch seine Familie erreicht hätten.
Hakenkreuzschmierereien
So habe seine Mutter in dieser Woche
zwei üble Briefe mit Hakenkreuzschmierereien
erhalten. Göker: „Das reicht.
Ich habe mich deswegen dazu entschieden,
für kein Amt beim KSV mehr zur Verfügung
zu stehen." Die amtierende KSV-Spitze
hatte der Versicherungsunternehmer erst
kurz vor Beginn der Sitzung von seinem
Schritt unterrichtet.
Weiter Sponsor
Göker hatte vor gut einer Woche
mitgeteilt, die Löwen im Fall seiner
Ernennung künftig mit einer Million
Euro zu unterstützen. Das Geld kann
der KSV nunmehr abschreiben.
Göker sagte allerdings, dass er
weiterhin Sponsor bleibe. Und zwar mit
einer sechsstelligen Summe. Im zurückliegenden
Jahr hatte er dem Verein 300 000 Euro
zur Verfügung gestellt.
Wie geht es jetzt weiter? Klar ist, dass
der amtierende Chef Jens Rose im Amt bleibt.
Eigentlich wollte der 43-jährige
Unternehmer in den Aufsichtsrat wechseln.
Davon nahm er gestern Abend kurzfristig
Abstand. Gegenüber unserer Zeitung
meinte Rose, er habe mit allem gerechnet,
aber nicht mit dem, was dann tatsächlich
passierte. Zugleich bestätigte er,
dass Göker Sponsor bleibt. Dies sei
vertraglich so geregelt. Ebenso sei klar,
dass - wie bereits verabredet - Mirko
Dickhaut Trainer der Regionalliga-Mannschaft
bleibt. Göker hatte vor, ihn durch
den zurzeit arbeitslosen ehemaligen Coach
der Frankfurter Eintracht, Horst Ehrmanntraut,
zu ersetzen.
Und was ist mit dem von Göker ins
Gespräch gebrachten neuen Manager
Rüdiger Lamm? Rose: „Das ist
nicht vorstellbar."
Nach dem Knall präsentierte Versammlungsleiter
Jochem Weikert den 180 Mitgliedern Plan
B zur Wahl des Aufsichtsrates.
Ihm gehören künftig der 39-jährige
Geschäftsführer der Firma Trillhof,
Matthias Hartmann, sowie die bisherigen
Vorstandsmitglieder Holger Günter
(63) und Jochen Gabriel an.
Hinzu kommen Christian Kropf, der schon
vorher Mitglied war, und Holger Brück
(60), der eigentlich aufhören wollte.
Bereits während des Wochenendes habe
er es sich aus Gründen der Kontinuität
aber anders überlegt, sagte er.
In den Vorstand soll außerdem der
Kasseler Anwalt Albrecht Striegel (38)
rücken. Er wird durch den Aufsichtsrat
ernannt.
Uli Brehme (HNA-Sportredaktion,
17.06.2008)