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Regionalliga Süd, Saison 2007/08
Presse

Nur mit 100 Prozent Herz

Noch in der vergangenen Woche klang die Sache ganz anders. Beim Interview-Termin auf der Dachterrasse des MEG-Firmensitzes in der Falderbaumstraße sagte Mehmet Göker auf die Frage, ob er Vorsitzender des KSV Hessen Kassel werden wolle: "Nein, das ist nicht mein Job." Und auf erneute Nachfrage: "Die Führung sollen andere machen. So sehe ich das zumindest heute. Wie es in zwei Jahren ist, weiß ich nicht."

Seit Sonntagabend ist jetzt doch schon alles anders. Der Fußball-Regionalligist, gerade am erträumten Aufstieg in die dritte Liga gescheitert, will den Versicherungs-Unternehmer und Hauptsponsor des Klubs auch im Verein in führender Position sehen. Nach einer Sitzung von Aufsichtsrat und Vorstand soll Göker auf der Mitgliederversammlung am Montag, den 16. Juni, als Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes vorgeschlagen werden. Da die Mitglieder nur noch den Aufsichtsrat wählen (siehe Hintergrund), würde das bedeuten: Göker übernähme den Vorsitz im Vorstand und damit die Nachfolge von Jens Rose.

Vorausgesetzt natürlich, der MEG-Chef stimmt zu. "Die Dinge haben sich am Sonntag überschlagen", sagt der 28-jährige. Und: "Der KSV hat mich angesprochen, nicht ich den Verein. Das muss klargestellt werden." Egal, ob er denn wirklich nur gerufen wurde: Göker will sich für seine Entscheidung einige Tage Zeit nehmen, denn "ich muss mich fragen, ob ich diese Zeit leisten kann. Ich muss schließlich ein Unternehmen führen. Wenn ich es mache, dann nur mit 100 Prozent Herz und Verstand."

Der Hauptsponsor, der den Vertrag mit den Löwen gerade um zwei Jahre verlängert hat, will aber auch Lage und Perspektive beim KSV auf Herz und Nieren prüfen. Angefangen bei der Mannschaft auf und neben dem Feld, bei bestehenden Finanzen und Verträgen, und vor allem auch bei den Möglichkeiten. Denn Göker wäre nicht Göker, wenn ihm nicht Großes vorschweben würde. "Die Perspektive muss in den nächsten fünf Jahren 2. Bundesliga und ein Etat von 6 Millionen Euro sein." Erste Gespräche mit Unternehmen der Region und überregionalen Partnern aus der Versicherungsbranche würden derzeit geführt.

Für die kommende Saison allerdings könne nur gelten: Stabilisieren in der vierten Liga und dann den Angriff starten. Und das möglichst mit einem gestandenen Profi als Leitfigur auf dem Platz. So wie Göker die Leitfigur neben dem Platz sein soll. "Wir brauchen einen Vorstand mit finanzstarkem Hintergrund und großem Sportbewusstsein." So begründet Jens Rose den Vorschlag an die Mitglieder. "Nur mit einem wie Göker können wir angreifen", sagt Rose. Und: "Natürlich gibt es Leute, die ein Problem damit haben werden. Aber Göker hat viel für diesen Verein getan." Zudem habe sich bisher niemand zur Nachfolge gefunden, obwohl er seinen Rückzug in den Aufsichtsrat seit Langem angekündigt habe.

Dem möglichen Vorwurf, ein Hauptsponsor, der zugleich Vorstandsvorsitzender ist, könne nur schwer kontrolliert werden, widersprechen beide energisch. "Dafür ist der Aufsichtsrat da", sagt Rose. Und Göker erklärt: "In diesem Aufsichtsrat wird Jens Rose sitzen. Eine bessere Kontrolle kann es kaum geben."

Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 02.06.2008)