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Regionalliga Süd, Saison 2007/08
Presse

"Dauerhaft kein Mittelmaß"

Der KSV Hessen Kassel bestreitet am morgigen Samstag sein letztes Saisonspiel in der Fußball-Regionalliga gegen Wacker Burghausen (13.30 Uhr, Auestadion). Wir sprachen mit dem Vorsitzenden Jens Rose über die Gründe für die verpasste Drittliga-Qualifikation und die Planungen für die nächste Saison in der Viertklassigkeit.

Herr Rose, nach dem verpassten Saisonziel ist nun die Zeit gekommen für die Fehleranalyse. Wie weit sind Sie schon?

Rose: Wir müssen klar erkennen, dass unser Spielermaterial nicht ausgereicht hat, um sich für die dritte Liga zu qualifizieren. In der Vergangenheit haben wir aus unseren bescheidenen finanziellen Mitteln meist das Optimale herausgeholt. Diesmal war das anders.

Warum?

Rose: Hauptfehler war sicherlich, dass wir auf viele junge Spieler gesetzt haben, ohne einen halbwegs erfahrenen Akteur verpflichtet zu haben. Jetzt müssen wir akzeptieren, dass uns genau solch einer gefehlt hat.

Ist das als Kritik an Ex-Trainer Matthias Hamann, an Manager Marc Arnold oder als Selbstkritik zu verstehen?

Rose: Wir haben es neun Jahre so gehandhabt, dass wir vom Vorstand bei der Zusammenstellung des Kaders mitentschieden haben. Das war diesmal anders. Matthias Hamann hatte seine Vorstellungen, die wir akzeptiert haben - auch wenn es natürlich ein Risiko war, nur auf junge Spieler zu setzen, die Last auf ihren Schultern zu verteilen und auf einen kreativen Mittelfeldspieler zu verzichten. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.

Im Nachhinein: Hätten Sie früher einschreiten müssen?

Rose: Ja.

Wann und wie?

Rose: Wir hätten spätestens im Winter einen kreativen Mittelfeldspieler verpflichten sollen. Denn wenn Sebastian Busch in der Rückrunde unser kreativster Mittelfeldspieler ist, dann kann irgendwas nicht stimmen.

Stand eine Trainerentlassung schon vor dem letzten Spiel unter Trainer Hamann in Karlsruhe zur Disposition?

Rose: Es gab schon gewisse Spiele, nach denen wir darüber nachdenken mussten. Aber die Ergebnisse und die Tabellensituation haben ja über weite Strecken gestimmt. Und es gab immer wieder ein Aufflackern. Danach aber ging es jeweils immer weiter nach unten.

Aber warum haben Sie den Trainer dann entlassen, als es im Prinzip schon zu spät war?

Rose: Schon nach der ersten Halbzeit gegen Karlsruhe war die Schonfrist vorbei. Da hat man gesehen, dass gerade die Spieler den Trainer komplett im Stich lassen, auf die Matthias Hamann gesetzt hat. Da mussten wir sofort handeln - auch wenn ich Matthias Hamann nach wie vor für einen starken Trainer halte.

Aus dieser Aussage ist auch zu hören, dass Matthias Hamann auf die falschen Spieler gesetzt hat. War es zum Beispiel ein Fehler, Denis Berger zum Kapitän zu machen?

Rose: Ohne ihm zu nahe zu treten, aber Denis Berger hat dieses Amt sicher nicht mit viel Leben ausgefüllt. Die Entscheidung Matthias Hamanns war sicher nicht glücklich.

Hamanns Nachfolger Mirko Dickhaut hat mit zwei Niederlagen begonnen. Ist er nicht schon verbrannt, bevor er richtig angefangen hat?

Rose: Mirko Dickhaut kann jetzt nicht noch das System ändern. Er macht seine Sache bisher sehr gut. Es gibt keinen Anlass zur Kritik.

Hätte Marc Arnold lieber noch ein Jahr spielen sollen, anstatt Manager zu werden?

Rose: Vielleicht stellt er sich die Frage auch. Aber er hat Ende der vergangenen Saison schon gesagt, dass sein Körper nicht mehr mitmacht.

Wie geht es denn weiter mit dem Manager Arnold?

Rose: Er hat einen Vertrag bis zum 30.6. Wie es dann weitergeht, darüber muss der neue Vorstand entscheiden.

Aber muss ein Manager nicht jetzt die wichtige Arbeit für die kommende Saison erledigen?

Rose: Deshalb stelle ich mich ja jetzt wieder ganz nach vorn. Ich will ihm nicht zumuten, Entscheidungen zu treffen, wenn seine eigene Zukunft nicht entschieden ist.

Trotzdem klingt das alles eher nach Abschied.

Rose: Die Einschnitte, die nun kommen müssen, treffen ja nicht nur die Spieler. Wir wissen einfach noch nicht, wie es mit dem Managerposten weitergeht. Und: Die Verlängerung des Vertrages war ja auch an sportlichen Erfolg geknüpft.

Wie sieht es bei der Mannschaft aus? Planen Sie einen kompletten Umbruch?

Rose: Bis zu zwei Drittel der Spieler werden den Verein sicher verlassen.

Aber kann der angekündigte Weg, jetzt nur auf die Region zu setzen, Erfolg haben?

Rose: Das sind ja zwei Schritte. Bisher weiß ich nicht, wie hoch der Etat genau sein wird. Also suchen wir zuerst die Spieler aus der Region mit Perspektive. Und dann werden wir sicher noch was draufsetzen. Auch einen Spieler mit Namen wie Mayer, Chalaskiewicz oder Arnold.

Der angekündigte Etat von rund 900 000 Euro lässt viele Fans fürchten, dass der KSV im Mittelmaß stecken bleibt.

Rose: Nach dem Vertragsabschluss mit MEG gehe ich davon aus, dass wir bei 1,2 bis 1,3 Millionen landen. Es kann gut sein, dass wir im ersten Jahr nur einen vernünftigen Platz im Mittelfeld anpeilen können.

Und was sagen Sie denen, die dauerhaft Mittelmaß befürchten?

Rose: Manchmal muss man Umwege gehen, wenn der direkte Weg nicht zu schaffen ist. Aber dauerhaft werden wir kein Mittelmaß bleiben.

Geben Sie im Nachhinein denen Recht, die sagen, dass Sie vor der Saison mehr Geld für Neuverpflichtungen in die Hand hätten nehmen sollen - Zitat: "So einfach wird es nie wieder sein, sich für die dritte Liga zu qualifizieren"?

Rose: Ich habe als Vorsitzender die Verantwortung für den Verein und für die Mitglieder. Dessen bin ich mir bewusst - und deshalb kann ich nicht so handeln wie ein Unternehmer. Und wenn ich die Entwicklung bei manchen Regionalligisten sehen, die kurz vor der Insolvenz stehen, dann bin ich über unseren eingeschlagenen Weg sehr froh. Für manche ging es in dieser Saison nur darum, sich für die dritte Liga zu qualifizieren oder pleite zu gehen. Und selbst wenn einige der angeschlagenen Vereine nächste Saison in der dritten Liga spielen, werden sie weiter Probleme haben. Die aber wollen wir vermeiden. Wir wollen in Nordhessen weiter Fuß fassen. Unsere Fragen resultierten auch aus unserer Aktion, bei der unsere Leser und Nutzer unseres Internetangebots Fragen an den KSV-Präsidenten formulieren konnten. Wir bedanken uns bei Volker Hungerland, Klaus Richter, Wolfgang Harmuth und den Internetnutzern Bernd Schneider, Matthias Spirk, Uwe, Steffen, "Insider", "Spoon", "S.K"., "Prickel1970, "cui bono", "Bernd RWS 82" für die Mitarbeit.

HNA-Sportredaktion, 30.05.2008