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Regionalliga Süd, Saison 2007/08
Presse

"Ich habe einfach Fußball gespielt"

Eigentlich wollte er mit 37 aufhören, er schlug sogar ein Angebot des VfB Stuttgart als zweiter Torwart aus. Doch im Fußball kommt es oft anders. Jetzt beendet Torwart Oliver Adler mit 40 seine Karriere - am Samstag im Auestadion mit seinem KSV Hessen Kassel in der Regionalliga gegen Wacker Burghausen (Anpfiff: 13.30 Uhr). Mit ihm geht ein Typ, der nicht nur in Kassel beliebt ist. Ein Rückblick und Ausblick in Stichpunkten.

Spätzünder

Oliver Adler absolvierte erst mit 29 Jahren sein erstes von 224 Spielen in der zweiten Bundesliga - für Rot-Weiß Oberhausen. Davor war er in der Oberliga und in der Regionalliga aktiv, arbeitete hauptberuflich zunächst als Stuckateur auf dem Bau, später als Lagerist bei den Stadtwerken Duisburg. Er sagt, er habe sich alles erarbeiten müssen. Als Torwart war es ihm immer wichtig, die Nummer eins zu sein. Als Ersatzkeeper in die Bundesliga zu wechseln, kam für ihn nie infrage. Er ist mit dem Verlauf seiner Karriere zufrieden: "Ich habe einfach Fußball gespielt. Es hätte schlechter laufen können."

Fußballgott

Die Anhänger von Rot-Weiß Oberhausen nennen Oliver Adler noch heute Fußballgott, auch die vom KSV Hessen haben ihn in ihr Herz geschlossen. Als das ZDF vor zwei Jahren Deutschlands beste Fußballer wählen ließ, landete Adler auf Platz 55 - noch vor Kevin Kuranyi und Oliver Neuville. "Da haben wohl alle Oberhausener und Kasseler ordentlich mitgestimmt", sagt Adler. Er schmunzelt darüber, sieht das aber auch als "kleine Bestätigung dafür, dass ich nicht völlig daneben bin".

Familie

Seit 25 Jahren ist Adler mit Andrea zusammen, seit 1991 sind die beiden verheiratet. Sie haben zwei Kinder: Sein Sohn heißt René (René Adler!), ist 16 Jahre, spielt aber zum Leidwesen seines Vaters kein Fußball, auch wenn er großer Anhänger von Rot-Weiß Oberhausen ist. Tochter Celine ist neun. Adler hat sie die vergangenen drei Jahre selten gesehen, weil die Familie weiter in Duisburg lebte. "Das sind drei Jahre, die man in der Hinsicht verpasst hat und die man nicht zurückbekommt." Um nicht noch mehr zu verpassen, geht er zurück nach Duisburg zur Familie. Denn: "Sie gibt mir den Halt, wenn es nicht läuft."

Rauchen

"Das mache ich, seit ich 19 bin", erzählt Adler. "Heute wäre ich froh, wenn ich nie damit angefangen hätte." Weil er nicht damit aufhören kann. Jetzt will er einen Anlauf nehmen. Er glaubt, die Voraussetzungen seien nun besser. Die Zigarette nach dem Spiel fällt weg. Während seiner Karriere gehörte sie dazu. "So konnte ich in Ruhe abschalten."

Das Zitat

Oliver Adler gehört nicht zu den Quasselstrippen. Ein Satz aber wird für immer bleiben. Nach dem Aufstieg vor zwei Jahren mit dem KSV in die Regionalliga sagte er im Fernsehinterview: "Heute knalle ich mich richtig weg." Auf das Zitat wird er heute noch angesprochen. "Das war vielleicht nicht vorbildlich. Aber der Aufstieg war einfach unglaublich." Dafür allein habe es sich gelohnt, seine Karriere noch einmal zu verlängern.

40 Jahre

Adler macht sich nicht so viele Gedanken über sein Alter. Er weiß aber schon zu schätzen, dass er bis auf einen Bandscheibenvorfall keine größeren Verletzungen zu verzeichnen hat. Der Bandscheibenvorfall ereignete sich vor sechs Jahren. Die Ärzte wollten ihn operieren, doch Adler winkte ab, machte Gymnastik und stand sechs Wochen später wieder im Tor. In seinen drei Jahren beim KSV fehlte er keine einzige Minute, stand 96 Ligaspiele in Folge im Tor.

Abschiede

Adler sagte zunächst ab, als er vor knapp drei Jahren überraschend den Anruf von KSV-Präsident Jens Rose erhielt und die Frage im Raum stand, ob er nach Kassel wechseln will. Vier Wochen später probierte es Rose noch einmal - Adler war umgestimmt. Er erklärte sich bereit, auszuhelfen, nachdem sich Stammtorwart Mirko Bitzer verletzt hatte. Vor der Winterpause verabschiedete er sich, weil er in Duisburg einen Job in der Immobilienbranche annehmen wollte. Doch der Plan zerschlug sich - Rose rief ein drittes Mal an, und Adler kam ein zweites Mal nach Kassel.

Nun verlässt er endgültig das Tor - und auch den KSV. Am Samstag ist Schluss - kurz vor halb vier. So richtig begreifen kann er das noch nicht. Das i-Tüpfelchen ist ihm verwehrt geblieben: die Qualifikation zur dritten Liga. Adler bedauert das, aber er hat sich damit abgefunden. Kassel und "die netten Menschen hier" wird er trotzdem in guter Erinnerung behalten.

Zukunft

Adler will den A-Trainerschein machen, mehr Zeit mit der Familie in Duisburg verbringen und wieder nach Kassel kommen: zur Wehlheider Kirmes im August.

HNA-Sportredaktion, 29.05.2008