Adler vor dem
Abschied
Das Phrasenschwein des
deutschen Fußballs ist auch deshalb
so dick, weil sich eine Weisheit immer
wieder bestätigt - und längst
zur Floskel geworden ist: Fußball
ist ein schnelllebiges Geschäft.
Wer es nicht glaubt, der sollte dieser
Tage die Entwicklung des Regionalligisten
KSV Hessen Kassel beobachten.
Noch vor ein paar Wochen
gingen alle davon aus, dass die Löwen
mit Trainer Matthias Hamann und Co-Trainer
Oliver Adler in die nächste Saison
gehen. Jetzt ist Hamann entlassen - und
Adler wird den Verein zum Saisonende verlassen.
Der 40-jährige Torwart allerdings
geht freiwillig nach drei Jahren in Kassel,
in denen er mit dem KSV in die Regionalliga
aufstieg und dann den Klassenerhalt schaffte.
Wie Adler nun bestätigte, ist die
Entscheidung schon in der Winterpause
gefallen: Nach drei Jahren Hotelleben
in Kassel zieht es den gebürtigen
Duisburger zurück in seine Heimat,
zurück zu seiner Frau und seinen
beiden Kindern im Alter von neun und 16
Jahren. "Sie vermissen mich. Ich
muss einfach wieder nachhause", sagt
Adler. Der Anschlussvertrag über
die Serie hinaus mit dem KSV ist bereits
aufgelöst.
Was Adler in Zukunft machen wird, steht
noch nicht fest. Eine Rückkehr zu
Rot-Weiß Oberhausen ist nicht ausgeschlossen;
es gibt aber noch keine konkreten Pläne.
Erst einmal will er sich ordentlich verabschieden
aus Kassel, er sagt: "Ich habe mich
super wohlgefühlt. Es war eine tolle
Zeit." Und zum Schluss auch eine
ziemlich turbulente - mit dem 1:6 in Karlsruhe
am Freitag und der anschließenden
Trainerentlassung. "Das hätte
ich vor ein paar Wochen nicht für
möglich gehalten." Jetzt hofft
er, dass sich die Mannschaft am Samstag
im Auestadion gegen Sandhausen und in
den restlichen zwei Spielen danach vernünftig
präsentiert, von der Qualifikation
für die dritte Liga spricht er nicht.
Auch sonst hält er sich zurück
- zumindest auch mit Kritik an seinen
Vorderleuten, er formuliert sehr allgemein:
"Im Fußball ist es generell
so, dass jeder zuerst an sich denkt."
Unterdessen gehen beim KSV die ersten
Bewerbungen von Trainern für die
nächste Saison ein, wie Präsident
Jens Rose sagt. Diese personelle Frage
wird aber erst nach der laufenden Runde
geklärt, bestätigt Rose. Mindestens
bis dahin wird Mirko Dickhaut an der Seitenlinie
stehen.
Zumindest ist der Präsident wieder
zu Scherzen aufgelegt: Als erster Bewerber
habe sich Christoph Daum nach der Aufstiegsfeier
mit dem 1. FC Köln beim KSV gemeldet.
Wer weiß, wer weiß, schließlich
gilt Floskel eins: Fußball ist ein
schnelllebiges Geschäft.
Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion,
13.05.2008)