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Regionalliga Süd, Saison 2007/08
Presse

Adler vor dem Abschied

Das Phrasenschwein des deutschen Fußballs ist auch deshalb so dick, weil sich eine Weisheit immer wieder bestätigt - und längst zur Floskel geworden ist: Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Wer es nicht glaubt, der sollte dieser Tage die Entwicklung des Regionalligisten KSV Hessen Kassel beobachten.

Noch vor ein paar Wochen gingen alle davon aus, dass die Löwen mit Trainer Matthias Hamann und Co-Trainer Oliver Adler in die nächste Saison gehen. Jetzt ist Hamann entlassen - und Adler wird den Verein zum Saisonende verlassen. Der 40-jährige Torwart allerdings geht freiwillig nach drei Jahren in Kassel, in denen er mit dem KSV in die Regionalliga aufstieg und dann den Klassenerhalt schaffte.

Wie Adler nun bestätigte, ist die Entscheidung schon in der Winterpause gefallen: Nach drei Jahren Hotelleben in Kassel zieht es den gebürtigen Duisburger zurück in seine Heimat, zurück zu seiner Frau und seinen beiden Kindern im Alter von neun und 16 Jahren. "Sie vermissen mich. Ich muss einfach wieder nachhause", sagt Adler. Der Anschlussvertrag über die Serie hinaus mit dem KSV ist bereits aufgelöst.

Was Adler in Zukunft machen wird, steht noch nicht fest. Eine Rückkehr zu Rot-Weiß Oberhausen ist nicht ausgeschlossen; es gibt aber noch keine konkreten Pläne.

Erst einmal will er sich ordentlich verabschieden aus Kassel, er sagt: "Ich habe mich super wohlgefühlt. Es war eine tolle Zeit." Und zum Schluss auch eine ziemlich turbulente - mit dem 1:6 in Karlsruhe am Freitag und der anschließenden Trainerentlassung. "Das hätte ich vor ein paar Wochen nicht für möglich gehalten." Jetzt hofft er, dass sich die Mannschaft am Samstag im Auestadion gegen Sandhausen und in den restlichen zwei Spielen danach vernünftig präsentiert, von der Qualifikation für die dritte Liga spricht er nicht. Auch sonst hält er sich zurück - zumindest auch mit Kritik an seinen Vorderleuten, er formuliert sehr allgemein: "Im Fußball ist es generell so, dass jeder zuerst an sich denkt."

Unterdessen gehen beim KSV die ersten Bewerbungen von Trainern für die nächste Saison ein, wie Präsident Jens Rose sagt. Diese personelle Frage wird aber erst nach der laufenden Runde geklärt, bestätigt Rose. Mindestens bis dahin wird Mirko Dickhaut an der Seitenlinie stehen.

Zumindest ist der Präsident wieder zu Scherzen aufgelegt: Als erster Bewerber habe sich Christoph Daum nach der Aufstiegsfeier mit dem 1. FC Köln beim KSV gemeldet. Wer weiß, wer weiß, schließlich gilt Floskel eins: Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft.

Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion, 13.05.2008)