Er hat Morlock
gestoppt
Wenn's im eigenen Strafraum
lichterloh brannte, war er oft Retter
in höchster Not. "Ein beinharter
Abwehrrecke, der so manchem prominenten
Gegenspieler das Leben zur Hölle
machte," urteilt zum Beispiel sein
ehemaliger Fußballkumpel Günter
Schilling über Erich Knothe, der
zu den bekanntesten Spielern des KSV Hessen
in den vierziger und fünfziger Jahren
gehörte. Erich Knothe, schon zu Lebzeiten
eine nordhessische Fußball-Legende,
ist am vergangenen Samstag nach langer
Krankheit im Alter von 85 Jahren gestorben.
Er hinterlässt seine Ehefrau.
Erich Knothe, der schon
bei Gründung des KSV Hessen (1946/47)
das Löwen-Trikot trug, absolvierte
536 Spiele für die Mannschaft, der
er bis 1960 die Treue hielt. Als zuverlässiger
Abwehrspieler legte er zur Glanzzeit des
frühen KSV in der Oberliga (war damals
die höchste deutsche Fußball-Klasse)
u.a. auch die Weltmeister von 1954, Max
Morlock (Nürnberg) und Karl Mai (Fürth),
an die Kette.
Seine höchste Aufmerksamkeit galt
der Sicherung des eigenen Kastens. Als
er dann doch einmal einen Treffer erzielte,
wurde das Tor wegen angeblicher Abseitsstellung
seines Mitspielers Günter Siebert
nicht gegeben. Am nächsten Tag stand
in der Zeitung, dass "ein derart
gellendes Pfeifkonzert ob des annullierten
Tores einsetzte, dass die uralten Eichen
in der Aue zu zittern anfingen."
Seinen größten Erfolg feierte
Knothe am 5. Mai 1953 mit dem Aufstieg
in die Oberliga. Die Elf, die mit dem
2:0-Sieg gegen den FC Freiburg den Traum
wahr machte: Rolf Zimmer - Knothe, Hosung
- Hutfles, Fritz Zimmer, Windisch - Bründl,
Metzner, Daubert, Hellwig, Karl Schmidt.
Erich Knothe machte sich nicht nur auf
dem Fußballfeld einen Namen, sondern
auch als Buchautor. Er schrieb beispielsweise
über seine Erlebnisse in Afrika,
wo er viele Jahre für seinen Arbeitgeber
Henschel tätig und Trainer u.a. in
Johannesburg, und Accra war.
Als seine erste Frau 1984 an Multipler
Sklerose erkrankte, engagierte sich Erich
Knothe im DSMG-Landesverband und wurde
Leiter der neugegründeten Selbsthilfegruppe
Kassel. Für seinen Einsatz in der
Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft
erhielt er vom Bundespräsidenten
die Medaille des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland.
Die Trauerfeier findet am kommenden Mittwoch,
7. Mai (13 Uhr), in der Kapelle des Friedhofs
Niedervellmar statt.
Günter Grabs (HNA-Sportredaktion,
29.04.2008)