Bei Hamann nimmt
der Hitzfeld-Anteil zu
In jedem Fußball-Trainer
steckt ein kleiner Ottmar Hitzfeld. Bei
Matthias Hamann, dem Coach des KSV Hessen
Kassel, wächst der Ottmar-Hitzfeld-Anteil
sogar. Nicht, dass der KSV jetzt auf einmal
Meister würde. Nein, Matthias Hamann
verändert sein Team derzeit sehr
stark von Spiel zu Spiel. Diese Rotation
erreichte zuletzt sogar Hitzfeld'sche
Züge: Vor der Partie in Elversberg
tauschte er gleich vier Akteure aus jener
Elf aus, die eine Woche zuvor gegen die
Stuttgarter Kickers im Auestadion auflief.
Das Ergebnis war dasselbe: Beide Male
gab es ein 1:1.
Warum aber auf einmal
ein solches Wechselfieber? Denn auffallend
ist: Im ersten Drittel der Saison hatte
Hamann kaum etwas mit Rotation am Hut.
Von Spieltag neun bis Spieltag zwölf
zum Beispiel nahm er an der Stammformation
überhaupt keine Veränderungen
vor. Doch nun ist das anders. Hamann begründet
dies mit dem Fortschreiten der Saison:
"Da passt man das eigene Spiel ein
bisschen mehr dem des Gegners an - und
vor allem auch der Tabellensituation."
Als Beispiel führt er die Begegnung
in Elversberg an. "Wir haben gewusst,
dass für die zuhause nur ein Sieg
zählt. Also haben wir mit drei Sechsern
die Defensive gestärkt und die Mitte
dichtgemacht." Elversberg musste
über die Außen kommen, was
der Mannschaft nicht so liegt.
Allerdings: Das eigene Spiel bleibt dabei
ziemlich auf der Strecke. Und: Nicht bei
allen in der Mannschaft kommt die Rotation
gut an. Daniel Beyer zum Beispiel musste
nach einem anständigen Spiel gegen
die Stuttgarter Kickers gegen Elversberg
wieder auf der Bank Platz nehmen - weil
es seine Position als Flügelspieler
bei der taktischen Ausrichtung des KSV
an diesem Tag schlicht und ergreifend
nicht gab. Er sagt: "Ich habe das
hingenommen. Ob ich es verstehe, ist eine
andere Frage." Die er natürlich
nicht beantwortet.
Beyer ist nun schon das zweite Mal aus
der Mannschaft rotiert worden. Das erste
Mal hatte es mit seiner Leistung zu tun.
Serdar Bayrak schnappte ihm in der Hinserie
den sicher geglaubten Stammplatz weg.
Bei seinen Einwechslungen während
der nächsten Partien wirkte Beyer
übermotiviert - eine mögliche
Reaktion auf die Rotation.
Eine andere zeigten am Wochenende Daniel
Möller und Arne Schmidt, die Hamann
gegen die Stuttgarter Kickers erst aus
der Anfangself nahm und gegen Elversberg
wieder auflaufen ließ. Beide machten
nicht den sichersten Eindruck. Dieser
Gefahr ist sich Hamann bewusst, wie er
sagt, er will ein bisschen Hitzfeld bleiben
- und sagt: "Auch die Tagesform der
Spieler wird weiter eine Rolle spielen."
Der Konkurrenzkampf wird zum Ende der
Saison noch einmal härter. Daniel
Beyer hat im Team aber noch keine Verschlechterung
ausgemacht, was die Stimmung angeht. Zu
guter Letzt kann er der Rotation sogar
noch etwas Positives abgewinnen: "Die
Spieler, die nicht gespielt haben, sind
nicht so gefrustet, weil sie immer auf
eine Chance hoffen können."
Auch er hofft. Am Samstag gegen Ingolstadt
(Anpfiff: 14 Uhr) muss rotiert werden:
Daniel Möller und Jan Fießer
sind gesperrt.
Florian Hagemann (HNA-Sportredaktion,
02.04.2008)