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Regionalliga Süd, Saison 2007/08
Presse

Die sechs Probleme des KSV

Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel tritt seit Beendigung der Winterpause in der Tabelle auf der Stelle. Kein Sieg, Platz elf - und die Sorgen in der Anhängerschaft wachsen, dass die Löwen ihr Ziel, die Qualifikation für die eingleisige Dritte Liga, verfehlen könnten. Für Panik ist es zu früh. Es sind nur drei Punkte Rückstand, die Mannschaft hat ihre Qualitäten oft genug bewiesen. Trotzdem: Probleme sind nicht zu übersehen. Die wichtigsten sechs nennen wir hier:

1. DAS REMIS-PROBLEM

Der KSV ist mit bisher neun Unentschieden zwar nicht der Remis-König der Regionalliga Süd. Dennoch: Drei Unentschieden nach der Winterpause bringen die Mannschaft von Trainer Matthias Hamann nicht nur in der Tabelle kaum voran, sondern sie verhindern auch die klare Sicht auf die Situation. Unentschieden sind Helfer beim Schönreden - erst recht, wenn sie nach einem Rückstand erzielt werden. Gegen 1860 München, gegen den FSV Frankfurt und gegen die Stuttgarter Kickers haben Verein, Fans und Medien sagen können: immerhin, noch ein Punkt! Doch der kann auch trügerisch sein. Eine Niederlage rüttelt eher wach, als es drei Unentschieden hintereinander tun. Und: Das 1:1 gegen den Tabellenletzten Oggersheim zuhause und nun das 1:1 gegen die schwachen Kickers sind zwei Unentschieden zu viel.

2. DAS ERSATZBANK-PROBLEM

Läuft es mal schlecht beim KSV, ist keiner da, der über das gewisse Etwas verfügt, auf den Platz kommt und das Spiel an sich reißt. Trainer Hamann verfügt über einen Stamm von 18, 19 Spielern, die sich fast alle auf demselben Niveau bewegen. Das ist einerseits gut: Fällt einer aus, schwächt das die Mannschaft kaum. Andererseits ist es wiederum von Nachteil: Der KSV ist berechenbar, ihm fehlt der Mann, der den Unterschied ausmachen kann in bestimmten Spielsituationen.

3. DAS ABWEHRPROBLEM

Das zugleich ein Rotationsproblem ist. "Wir haben keine Idealformation", sagt auch Matthias Hamann. Keine vier Spieler eben, die das komplette Anforderungsprofil erfüllen in Kopfball- und Zweikampfstärke, Grundschnelligkeit und der Fähigkeit, das Spiel nach der Balleroberung von hinten aufzubauen. Aus diesem Grund muss der Trainer seine Defensive immer wieder ändern - angepasst an den Gegner oder die Form der eigenen Akteure. Das klappt manchmal gut, oft aber auch nicht: Der KSV stellt mit mittlerweile 38 Gegentreffern die zweitschlechteste Hintermannschaft der Liga.

4. DAS MITTELFELD-PROBLEM

Es muss noch nicht einmal ein Regisseur der klassischen Art wie Marc Arnold sein, den der KSV gut gebrauchen könnte. Was derzeit fehlt, ist ein erfahrener Mann, der zur richtigen Zeit dazwischenhaut. Ottmar Hitzfeld hat diesen Typ Spieler Aggressivleader getauft. Mirko Dickhaut war in der entscheidenden Phase der vergangenen Saison so jemand, der auch mal ein taktisches Foul begangen und sich im richtigen Moment in das Angriffsspiel eingeschaltet hat. Es kommt nicht von ungefähr, dass er eines der wichtigsten Tore erzielt hat. Derzeit kann niemand bei den Löwen diese Position ausfüllen. Jan Fießer ist noch nicht so weit, Arne Schmidt gehört zwar zu den positiven Erscheinungen der Saison, er ist aber noch zu brav. Und Sebastian Busch fehlt das kreative Moment nach vorne. So herrscht im KSV-Spiel oft ein Mittelfeldvakuum.

5. DAS HAAS-BAUER-PROBLEM

Neuzugang Andreas Haas hat in seinen ersten vier Spielen beim KSV überzeugt, sogar schon drei Tore geschossen. Aber: Seit er mitwirkt, ist das Angriffsspiel der Löwen ein anderes: Torjäger Thorsten Bauer fungiert mittlerweile in erster Linie als Vorbereiter. Das macht er gut, aber: Er fällt somit als Vollstrecker aus, als Mann, der zuletzt so oft den Unterschied machte. Solange Haas trifft, ist das kein Problem. Gegen die Stuttgarter Kickers hat er nicht getroffen. Und natürlich stellt sich die Frage, ob der KSV es sich leisten kann, den bisher mit Abstand gefährlichsten Angreifer der Liga aus der vordersten Front zu nehmen.

6. DAS DRUCK-PROBLEM

Denn dieser Druck ist da. Für den Verein ist es ungeheuer wichtig, die Dritte Liga zu erreichen. Höhere Aufmerksamkeit, lukrative TV-Gelder, größerer Stellenwert bei Sponsoren - es geht um die Zukunft. Auch für die Spieler, deren Verträge sich meist nur im Aufstiegsfall automatisch verlängern. Mit dieser Situation müssen vor allem die vielen jungen Spieler erst einmal fertig werden. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob sie dazu in der Lage sind.

Florian Hagemann und Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 25.03.2008)