Die Last der
Gegentore
Am Sonntag ging Matthias
Hamann auf Tauchstation. "Ich musste
das erst einmal verdauen", sagt der
Trainer des Fußball-Regionalligisten
KSV Hessen Kassel gestern. Da war er wieder
aufgetaucht. Und fand Worte für die
3:5-Pleite in Unterhaching: "Die
Mannschaft hat sich in einigen Situationen
schlimm verhalten. Darüber wird zu
reden sein."
"Heute Morgen, wenn
der Kader erstmals wieder komplett zusammenkommt,
wird der Trainer zur Aussprache bitten.
Was die Spieler zu hören bekommen,
will er natürlich nicht verraten.
Klar dürfte aber sein: Das mangelhafte
Defensivverhalten ist ein Schwerpunkt
der Aussprache.
Nach dem zweiten Spiel mit fünf
Gegentreffern - in Pfullendorf verloren
die Löwen im September 2:5 - hat
der KSV bereits 37 Gegentore auf dem Konto.
Nur der abgeschlagene Tabellenletzte Oggersheim
(48) ist noch anfälliger. Und das,
obwohl Hamann vor der Saison als wichtigstes
Ziel ausgegeben hatte: "Wir müssen
weniger Treffer kassieren." Dazu
ein paar Zahlen:
- 56 Gegentreffer kassierten die Löwen
im ersten Regionalliga-Jahr.
- 30:33 Tore hatte der KSV in der vergangenen
Saison nach dem 22. Spieltag auf dem Konto,
stand also hinten ein wenig sicherer,
erzielte aber auch deutlich weniger eigene
Tore. Diesmal steht die Marke bereits
bei 37 Treffern. Das Torverhältnis
ist also zumindest ausgeglichen.
- 29, 31, 25 - das ist die Anzahl der
Gegentore der direkt vor den Löwen
stehenden Teams Bayern, Reutlingen, Unterhaching.
Siegen, auf Rang zwölf direkt dahinter,
kassierte gar nur 24 Treffer.
Wo aber liegen die Gründe für
die Löchrigkeit der Defensive? Natürlich
stellte Hamann die Hintermannschaft sehr
häufig um. Meist war er dazu gezwungen.
Verletzungen, Formtiefs, Sperren und jetzt
der Einbau von Rückkehrer Gölbasi
machten einige Veränderungen nötig.
Trotzdem bleibt unter dem Strich: Eine
eingespielte Abwehrkette wird bei den
Löwen noch gesucht - und die Zeit
drängt, sie zu finden.
Noch wichtiger aber ist wohl der taktische
Umbau hin zu zwei Stürmern. "Wir
können jetzt Tore erzwingen. Das
haben zwei Treffer bei 1860 und drei in
Haching gezeigt", sagt Hamann. Die
Kehrseite der neuen Angriffslust aber
kennt der Trainer: "Mit jedem Meter,
den wir vorrücken, werden wir hinten
offener."
In Haching klappte das Zusammenspiel
zwischen Abwehr und Mittelfeld überhaupt
nicht. Hinzu kamen individuelle Fehler
und ein rabenschwarzer Tag der linken
Seite mit Kümmerle und Berger. Am
Konzept will Hamann festhalten: "Wir
müssen die größere Anfälligkeit
in Kauf nehmen", sagt Hamann, "aber
Fehler wie in Haching müssen wir
ganz schnell abstellen."
Denn eins ist auch dem Trainer vor dem
Spiel gegen die Stuttgarter Kickers klar;
"Der Druck wächst. Natürlich
muss Samstag ein Dreier kommen."
Am besten wäre einer ohne Gegentor.
Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 18.03.2008)