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Regionalliga Süd, Saison 2007/08
Presse

"Wir spielen einfach naiv vor uns hin"

0:3 in Ingolstadt, 2:5 in Pfullendorf, 0:4 bei den Bayern: Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel hat auf seinen Reisen zuletzt reichlich Federn lassen müssen. Die Fans der Löwen fragen sich, wo sie hin ist, die Auswärtsstärke der letzten Saison. Wir fragten KSV-Trainer Matthias Hamann.

Drei Pleiten In Folge bei nicht übermächtig erscheinenden Gegnern. Die Auswärtsauftritte der Löwen bereiten Anlass zur Sorge. Was ist da los?

Hamann: Wir spielen auswärts einfach naiv vor uns hin. Wir haben viel Ballbesitz, auch gute Chancen, aber Tore machen die anderen. In München hatten wir in den ersten zehn Minuten zwei klare Chancen. Dann kriegen die eine Ecke und es steht 1:0. Der kommt zum Kopfball, und alle schauen zu.

Die Bayern hatten zuvor in elf Spielen nur acht Tore geschossen. Auch Ingolstadt und Pfullendorf hatten zuhause Probleme. Wird der KSV zum Aufbaugegner?

Hamann: Derzeit kann ich die Frage nur mit ,ja' beantworten. Ich habe diese Situation im Fußball häufiger erlebt: Heim- und Auswärtsstärke kehren sich von Saison zu Saison plötzlich um. Im letzten Jahr haben wir daheim wie auswärts 23 Punkte geholt. Jetzt sieht es so aus, als ob wir unsere Stärken vor allem im Auestadion besitzen.

Diese Entwicklung ist trotzdem überraschend. Die Spielanlage Ihrer Mannschaft ist stets defensiv ausgerichtet. Der KSV müsste ein umbequemer Gast sein. Immerhin blieb er bei den ersten drei Auftritten in der Fremde ja ohne Gegentor.

Hamann: Wenn ich eine Pauschalerklärung hätte, würde ich sie geben. Zuhause, mit einem 1:0 im Rücken, da wollen und können plötzlich alle spielen und es läuft von allein. Die Bayern haben uns auch spielen lassen, haben uns regelrecht gelockt. Und dann macht sich die Jugendlichkeit der Mannschaft bemerkbar. Es fehlt an Abgeklärtheit. Es fehlt jemand, der den Überblick behält und die Truppe antreibt.

Und wenn es dann 0:1 steht, geht jede Ordnung verloren. Nur gegen Unterhaching ist es dem KSV gelungen, nach einem Rückstand noch zu punkten.

Hamann: In diesen Augenblicken kommt alles zusammen. Jeder will dann den Umschwung herbeiführen. Dabei vergessen sie die Vorgaben, vor allem natürlich bei der Defensivarbeit.

Anders als im Vorjahr spielen Sie bisher auswärts mit zwei Stürmern. Will die Mannschaft zu sehr mitspielen und läuft dann ins offene Messer?

Hamann: Vielleicht ist das eine Erklärung. Es gibt deshalb auch Überlegungen für das Spiel am Sonntag beim VfB Stuttgart, das System zu ändern. Das könnte so aussehen, dass wir mit einem Mittelfeldspieler mehr auflaufen.

Also eine Stärkung der Defensive mit einem dritten Abräumer wie Sebastian Busch im Mittelfeld?

Hamann: Wir haben mit Martin Scholze auch einen echten Zehner, oder könnten Jan Fießer zum Zehner umfunktionieren. Buschi mit seinem energischen Auftreten ist natürlich immer eine Möglichkeit. Es gibt da zahlreiche Alternativen. In jedem Fall wird aber die Torsicherung im Vordergrund stehen.

Natürlich wird nun der Ruf nach der Rückkehr von Kapitän Thorsten Schönewolf in die Verteidigung lauter. Wie stehen seine Chancen?

Hamann: Als es kurz vor Ende der Wechselfrist darum ging, noch einen Spieler zu verpflichten, habe ich gesagt: Ich hole niemanden, weil sein Vorzug vor allem das Alter ist. Und so kann auch jetzt das Alter allein nicht Grund einer Umstellung sein. Man kann auch sagen: Die Jungen müssen da durch.

Schönewolf wäre aber auch einer, der die Dirigentenrolle ausfüllen könnte, die Sie vermissen. Einer, der seine Mitspieler auch mal lautstark anweist.

Hamann: Natürlich ist klar, dass Thorsten diese Rolle jederzeit spielen kann. Deshalb ist er auch drin in den Überlegungen. Denn wir werden sicher personell etwas ändern am Sonntag.

Der VfB Stuttgart ist Tabellenzweiter, hat zuhause aber schon zwei Spiele verloren. Das klingt angesichts der letzten Ergebnisse regelrecht bedrohlich, oder?

Hamann: Nein, bedrohlich klingt das nicht. Jedes Spiel ist eine neue Chance. Wir werden mit aller Macht versuchen, die Negativserie zu beenden. Der VfB besitzt seine Stärken in der Defensive. Die schießen wenig Tore, kassieren aber noch weniger. Wenn man gegen den VfB zurückliegt, dann wird es schwer.

Abschließend: Bereitet Ihnen die derzeitige Situation Sorgen?

Hamann: Mich ärgert vor allem, dass wir durch unser kleines Tief in den letzten Wochen die Möglichkeit vertan haben, unseren Vorsprung auf Platz zehn zu vergrößern. Aber wir wissen auch: Mit Ausnahme von Ingolstadt war uns noch kein Gegner richtig überlegen. Trotz der deutlichen Ergebnisse zuletzt: Uns hat noch keiner wirklich auseinandergespielt.

Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 23.10.2007)