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"Wir
spielen einfach naiv vor uns hin"
0:3 in
Ingolstadt, 2:5 in Pfullendorf, 0:4 bei den
Bayern: Fußball-Regionalligist KSV Hessen
Kassel hat auf seinen Reisen zuletzt reichlich
Federn lassen müssen. Die Fans der Löwen
fragen sich, wo sie hin ist, die Auswärtsstärke
der letzten Saison. Wir fragten KSV-Trainer
Matthias Hamann.
Drei Pleiten In Folge
bei nicht übermächtig erscheinenden
Gegnern. Die Auswärtsauftritte der Löwen
bereiten Anlass zur Sorge. Was ist da los?
Hamann: Wir spielen auswärts
einfach naiv vor uns hin. Wir haben viel Ballbesitz,
auch gute Chancen, aber Tore machen die anderen.
In München hatten wir in den ersten zehn
Minuten zwei klare Chancen. Dann kriegen die
eine Ecke und es steht 1:0. Der kommt zum
Kopfball, und alle schauen zu.
Die Bayern hatten
zuvor in elf Spielen nur acht Tore geschossen.
Auch Ingolstadt und Pfullendorf hatten zuhause
Probleme. Wird der KSV zum Aufbaugegner?
Hamann: Derzeit kann ich
die Frage nur mit ,ja' beantworten. Ich habe
diese Situation im Fußball häufiger
erlebt: Heim- und Auswärtsstärke
kehren sich von Saison zu Saison plötzlich
um. Im letzten Jahr haben wir daheim wie auswärts
23 Punkte geholt. Jetzt sieht es so aus, als
ob wir unsere Stärken vor allem im Auestadion
besitzen.
Diese Entwicklung
ist trotzdem überraschend. Die Spielanlage
Ihrer Mannschaft ist stets defensiv ausgerichtet.
Der KSV müsste ein umbequemer Gast sein.
Immerhin blieb er bei den ersten drei Auftritten
in der Fremde ja ohne Gegentor.
Hamann: Wenn ich eine Pauschalerklärung
hätte, würde ich sie geben. Zuhause,
mit einem 1:0 im Rücken, da wollen und
können plötzlich alle spielen und
es läuft von allein. Die Bayern haben
uns auch spielen lassen, haben uns regelrecht
gelockt. Und dann macht sich die Jugendlichkeit
der Mannschaft bemerkbar. Es fehlt an Abgeklärtheit.
Es fehlt jemand, der den Überblick behält
und die Truppe antreibt.
Und wenn es dann
0:1 steht, geht jede Ordnung verloren. Nur
gegen Unterhaching ist es dem KSV gelungen,
nach einem Rückstand noch zu punkten.
Hamann: In diesen Augenblicken
kommt alles zusammen. Jeder will dann den
Umschwung herbeiführen. Dabei vergessen
sie die Vorgaben, vor allem natürlich
bei der Defensivarbeit.
Anders als im Vorjahr
spielen Sie bisher auswärts mit zwei
Stürmern. Will die Mannschaft zu sehr
mitspielen und läuft dann ins offene
Messer?
Hamann: Vielleicht ist das
eine Erklärung. Es gibt deshalb auch
Überlegungen für das Spiel am Sonntag
beim VfB Stuttgart, das System zu ändern.
Das könnte so aussehen, dass wir mit
einem Mittelfeldspieler mehr auflaufen.
Also eine Stärkung
der Defensive mit einem dritten Abräumer
wie Sebastian Busch im Mittelfeld?
Hamann: Wir haben mit Martin
Scholze auch einen echten Zehner, oder könnten
Jan Fießer zum Zehner umfunktionieren.
Buschi mit seinem energischen Auftreten ist
natürlich immer eine Möglichkeit.
Es gibt da zahlreiche Alternativen. In jedem
Fall wird aber die Torsicherung im Vordergrund
stehen.
Natürlich wird
nun der Ruf nach der Rückkehr von Kapitän
Thorsten Schönewolf in die Verteidigung
lauter. Wie stehen seine Chancen?
Hamann: Als es kurz vor Ende
der Wechselfrist darum ging, noch einen Spieler
zu verpflichten, habe ich gesagt: Ich hole
niemanden, weil sein Vorzug vor allem das
Alter ist. Und so kann auch jetzt das Alter
allein nicht Grund einer Umstellung sein.
Man kann auch sagen: Die Jungen müssen
da durch.
Schönewolf wäre
aber auch einer, der die Dirigentenrolle ausfüllen
könnte, die Sie vermissen. Einer, der
seine Mitspieler auch mal lautstark anweist.
Hamann: Natürlich ist
klar, dass Thorsten diese Rolle jederzeit
spielen kann. Deshalb ist er auch drin in
den Überlegungen. Denn wir werden sicher
personell etwas ändern am Sonntag.
Der VfB Stuttgart
ist Tabellenzweiter, hat zuhause aber schon
zwei Spiele verloren. Das klingt angesichts
der letzten Ergebnisse regelrecht bedrohlich,
oder?
Hamann: Nein, bedrohlich
klingt das nicht. Jedes Spiel ist eine neue
Chance. Wir werden mit aller Macht versuchen,
die Negativserie zu beenden. Der VfB besitzt
seine Stärken in der Defensive. Die schießen
wenig Tore, kassieren aber noch weniger. Wenn
man gegen den VfB zurückliegt, dann wird
es schwer.
Abschließend:
Bereitet Ihnen die derzeitige Situation Sorgen?
Hamann: Mich ärgert
vor allem, dass wir durch unser kleines Tief
in den letzten Wochen die Möglichkeit
vertan haben, unseren Vorsprung auf Platz
zehn zu vergrößern. Aber wir wissen
auch: Mit Ausnahme von Ingolstadt war uns
noch kein Gegner richtig überlegen. Trotz
der deutlichen Ergebnisse zuletzt: Uns hat
noch keiner wirklich auseinandergespielt.
Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion,
23.10.2007) |