„So schlecht
bin ich nicht“
Was Thorsten Bauer zu
Regensburg einfällt? „Ein Traum.
Eine der schönsten Städte Deutschlands."
Zwischen 2001 und 2002 hat der Stürmer
des KSV Hessen Kassel in Regensburg gelebt.
Eine Spielzeit sozusagen. Das einzige
Manko am traumhaften Regensburg: Bauer,
der Fußballspieler, konnte selten
das tun, wofür er nach Regensburg
gekommen war: Fußball spielen. Günter
Sebert, Trainer des damaligen Regionalligisten
Jahn Regensburg, ließ ihn einfach
nicht. Ein Alptraum? „Damals war
es nicht schön. Aber ich bereue nichts.
Ich habe in der Zeit viel gelernt",
sagt Bauer.
Am Samstag (14 Uhr, Auestadion) gibt
es nun ein Wiedersehen. Regensburg ist
nach zwischenzeitlichem Abstieg zurück
in der Regionalliga, sorgt als Spitzenreiter
für Aufsehen. Und Bauer ist mit dem
KSV dabei, bereits im zweiten Jahr die
Regionalligatauglichkeit zu beweisen,
die ihm 2001/2002 in Regensburg abgesprochen
wurde. Im Auestadion hat er in der bisherigen
Saison in jedem Heimspiel ein Tor erzielt.
Da wäre ein weiterer Treffer gegen
den Ex-Klub doch sicher eine Genugtuung.
Oder? „Natürlich ist es ein
wichtiges Spiel", sagt Bauer, „aber
ich habe keine Rachegelüste gegenüber
dem Verein. Es waren sehr nette Menschen
dort. Nur mit Trainer Sebert, der wie
der komplette Kader von damals nicht mehr
in Regensburg ist, bin ich eben nicht
zurechtgekommen."
Es ist aber auch vieles falsch gelaufen
für den damals 23-Jährigen,
der nach 25 Oberliga-Toren für den
KSV Baunatal seine Chance in der Regionalliga
suchen wollte. Es begann schon zwei Tage
nach der Vertragsunterzeichnung: Trainer
Karsten Wettberg, der Bauer geholt hatte,
wurde entlassen. Sebert kam - „und
der setzte nicht auf einen Jungspund wie
mich." An den Stürmern Andras
Tölceres und Michael Petri kam Bauer
nicht vorbei. Zwölf Einwechslungen
- das war´s. Auch mit der versprochenen
Möglichkeit, seine Ausbildung bei
einer Krankenkasse fortzusetzen, wurde
es nichts. Kein Wunder also, dass Bauer
schon nach einem Jahr zurückkehrte
nach Nordhessen und beim KSV anheuerte.
Die Zeit in Regensburg aber hat ihm auf
seinem Weg geholfen. „Ich habe gelernt,
wie viel du tun musst, wenn du im Fußball
bestehen willst. Aber auch, dass es Fälle
gibt, in denen du tun kannst, was du willst,
ohne eine echte Chance zu haben",
sagt Bauer. Er hat gelernt, sich nicht
auf Versprechen zu verlassen, sondern
stets zweimal nachzufragen. Und vor allem:
Sich nicht unterkriegen zu lassen in Zeiten,
in denen es nicht läuft.
Denn auch beim KSV stieg Bauers Stern
erst nach einem Jahr Anlaufzeit und mit
dem Wechsel von Trainer Oliver Roggensack
zu Thomas Freudenstein. Seither ist Bauer
aus dem KSV-Sturm nicht wegzudenken, hat
sich zum Regionalliga-Leistungsträger
entwickelt und ist für die Fans sogar
zum Fußballgott geworden. Und der
Blick zurück fällt heute ganz
leicht. „Es ist schön, nun
zeigen zu können: So schlecht bin
ich nicht. Damals, in Regensburg",
sagt Bauer, „hätte ich nicht
geglaubt, heute so dazustehen."
Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 20.09.2007)