Eschborn: Brutto
= Netto
Das Gerücht gibt
es schon lange: Bei manchen Klubs wird
illegal getrickst, dass es kracht. Jetzt
hat der kicker Beweise. Verträge
des 1. FC Eschborn, die offenlegen, wie
der DFB getäuscht wurde.
Am 10. Juni wird das
Lizenzierungsverfahren für die Regionalligaklubs
und die Aufsteiger aus den Oberligen abgeschlossen.
Bis dahin müssen die "Wackelkandidaten“
ihre an die Lizenzerteilung geknüpften
Bedingungen erfüllt haben. Dem früheren
Bundesligaklub KFC Uerdingen, 1985 DFB-Pokalsieger,
ist die Lizenz schon verweigert worden.
Obwohl voraussichtlich am 11. Juni das
Insolvenzverfahren gegen Uerdingen eröffnet
wird, hat der KFC beim DFB Einspruch eingelegt.
Uerdingen dürfte aber nur die Spitze
des Eisberges sein.
Denn: Für die Lizenzerteilung wird
unvermindert getrickst und getäuscht.
Dem DFB, der in der Regionalliga- Lizenzierung
von der DFL unterstützt wird, sind
in vielen Fällen die Hände gebunden.
Weil er mit falschen Zahlen konfrontiert
wird. Dem kicker liegen mehrere Verträge
des letztjährigen Regionalliga- Absteigers
1. FC Eschborn vor, der als aktueller
Meister der Oberliga Hessen jetzt wieder
zurück in die Regionalliga Süd
will. Verträge, die auch die Steuerfahndung
interessieren. Wie der auf dieser Seite
abgedruckte Vertrag eines Spielers. Der
offizielle, dem DFB zur Lizenzierung im
vergangenen Jahr eingereichte Vertrag,
weist ein Bruttogehalt von 3800 Euro pro
Monat aus. In einem Anhang, der dem DFB
nicht vorgelegt wurde, wird eine Nettozahlung
über 3800 Euro vereinbart.
BRUTTO = NETTO also. Noch extremer ist
die Diskrepanz bei einem anderen Spielervertrag
(liegt ebenfalls dem kicker vor): Dort
sind gegenüber dem DFB 400 Euro als
"steuerpflichtiges Einkommen“
ausgewiesen, in dem Anhang zu dem Vertrag
für die Saison 2004/ 05 wird ein
monatlicher Bruttolohn von 3000 Euro nebst
einer Einsatzprämie von 200 Euro
netto pro Spiel, 100 Euro netto pro Punkt,
eine Aufstiegsprämie über 3000
Euro netto sowie die Zurverfügungstellung
eines Autos festgeschrieben. Allein aus
sieben dem kicker vorliegenden Verträgen
geht eine Gesamtverpflichtung des 1. FC
Eschborn von etwa 800 000 Euro hervor.
Wie will der Klub, der nach eigenen Angaben
für die Regionalliga mit einem Etat
von etwa einer Millionen Euro plant, die
kommende Saison dann bestreiten? Im Geschäftsjahr
2004 schrieb Eschborn einen Verlust von
800 000 Euro. In diesem Frühjahr
drohte die Insolvenz. Mit einer Bürgschaft
über eine Million Euro rettete die
Stadt den Verein vor dem Konkurs. Ende
Mai trat Eschborn erneut an die Stadt
heran, sprach von Fehlplanungen bei dem
vorgelegten Sanierungsplan in Höhe
von 300 000 Euro. Springt die Stadt, mithin
der Steuerzahler, erneut ein?
Auf der Mitgliederversammlung am vergangenen
Montag trat der Vorsitzende Michael Kopp
ab, erklärte: "Verzeiht mir,
was passiert ist, mein Herz hat immer
dem FC Eschborn gehört.“ Der
Vorstand wurde nicht entlastet, da keine
Kassenprüfung erfolgt war. Weil wichtige
Unterlagen von der Steuerfahndung beschlagnahmt
worden sind.
Rainer Franzke (Kicker, 02.06.2005)