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Von Siegern und Verlierern

Am vorletzten Spieltag ist in der Fußball-Oberliga Hessen auch die letzte Entscheidung gefallen. Durch den 3:1-Erfolg über Flieden steht der FC Eschborn schon eine Woche vor dem Saisonfinale als Meister fest und wird höchstwahrscheinlich – der Club muss noch einige Lizenzauflagen erfüllen – in der kommenden Spielzeit wieder der Regionalliga Süd angehören.

Die Glückwünsche der Konkurrenz werden sich allerdings in Grenzen halten, auch wenn sich die Mannschaft von Trainer Klaus Scheer den Erfolg sportlich verdient hat. Der Titelgewinn hinterlässt nämlich einen faden Nachgeschmack, weil sich die Funktionäre des FC Eschborn nicht an die Regeln eines fairen Wettbewerbes gehalten haben. Angefangen von einem für Oberligaverhältnisse noch nie da gewesenen, millionenschweren Saisonetat, der vom ersten Tag an zum größten Teil nicht gedeckt war und den Verein beinahe in den Konkurs getrieben hätte, bis hin zu falschen Verträgen, mit denen man versucht hatte, den Hessischen Fußball-Verband (HFV) hinters Licht zu führen. Die Verfehlungen in Eschborn blieben ohne Folgen, weil dem HFV auf Grund seiner veralteten Satzung die Hände gebunden waren und die Stadt Eschborn, wo die Gewerbesteuerquellen so kräftig sprudeln, dem völlig herunter gewirtschafteten Verein eine äußerst umstrittene Finanzspritze verabreichen konnte.

In Zukunft werden die Verantwortlichen in Eschborn allerdings Farbe bekennen und mehr Ehrlichkeit an den Tag legen müssen. Mit den Entscheidungsträgern im Regionalliga-Ausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist nicht zu spaßen, was das Beispiel KFC Uerdingen eindrucksvoll unter Beweis stellt. Dem Krefelder Traditionsverein wurde in der vergangenen Woche die Lizenz für die Regional-liga Nord entzogen, weil er Nebenabsprachen mit einem Hauptsponsor, in denen Einschränkungen für die Zahlung von Werbeerlösen festgehalten waren, dem DFB im Zuge des Lizenzierungsverfahrens nicht mitgeteilt hatte.

Die Lizenzauflagen für die Regionalliga Süd hat der FSV Frankfurt mittlerweile erfüllt. Dennoch wird der Club vom Bornheimer Hang wohl eine weitere Saison der Oberliga Hessen angehören und gehört trotzdem zu den Gewinnern dieser denkwürdigen Spielzeit. 78 Punkte aus 33 Begegnungen sind die beeindruckende Bilanz einer Mannschaft, die eigentlich nicht zum Favoritenkreis gehörte und dem FC Eschborn lange Paroli bieten konnte. Und viele hinter den Kulissen des ehemaligen Zweitligisten fragen sich mittlerweile, was wohl möglich gewesen wäre, wenn man in der Winterpause nicht Michael Anicic vom FC Eschborn verpflichtet hätte.

Dass man auch mit einem geringen Etat und ohne «Stars» viel erreichen kann, stellte der KSV Klein-Karben unter Beweis. Alex Conrad hätte durchaus den Titel «Oberliga-Trainer der Saison» verdient, denn die junge Mannschaft aus Klein-Karben, vor der Saison von den meisten Experten zum Abstiegskandidaten Nummer eins erklärt, imponierte mit modernem Fußball und liegt derzeit auf Platz fünf.

Neben dem VfB Marburg, Eintracht Wald-Michelbach und dem SV Bernbach, die alle den bitteren Gang in die Landesliga antreten müssen, gehören drei weitere Teams zu den großen Enttäuschungen in dieser Saison: Der SV Erzhausen und Hessen Kassel, die beide eigentlich um die Meisterschaft mitspielen wollten und stattdessen in der Grauzone der Liga (Erzhausen) oder am Rande der Abstiegszone (Kassel) landeten, sowie die Amateure der Frankfurter Eintracht.

Michael Helms (Frankfurter Neue Presse, 30.05.2005)