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Thomale kündigt Rücktritt an

Erst ein sportlicher Offenbarungseid auf dem Platz, dann der angekündigte Rücktritt des Trainers: Beim Fußball-Oberligisten KSV Hessen überschlugen sich gestern die Ereignisse. Nach der 0:3 (0:2)-Pleite gegen den FSV Frankfurt und einer langen Unterredung mit der Mannschaft erklärte Hans-Ulrich Thomale: „Die Niederlagen werden mit meinem Namen verbunden. Deshalb habe ich meinen Rücktritt angeboten.”

Nur aufgrund des vehementen Widerspruchs der kompletten Mannschaft räumte der 59-Jährige sich noch 24 Stunden Bedenkzeit ein. Doch es scheint unwahrscheinlich; dass Thomale seine Entscheidung noch einmal überdenken wird. Bereits auf der Versammlung mit den Fans am Donnerstag hatte er erklärt: „Wenn ich das Gefühl habe, nicht mehr helfen zu können, gehe ich von alleine.”

Gestern nannte er allerdings auch andere Gründe. Die Angriffe der eigenen Anhänger und die Umfrage unserer Zeitung zur Krise bei KSV hatten erheblich an Thomale genagt. Außerdem, so war am Rande zu hören, soll es Anfeindungen gegen seine Ehefrau gegeben haben. „Ich lebe in Kassel und möchte weiter erhobenen Hauptes durch die Stadt gehen können”, sagt Thomale, und kritisiert: „Wir sind hier eigentlich bei einem viertklassigen Verein. Einigen ist das wohl nicht klar”.

Jens Rose war nach dem Rücktrittsangebot sichtlich angegriffen. „Ich werde natürlich versuchen, ihn umzustimmen”, erklärte der KSV-Vorsitzende, „aber ich weiß auch, dass man menschlich nur bis zu einem bestimmten Punkt leidensfähig ist.”

Der Mannschaft attestierte er zwar Charakter, weil sie sich hinter den Trainer stellt, monierte aber auch: „Es hilft nichts, wenn man ihm in der Kabine den Rücken stärkt, ihn auf dem Platz aber im Stich lässt.”

Sven Teichmann verteidigte den Coach: „Der Trainer hat nichts damit zu tun, was wir geboten haben. Wir stehen auf dem Platz. Das ist allein unsere Sache.” Nutzen wird aber wohl auch das nichts mehr. Denn trotz der 24-Stunden-Frist erklärte Thomale: „Da wird nichts anderes mehr rauskommen."

Tiefpunkt erreicht

Spielerisch war der KSV zuvor am Tiefpunkt seit dem Oberliga-Aufstieg angelangt. Bei der Niederlage gegen den FSV brachen die Löwen in der zweiten Halbzeit völlig ein. In der Schlussphase hatten die Gastgeber sogar noch Glück, dass sie nicht untergingen, als der FSV reihenweise beste Konterchancen versiebte, wie durch Uyanik, der aus zehn Metern nicht ins leere Tor traf. Die Gastgeber waren zwar kämpferisch bemüht, doch gelingen wollte fast nichts. Eklatant vor allem, mit was für Schnitzern die Frankfurter Tore unterstützt wurden. „Das waren ja fast Selbsttore”, ärgerte sich Thomale.

Beim frühen 0:1 des überragenden Dzihic (9.) unterlief erst Tews einen weiten Pass, dann ließ Torhüter Zeljko den Ball durchrutschen. Bei Anlis 0:2 (30.) wurden weder der Torschütze noch Passgeber Giuliana energisch angegriffen. Und vor Dzihics zweitem Treffer (62.) leistete sich Schönewolf einen katastrophalen Fehlpass, den Giuliana zum Konter nutzte.

Doch auch in der Offensive gelang den Gastgebern kaum etwas. Bezeichnend, dass Torhüter Waworeschek erstmals bei einer verzogenen Rudolph-Flanke richtige Mühe hatte (36.). Kopfbälle von Teichman und Schönewolf kurz vor und kurz nach der Pause waren die besten Chancen. Nach dem dritten Frankfurter Treffer höhnten die fassungslosen KSV-Anhänger angesichts der desolaten Vorstellung ihrer Mannschaft: „Wir sind Kasseler, und ihr nicht.”

Frank Ziemke (HNA-Sportredaktion, 12.09.2004)