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Interview mit Daniel Beyer

Du bist zu Beginn dieser Saison vom KSV Baunatal zum KSV Hessen Kassel gewechselt. Kommst Du aus der Baunataler Jugend?

Daniel Beyer: Ich habe zwei Jahre A-Jugend beim KSV Baunatal gespielt. Vorher war ich von der F- bis zur C-Jugend beim FSC Lohfelden und in der B-Jugend bei Eintracht Baunatal. Ich bin in Lohfelden aufgewachsen und wohne da auch heute noch. In der Jugend habe ich aber fast mehr Tennis als Fußball gespielt, weil mir das damals wichtiger war. Irgendwann habe ich dann beim Tennis gemerkt, dass ich nicht mehr weiterkomme und habe ich mich für den Fußball, bzw. für den Mannschaftssport entschieden. Beim Sprung von Eintracht zum KSV Baunatal hatten wir viermal die Woche Training und da ließ sich beides auch nicht mehr vereinbaren.

In der Jugend warst Du Stürmer. Wieso bist Du später ins rechte Mittelfeld gegangen?

Daniel Beyer: Ich war bis zum ersten Jahr in der A-Jugend Stürmer, habe aber in dieser Zeit kaum noch Tore geschossen und mir zu viele Gedanken gemacht. Irgendwann saß ich dann auf der Bank und habe gedacht, dass ich es so nicht in die erste Mannschaft schaffen könnte. Der Trainer hat mich dann rechtes Mittelfeld spielen lassen und da habe ich sehr viele gute Spiele gemacht. Am Ende der Saison 2000/01 habe ich als A-Jugendlicher die letzten sieben Spiele in der ersten Mannschaft gespielt, wo wir ganz knapp den Aufstieg in die Regionalliga verpasst haben.

Was waren Deine Gründe für den Wechsel nach Kassel?

Daniel Beyer: Ich wollte schon immer für Hessen Kassel spielen! Mein Vater ist Fan des KSV und hat mich als Kind oft mit ins Auestadion genommen. Der damalige KSV-Spieler Klaus Zaczyk war übrigens unser Nachbar und ist seitdem ein guter Freund von uns. Ich habe damals viele gute Spiele gesehen, wie zum Beispiel 1991 das DFB-Pokalspiel gegen Werder Bremen. Nach meinem ersten Jahr in Baunatal hatte ich auch schon ein Angebot vom KSV, damals wollte ich aber noch in Baunatal bleiben, weil ich mir da mehr Chancen ausgerechnet habe zu spielen. Bei Baunatal ist es für einen A-Jugendlichen leichter in die erste Mannschaft zu kommen, als in Kassel. Von daher habe ich es, glaube ich, richtig gemacht.

Auch jetzt hast Du beim KSV keinen Stammplatz. Wie stehst Du dazu?

Daniel Beyer: In meinem ersten Jahr bei den Senioren war ich in Baunatal noch Ergänzungsspieler. Danach die zwei Jahre war ich dann Stammspieler und da bekommt man ein gewisses Selbstvertrauen. Außerdem spiele ich trotz des Wechsels immer noch in der gleichen Liga. Ich muss natürlich auch hier den Trainer überzeugen und mir meinen Platz erkämpfen, denn am Ende setzt sich nur der Beste durch. Darüber mache ich mir aber keine großen Gedanken. Zudem spiele ich auch gerne in anderen Positionen. Gegen Wald-Michelbach habe ich zum Beispiel im linken Mittelfeld gespielt und war da unberechenbar für meinen Gegenspieler. Da ich mit rechts besser schieße, als mit links, konnte ich oft in die Mitte ziehen und hätte auch fast das Tor gemacht. Leider ging der Ball nur an die Latte. Das Pech mit Pfosten- und Lattenschüssen verfolgt mich schon länger, aber ich gebe nicht auf ...

Du bist nicht nur in Kassel geboren, sondern auch von Sternzeichen Löwe. Da konnte nur der KSV Hessen die erste Wahl sein. Glaubst Du an Horoskope?

Daniel Beyer: Ab und zu lese ich mein Horoskop durch. Die Charaktereigenschaften des Löwen passen eigentlich ganz gut zu mir: nie aufgeben und immer um das zu kämpfen, was man haben will. Das ist zumindest mein Lebensmotto.

Wie wichtig ist Dir das Publikum?

Daniel Beyer: Meine besten Spiele mache ich vor vielen Zuschauern. Wenn uns hier viele Fans anfeuern macht es viel mehr Spaß zu spielen, als vor 200 Zuschauern in Baunatal. Das gibt noch mal die letzten Prozente, um die Leistung zu steigern. Ich freue mich auch, dass meine große Schwester Miriam bei jedem Spiel dabei ist. Sie war auch in Baunatal bei jedem Spiel dabei und ist ein großer Fan.

Du hast das Derby diesmal aus der anderen Perspektive mitbekommen. Wie war das?

Daniel Beyer: Bei dem Derby waren wieder die meisten Zuschauer von Hessen Kassel und das war ein großer Vorteil für uns. Vorher war ich schon ein wenig aufgeregt aber nicht mehr während des Spiels. Ich wollte unbedingt gewinnen und das haben wir auch geschafft. Baunatal war sehr stark und hat gerade am Anfang sehr gut dagegen gehalten. Im Spiel ging es hart zur Sache und es gab viele Fouls. Ich habe jedenfalls einiges abbekommen und bei einer Situation dachte ich schon „das wars mit Fußball“, so hart wie mich Turgay Gölbasi am Knie getroffen hat. Zum Glück hat sich nichts verdreht, bzw. gut dass ich genauso durchgezogen habe. Jetzt ist mein Knie ganz schön dick, es ist aber nichts kaputt. In dem Spiel war auch irgendwie typisch für uns, dass wir in unserer Drangphase das Gegentor bekommen haben, nachdem wir viele gute Chancen hatten. In der zweiten Halbzeit hatten wir dann alles im Griff und es ist gut gelaufen.

In den bisherigen vier Spielen sah es so aus, als ob ihr in der Anfangszeit des Spiels zu wenig Druck aufbauen könnt. Wie siehst Du das?

Daniel Beyer: Das stimmt, ich kann mir aber nicht erklären, warum das so ist. Vor dem Spiel sind alle in der Mannschaft sehr heiß und konzentriert und jeder weiß, um was es geht. Ich finde aber, dass die erste Halbzeit gegen Baunatal unsere stärkste bisher war und wir werden bestimmt auch in den nächsten Spielen von Beginn an Druck machen.

Hast Du bei Deinem Wechsel gemerkt, dass in der Kasseler Mannschaft eine andere Mentalität herrscht, als beim KSV Baunatal?

Daniel Beyer: Auf jeden Fall. Beim KSV Hessen Kassel gibt es eine Siegermentalität, die Mannschaft will unbedingt jedes Spiel gewinnen. Das gefällt mir sehr gut. In Baunatal war es viel ruhiger vorm Spiel und es hat der letzte Wille gefehlt. Deshalb haben wir mit Baunatal letzte Saison nicht so gut abgeschnitten. Beim KSV Hessen gibt es vorm Spiel eine Ansprache vom Trainer, von Thorsten Schönewolf und von Zoran. Die heizen uns ein und machen uns deutlich, dass nur durch die Siege alles positiv wird und wir dann in Ruhe arbeiten können. Von daher freuen wir uns, dass wir gegen Baunatal gewonnen haben, damit wir uns jetzt in Ruhe auf das nächste Spiel gegen Aschaffenburg konzentrieren können. Wir konzentrieren uns auch nur noch auf uns und spekulieren nicht über Eschborn, denn über die wurde auch schon vor der Saison genug geredet. Wir müssen unsere Spiele gewinnen, denn wenn wir das nicht tun, brauchen wir nicht auf andere schauen.

Adem Usta musste im Derby einige Lieder von den KSV-Fans über sich ergehen lassen. Hast Du nach dem Spiel mit ihm gesprochen?

Daniel Beyer: Nein, ich kenne ihn nicht persönlich, obwohl er auch aus Lohfelden kommt. Die Gesänge hat man laut auf dem Spielfeld gehört, aber da muss er durch.

Nach dem Derby, was insgesamt Dein 100. Oberligaspiel war, hast Du in Deinen 22. Geburtstag reingefeiert. Was willst Du in Deiner sportlichen Zukunft erreichen?

Daniel Beyer: Wenn ich zu einem neuen Verein komme, will ich sofort Stammspieler werden und so viele Spiele machen, wie möglich. Den Rest lasse ich auf mich zukommen. Mein Spielerberater hätte mir zwar auch einen Verein außerhalb von Kassel vermitteln können, ich will aber hier bleiben, auch weil ich gerade eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann mache und diese auch abschließen will. Mein Ziel mit dem KSV ist natürlich die Regionalliga. Schade, dass es der KSV nicht schon letzte Saison geschafft hat. Ich traue mir auch zu, Regionalliga zu spielen, gerade wenn ich an die Vorbereitungsspiele gegen Arminia Bielefeld und Rot-Weiß Erfurt denke, wo kein großer Unterschied zu sehen war.

Schnelldurchlauf:

Ich bereite mich auf ein Spiel vor, in dem ich ... viel schlafe und mich mental auf das Spiel einstelle.

Wenn ich Zuschauer wäre, würde ich mir das Spiel von der ... Haupttribüne ansehen.

Neben dem KSV bin ich Fan von ... Werder Bremen.

Ich würde nie für ... Energie Cottbus spielen.

Neben dem Fußball beschäftige ich mich mit ... Musik, Internet, meinen Freunden und Frauen.

In Kassel bin ich öfter anzutreffen im ... Auestadion, Kino und in der Innenstadt.

Ich höre am liebsten ... Hip Hop.

Meine Lieblingsfilme sind ... „Gegen jede Regel“ und „Rocky“.

Tim Siebrecht (Hessenlöwe, 14.08.2004)