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Nur der Verstand
sagt Nein
Bleibt er oder geht er? Drei
Spieltage vor dem Saisonende in der Fußball-Oberliga
bewegen die Fans des KSV Hessen Kassel viele
Fragen. Vor allem natürlich, ob es für
die Löwen doch noch reichen kann im Titelrennen
mit Darmstadt.
Im Spiel gegen den SV Erzhausen
(Samstag 15 Uhr, Auestadion) gibt es darauf
die nächste Antwort.
Weiter, ob Regisseur Slawomir
Chalaskiewicz auch in Zukunft den Ton im Mittelfeld
angeben wird. Oder vielleicht zum Konkurrenten
Baunatal wechselt? Wohl nicht! Baunatals Trainer
Bernd Lichte erklärte gestern: „Ich
habe großen Respekt vor Chalaskiewicz
und dem was er leistet. Aber für uns
ist ein Wechsel in dieser Form sicher nicht
machbar.“ Und dann ist da natürlich
die Trainerfrage. Die auch den Betroffenen
selbst bewegt. „Ich kann doch ganz offen
sein“, sagt Hans-Ulrich Thomale, „ich
bin Profi und mache einen Full-Time-Job. Diese
Arbeit kann der KSV eigentlich nicht entsprechend
bezahlen.“
Auch die Garantie, im Falle
des Aufstiegs ein Team zu stellen, das mit
dem Abstieg nichts zu tun habe, könne
niemand geben. Fazit: „Der Verstand
sagt eigentlich nein.“
Trotzdem gibt es Anzeichen,
dass Thomale sich für die Löwen
entscheiden könnte. „Weil es eben
auch die menschliche Seite gibt“, wie
er selbst sagt, „weil es Menschen in
diesem Verein gibt, die mit Herzblut dabei
sind, mache ich es vielleicht doch.“
In der Schlussphase der Saison
gibt es allerdings weiterhin auch Unruhe in
diesem Verein. Und eine neue Perso nalie.
Jurist Dr. Dirk Scharrer, Berater des KSV,
verantwortlich unter anderem für die
Verpflichtung von Chalaskiewicz und das Zustandekommen
zahlreicher Freundschaftsspiele, hat seine
Mitarbeit aufgekündigt. „Die Basis
für eine weitere Zusammenarbeit ist nicht
mehr gegeben“, sagt Scharrer, der keine
Gründe nennen will: „Jetzt ist
nur der sportliche Erfolg wichtig. Es muss
Ruhe einkehren.“ Nach dem letzten Spieltag
könne dann diskutiert werden.
Seinen Rückzug will
er nicht im Zusammenhang mit dem öffentlich
gewordenen Führungsstreit zwischen den
beiden Vorsitzenden Jens Rose und Klaus Hennemann
sehen. Trotzdem wird die Fraktions-Bildung
auch durch die neue Personalie deutlich. Scharrer
hatte die Vorlage für die Umwandlung
der Fußball-Abteilung in eine GmbH erarbeitet,
die von Jens Rose und dem Aufsichtsrat derzeit
eher skeptisch gesehen wird. Der erste Vorsitzende
kommentierte Scharrers Ankündigung betont
gelassen: „Das muss ich hinnehmen. Aber
wir haben mit Christian Franz ja noch einen
Anwalt im Vorstand.“
Trotzdem veranlassen die
Diskussionen rund um Personalien und GmbH
den Verein zu einer unpopulären Maßnahme.
Einige Beiträge wurden gestern aus dem
Forum der KSV-Internet-Homepage genommen.
„Keine Zensur, sondern eine Schutzmaßnahme“,
sagt Manager Jörg Schmidt. Sein Vorwurf:
Das Internet werde genutzt, um anonym Politik
zu betreiben. „Das kann zu Lasten der
Mannschaft gehen und unser sportliches Ziel
gefährden“, sagt Schmidt und erklärt:
„Nach Saisonende werden wir uns jeder
Kritik stellen. Auch wieder im Forum.“
(Frank Ziemke/HNA-Sportredaktion,
20.05.2004)
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