|
Thomale
wird neuer Trainer des KSV Hessen
Am 20.02.2004 um 15 Uhr wird
er offiziell vorgestellt: Hans-Ulrich Thomale
heißt der neue Trainer des Fußball-Oberligisten
KSV Hessen Kassel.
Das bestätigte der Vorsitzende
Jens Rose am 19.02.2004 gegenüber der
HNA. Thomale ist in Kassel bestens bekannt.
Der 59-Jährige trainierte
die Löwen bereits von 1990 bis 92, lebt
seit Jahren in Kassel. Zuletzt war er unter
anderem in Graz und Erfurt tätig. "Er
passt menschlich und finanziell zu uns",
erklärte Rose.
Auch für das Team könnte
es einen Neuzugang geben. Ex-Profi Matthias
Jack (Edingburgh) wird nächste Woche
zum Training erwartet.
(FRZ/HNA-Sportredaktion,
20.02.2004)
Die Löwen auch
als Herzenssache
Der Mann ist in seinem Element.
Das ist schon nach wenigen Minuten zu spüren.
Bei seinem ersten Auftritt als neuer Trainer
des Oberligisten KSV Hessen Kassel im VIP-Raum
des Auestadions hat Hans-Ulrich Thomale seine
Zuhörer schnell überzeugt.
Fußball-Philosophie,
lockere Sprüche, sachliche Kommentare
- die Vorstellung des Rückkehrers, der
schon von 1990 bis 92 bei den Löwen war,
gerät zum Vortrag über den Fußball
im Allgemeinen und beim KSV im Speziellen.
Der Mann weiß, wovon
er spricht. Ich bin über 30 Jahre im
Geschäft, sagt er. 1988 stand er mit
Lok Leipzig im Finale des Europapokals der
Pokalsieger. Er war in Plauen, Uerdingen,
Homburg. Kurz sogar in China. In Graz, wo
er Mitte der 90er trainierte, wurde er zum
Trainer des Jahrhunderts gewählt. "Das
bringt mir jetzt 5000 Euro Rente", witzelt
Thomale.
Und es gab die Zeit beim
KSV. Mit dem er 1991 Oberliga-Meister wurde
und es 1992 bis ins Pokalviertelfinale schaffte.
25000 waren damals gegen Werder Bremen im
Aue-stadion. "Das haben wir in schwierigen
Zeiten für Furore gesorgt", erinnert
sich Thomale. Sein Spielführer damals,
so will es der Zufall, hieß Thomas Freudenstein.
Der Mann, dem er nun nachfolgt. "Was
hier passiert ist, tut mir sehr Leid für
ihn", sagt der Neue. Und hat es dabei
nicht belassen. Hat mit seinem Vorgänger
telefoniert, wird sich heute zum Erfahrungsaustausch
mit ihm treffen. Ihm ein Angebot zur Zusammenarbeit
unterbreiten. Einen Ratschlag geben: "Du
musst als Trainer mit Prügel rechnen.
Wenn du das nicht aushältst, bist du
im falschen Job."
Bewerten wird Thomale die
Vorgänge, die zum Bruch zwischen Mannschaft
und Freudenstein führten, nicht. Es ist
auch nicht mehr die Zeit dafür. Die Meisterschaft
beginnt bald. Morgen ist ein wichtiges Pokalspiel.
Die Spieler haben ohnehin ein Schuldgefühl.
"Meine Aufgabe ist es
jetzt, das in die richtige Richtung zu lenken."
Für ihn, den alten Hasen im Geschäft,
ist das nichts Neues. Ebenso wenig wie der
KSV. In Kassel lebt er seit 14 Jahren. "Ich
fühle mich als Bürger dieser Stadt",
sagt er. Die Verpflichtung bei den Löwen,
die vorerst bis zum Saisonende gilt, ist so
auch Herzenssache, "denn ich habe keine
existenzielle Not. Ich habe mir etwas aufgebaut.
Aber ich fühle mich noch jung genug,
mich hier einzubringen. Deshalb habe ich finanziell
auch keine extremen Forderungen."
Bei der Festlegung der sportlichen
Zielsetzung spüren die Zuhörer den
Profi. Natürlich sei Platz eins das große
Ziel. Aber? "Aber wir lassen uns nicht
jede Woche an der Zielsetzung messen. Wir
rechnen am Ende ab. Wenn wir Zweiter sind,
obwohl alle alles gegeben haben, können
wir uns auch in die Augen sehen." Er
hat einige KSV-Spiele gesehen in dieser Saison.
Er weiß um die Stärken, aber auch
um die Schwächen. "Wir haben ein
Überangebot an Mittelfeldspielern. Aber
einen Mangel in Abwehr und Angriff."
Trotzdem heißt es für
Thomale: "Wir streben nach dem Besten."
Und vielleicht kann er so den Wunsch erfüllen,
den Jens Rose, Vorsitzender des Tabellenzweiten,
bei der Vorstellung des neuen Trainers äußerte:
"Am Ende um einen Platz verbessern!"
KOMMENTAR
Eine gute Wahl
Frank Ziemke über den
neuen KSV-Trainer.
Es war keine leichte Situation,
die Jens Rose in dieser Woche zu bewältigen
hatte. Die Rückrunde vor Augen, keinen
Trainer mehr, dafür eine rebellische
Mannschaft. Aus dieser Nummer ist der KSV-Vorsitzende
ordentlich herausgekommen. Hans-Ulrich Thomale
ist eine gute Wahl. Gerade in der derzeitigen
Situation bei den Löwen. Er (Frank Ziemke/HNA-Sportredaktion,
21.02.2003)verfügt nach zahlreichen Trainer-Stationen
über die nötige Erfahrung. Er kennt
Kassel und als häufiger Gast im Auestadion
Mannschaft und Liga. Und ganz wichtig: Thomale
hat die nötige Autorität, sich durchzusetzen
und ähnliche Erfolge zu feiern wie bei
seinem ersten KSV-Amt vor zwölf Jahren.
Erleichtert wird seine Rückkehr, weil
er sich auf eines verlassen kann: Die Mannschaft
wird mitziehen. Ihr bleibt gar nichts anderes
übrig.
(Frank Ziemke/HNA-Sportredaktion,
21.02.2003) |