Löwen wollen
wieder angreifen
Wer ersetzt Andreas
Mayer? Vizemeister bei der Premiere. Und
was nun?
Mit einer kräftig umgekrempelten
Mannschaft geht der KSV Hessen Kassel
ins zweite Oberliga-Jahr. Neun neue Akteure
kamen, zehn gingen. Besonders schmerzhaft:
der Verlust von Andreas Mayer. Der Mittelfeldregisseur
und Publikumsliebling wechselte zum FC
St. Pauli. Doch auch ohne Mayer wollen
die Löwen wieder oben mitspielen.
Kader: Die Zusammenstellung gestaltete
sich zunächst schwierig. Talente
wie Nebe und Lichte gaben dem KSV einen
Korb, Mayer konnte nicht gehalten werden.
Doch die KSV-Macher wurden anderswo fündig.In
Bochum etwa, wo sie den früheren
KSV-Jugendspieler Christoph Keim vom VfL
zurückholten. Aus Baunatal kam Defensivmann
Artur Tews.
Stürmer Adem Usta entschied sich
nach langem Hin- und Her ebenfalls für
das Auestadion. Rudolf (Babelsberg), Busch
(Gotha), Warnecke und Sandiford (VfL Kassel)
sind weitere hoffnungsvolle junge Spieler.
Geführt werden sollen sie von zwei
Ex-Profis: Slawomir Chalaskiewicz (Babelsberg)
und Rudi Istenic (Braunschweig). Neben
Mayer sind für Trainer Thomas Freudenstein
vor allem die Abgänge von Breitenreiter,
Mason und Stock schmerzhaft. Stärken:
Das große Plus: Freudensteins Alternativen
sind gewachsen. Fast alle Positionen sind
doppelt besetzt. Vor allem die Hintermannschaft
dürfte zum Besten gehören, was
die Liga zu bieten hat. Zu dem bewährten
Quartett um Torhüter Zeljko, Libero
Schönewolf und die Manndecker Krause/Radler
kommt mit Keim ein junger, aber ungeheuer
robuster, kopfballstarker und zuverlässiger
Spieler.
Auch Tews und Busch haben sich in der
Vorbereitung als echte Alternativen erwiesen.
Das Sturmduo Cesar und Bauer hat bereits
in der Schlussphase der letzten Saison
gezeigt, dass es immer besser harmoniert.
Schwächen: Mayer, der Spielgestalter,
wird nicht zu ersetzen sein. Chalaskiewicz
kann mit seiner Lauffreude und seinen
Pässen Lücken schließen
- aber wohl nicht alle. Istenic muss Trainingsrückstand
aufholen, Steffen und Rudolf sich auf
den Flügeln verbessern. Wie der Spielaufbau
im neuen Kollektiv klappt - diese Frage
ist noch nicht beantwortet.
Ebenso die, ob die wichtige Position
im defensiven zentralen Mittelfeld effektiv
ausgefüllt wird. Mason war hier ein
wichtiger Mann. Fazit: Trotz einiger Fragezeichen:
Der KSV ist gerüstet. Die Mannschaft
ist stark besetzt, verfügt über
viele Alternativen. Die Löwen werden
wieder ganz oben mitspielen. Und warum
nicht wieder um den Titel?
(Frank Ziemke / HNA-Sportredaktion,
31.07.2003)
Mittelfeld aus zwei Ketten
Dreierkette, Viererkette. Zwei Stürmer.
Drei Stürmer. Keine Frage: die taktischen
Möglichkeiten für Thomas Freudenstein
sind in der neuen Saison gestiegen.
Für den KSV-Trainer steht aber fest:
,,Wir werden meist mit Dreierkette spielen.
Und sicher nicht mit drei Angreifern,
weil wir keine echten Flügelstürmer
haben." Dieses Duo dürfte zu
Beginn wie im Vorjahr Bauer/Cesar heißen.
Mit dem quirligen Usta als Strafraumspieler
und dem schnellen Sandiford für Konter
kann Freudenstein aber auf alle Spielsituationen
reagieren.
In der Abwehr wird Schönewolf nicht
mehr klassischen Libero spielen, sondern
mit den beiden anderen Verteidigern auf
einer Linie spielen. ,,Die meisten Gegner
spielen mit zwei Angreifern. Da ist mir
der eine Mann wichtiger im Mittelfeld"
- so begründet der Löwen-Coach
seinen überwiegenden Verzicht auf
die populäre Viererkette.
Für Freudenstein spielt die Frage
des Systems ohnehin eine untergeordnete
Rolle. Wichtiger: das taktische Verhalten
jedes Spielers muss stimmen. Auch beim
KSV heißen die Zauberworte hier
,,ballorientiert" und ,,verschieben".
Vereinfacht gesagt meint das: Immer dort
eine personelle Überzahl schaffen,
wo der Gegner den Ball hat. Alle Spieler
in den einzelnen Mannschaftsteilen müssen
so ihre Position Richtung Ball ,,verschieben".
Manndeckung gibt es dabei nicht mehr.
Das KSV-Mittelfeld ist eigentlich keine
Fünfer-Reihe mehr, sondern besteht
aus zwei Ketten. Der Drei-Block, gebildet
etwa von Steffen, Istenic und Rudolph,
muss mehr für die Defensiv tun, Chalaskiewicz
und Owusu bilden das Offensiv-Duo hinter
den Spitzen. Viel Laufarbeit kommt bei
dieser Taktik auf die beiden Außenspieler
zu: sie müssen ihre Aufgaben sowohl
in der Defensive als auch in der Offensive
erfüllen.
(Frank Ziemke / HNA-Sportredaktion,
31.07.2003)